2020
DAS JAHR
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ENGEL DER GESCHICHTE
ERRUNGENSCHAFTEN IN DER ACHSENZEIT (nach Karl Jaspers, die Zeitspanne von ca. 800 bis 200 v. Chr.) PERSPEKTIVENERWEITERUNG - ZUNEHMENDE REFLEKTIVITÄT - WACHSENDES KONTINGENZBEWUSSTSEIN Revolution der Weltbilder Auswirkungen in den Lebenswelten 1. Kulturebene (Transzendenzbezug - Einheit - Ich zu „Gott“ - Dualität - Ich zur Welt) Nachdenken über die „Stellung des Menschen im Ganzen des Seienden und ein neues historisches Bewusstsein von der Kontingenz alles innerweltlichen Geschehens“. 2. Gesellschaftsebene (Wir zur Welt - Wie sollen die sozialen Beziehungen gestaltet werden?) Nachenken über „einerseits allgemeine, alle Gläubigen gleichermaßen bindende Normen und andererseits historisch mögliche Alternativen zur jeweils bestehenden politischen Ordnung“ 3. Persönlichkeitsebene (Ich zum Du - Ich zur Welt - Ich zu Gott) Nachdenken über mich selbst, „sodass einerseits Freiheit und persönliche Verantwortung, andererseits das heilsgeschichtliche Interesse am Gelingen eigenen Lebens zu Bewusstsein kommen“ . Sind mit der Revolution der Weltbilder in der Achsenzeit „bereits die Weichen für jene okzidentalen Rationalisierungsprozesse gestellt [worden], die zur kulturellen und gesellschaftlichen Moderne und zum nachmetaphysischen Selbstverständnis dieser westlichen Moderne geführt haben“? Einereseits: „Aus der okzidentalen Doppelgestalt eines hellenisierten Christentums jüdischen Ursprungs und einer theologisch verwahrten Metaphysik griechischen Ursprungs haben sich die moderne Wissenschaft und Philosophie, positives Recht und Vernunftmoral, autonome Kunst und Kunstkritik als jeweils eigene und eigensinnige kulturelle Wertsphären herausgebildet Andererseits: „Religiöse Glaubensgemeinschaften und die theologischen Interpretationen des gelebten Glaubens [bewahren] einen Kern, der von diesen rationalisierungsflihigen säkularen Gehalten der westlichen Kultur bisher nicht aufgesogen worden ist.“ „In der Moderne haben die Kirchen nicht nur alle weltlichen Funktionen, die über die Verwaltung der Heilsgüter und ihre geistlichen Aufträge wie Bibelverkündigung und Seelsorge hinausgehen, verloren. „Auch in der religiösen Erfahrung selbst scheint sich der sakrale Komplex aus Lehre und Kultus im Zuge der Verinnerlichung des Glaubens spezifiziert zu haben. Der religiöse Erfahrungsbereich des Umgangs mit dem Sakralen hat . . . den Bereich des Ästhetischen aus sich entlassen - die Kunst ist autonom geworden.“ „Die Theologie [hat] das empirische Wissen der institutionalisierten Wissenschaft und das praktische Wissen in Gestalt der säkularen Gesellschaftsmoral und des Vernunftrechts der Philosophie überlassen.“ „Die religiöse Ethik hatte im Hinblick auf das Heilsversprechen und auf eine »rettende« Gerechtigkeit immer schon mehr und anderes im Auge als die in der aristotelischen Tradition fortgeführte Reflexion auf das »gute Leben« und das in der kantischen Ethik vom Guten abgelöste »abstrakt Gerechte«.“ „Diese sachliche Spezifizierung der Glaubensdimension kommt einer reflektierten und mit der Aufklärung kompatiblen Form des Glaubens entgegen, ohne dadurch ihr Proprium [das Eigene] verlieren zu müssen.“ Worin besteht dieses exklusiv Eigene der Religion? „Offensichtlich nicht in dem kognitiven Bezug zum Ganzen der Welt und des Menschen, dem religiöse Weltbilder ihre lebensorientierende Kraft verdanken. Denn auch in der Gestalt nachmetaphysischen Denkens erfüllt die Philosophie . . . nach wie vor eine ähnliche Funktion der Selbstverständigung.“ Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie. Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen; S. 188 ff.
NOTIZEN ZU HABERMAS
Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit. EPIKUR
Religion besteht wesentlich aus Praktiken, die die eigene Zeit in ein Kontinuum mit der Ewigkeit legen. NAVID KERMANI in „DIE ZEIT“ Nr. 4/2020 Seite: 48
„Das Ende des Lebens der Menschheit, aller Tier und Pflanzen steht heute als reale Möglichkeit vor Augen, weil der Mensch die Macht gewonnen hat, dieses Ende selber herbei- zuführen.“ KARL JASPERS - Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung (1962) - S. 293
1962 bereits sehr eindeutig erkannt!
2020
DAS JAHR
JANUAR
WEIHNACHTSGESTALTEN
Pia von Quedlinburg - Gedenktag 6. Januar * um 1030 † 6. Januar um 1095 im Kloster Huysburg bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt Bia wurde von ihren Eltern im Alter von fünf Jahren den Benediktinerinnen des Marienklosters in Quedlinburg zur Erziehung übergeben, wo sie dann als Pia Nonne wurde und zur Beraterin des Bischofs aufstieg. Nach größerer Vollkommenheit strebend, ließ sie sich als Inklusin neben der Marienkirche auf der Huysburg einschließen. Die Zellen der Inklusinnen standen im Garten der heutigen Klosteranlage auf der Huysburg, ihr Oratorium war die Marienkapelle der heutigen Kirche.
Wer das Morgen ganz in die Hand Gottes legt und heute ganz empfängt, was er zum Leben braucht, der allein ist wahrhaft gesichert. DIETRICH BONHOEFFER
EINGEKLEMMTE HOFFNUNG
Platonismus Weltdeutung: Kosmozentrisch Zeitenthobene Ewigkeit des in sich ruhenden Kosmos und ein wohlgeordenetes Ideenreich Ewiger Nomos der Welt, dem die Erscheinungen von Natur und Menschenwelt unterworfen sind Ethos einer Glückseligkeit, die durch kontemplative Teilhabe am höchsten Gut erstrebt wird
NOTIZEN ZU HABERMAS
Christentum Weltdeutung: Monotheistisch Absolute Anfang der aus dem Nichts geschaffenen Welt Gebote eines unsichtbaren, weltenthobenen Gottes, dessen Verheißungen durch die Dimension der Weltgeschichte, das heißt des gegenwärtigen Weltalters, hindurchgreifen Eschatologsche Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben unter den Augen Gottes
Wege, die vom Platonismus zum Christentum führten „Viele der bedeutendsten Kirchenväter haben die kontemplative Erfahrung der Ideenschau als Brücke zu einer intellektualistischen Angleichung der metanoia, der Verwandlung durch den Glauben, an die platonische noesis genutzt.“ Gregor von Nyssa beschreibt den Charakter des Bekehrungserlebnisses: »Wie ein Funke, der mitten in mein Herz gefahren war, entbrannte und entflammte meine Liebe zu dem heiligen, zu diesem liebenswürdigsten Logos selbst, der mit seiner unaussprechlichen Schönheit alle aufs unwiderstehlichste an sich zieht, und zugleich meine Liebe zu diesem Mann, dem Freund und Herold des Logos.« „In diesem Satz sind die einschlägigen platonischen Topoi des Wahren, Schönen und Guten und des erotischen Verlangens nach der noetischen [Denken und Erkennen geistiger Gegenstände] Erfassung der höchsten Idee versammelt: der Funke der Erleuchtung, die unaussprechliche Schönheit und die Liebe sowohl zum Logos und zum philosophischen Lehrer in persona. Hier führt der Weg zu Gott nicht erst über das Evangelium, die geoffenbarte Botschaft, sondern unmittelbar über die gnosis.
Winter ade, scheiden tut weh, aber dein Scheiden kracht, weil wir dich umgebracht!
Vor 36 Jahren 18. Januar 1984 Vater gestorben zuhause bei seiner Leni am Küchentisch das Herz versagte Heuer würde er 110 Jahre