2020
DAS JAHR
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ENGEL DER GESCHICHTE
ERRUNGENSCHAFTEN IN DER ACHSENZEIT (nach Karl Jaspers, die Zeitspanne von ca. 800 bis 200 v. Chr.) PERSPEKTIVENERWEITERUNG - ZUNEHMENDE REFLEKTIVITÄT - WACHSENDES KONTINGENZBEWUSSTSEIN Revolution der Weltbilder Auswirkungen in den Lebenswelten 1. Kulturebene (Transzendenzbezug - Einheit - Ich zu „Gott“ - Dualität - Ich zur Welt) Nachdenken über die „Stellung des Menschen im Ganzen des Seienden und ein neues historisches Bewusstsein von der Kontingenz alles innerweltlichen Geschehens“. 2. Gesellschaftsebene (Wir zur Welt - Wie sollen die sozialen Beziehungen gestaltet werden?) Nachenken über „einerseits allgemeine, alle Gläubigen gleichermaßen bindende Normen und andererseits historisch mögliche Alternativen zur jeweils bestehenden politischen Ordnung“ 3. Persönlichkeitsebene (Ich zum Du - Ich zur Welt - Ich zu Gott) Nachdenken über mich selbst, „sodass einerseits Freiheit und persönliche Verantwortung, andererseits das heilsgeschichtliche Interesse am Gelingen eigenen Lebens zu Bewusstsein kommen“ . Sind mit der Revolution der Weltbilder in der Achsenzeit „bereits die Weichen für jene okzidentalen Rationalisierungsprozesse gestellt [worden], die zur kulturellen und gesellschaftlichen Moderne und zum nachmetaphysischen Selbstverständnis dieser westlichen Moderne geführt haben“? Einereseits: „Aus der okzidentalen Doppelgestalt eines hellenisierten Christentums jüdischen Ursprungs und einer theologisch verwahrten Metaphysik griechischen Ursprungs haben sich die moderne Wissenschaft und Philosophie, positives Recht und Vernunftmoral, autonome Kunst und Kunstkritik als jeweils eigene und eigensinnige kulturelle Wertsphären herausgebildet Andererseits: „Religiöse Glaubensgemeinschaften und die theologischen Interpretationen des gelebten Glaubens [bewahren] einen Kern, der von diesen rationalisierungsflihigen säkularen Gehalten der westlichen Kultur bisher nicht aufgesogen worden ist.“ „In der Moderne haben die Kirchen nicht nur alle weltlichen Funktionen, die über die Verwaltung der Heilsgüter und ihre geistlichen Aufträge wie Bibelverkündigung und Seelsorge hinausgehen, verloren. „Auch in der religiösen Erfahrung selbst scheint sich der sakrale Komplex aus Lehre und Kultus im Zuge der Verinnerlichung des Glaubens spezifiziert zu haben. Der religiöse Erfahrungsbereich des Umgangs mit dem Sakralen hat . . . den Bereich des Ästhetischen aus sich entlassen - die Kunst ist autonom geworden.“ „Die Theologie [hat] das empirische Wissen der institutionalisierten Wissenschaft und das praktische Wissen in Gestalt der säkularen Gesellschaftsmoral und des Vernunftrechts der Philosophie überlassen.“ „Die religiöse Ethik hatte im Hinblick auf das Heilsversprechen und auf eine »rettende« Gerechtigkeit immer schon mehr und anderes im Auge als die in der aristotelischen Tradition fortgeführte Reflexion auf das »gute Leben« und das in der kantischen Ethik vom Guten abgelöste »abstrakt Gerechte«.“ „Diese sachliche Spezifizierung der Glaubensdimension kommt einer reflektierten und mit der Aufklärung kompatiblen Form des Glaubens entgegen, ohne dadurch ihr Proprium [das Eigene] verlieren zu müssen.“ Worin besteht dieses exklusiv Eigene der Religion? „Offensichtlich nicht in dem kognitiven Bezug zum Ganzen der Welt und des Menschen, dem religiöse Weltbilder ihre lebensorientierende Kraft verdanken. Denn auch in der Gestalt nachmetaphysischen Denkens erfüllt die Philosophie . . . nach wie vor eine ähnliche Funktion der Selbstverständigung.“ Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie. Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen; S. 188 ff.
NOTIZEN ZU HABERMAS
Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist die Freiheit. EPIKUR
Religion besteht wesentlich aus Praktiken, die die eigene Zeit in ein Kontinuum mit der Ewigkeit legen. NAVID KERMANI in „DIE ZEIT“ Nr. 4/2020 Seite: 48
„Das Ende des Lebens der Menschheit, aller Tier und Pflanzen steht heute als reale Möglichkeit vor Augen, weil der Mensch die Macht gewonnen hat, dieses Ende selber herbei- zuführen.“ KARL JASPERS - Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung (1962) - S. 293
1962 bereits sehr eindeutig erkannt!
FREYRAUM
HABERMAS‘ GESCHICHTE IST, WIE DAS ERKLIMMEN EINES HOHEN GEBIRGES OHNE OBEN ABZUHEBEN.
2020
DAS JAHR
JANUAR
WEIHNACHTSGESTALTEN
Pia von Quedlinburg - Gedenktag 6. Januar * um 1030 † 6. Januar um 1095 im Kloster Huysburg bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt Bia wurde von ihren Eltern im Alter von fünf Jahren den Benediktinerinnen des Marienklosters in Quedlinburg zur Erziehung übergeben, wo sie dann als Pia Nonne wurde und zur Beraterin des Bischofs aufstieg. Nach größerer Vollkommenheit strebend, ließ sie sich als Inklusin neben der Marienkirche auf der Huysburg einschließen. Die Zellen der Inklusinnen standen im Garten der heutigen Klosteranlage auf der Huysburg, ihr Oratorium war die Marienkapelle der heutigen Kirche.
Wer das Morgen ganz in die Hand Gottes legt und heute ganz empfängt, was er zum Leben braucht, der allein ist wahrhaft gesichert. DIETRICH BONHOEFFER
EINGEKLEMMTE HOFFNUNG
Platonismus Weltdeutung: Kosmozentrisch Zeitenthobene Ewigkeit des in sich ruhenden Kosmos und ein wohlgeordenetes Ideenreich Ewiger Nomos der Welt, dem die Erscheinungen von Natur und Menschenwelt unterworfen sind Ethos einer Glückseligkeit, die durch kontemplative Teilhabe am höchsten Gut erstrebt wird
NOTIZEN ZU HABERMAS
Christentum Weltdeutung: Monotheistisch Absolute Anfang der aus dem Nichts geschaffenen Welt Gebote eines unsichtbaren, weltenthobenen Gottes, dessen Verheißungen durch die Dimension der Weltgeschichte, das heißt des gegenwärtigen Weltalters, hindurchgreifen Eschatologsche Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben unter den Augen Gottes
Wege, die vom Platonismus zum Christentum führten „Viele der bedeutendsten Kirchenväter haben die kontemplative Erfahrung der Ideenschau als Brücke zu einer intellektualistischen Angleichung der metanoia, der Verwandlung durch den Glauben, an die platonische noesis genutzt.“ Gregor von Nyssa beschreibt den Charakter des Bekehrungserlebnisses: »Wie ein Funke, der mitten in mein Herz gefahren war, entbrannte und entflammte meine Liebe zu dem heiligen, zu diesem liebenswürdigsten Logos selbst, der mit seiner unaussprechlichen Schönheit alle aufs unwiderstehlichste an sich zieht, und zugleich meine Liebe zu diesem Mann, dem Freund und Herold des Logos.« „In diesem Satz sind die einschlägigen platonischen Topoi des Wahren, Schönen und Guten und des erotischen Verlangens nach der noetischen [Denken und Erkennen geistiger Gegenstände] Erfassung der höchsten Idee versammelt: der Funke der Erleuchtung, die unaussprechliche Schönheit und die Liebe sowohl zum Logos und zum philosophischen Lehrer in persona. Hier führt der Weg zu Gott nicht erst über das Evangelium, die geoffenbarte Botschaft, sondern unmittelbar über die gnosis.
AM RANDE DES UNERMESSLCHEN, INS ZENTRUM DES UNVERFÜGBAREN DAS LEBEN IST KURZ, ABER DOCH VON UNENDLICHEM WERT; DENN ES BIRGT DEN KEIM DER EWIGKEIT IN SICH. FRANZ VON SALES TOD NICHT ICH GEHE ZU GOTT, GOTT KOMMT ZU MIR. ICH WERDE GEWAHR, WIE ER IMMER SCHON BEI MIR WAR.
Winter ade, scheiden tut weh, aber dein Scheiden kracht, weil wir dich umgebracht!
Vor 36 Jahren 18. Januar 1984 Vater gestorben zuhause bei seiner Leni am Küchentisch das Herz versagte Heuer würde er 110 Jahre
 
 
Der Philosoph kann unmöglich dem Theologen und den Kirchen sagen, wie sie es machen sollen. Der Philosoph kann nur hoffen, mitzuarbeiten an den Voraussetzungen. Er möchte helfen, den Boden zu bereiten und den Raum der geistigen Situation fühlbar zu machen, in dem wachsen muß, was er nicht schaffen kann.: . . . Der Philosoph gerät hier nur in Fragen, auf die er die Antwort nicht finden kann, während er doch weiß, daß die Zukunft die Antwort gewiß geben wird. Solche Fragen sind: Was kann an Dogmen fallen, weil sie dem modernen Menschen in der Tat fremd geworden und ohne Glaubhaftigkeit sind? Mag man vom Fallenlassen der Dogmen zunächst noch schweigen, so muß doch der Denkende fragen: welche Dogmen sind es, die sogar von den Bekennenden durchweg nicht mehr geglaubt werden? Wo ist der feste religiöse Boden, der bleibt? Gibt es ein Absurdes, das als Glaubensinhalt auch heute tragbar oder gar erfordert ist? Man könnte meinen, daß die Fähigkeit gerade zu gröbsten Absurditäten im modernen Menschen sogar wunderlich gesteigert ist. Er verfällt so leicht dem Aberglauben. Wo Aberglaube ist, kann aber nur Glaube Siegen,nicht Wissenschaft. Welche Absurdität kann heute noch unumgängliches Signum eines echten Glaubensinhalts sein? Wenn eine Verwandlung aller Dogmen vollzogen wird, wer schafft sie? Gibt es heute noch in den Volksmassen ein Schwergewicht durch kirchliche Gebräuche als Ausdruck unbedingten Glaubens? Oder müssen die Volksmassen in ihrer Fähigkeit zur Hingabe bis zum Märtyrertum neu entzündet werden durch Gehalte aus einer neuen, wirklich restlosen Wahrhaftigkeit? . . . Wieder werden wir uns bewußt, mit all solchen Fragen nicht das zu treffen, worauf es eigentlich ankommt. Es ist das dem Philosophen unzugängliche Religiöse selber, das vorgegeben schon da sein muß. Es kann nicht geplant, nicht von außen angeschaut werden. Die Bedeutung des Kultus, der Riten, der Feste, der dogmatischen Vergewisserung, der Priester wird bei philosophischer Erörterung gewichtslos. Ist das ein entscheidender Gegeneinwand gegen alle Philosophie? Ist die Idee philosophischen Glaubens heute wie zu allen bisherigen Zeiten eine blutleere Illusion? Man sagt es uns. Ich glaube es nicht. . . . Philosophie hat den Antrieb zur ständigen Erweiterung ihres Horizontes. Sie geht mit ihrem Blick von der bestimmten Bekenntnisreligion zur umfassenderen biblischen Religion, von dieser zur Wahrheit in allen Religionen. Damit geht ihr aber gerade das verloren, was wirkliche Religion auszeichnet. Während Philosophie meint, durch Ausweitung zum Universalen in die Tiefe der Religion zu dringen, verliert sie die Leibhaftigkeit der Religionen. Während sie sieht, daß diese Leibhaftigkeit des gemeinschaftlich in bestimmter Überlieferung vollzogenen Glaubens die notwendige Gestalt der Religion ist, ist sie selber ihr fern, weil sie das nicht vollziehen, ja nicht eigentlich begreifen kann, was sie sieht. . . . Philosophie setzt sich ein für die biblische Religion: Philosophie im Abendlande kann sich dem Tatbestand nicht verschließen, daß noch keiner der großen Philosophen ihres Bereichs bis Nietzsche einschließlich ohne gründliche Kenntnis der Bibel philosophiert hat. Dieser Tatbestand ist nicht zufällig. Erstens: Philosophie kann nicht leisten, was Religion dem Menschen gibt. Daher läßt sie zum mindesten den Raum für Religion frei. Sie zwingt sich nicht als alleinige und ganze Wahrheit für jedermann auf. Zweitens: Philosophie kann sich auf die Dauer schwerlich in der Welt halten, wenn die menschliche Gemeinschaft nicht religiös lebt. Denn die philosophischen Gehalte leben im Volke durch religiösen Glauben. Die philosophische Mitteilung im Denken hat keine bezwingende Macht, sondern klärt nur im einzelnen Menschen, was aus diesem selbst entgegenkommt. Philosophie würde in immer seltener werdenden Einzelnen sich zerstreuen und schließlich verschwinden, wenn die Menschengemeinschaft nicht lebt aus dem, was auch im philosophischen Glauben hell wird. Philosophie kann die soziologisch wirksame Überlieferung der dem Menschen unerläßlichen Gehalte nicht verwirklichen, welche allein in der religiösen Überlieferung von früher Kindheit an stattfindet und mit dieser auch die Philosophie trägt. Drittens: Die Gehalte der Bibel sind für uns durch kein anderes Buch ersetzbar. Philosophie überschreitet die biblische Religion: Der Verkehr der Menschen, der alles, was auf der Erde hervorgebracht wurde, in Berührung gebracht hat und zu immer ernsthafterer gegenseitiger Mitteilung drängt, hat neben der Bibel zwei andere große Kreise der Religion für uns sichtbar werden lassen: Indien mit den Upanischaden und dem Buddhismus, China mit Konfucius, Laotse. Dem nachdenklichen Menschen, der seine Seele öffnet, kann die Tiefe der von dort sprechenden Wahrheit nicht verschlossen bleiben, wo immer sie spricht. Die Seele will sich ins Grenzenlose erweitern. Hier nun liegt ein Irrweg nahe. Aufklärung versuchte, die wahre Religion dadurch zu finden, daß aus allen Religionen das Beste gesammelt wurde. Das Ergebnis ist aber nicht die eigentliche Wahrheit, gereinigt von historisch Zufälligem, sondern eine Sammlung durch Aufklärung verwässerter Abstraktionen. Die Quelle dieses universalen Glaubens wurde in der Tat nur ein kritisch messender Verstand. Der Gehalt ging verloren. Das Ergreifende verschwand. Triviale Allgemeinheften blieben übrig. Da aller Glaube geschichtlich ist, liegt seine Wahrheit nicht in einer Summe von Glaubenssätzen, sondern in einem Ursprung, der sich in mannigfachen Gestalten geschichtlich zur Erscheinung bringt. Die vielen Religionen führen zwar zur einen Wahrheit, aber diese ist nicht geradezu erreichbar, sondern immer nur auf den Wegen, die wirklich gegangen werden und nicht alle zugleich und gleicherweise gegangen werden können. Daher kann rationale Kritik dieses Wahre nicht ergreifen. Vielmehr muß der Mensch im Zusammenhang seines eigenen Schicksals mit dem Angesprochenwerden aus der Überlieferung die Wahrheit sich offenbar werden lassen, d. h. sie aneignen. Das kann beim Hören aus der Tiefe des Vergangenen nur geschehen im Sichgeschenktwerden durch inneres Handeln. . . . Die Kirchen sehen die Notwendigkeit der Massenführung, die Notwendigkeit der gültigen Bilder der, Wirklichkeit, der Handgreiflichkeit in der Welt, die Notwendigkeit der geordneten Überlieferung. Ihr Anspruch auf umfassende Wahrheit verlangt Kontrolle des Tuns der Einzelnen und Lenkung ihrer öffentlichen Wirksamkeit. Als allumfassende Autorität des Wahren vermögen sie ihrer Idee nach alles Wahre aufzunehmen, allen Gegensätzen in sich Raum zu geben, überall die Synthese zu finden. Was kein Einzelner, da er endlich, besonders und einseitig ist, vermag, vermag die Kirche in ihrer Totalität. Dagegen aber stellt sich immer wieder der Einzelne. Er muß in solchem Totalitätsanspruch, da er doch stets von Menschen erhoben wird, und keineswegs die wahre Totalität verwirklicht, im Grunde eine Täuschung sehen. Trotz Anerkennung einer wahren Absicht in diesem Anspruch kann die faktische Autorität des Ganzen für ihn nicht die ganze Wahrheit sein. Er seinerseits aber als Einzelner kann diese Wahrheit wiederum auch nicht verwirklichen. Wenn er sich in seinem geistigen Tun auf sich selber stellt, so will er daher jene Totalität als Wirklichkeit des Anspruchs in der Welt, als unersetzliche Gestaltung von Überlieferung und Erziehung, als Ordnungsform nicht beseitigen. Doch er will ihr verwehren, daß sie erstarre und ausschließlich werde. Daher sucht er auf eigene Gefahr das Umfassendere im Durchbruch durch die Totalität einer in der Welt wirklich gewordenen Autorität. Er sucht das Umgreifende in dem Entwurf eines philosophischen Glaubens. . . . Die Philosophie, immer in Gestalt der Bemühung eines Einzelnen, sucht die Universalität zu verwirklichen, die Offenheit des Menschen zu bewahren, das Einfache herauszuheben, es zu konzentrieren und in seiner Unergründlichkeit zu erhellen. Ob solches Bemühen zünden kann, ob die philosophische Vorarbeit - die nur für Einzelne schon die Lebenserfüllung ist - durch Religionen genutzt wird, unterliegt keinem Plan. In allem Philosophieren aber liegt eine Tendenz zur Hilfe für die religiösen Institutionen, welche in ihrer Weltwirklichkeit von der Philosophie bejaht werden, ohne daß die Philosophen geradezu an ihr teilnehmen können.
KARL JASPERS zum Verhältnis Religion und philosophischer Glaube in „Philosophischer Glaube“ (1947) S. 83 ff.
CORONA
KRANZ
Schlagzeilen der ZEIT 19/2020 Nie war es so wichtig, gemeinsam allein zu sein Die Welt steht still Die Zeit läuft ab Apocalypse, not now Die Menschheitsaufgabe Wer schützt in der Not Chance oder Schande Dein Staat und Retter Wartung auf Heilung Halten wir das durch? Virus der Einsamkeit Auf der Suche nach dem Heiland Digitale Hausaufgabe
IGNAZ GÜNTHER
Die leidenschaftliche Seinserfahrung drängt zum Aufschwung in die Freiheit, wo ich offen werde für die Transzendenz. Dort wird die transzendente Wahrheit fühlbar, die verborgen ist in den Chiffren von Gottes Willen, von der Grundlosigkeit seines Willens, von der Fragwürdigkeit des Bestandes alles Geschaffenenen einschließlich des uns zugänglichen Wahrheitssinns. Dort werde ich frei für das ganz Einfache. Das Bewußtsein der eigenen Geschichtlichkeit im grundlosen Grund des Ursprungs macht mich bereit, hinzunehmen das Sosein und es zu übernehmen in der Wahl meiner Selbst. Karl Jaspers, Der philosphische Glaube angesichts der Offenbarung, S. 250
SEP RUF 1908 - 1982 St. Johann von Capistran in Bogenhausen
Neues Justizgebäude in München
TAM
ZEITKOMMENTAR 20.MÄRZ 2020
WAS IST VON UNSEREM GRIECHISCH-RÖMISCHEN- JÜDLICH-CHRISTLICHEM ERBE NOCH ÜBRIG, WAS IST DAVON UNERLÄSSLICH ZUR RETTUNG UNSERES MENSCHLICHEN DASEINS AUF DIESER ERDE ? Können wir einen „paradisischen Zustand“ durch eigenen Anstrengungen erreichen oder sind wir auf die Gnade einer transzendentalen Macht angewiesen?
„Kann die Moderne ihre eigenen Prinzipien der Erkenntnis, ihre rechtlichen und moralischen Grundlagen, ihre Ideen von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, ihr historisches Selbstverständnis als einer ‚neuen‘ Epoche der selbstkritischen Befreiung von Vorurteil und Repression vernünftig, also ganz aus eigenen, das heißt profanen und nachmetaphysischen Beständen rechtfertigen, oder bleibt sie den religiösen Quellen, die sie verleugnet, in Wahrheit verhaftet?“ So fragt Habermas in Bezug auf H. Blumenberg („Legitimität der Neuzeit)“ in seinem Werk: Auch eine Geschichte der Philosophie, Band 1, S.65
Habermas fragt nach den Konsequenzen, die die zunehmende „Abkoppelung vom religiösen Komplex“ seit dem 17. Jahrh. hat. „Zum einen verliert die praktische Philosophie die Rückendeckung durch die normative Autorität einer rettenden Gerechtigkeit; zum anderen stellt sich mit der Loslösung . . . des philosophischen Welt- und Selbstverständnisses . . . von der sozialintegrativen Quelle der liturgischen Gemeindepraxis die Frage, was die Umstellung der religiösen auf eine vernunftrechtliche Legitimation der Herrschaft für die moderne Form der gesellschaftlichen Integration der Gesellschaft bedeutet.“
Säkularisierung, als Denken im Rahmen der „natürlichen Vernunft“ Säkularisierung des Welt- und Selbstverständnisses Säkularisierung der Staatsgewalt und Gesellschaft Säkularisierung der Denkungsart (Haben religiöse Überlieferungen für das Denken überhaupt noch Relevanz?) Theologie in einer anthropologisch-nachmetaphysichen Gestalt Das nachmetaphysische Denken wie Habermas es versteht, „navigiert zwischen Religion und Naturwissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften, Kultur und Kunst.“ In der Refexion auf diese Gestalten des objektiven Geistes „gilt es Irrtümer und Illusionen aus dem eingewöhnten Selbstverständnis zu tilgen und dabei auch die eigenen Grenzen zu erkunden.“
Konkurrenz beim Ziel, etwas über die Welt und unsere Lebenswelt zu wissen (Säkulares versus Metaphysisches Denken)
GLAUBE OHNE KIRCHE (KAPELLE) Der Ausdruck „kapellenloser Glaube“ stammt aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke. „Es gibt so winterweiße Nächte…“ und endet „…und in die Herzen, traumgemut,/ steigt ein kapellenloser Glaube,/der leise seine Wunder tut.“
Aus dem eindrucksvollen Buch "DER TOD" von Vladimir Jankelevitch "Das Unaussprechliche läßt sich nicht in Worten fassen, weil die Worte fehlen, ein so reiches Mysterium auszudrücken oder zu definieren, weil darüber unendlich viel zu sagen, unermeßlich viel anzudeuten und endlos zu erzählen wäre. ... Unaussprechlichkeit und Unsagbarkeit hüllen sich beide in Schweigen. . .. Was sage ich! dieses Schweigen ist bereits Gedicht und Musik, ist stillschweigend Musik und stummes Gedicht, und beide sind in der fruchtbaren Tiefe des Chaos verborgen. ... Mehr zum Thema hier . . .
Zeichnung: TAM
Daß Gott schuf, dies vorbedeutungsschwere erste Wort der Schrift verliert seine Kraft nicht, bis alles erfüllt ist. Nicht vorher ruft Gott dies erste Wort, das von ihm ausging, wieder in seinen Schoß zurück. Er ist wahrhaftig der Erste und der Letzte. Ehe denn Berge geboren wurden und die Erde wand in Wehen - von Ewigkeit in Ewigkeit warst du Gott. Und warst von Ewigkeit, was du in Ewigkeit sein wirst: Wahrheit Franz Rosenzweig - Stern der Erlösung - S. 463/464
Unglücksboten
Robert Harbeck im ZEIT-Interview vom 26.3.2020 „Die Corona-Krise trifft die Welt in einer ohnehin verwundbaren Zeit. Wachsender Nationalismus, Autoritarismus, Rechtsextremismus, Erd- erhitzung, Flucht alles laufende Krisen. Und jetzt das Virus. Es fordert Politik, Wirtschaft, uns als Gesellschaft wie seit Jahrzehnten nicht. Es ist noch nicht ausgemacht, wie es ausgeht. Folgt ein weiterer Rückzug in nationale Kleinstaaterei und Egoismen? Oder schaffen wir es, zu lernen, worauf es wirklich ankommt: auf die Solidarität zwischen Menschen, Generationen, Staaten?“
Langwieder Heide: Mit uns waren auch zwei Lerchen in der Luft
SAPIENTIA (Weisheit)
TIMOR DOMINI (Gottesfurcht)
SCIENTIA (Erkenntnis)
PIETAS (Frömmigkeit)
CONCILIUM (Rat)
INTELLECTUS (Einsicht/Verstand)
FORTITUDE (Tapferkeit/Stärke)
DIE 7 GABEN DES GEISTES
KATH. SPITAL- UND STADTPFARRKIRCHE HL. GEIST NEUBURG/Donau Fresken von Matthias Zink (1724)
Frühling in der Aubinger Lohe (Gründonnerstag)
In Denning - Drei junge Eichhörnchen (Rudi, Mäcki, Zecki) entschwanden aus dem Kobel im Kniestock des Hauses - aufregende Erlebnisse für alle!
„Die Zukunft gehört denen, die der nachfolgenden Generation Grund zur Hoffnung geben.“ Pierre Teilhard de Chardin
Altarbild von Albert Burkart (1932) Der Maler Albert Burkart (1898-1982), Zeitgenosse und Weggefährte des Theologen Romano Guardini, sagte 1948: "Die moderne Geistesentwicklung hat ein Stadium erreicht, das der babylonischen Sprachverwirrung gleichkommt. Keiner versteht mehr den anderen, ja will ihn gar nicht mehr verstehen, und es scheint hoffnungslos, dass die Menschen sich nochmals auf einer großen geistigen Ebene treffen könnten." (Quelle: Pfarrbrief Heilig Blut - Sept.09-Nov. 09)
ST. RAPHAEL
Albert Burkart, Maler und Professor * 1898 Riedlingen † 1982 München Sein künstlerisches Schaffen wurde auch geprägt auf Reisen nach Sizilien, Schlesien und Südfrankreich. 1949 wurde Albert Burkart als Professor an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt berufen und 1956 zu deren Direktor ernannt. Er lehrte dort bis 1963. Seinen Lebensabend verbrachte Burkart in München. Das künstlerische Werk ging vom Stil der Neuen Sachlichkeit um 1925 aus, von der italienisch beeinflussten so genannten „Münchner Schule" dieses Stils. Im Lauf der Zeit hat er in über 50 Kirchen Altarbilder und Kreuzwege gestaltet, Chorräume und Kapellen ausgemalt und farbige Glaswände entworfen. 1955 wurde er von der Bischofskonferenz beauftragt, die Zeichnungen für den Deutschen Einheitskatechismus anzufertigen. In seiner Vaterstadt war seine Kunst bei zwei grundlegenden Renovationen der Pfarrkirche St. Georg (1934/35 und 1958-1962) gefragt, ebenso bei der Renovierung der Weilerkapelle 1955-1957 und dem Neubau der Kapelle St. Gerhard 1963. Am 7. März 1982 starb Albert Burkart in München. Kurz vor seinem Tod verlieh ihm die Stadt Riedlingen das Ehrenbürgerrecht. Anlässlich des 100. Geburtstages wurde die Albert-Burkart-Stiftung ins Leben gerufen und ein dotierter Kunstwettbewerb für Schüler der Riedlinger Schulen initiiert.
EINE VON DIESEN WIRD DIE DEINE SEIN
Solowjow (auch Solowjew, Solov'ev) 1853 -1900 Russischer Religionsphilosoph und Dichter WEISEN DER EINHEIT „Die wahre und positive All-Einheit nenne ich eine solche, in der das Eine nicht auf Kosten aller existiert, sondern zum Nutzen aller. Die falsche, negative Einheit unterdrückt oder absorbiert die in sie eingehende Elemente und erweist sich so selbst als LEERE; die wahre Einheit erhält und stärkt ihre Elemente, indem sie sich in ihnen als die FÜLLE des Seins verwirklicht.“
Alle Fülle in Raum und Zeit zu erlangen - Maßlos! Doch ein Maß von Fülle zu erlangen versuchen - Erfüllung im Maß Maßlose Erfüllung als Gabe im Raumzeitlosen nach den raumzeitlichen Vorgaben erwarten Maßvoll!
Ein Gedicht von Pia und Emma vom 24. April 2020
Ein schöner Urlaubstag, wie gern ich den mag. Meereswasser an den Füßen, schöne Gefühle aus mir sprießen. Nackig durch das Meer zu laufen, im Hintergrund das Meeresrauschen, trifft man auf ein Rosenbach, geht uns auf das Herz und lacht.
C.F.v. Weizsäcker: Erkenntnisse 1986
Paulskirche in München vom Alten Peter aus gesehen
Frühes Bild TAM
 
  HERMANN VOGEL
  
(1895 - 1974 )
  
  CAROLINE VOGEL
(1895 - 1978 )
  
Dr. Hermann Vogel
Professors für Tierzucht und Milchwirtschaft
 
Hans-Jochen Vogel anläßlich seines  85. Geburtstages ( 3. 2. 2011)
in einem Interview von Robert Arsenschek im Münchner Merkur  zu seiner Münchner Familie
" . . . die Vogels sind ja eine alte Münchner Familie, oder?
Das kann man wirklich sagen. Von meinen acht Urgroßeltern liegen sechs auf Münchner Friedhöfen begraben. Mein Großvater väterlicherseits wurde zwar in Rothenburg geboren, war aber später Veterinärmediziner und Mitbegründer der veterinärmedizinischen Fakultät in München. Mein Vater war geborener Münchner und später Professor für Tierzucht und Milchwirtschaft. Der Großvater mütterlicherseits ist in Prag geboren, weil sein Vater dort Professor war. Aber er kam mit elf oder zwölf Jahren nach München.
Wie wichtig war der Münchner Stammbaum im politischen Leben?
Er hat beim Wahlkampf 1959/60 in München eine gewisse Rolle gespielt. Die CSU hat damals flüstern lassen, ich sei ein 'Preiß' , geboren in Göttingen. Darauf habe ich mit meiner Ahnenprobe geantwortet und gesagt: 'Wenn a Pferd im Kuhstall auf'd Welt kommt, is trotzdem a Pferd.' "
Hans-Jochen Vogel zu seinen Eltern 
in einem Interview von Reuß in br-alpha 
"Wenn Sie erlauben, würde ich nun unseren Zuschauern gerne den Menschen Hans-Jochen Vogel näher bringen. 
Sie sind am 3. Februar 1926 in Göttingen geboren, Ihr  Vater war gebürtiger Münchner. Welches Verhältnis hatten Sie zu Ihren Eltern? Wie sind Sie erzogen worden?
Es war ein ausgesprochen bürgerliches Elternhaus: natürlich von der Art, wie man eben in einer Familie in den zwanziger und dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts lebte. In der Familie herrschte ein gutes Klima, und meine Mutter hat unseren Weg in diesen ersten Jahren ganz besonders begleitet und geprägt. Ich sage "unseren Weg", weil ich dabei auch an meinen Bruder denke. Mein Vater befand sich in einer nicht ganz einfachen Lebenssituation, denn er hatte vor 1933 Sympathien für die NSDAP besessen und war auch schon im Jahr 1932 in die Partei eingetreten. Er hat dann aber schon ab 1934/35 die Nazis immer schärfer kritisiert. In seinen Äußerungen ab diesem Zeitpunkt kam dabei immer fast so etwas wie Haß zum Ausdruck, so daß ich ihn als Bub manchmal gefragt habe: "Vater, du wirst doch als Beamter von diesem Staat bezahlt. Wie kannst du denn da in einer solchen Art und Weise Kritik äußern?" Insgesamt aber erinnere ich mich gerne an diese Jugendjahre. Ich habe in Göttingen zunächst die Volksschule besucht und dann in Gießen das Gymnasium. In meiner Kindheit war ich auch Meßdiener. Nein, die Erinnerung an diese Zeit und an beide Eltern ist wirklich warm und herzlich.
Sie haben 1943 während der Kriegszeit das Abitur gemacht und wurden dann auch noch eingezogen. In Italien sind Sie verwundet worden und kamen dann in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Hat Sie diese Kriegsgefangenschaft in irgendeiner Weise geprägt?
Das glaube ich nicht, denn dafür war sie zu kurz. Ich hatte großes Glück: Ich bin nur etwa ein Vierteljahr in Gefangenschaft gewesen und kam dann schon Mitte Juli mit den ersten Zügen, die wieder fuhren, über den Brenner nach Heufeld bei Bad Aibling. Dort gab es dann noch einmal acht Tage, die von den äußeren Bedingungen her außerordentlich unangenehm waren. Aber ich wurde dann schließlich doch zusammen mit einer größeren Gruppe entlassen. Ich konnte ein bißchen Englisch und habe daher während der Zeit aus der amerikanischen Armeezeitschrift "Stars and Stripes" Meldungen übersetzt, die dann an einem Schwarzen Brett angeheftet wurden. Außerdem muß ich korrekterweise sagen, daß die Lebensbedingungen in diesen Lagern erträglich bis gut waren. Wir hatten weder Hunger noch sonstwie unangenehme Bedingungen zu erleiden: Insofern war das für mich keine prägende Periode. Aber die Kriegsteilnahme als solche hat für mein späteres Leben doch immer wieder im Sinne des "Nie-Wieder" eine Orientierung bedeutet."
Zum 90. Geburtstag gab Hans-Jochen Vogel der Zeit (DIE ZEIT Nr. 5/2016) ein Interview, das mit seinem politischen Vermächtnis endete:
  HANS-JOCHEN VOGEL
*
3. Februar
1926
in
Göttingen
;
in
26. Juli
2020
in
München
in
Hans-Jochen Vogels letzter Satz ist eine Aufforderung an uns alle:   “Sorgen Sie dafür, dass Deutschland bleibt, wofür wir gekämpft haben.”