Der Kirchturm von St. Ulrich mit dem Aggenstein und Breitenberg
EINE SEITE VON THEODOR FREY
ST. ULRICH IN SEEG
RAUM IN BEWEGTER ZEIT
RAUMSYMPHONIE
HEIMAT IST DIE GELEBTE ZEIT IM RAUM
Du stellst meine Füße auf weiten Raum und mein Herz in dein offenes Geheimnis Aus Psalm 31, Vers 9
Δ
1
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MIT DEM LICHT WAR AUCH DER SCHATTEN
3
DIE DREIFACH ENTFALTETE GOTTHEIT
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SUCHE NACH DER MITTE
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OH, GOTT WARUM?
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ICH UND DU
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ÖFFNUNG
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WER REGIERT ?
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EXSULTATE, JUBILATE
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IM KNOTEN DES SEINS
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DER KLANG DES RAUMES
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ALLES IST EINES
EPILOG
Ω
Im Schauen dieses Raumes, im Erspüren des Zusammenklangs seiner Elemente, kann mein und ihr Herz erahnen, wie sich das Geheimnis des Unsagbaren zu uns öffnet. Ich lade sie ein, diesen Ort als eine Raumsymphonie in 12 Sätzen mit Prolog und Epilog mitzuerleben. Ich habe diesen Raum in meiner Kindheit und Jugend beglückend in alltäglicher und in Festtagsstimmung erfahren, aber erst im Nachhinein, aus der Distanz, verdichten sich diese frühen Eindrücke zu einer bewegenden Erfahrung der Licht- und Klangstimmungen. Sie sind verbunden mit dem Erleben, der diesen Ort umgebenden Landschaft, der Jahres- und Tageszeiten, der wiederkehrenden Rituale und der Kirchenfeste. In diesen Erfahrungen spiegelt sich der so oft missbrauchte Begriff "Heimat" wider. Vieles hat sich in Seeg geändert, dieser Raum jedoch ist der Zeit ein stückweit enthoben. Schenken sie sich Zeit für diesen Raum, denn Schauen braucht Daue. Erst dann können sich die Bilder ins Herz senken und entfalten. Gönnen Sie sich den Wohlstand, Zeit in der Zeit zu haben. Am nördlichen Eingangstor zum Friedhof begegnen ihnen zwei lebensgroße Sandsteinfiguren, rechts Franz Xaver, der den Blick zum Himmel wendet und links Johannes Nepomuk. Am Kanzelanbau der Kirche begrüßt sie aus der Höhe der Kirchen- und Diözesanheilige Ulrich, dem die Kirche geweiht ist und der von Otto Kobel gestaltet wurde.
PROLOG
Der Weg zur Kirche verheißt gerade in dunklen Zeiten ein Aufatmen und Aufschauen
Der Putto, der dem Gelesenen nachdenkt, am Fuß der Eingangs. (Original Heimatmuseum Seeg)
Figuren von JOHANN SCHWEIGER (1762) aus Hinterberg
Δ
Bevor sie in die Kirche eintreten, gönnen Sie sich eine Umrundung im Uhrzeigersinn um sich zu sammeln. Die Kostbarkeit gerade dieser Stunde und dieses Ortes kann ihnen damit bewusster werden. Erspüren sie diesen hervorgehobenen Ort, an dem das Gotteshaus, aufsteigend aus den Terrassen der Gräber, als ein Hoffnungszeichen für uns Menschen, in den Himmel ragt. Die Hülle der Kirche ist einfach, nüchtern, festgefügt, so wie sich uns diese Welt so oft darstellt. Sie ist vom Abendlicht zum Morgenlicht ausgerichtet. Auf der Westseite weitet sich der Blick über die Gräberterrassen auf die Voralpenlandschaft mit den Seegersee. Eine Gelegenheit darüber nachzudenken, mit welchen Leiden und Ungerechtigkeiten der Weg der Geschichte bis zu dieser Stunde gepflastert wurde. Aber trotz und vielleicht gerade wegen dieser leidvollen Geschichte brachten die Menschen von Seeg ein solch herausragendes Kunstwerk hervor. Seinen Rang und seine Schönheit zeigen die Seeger auch dadurch dass sie in unseren Tagen diese Kostbarkeit umfassend renovierten. Sie haben damit ihrem Alltag den Glanz eines Feiertages dazugegeben. Es ist ein Ort um Innezuhalten und Fragen zu stellen. Welche Wege werden wir Menschen auf dieser immer kleiner werdenden Erde noch gehen? Welche Zeiten sind uns in dieser sich so schnell verändernden Welt noch geschenkt? Es ist aber auch ein Ort um den Fragen nach unserem Sein, seiner Zeit- und Raumbezogenheit, nachzuspüren und uns zu dem zu öffnen, der Raum und Zeit übersteigt. Ich lade sie ein, lassen sie sich auf dem Weg in Sorgfalt ein, aber lassen sie die Sorgenfalten an der Eingangstüre zurück.
1 RAUM DER EINHEIT UND DES LICHTS Treten Sie durch den Nordeingang, der Frauenseite, in die Kirche ein. Hinter dem kleinen Vorraum, Vorzeichen genannt, könnte Ihnen die symbolische Geste des Eintauchens ihrer Finger in den Weihwasserkessel helfen, sich zu sammeln und für das Kommende zu öffnen. Gehen sie bis zum Mittelgang vor, und nehmen sie in der ersten Bank unter der Westempore Platz. Hier können Sie den Raum in seiner einheitlichen Gestalt wahrnehmen. Sie erleben einen lichten Raum voll Harmonie, der das Ewige im Werden, die Geschichte des Heils entfaltet. Dieser Raum des 18. Jahrhunderts ist weder einfach gestaltet noch ist er überfüllt, er ist im Gleichgewicht und Ebenmaß. Diese Harmonie wird durch die symmetrische Anordnungen der Elemente, den Zusammenklang der Architektur mit den Fresken und Bildern, den abschließenden und doch verbindenden Stukkaturen, den Formen und Farben erreicht. Betrachten Sie zunächst den Chorraum mit dem Hauptaltar insgesamt. Hier wird diese Harmonie besonders anschaulich. Geben sie sich dieser Gestalt in Stille hin und versuchen sie selbst zur Ruhe zu kommen.
"Die Muße ist nicht die Haltung dessen, der eingreift, sondern dessen, der sich öffnet; nicht dessen der zupackt, sondern dessen, der losläßt, der sich losläßt und überläßt. . . . Die Erquickung, die uns zuströmt im hingebenden Anschauen . . . - gleicht sie nicht der Erquickung, die uns zuteil wird in tiefem, traumlosen Schlaf? . . . In solcher Geöffnetheit der Seele mag auch dem Menschen einmal geschenkt werden, zu gewahren, 'was die Welt / Im Innersten zusammenhält' - vielleicht nur für die Dauer eines Blitzes, so daß nachher die Einsichten dieses Augenblicks in angespannter 'Arbeit' wiederentdeckt werden müssen." Josef Pieper in "Muße und Kult"
Im Anfang liegt, was auch mich bedingt, liegt bereits, was mich fragen lässt, warum ist überhaupt Etwas, warum ist nicht vielmehr Nichts. Wie ist geworden, was mich diesen Ort zu dieser Stunde so staunend wahrnehmen läßt? Im goldenen, gleichschenkligen Dreieck, dem abstrakten Symbol für die Gottheit in der Dreieinigkeit vor der Zeit, ist das Auge des Schöpfers, des Gottes als Vater, eingewoben. Er, der alles Werden zur Entfaltung bringt, steht im Zentrum, Er, der das grenzenlose Geheimnis auch zu mir hin öffnet, Er spricht, es werde Licht. Den Dreiecksseiten sind im inneren Kreis drei Engelköpfe zugeordnet. Vier Engel in ganzer Gestalt, als Symbol für die vier Himmelsrichtungen der Welt, kann man etwas weiter außen sehen. Ein Engel aber steht an der Spitze des Strahlenkranzes und weist über die Welt hinaus.
Altar des Vaters (Auge des Schöpfers) Hl. Ulrich als Fürbitter Maria mit dem Jesuskind als Mittlerin Jesus am Kreuz (Tabernakel) Herz Jesu Hl. Anna - Hl . Afra
Altar des Sohnes (Lamm des Erlösers) Taufe Jesu am Jordan durch Johannes Trinität Hl. Maria mit Jesuskind Herz Jesu Hl . Josef - Hl. Joachim
Das von der Gottheit und dem Schöpfer leuchtende Licht wird im Strahlenkranz der Seitenaltäre aufgenommen. Auf der linken Seite ist dieses Licht in Jesus Christus, symbolisiert durch das Lamm, zur Welt gekommen. Am rechten Seitenaltar schwebt die dritte Person der Trinität, die Taube, als Symbol des Heiligen Geistes in der Glorie. So ist eines der Hauptmotive der Kirche, die Dreieinigkeit/ Dreifaltigkeit Gottes, bereits in den Auszügen der Altäre auf Schönste entfaltet.
Altar des Geistes (Taube des Vollenders) Krönung Marias inmitten vieler Heiliger Trinität Hl. Josef mit Jesuskind Herz Jesu Petrus - Paulus
Im Barock wurde auch häufig Stuckmarmor (scagliola) zur Gestaltung eingesetzt eine aufwendige Methode zur Nachahmung von Marmor, die zwar teurer als Marmor selbst war, aber sowohl größere einheitlich gefärbte Werkstücke als auch besonders dramatische künstlerische Effekte der Färbung ermöglichte.
2 Mit dem Licht war auch der Schatten, die Zeit teilt, die Eins wird weitergezählt, es gibt das Werden und Vergehen, das Ein- und das Ausatmen. Im Kirchenraum ist das Spiel von Licht und Schatten, je nachdem in welcher Tages- und Jahreszeit sie den Raum betrachten, in immer neuen Klangfarben, wie in einer Symphonie, eindringlich zu erleben. Lassen sie sich auf dieses Spiel für einige Momente ein, beobachten sie den Wechsel der Stimmungen. Licht und Schatten geben dem Raum Kontur und machen ihn lebendig. Es ist das Helle und das Dunkle, das den Raum wie auch unser Leben prägt. In der Rundung des Chorraumes ist eine große Uhr angebracht. Sie erinnert uns an die Vergänglichkeit der Schöpfung und unseres Lebens und kann einen Anstoß geben, über unseren Umgang mit der Zeit nachzudenken. Lassen wir uns nur von Terminen versklaven und begrenzen damit die Zeit durch die Einteilung in viele Abschnitte, die dann kein Erleben zuläßt oder entgrenzen wir die Zeit in die Vielfalt des uns Entgegenkommenden.
Im Räderwerk der Zeit (Kirchturmuhrwerk der Turmuhrenbauer Barnsteiner aus dem Heimatmuseum in Seeg)
AUGUSTINUS ÜBER DIE ZEIT „Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht.“ „Wie kann man sagen, dass die vergangenen und zukünftigen Zeiten sind, da doch die vergangene schon nicht mehr und die zukünftige noch nicht ist? Die gegenwärtige aber, wenn sie immer gegenwärtig wäre und nicht in Vergangenheit überginge, wäre nicht mehr Zeit, sondern Ewigkeit.“
Augustinus an der Kanzel
3 Die dreifach entfaltete Gottheit, wird - wie das Leitmotiv in einer Symphonie - immer wieder dargestellt . Wenn Sie die obere Sphäre des Hauptfreskos betrachten, das Johann Baptist Enderle 1770 gestaltete, dann sehen Sie im Kreis der Einheit die drei Manifestationen des Göttlichen in einer bewegten Szenerie. Uns am nächsten und mit wallendem roten Gewand hervorgehoben Christus, der in den Kreis der Gottheit Aufgenommene, im Hintergrund „Gott Vater“ und im Zentrum alle drei durch Strahlen verbindend der „Heilige Geist“. Ist damit nicht auch ein Spiegelbild unseres fleischgewordenen Ichs erkennbar, unsere Dreiheit aus Körper, Geist und Seele, unsere Dreiheit aus Empfinden, Denken und Tun? Diese ist ein Anlass um zu fragen: „Wer bin ich, wie bringe ich diese Dreiheit in meinem Leben zu einer harmonischen Einheit zusammen? Wie schaut dieser Dreiklang in meinem Leben aus? Welche Seite dominiert und lässt somit die anderen verkümmern? Und wer ist es überhaupt, der, der mich diese Fragen stellen lässt? “ So kann mich diese bildliche Darstellung in den Sog einer tiefen Bewegung zur Grundthematik unseres Seins führen.
Gottes Sein blüht gesellig Dreieinigkeit? Entwarf diese Denkfigur die unausdenkbare Gottheit als Gemeinschaft, vibrierend, lebendig, beziehungsreich? Kurt Marti - Die gesellige Gottheit, 1989 (Auszug)
Am rechten Seitenaltar von Balthasar Riepp
4 Die Suche nach der Mitte "Du sollst dir kein Bild von Gott, dem letztlich Unfaßbaren, machen". Wie streng dieses Gebot zu befolgen ist, wurde in der Kirchengeschichte immer wieder kontrovers diskutiert. Das Hauptfresko von Johann Baptist Enderle (1725- 1798) stellt sich in herausragender, aber zeitbezogener Weise der Aufgabe, das Unbegreifliche bildlich zu fassen, das Geheimnis zu uns hin zu öffnen. Betrachten Sie jetzt den Bildaufbau anhand von Enderles schwarzweißer Entwurfsskizze. Die Darstellung ist nicht nur durch die dargestellten konkreten Elemente sondern wesentlich durch die durchscheinenden symbolischen Formen geprägt. Erst mit ihrer Entschlüsselung wird das vermittelte Gottesbild umfassender verständlich. Die Formen sind aufeinander wie in einer Symphonie bezogen. Die oberste, die entferntesten Sphäre - angezeigt im gelben Oval - weist aus der Tiefe des Raumes auf die Trinität des Gottesbildes hin. In einer mittleren Sphäre (blaues Oval), entwickelt sich die Heilsgeschichte zu Maria hin, die von jubilierenden und musizierenden Engeln umgeben ist. Ihr Blick trifft sich mit Jesus dem Gekreuzigten und Auferweckten, der das Kreuz als Zeichen der Überwindung des Todes in die Trinität einbringt. Dieser obere Teil des Freskos ist auch durch die Form der Stukkaturbegrenzung abgehoben vom ebenfalls in ovaler Form gestalteten unteren - hier grün hervorgehoben - Teil, der die Sphäre der irdischen Welt darstellt. Weltliche und geistliche Macht drängen von links horizontal in das Bild und betrachten die kriegerische Auseinandersetzung von Christen und Türken. Die Hilfe von oben kommt für die „Rechtgläubigen“ aber nicht von einer entrückten Gottheit. Nein, ein kleiner Putto am Rand der oberen zur unteren Ebene schleudert einen Blitz in die Seeschlachtszenerie. Ich finde, dieses Detail ist mit Humor gemalt. Hier ist keine Gottheit abgebildet, die als 'Deus ex machina' Konflikte durch ihr überraschendes Eingreifen entscheidet, sondern die Hoffnung ausgedrückt, dass auch kleine Hilfen große Wirkungen entfalten können. Im untersten Bereich des Freskos sind die unbrauchbaren Kriegsutensilien drapiert. Vielleicht ein Hinweis, den Frieden ohne Waffen zu wagen?! Die horizontalen Sphären sind durch die verbindende vertikale Ebene (rotes Oval) verbunden. Noch anschaulicher wird das Heilsgeschehen, betrachtet man die aufwärtsstrebende Dreieckskomposition. Die der Welt zugeordneten Bauwerke werden in der Verlängerung im Kreuz des Auferweckten aufgenommen. Hier kehrt die Interpretation in den zentralen Gedanken der dreieinigen Gottheit zurück. In ihr wird die Mitte gesucht, in ihr können auch wir den Zugang zum Ur- und Zielgrund finden. Und wenn wir so versuchen, im Äußersten die Nähe suchen, so wird sich darin auch ein Weg zur innersten Weite zeigen. Hier etwas zum historischen Hintergrund der Seeschlacht Am 7. Oktober 1571, also ziemlich genau 200 Jahre vor Fertigstellung des Gemäldes, besiegte die katholische Seestreitmacht unter Juan d' Austria, dem Stiefbruder des spanischen Königs, die türkische Mittelmeerflotte im Golf von Lepanto in einer Seeschlacht vernichtend. Der Sieg wurde dem "Gebetssturm" zugerechnet, bei dem in ganz Europa im Vorfeld der Seeschlacht das Rosenkranzgebet gebetet wurde. In der Folge stiftete Papst Gregor XIII. 1573 das Rosenkranzfest. Nach dem Sieg über die Türken bei Peterwardein am 5. August 1716 erhob Papst Klemens XI. das Fest zu einem allgemeinen Fest der ganzen Kirche. 1650 wurde in Seeg die Rosenkranzbruderschaft gegründet, die erhebliche Finanzmittel zum Kirchenbau beisteuerte.
Entwurf des Seeger Hauptfreskos, dass es ziemlich unverändert realisiert hat. (Aufbewahrt im Museum Ulm)
Ausschnitt aus dem Fresko im Langhaus mit der Signatur von J.B. Enderle
5 O, GOTT, WARUM ? Warum? Millionenfach wurde in der Menschheitsgeschichte diese Frage gestellt: Warum, du guter und allmächtiger Gott hast Du das alles so zugelassen? Warum trifft es mich, der ich so auf dich vertraute? Warum ist in dieser Welt das Böse nicht überwindbar? Ist denn nach allem was geschehen ist die Vorstellung des guten Gottes noch zu retten? Regiert uns Liebe oder Haß? Und ist das Böse, das Grauen, der Wahn-Sinn nur uns Menschen anzulasten? Muß ein ohnmächtiger Schöpfer seiner Schöpfung ihren Lauf lassen? Verhalt unser Schreien nach dem Warum des unschuldigen Leidens ungehört im Nichts? Sind wir ohne Hoffnung von dir losgelöst, gekettet an uns selber? Aber, es ist doch deine Schöpfung, in der das alles geschieht, doch auch dein Sein, dem das alles widerfährt? Es ist jetzt die Zeit gekommen den Kirchenraum im Gehen zu erfahren, sich auf den Weg zu machen. Zuerst möchte ich Ihnen vorschlagen, unter die Empore zu gehen und das Fresko der apokalyptische Frau im Zentrum zu betrachten . An diesem Fresko aus dem Ende des 17. Jahrhundert ist zu erkennen, wie sich der Malstil zur Mitte des 18. Jahrhunderts hin verändert hat. Beeindruckend ist, wie der Maler die Heilsgeschichte in einer schwungvollen Spiralbewegung darstellt. Aus der Weltkugel heraus, die von einer Schlange, als Sinnbild des Bösen und der Verführung umschlungen wird, herhebt sich die sternenumkränzte Frau mit der Mondsichel zu ihren Füßen, um in der Taube des Geistes auszuschwingen. In den weiteren Medaillons der Westempore können sie aber auch Marias Lebensweg mit all ihren Sorgen betrachten. Maria als Kind mit ihren Eltern Joachim und Anna, die ihr das Lesen lehren, die Verkündigung der Mutterschaft in sehr, sehr jungen Jahren, die Vermählung mit Josef, der Weg zur Verwandten Elisabeth ( „Heimsuchung“), die Flucht aus der Heimat in ein unbekanntes Land. Und was kann ein Menschenleben mehr erschüttern, als der Tod eines Kindes. An der Rückseite ist in einem Gemälde Jesus im Grab dargestellt. So können wir unter der Empore, in einem gedrückten Raumatmosphäre, auch über unseren Lebenslauf nachsinnen und vielleicht etwas Trost finden in der Geschichte dieser tapferen auf Gott vertauenden Mutter.
MYTHOS DES PARADIESES
Stephen Greenblatt schreibt in seinem Buch „Die Geschichte von Adam und Eva Der mächtigste Mythos der Menschheit, Siedler 2018, S. 325/326 „Seine lange und verschlungene Entwicklung von einer archaischen Spekulation zum Glaubenssatz, vom Dogma zur buchstäblichen Wahrheit, von der buchstäblichen Wahrheit zum Realen, vom Realen zum Sterblichen, vom Sterblichen zum Unwahren führte schließlich zur Fiktion. Die ersten Menschen im Garten Eden mit den magischen Bäumen und der sprechenden Schlange sind zurückgekehrt in die Sphäre der Imagination, aus der heraus sie sich entwickelten. Diese Rückkehr aber macht sie nicht bedeutungslos, zerstört auch nicht, was an ihnen fasziniert. Adam und Eva bleiben wirkmächtig, sie bieten eine unverzichtbare Möglichkeit, nachzudenken über Unschuld, über die Versuchung und über moralische Entscheidungen; darüber, was es heißt, festzuhalten an einem geliebten Partner; nachzudenken auch über Arbeit, Geschlechtsverkehr und Tod. Mit außerordentlicher Lebendigkeit zeigen die Figuren und ihre Erzählung, wie und warum sich Menschen zu einer Entscheidung verleiten lassen, deren katastrophale Konsequenzen für alle Zeiten spürbar bleiben werden. Zugleich aber halten sie den Traum offen, irgendwann einmal irgendwie zurückkehren zu können in eine Glückseligkeit, die verloren ging.“
In der Apokalypse tritt die am Himmel erschienene Frau in Geburtswehen auf. Sie ist vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne und zu ihren Füßen lag der Mond. Sie schrie vor Schmerzen während des Gebärens. Der große feurige siebenköpfiger Drachen, der das Kind verschlingen wollte, ist hier als Schlange der Verführung mit der Frucht des Baumes des Erkenntnis (Apfel) dargestellt. Die Apokalyptische Frau wurde im Laufe der Kirchengeschichte mit Maria identifiziert und getrennt vom Kampf mit dem Drachen dargestellt. In der Renaissance entstand das Motiv der Immaculata (Mondsichelmadonna). Das Lilie weist darauf hin, dass sie frei von der Erbsünde ist (Unbefleckte Empfängnis).
6 Ich und Du Machen wir uns auf den Weg. Zwei Menschen vereint in Freud und Leid, vereint durch die Sorge um ihr Leben, fliehen um ihr Leben und das „ihres“ Kindes zu retten. Maria und Josef mit sorgenvollem, nachdenklichen Blick wissen nicht was sie erwartet, sie sind ausgeliefert dem Wohlwollen von Menschen , die ihnen begegnen. Flucht und Vetreibung kennzeichnen auch das 20. und 21. Jahrhundert. Millionenfach wurde die jüdische Bevölkerung vetrieben und vernichtet, Fluch und Vetreibung war die schreckliche Folge der Nazi-Diktatur, Flucht aus Not, Verzweiflung und Verfolgung kennzeichnen in kaum vorstellbarem Ausmaß weltweit unsere Zeit. Wie damit zurechtkommen, damit wir und ich dem Mitmenschen gerecht werde? Wir wollen nicht, das sie ertrinken. Wir wollen nicht, das sie kommen. Was wollen wir tun? Schreiten Sie langsam den Mittelgang zum Chorraum vor, Richtung Osten. Die Gestalten des Deckenfreskos begleiten uns. Dabei ist es ein Erlebnis, die Farbmischungen, die chargierenden Farbstufungen, die feinen Übergänge aufzunehmen. Die Grundfarben Blau, Gelb und Rot mischen und verbinden sich, ein Bildklang entsteht. Das Violett, indem sich das Blau des Empfindens und das Rot der Tat durchdringen, gibt unserem Empfinden ein Wollen um immer wieder neues Handeln anzustoßen. Grüne Töne, in denen das Gelb des lichten Denken auf das Blau des Ursprungs wirken, lassen Hoffnung aufkeimen, dass sich im Leben immer wieder neuer Sinn zeigen kann. Verschränken sich das Rot des Tun und Lassens mit dem Gelb, des sich selbst vergessenden Denkens, dann leuchten Orangetöne auf, die eine Ahnung geben, wie eng Körper und Geist aufeinander angewiesen sind. Wie aus den Farben Leben entsteht, so wird in der Vereinigung von Ich und Du unser Erdendasein erst in seiner Schönheit sichtbar. Im anderen Ich begegne ich erst mir selbst, im Du erst erfahre ich das Andere wie auch das mir Gleiche. Die Farben mischen sich und malen ein Bild, das mehr ist als nur die Zuordnung von Elementen. Vor dem Chorraumbogen sehen wir im Deckenfresko drastisch dargestellt, wie Judith dem in Israel eingefallenen Feldherrn der Assyrer Holofernes, den Kopf abschlägt. Ist es nur die traumatische Aufarbeitung des Geschlechterkampfes zwischen Frau und Mann? Und was hat wohl die Liedsängerin Judith Holofernes bewogen in ihrem Künstlernamen diese beiden Namen zu vereinen? Ein Bild gibt uns auch Anlass nachzudenken, wie eng Rettung vor den Feinden mit Gewalt verbunden sein kann. Heiligt der Zweck alle Mittel und kann man in Judith eine politische Heldin sehen? Welche Folgen haben solche Taten, gebiert Hass wieder Hass? Fragen, die sich gerade auch im 20. und 21. Jahrhundert in immer neuer Brisanz stellen. Auch diese Schattenseite gehören zu einer aufrichtigen Symphonie dieses Raumes.
Holofernes führte im Auftrag des assyrischen Königs einen "Weltkrieg" gegen die andersgläubigen Völker. Allein die Israeliten zeigten sich wehrhaft gegen die drohende Unterwerfung, doch dachten sie bald an Kapitulation, da die Gegner ihre Wasserstellen besetzten. Da trat Judith, eine reiche und schöne Witwe, vor die Ältesten und verkündete, dass sie Israel retten werde. Sie kleidete sich festlich, schmückte und parfümierte sich und ging mit ihrer Magd Abra aus der Stadt zu den Feinden. Hier verrät sie scheinbar ihr Volk und wird von Holofernes als Überläuferin aufgenommen. Es dauert keine drei Tage, da ist der Feldherr schon verliebt in ihre weiblichen Reize und gibt ein Fest, um sie zu verführen. Aber statt ihrer berauscht ihn der Wein, und es kommt zu der Bluttat.
7 ÖFFNUNG Die Formen und Farben des Raumes, aber auch die Leere zwischen den Formen, die Zwischenräume können sinnbildlich für unser Dasein stehen. Unsere Sein ist „Dazwischen-sein“ - ist „inter-esse“, meistens sind wir nicht ganz da, wo wir eigentlich sein wollen oder sein sollten. Jetzt sind wir angekommen, wo sich vor dem Chorraum der Mittelgang mit dem Gang vor den beiden Seitenaltären kreuzen. Wir sehen am linken Seitenaltar im Altarbild die Taufe des Jesu durch Johannes dargestellt . „Und als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ (Mk 1,10). Gekrönt wird auch diese Szene vom Schöpfergott. Auch hier wiederum das Dreifaltigkeitsmotiv. In allen Kulturen ist die Reinigung als eine der bedeutendsten rituellen Handlungen verankert. Sie ist mit den Gedanken des Umkehrens, der Öffnung, des Neuanfangs, des Aufgenommenseins verbunden. Wir hoffen zu uns selbst zu kommen, wenn wir uns dem Licht öffnen, dass aus der Tiefe der Zeiten uns anspricht. Wenn ein Du mich anspricht, mich annimmt, wie ich zu sein vermag, wird es heller, ein heilendes Licht kommt mir entgegen. Im Wort „LICHT“ ist in den mittleren drei Buchstaben das „ICH“ eingebunden. Es beginnt mit L, wie „LEBEN“ und endet mit T, wie „TOD“. Kann es einen schöneren Hinweis geben, als dieses Schlüsselwort „LICHT“ für unser Erdendasein. Augenblicke können Lichtblicke sein, die uns allen Zweifel nehmen. Das Bild Marias mit ihrem Kind ist ein schönes Sinnbild dafür. Nur aus der Ferne ist eine Anbetungsszene (südliche Seitenempore über der Sakristei) zu sehen, die in großer Intensität das Licht, das vom Gottessohn und Menschensohn ausgeht, zur Gestalt bringt. Ich möchte Sie noch einladen meine Meditationsgrafik über das Spannungsverhältnis von „GOTTESSOHN - MENSCHENSOHN“ zu betrachten. Die von uns gefundenen Begriff über das, was uns im Sein hält, verändern sich auf jeder Stufe der Betrachtung. Aus dem ungetrennten Wort des „GOTTESSOHNMENSCHENSOHN“ ergeben sich durch das Weglassen von Buchstaben jeweils neue Sinngehalte z.B. „GOTTESSOHNMEN“ oder „GOTTESSO“ oder „GO“ um dann in der Mitte zu verschwinden. Wie die Sandkörner der Sanduhr häufen sie sich aber unten wieder an und führen zum Ausgangsbegriff zurück. Solange die Zeit weitergeht wird die Sanduhr wieder gedreht werden und den wahren Gottesbegriff werden wir erst dann erfahren, wenn wir Raum und Zeit verlassen. Am nächsten aber sind wir in dieser Welt dem Geheimnis im „NICHTS DER MITTE“.
L
ICH
T
E B E N
O D
Eigene Zeichnung zum Thema Taufe
8 Wer regiert? Gönnen wir uns die Zeit, uns in der ersten Bank niederzulassen um aufzuschauen, um nach vorne zu schauen. Aber was sehen wir überhaupt, wenn wir etwas sehen? Was kommt uns entgegen und was davon hat eine Chance in uns zu wirken.
HOFFNUNG
LIEBE
GLAUBE
Einige Titel des Fernsehprogramms eines x-beliebigen Tages. Das stinkt zum Himmel / Auf dem Kriegspfad / Die Suche nach der Superwaffe / Leben oder sterben lassen / Der Tod steht ihr gut / Es scheinen lauter existentielle Themen zu sein, die unser Auge und Ohr finden wollen. Aber es sind Titel seichter Serien, meist Krimis. Sie treffen uns und wir können uns ihrer Macht kaum entziehen. Regieren uns die Medien? Halten sie uns gefangen? Welche Chance hat da ein Chorraum der, sich vor uns auftut. Entgegen kommt uns der Blick des Dreieinen Gottes, der durch ein goldenes Dreieck symbolisiert wird. Von ihm aus entfalten sich die goldenen Strahlen in den Raum. Aber passiert da etwas, wenn nicht in uns etwas passiert? Am Altar sind in Engelsgestalten die christlichen Tugenden Glaube und Hoffung und in Form des Herzens die Liebe symbolisiert. Im Deckenbereich erkennen wir eine Schlacht, die S chlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld aus dem Jahre 955, die Balthasar Riepp gestaltet hat. Aber was kann uns eine solche Darstellung heute noch sagen, wenn wir täglich die Kriege, das Sterben, die Opfer, den Tod in den Medien scheinbar hautnah erleben können. Der heiligen Ulrich, Patron des Kirche und des ganzen Bistums Augsburg, und die weltliche Macht, mit Kaiser Otto I. an der Spitze, kämpfen für das Leben , der ihnen anvertrauten Menschen. Heute erkennen wir doch besser als jemals zuvor, welche Leiden auch die "Sieger" vom Schlachtfeld davontragen. Heute ist es doch dringender als je zuvor, alles zu tun um Konflikte zu entschärfen und friedliche Entwicklungen zu fördern. Wer in den Blick des anderen taucht sieht besser. Wer dann aus vollem Herzen die Macht des einen, allmächtigen und liebenden Gottes für alle Menschen dieses Erdballs annehmen kann, wird für das Abschlachten keinen Raum zulassen. Aber wird dies nicht alles durch die ungehemmten Gewaltdarstellungen, die täglich uns belagern, konterkariert? Wer hat den Mut dieser Verrohung in Wort und Bild Einhalt zu gebieten!
BALTHASAR RIEPP
WIE UND WO WAR ES? "Diese Schlacht erhielt glänzende Attribute, „Geburtsstunde Deutschlands" ist das 'süßlichste von ihnen.“ „Die Ungarn waren zu Zeiten des Sachsenkaisers Otto ein Reitervolk, vor dem das ganze Abendland zitterte. Mehrmals zogen sie brandschatzend durch Bayern. Gefürchtet waren die heidnischen Horden wegen ihrer gnadenlosen Zerstörungswut. Nach der Niederlage bei Augsburg wurden sie zahm und sesshaft. Die Völker im Abendland atmeten auf. Die Heiligenlegende erzählt, mit seinem Gebet habe der Augsburger Bischof Ulrich zum Sieg auf dem Lechfeld mindestens genauso vielbeigetragen wie Otto I. mit seinen Kriegern. Ob das stimmt?“ Rudolf Neumeier in der SZ vom 5. 8. 2013 Nach neuen Forschungen ist die Ortsangabe Lechfeld im Süden von Augsburg umstritten, das Blut spritzte eher im Westen und im Nordwesten von Augsburg.
Chorfresko von 1744 „Schlacht gegen die Ungarn“ (10. August 955), Bischof Ulrich auf dem Schimmel, die Hilfe von oben erflehend, Kaiser Otto mit der „Heiligen Lanze“ in der Rechten. Sie ist das älteste Stück der Reichskleinodien der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches. Sie enthält angeblich ein Stück eines Nagels vom Kreuz Christi. Die Lanze soll dem römischen Hauptmanns Longinus gehört haben, der mit ihr den Tod Jesu überprüfte.
Altarblatt am südlichen Seitenaltar - Balthasar Riepp zugeschrieben Triumpf und Glorie der Immaculata (1745/1740?) ( Krönung Marias durch die dreifaltige Gottheit, umgeben von Herrschern, Aposteln und Heiligen)
Christoph Schmid war eindreiviertel Jahre Kaplan bei Michael Feneberg in Seeg. Seine erste Taufhandlung war am 10. März 1795, seine letzte am 9. Dezember 1796. Er beschreibt die Altarblätter. Ein Rätsel ist mir, dass er den Hauptaltar so beschreibt, als ob der rechte Seitenaltar damals das Altarblatt des Hauptaltars war und das Altarblatt es Hauptaltars sich am rechten Seitenaltar befand. „Die Kirche zu Seeg ist so groß, als für eine Pfarrei von mehr als 2000 Seelen nöthig ist und auch sehr schön. Die drei Altarblätter, auf deren Lehrreiches Sailer, als er am Kirchweihfeste da predigte, aufmerksam machte, sind dadurch den Pfarrangehörigen noch merkwürdiger geworden. Auf dem Seitenaltare rechts zeigt Maria ihr göttliches Kind, den zu unserem Heile Mensch gewordenen Sohn Gottes, und weiter unten erblickt man den heiligen Ulrich, der sein Bisthum Augsburg und auch die Pfarrei Seeg dem obersten Hirten Jesus Christus empfiehlt und ihm die Herzen aller dahin gehörigen Christen übergibt. Auf dem andern Seitenaltare links erblickt man Jesus Christus, wie er von Johannes getauft und zu seinem heiligen Berufe, die Menschen zu lehren und selig zu machen, eingeweiht wird und wie der Himmel sich über ihm aufthat, von dem die Stimme der Vaters erscholl: "Dieser ist mein geliebter Sohn." Auf dem Hochaltare erscheint Jesus Christus in der Herrlichkeit des Himmels von seinen Aposteln und Heiligen und Völkern aus allen Jahrhunderten und Himmelsstrichen umgeben, eine Herrlichkeit, zu der auch wir bestimmt sind. Auf dem Choraltare sind noch vier Engel von schöner Bildhauerarbeit mit Kreuz, Anker und zwei Rauchfässern, die auf Glaube, Hoffnung, Glut der Liebe und Weihrauch des Gebethes hindeuten.“ In den Erinnerungen aus meinem Leben (Bd. 3 Berufsleben hrsg. von Albert Werfer 1855) schreibt Christoph von Schmid ausführlich über seine Kaplanzeit in Seeg.
9 EXSULTATE, JUBILATE ! 1770, als Johann Baptist Enderle sein Hauptfresko vollendete, war er am Gipfelpunkt seiner Meisterschaft angelangt. Seine schwungvollen Engeldarstellungen geben davon Zeugnis. Deshalb empfehle ich Ihnen, sich diese himmlischen Wesen in der Seeger Kirche zu Gemüte zu führen. 1773, also kurze Zeit danach komponierte der 17-jährige Mozart sein "Exsultate, jubilate", sein "Jauchzet, jubelt". Diese Musik und dieser Raum, dieser Text und die Seeger Engel können als eine Einheit empfunden werden, die den Himmel ein Stück weit öffnen können. Jauchzet, jubelt, o ihr glücklichen Seelen, singt süße Lieder; eurem Lied antwortend sollen die Himmel Psalmen mit mir singen. Es leuchtet der freundliche Tag, schon fliehen Wolken und Stürme; Den Gerechten ist unerwartete Ruhe gekommen. Überall regierte die dunkle Nacht; erhebt euch endlich voll Freude, die ihr euch bis jetzt gefürchtet habt, und freudig überreicht der glücklichen Morgenröte mit vollen Händen Blütenzweige und Lilien. Du, Krone der Jungfrauen, du, gib uns Frieden, du, stille die Leidenschaften, unten denen das Herz seufzt.
MOZART UND SEEG Als J.B. Enderle 1770 sein Hauptfresko vollendete, war Mozart gerade 14 Jahre alt. 1769 reisten Vater Leopold und sein Sohn nach Italien. Es war eine Pilgerfahrt zu den Quellen der Musik. Auch die süddeutschen Maler des Rokoko ließen sich von Italien inspirieren. So ist unverkennbar der Einfluss von Giovanni Battista Tiepolo (er wurde 1696 geboren und starb im Jahr der Vollendung des Freskos in Seeg im Jahre 1770) aus den Seeger Fresken zu spüren. Tiepolo war wohl der bedeutendste Maler des Rokoko und Enderles Seeger Werke sehe ich auch als eine Hommage an Tiepolo. Man schaue sich nur die changierenden Gewänder an. Nachweislich hat sich Enderles Lehrer Franz Martin Kuen in Venedig und Rom aufgehalten und Skizzen und Zeichnungen von Tiepolo mit nach Hause gebracht. Italien war das Traumland der Künstler, ob Maler oder Musiker. Mozart wird in Italien 15 Monate bleiben und seine Entwicklung wird von den italienischen Meistern wesentlich beeinflusst. Das Osterfest 1770 verbringt er in Rom und Papst Clemens XIV. überreicht ihm den Orden vom Goldenen Sporn. Am 26.12. 1770 wird seine erste Opera seria "Mitridate, re die Ponto" (Wie konnte ein Vierzehnjähiger solche vielfältigen Gefühle in einer großartigen Musik ausdrücken?) in Mailand mit großem Erfolg uraufgeführt. Zehn Tage vor diesem Ereignis wird in Bonn Ludwig van Beethoven geboren. Aber wussten Sie, dass Mozart eine recht enge Beziehung zu Seeg aufweist? Genoveva Weber wurde am 2.1.1764 in Marktoberdorf als Tochter des fürstbischöflichen Hofschreiners Markus Brenner geboren [der weltliche und geistliche Fürst Clemens Wenzeslaus hatte seine Sommerresidenz in Marktoberdorf - damals Oberdorf]. Seine Spuren lassen sich bis in den Weiler Dederles bei Seeg zurück verfolgen (Georg BRENNER, geboren um 1620 in Dederles). Genovefa heiratete mit 21 Jahren am 20.8.1785 den aus Freiburg stammenden 52 jährigen Theaterimpresario Franz Anton von Weber. Sein Bruder Fridolin Weber (d.Ä.) war der Vater von Wolfgang Amadeus Mozarts Frau Constanze . Genovefa Brenner wurde durch diese Heirat also eine angeheiratete Tante von Wolfgang Amadeus Mozart. 1786 wurde in Eutin der erste Sohn Genovefas, der Komponist des Freischütz Carl Maria von Weber (1786 - 1826) geboren. Bald nach der Geburt von Carl Maria zog Genovefa Weber 1787 mit ihrem Mann nach Hamburg, wo er eine Wandertheater -Kompagnie gründete und in dieser Umgebung ihren Sohn Carl Maria aufzog. Sie gastierte mit ihrem Ensemble um 1794 auch in Weimar bei Goethe. Sie starb mit 34 Jahren 1798, an Schwindsucht. Sie ist zusammen mit Leopold Mozart und Constanze Mozart auf dem Friedhof von St. Sebastian in Salzburg im Familiengrab beigesetzt. Mozart war ein heiteres Genie und passt auch deshalb so gut in die heitere Ausstrahlung der Seeger Kirche. Alfred Einstein beschreibt ihn in "Mozart - Sein Charakter - sein Werk" so: "Mozart hat bei seinen Briefen an sein Augsburger "Bäsle" nicht an die Ewigkeit gedacht. Er hatte bis zu seinem Lebensende Lust an Wortverdrehungen, kindischen Spitznamen, drolligem Unsinn, lustiger Unfläterei - "ein Zug süddeutscher Heiterkeit, den man nördlich des Mains niemals verstand und niemals verstehen wird. ... Er war ein Kindskopf und blieb es, weil Kindsköpfigkeit für einen Schöpfer, zur Entspannung und zur Verheimlichung seines tieferen Ichs, manchmal notwendig ist. .... Ein Dramatiker wie Mozart muß unter Menschen gehen, und um mit Menschen auszukommen, bedarf es des Humors, der witzigen Abwehr, und manchmal noch gröberer Mittel. Man wird sich abfinden müssen mit der Tatsache, daß auch Mozart ein Mensch war 'mit seinem Widerspruch' und daß er bei aller Schärfe der Beobachtung von Menschen und Verhältnissen, bei aller Einsicht in den Kern, in das Wesen von Charakteren und Dingen, mit der Welt nie fertig geworden ist."
10 Was ist Wahrheit? Wo liegt sie verborgen? Ist es unser Los, dass wir sie in dieser Welt in ihrer vollen Klarheit nie erfassen werden . Der Seeger Kreuzweg von Johann Baptist Enderle ist ein eindrucksvolles Angebot zu versuchen, der verborgenen Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Wie in einem Knoten sind drei Fäden unseres Seins, das was wir tun und lassen, das was wir empfinden und das was wir denken in uns zusammengebunden. Der Knoten erscheint nicht durchschaubar, nicht auflösbar. Die Kreuzwegstationen sind in fünf Dreiergruppen zusammengefasst, so dass sich fünfzehn Stationen ergeben. An der ersten Gruppe, beim rechten Seitenaltar, läßt sich die fragen wie Empfinden, Denken und Tun in unserem Dasein unauflöslich verbunden sind. Die dargestellten Stationen sind, Jesus wird zum Tode verurteilt, er nimmt das Kreuz auf sich, er fällt das erste mal. Verurteilen Denkend fragen wir was ist richtig, was ist falsch. Auch Jesus stellt vor Pilatus die Frage: Was ist Wahrheit? Wie können wir diese Frage beantworten? Wir, die wir erkennen können, dass wir nur ein winziges Staubkörnchen, eine vergängliche Gestalt im Universum sind, wir wollen wissen, was zeit- und raumlos wahr ist? Hat nicht unsere Vermessenheit, die Wahrheit eindeutig zu wissen und der Glaube, diese mit allen Mitteln durchsetzen zu müssen, uns schuldig werden lassen für geschehenes großes Leid? Pilatus schickt Jesus mit einer abweisenden Geste in den Tod. Aufsichnehmen Was empfinden wir, wenn uns Leid zugefügt wird, wenn wir bloßgestellt, wenn wir erniedrigt werden? Wie verändern diese Erfahrungen unser Denken, wie wird daraus unser Handeln geleitet? Jesus hat den Weg des Geschehenlassens gewählt. War damit aber nicht ein umso machtvolleres heilsgeschichtliches Handeln verbunden, nicht eine unvergleichlich größere Wirkung erreicht? Pilatus wusch sich seine Hände in Unschuld. Die Angst, Unrechtes getan zu haben, brennt sich aber in unserem Empfinden fest. Auch wir suchen ja oft nach Gründen um unsere vermeintliche Wahrheit zu rechtfertigen. Fallen Wie schnell verraten wir unsere Grundsätze, wenn das uns Aufgeladene uns zu erdrücken droht, wie schnell schauen wir weg, wenn anderen Unrecht geschieht. Auch wenn wir es als Unrecht empfinden, sagt unser Denken: "Was kann ich bloß machen, ich kann doch eh nichts ausrichten!" Hat unser Empfinden in der schnelllebigen Mediengesellschaft überhaupt noch eine Chance für tieferes Empfinden, das zum Handeln führt? Heute, Tagesschau, eine Katastrophe verwischt die andere und dann die Fußballergebnisse und der neuesten Klatsch. Was ist wichtig, was ist wahr, wer kann uns helfen im Knoten des Seins, diese Fragen auflösen? Was hat das alles mit der darstellten Geschichte, die vor 2000 Jahren geschah, zu tun? Ich möchte Sie dazu anregen, den Weg bis zur 15. Station zu gehen und in den Dreiergruppen über die Verknotung von Empfinden, Denken , Tun und Lassen in uns zu meditieren. So kann uns diese Geschichte auch heute noch einen Menschensohn/Gottessohn zeigen der uns nahe ist.
„Ich sehe dich o Jesu schweigen, da dich die Welt verdammt zum Tod. Ach laß dich zum Erbarmen neigen, wenn du als Richter kommst o Gott.“
Die Fußwaschung ist für Jesus Teil eines größeren Ganzen (pars pro toto), nämlich für die Erfüllung seines Gebotes, dass wir einander uns lieben sollen, wie er uns geliebt hat.
11 Der Klang des Raumes Schauen Sie vom Mittelgang auf die Orgelempore. In einem alten Text des chinesischen Kaufmanns, Politikers und Philosophen Bu Wei, der ca. 300 - 235 vor Christus lebte, wird ausgedrückt, dass das, woraus alle Wesen entstanden sind, das große Eine ist und dass das, was sich in der Zweiheit von Lichtem und Dunklem zu einer körperlichen Gestalt, zu einer Form, zu einem Raum entfaltet hat klingt. Der Ton entsteht aus der Harmonie. Die Harmonie entsteht aus der Übereinstimmung. Die Musik beruht auf der Harmonie zwischen Himmel und Erde. Kann man schöner das Raumgefüge der Seeger Kirche beschreiben. Der Klang des Raumes, ein Dreiklang seiner Elemente, wird augenfällig beim Betrachten des dreigegliederten Raumes, in dessen Mitte die Klangquelle steht. Die Bauzeit der Kirche war die Zeit eines Joseph Haydn ( 1732 - 1809), eines Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791). Und kann nicht leicht beim Hören ihrer Werke, der Rokokoraum mitgehört werden, ja öffnet dieser Raum mit dieser Musik nicht das Tor zu einer immerwährenden Klang. Können so nicht die Künste den "Himmel bessrer Zeiten" mir erschließen, wie es in einem Schubert Lied so ausdruckvoll anklingt und in dem die letzte Zeile lautet "du holde Kunst, ich danke dir dafür!" Eine dankbare Erinnerung für den Vermittler der göttlichen Geistes mittels des Geistes der Musik wird im mittleren Fresko durch das Notenblatt mit der Überschrift "Alois Meisburger 1980" ausgesprochen. "Heil dem Tage, der unsre Tage krönt", diesen Text vertonte der Pfarrer mit dem tönenden Herzen.
12 Alles ist Eines Was ist in diesem Raum noch Materie, was schon Geist. Sie fallen zusammen in dieser Symphonie der Elemente. Im Sternenkranz spiegeln sich die unendlichen Möglichkeiten wieder und lassen Raum und Zeit verschwinden. Immer wieder finden wir in der Kirche Strahlen- und Sternenkränze. Diese strahlen uns entgegen. Alle Bewegungen, die aus den Widersprüchen unseres Daseins geboren wurden, können in diesem Abbild des schattenlosen Geheimnisses ihre Ruhe finden. Unsere bohrenden Fragen und unzureichenden Antworten treffen und versöhnen sich in einem erfüllten Schweigen. Was bleibt uns mehr als zu Staunen, aber damit beginnt, was uns der zu uns geöffnete, wunderbare Raum uns sehen, hören und empfinden lässt.
„Die Verbindung zwischen dem Ich und seinem Glauben steht unter den Bedingungen des Bewusstseins, dessen letzter Rest, soviel wir wissen, auf etwas beruht, das selbst noch ein sich entgleitendes Ich mit etwas verbindet, das es selbst nicht ist. Diese Verbindung ist, solange sie besteht, eine des Wissens. Sie wird erst im Verlöschen des Bewusstseins unterbrochen und endet mit dem Tod. Der Tod lässt sich durch kein Wissen überbrücken. Wohl aber kann der Glauben mit seiner sinnlichen Vorstellungskraft über ihn hinwegzugehen suchen und dabei von der Zuversicht getragen sein, dass es eine über den Tod hinausgehende »Erlösung« gibt.. . . Wer das Leben erfahren hat, dem fällt es nicht schwer, den Tod selbst als «Erlösung« zu sehen. Wer aber bedenkt, wie sehr alles bewusste Leben, insonderheit das einer Person, über das eigene Dasein hinauszugehen sucht, der wird die Vorstellung der Unsterblichkeit nicht unverständlich finden. Sie kann zu einem Verhalten motivieren, das sich als wahrhaft universell versteht; sie kann Leistungen stimulieren, mit denen jemand über sich hinauswirken möchte, und vermag schließlich auch für die Hinterbliebenen tröstlich zü sein. Volker Gerhardt - Glauben und Wissen - Ein notwendiger Zusammenhang Reclams Universal-Bibliothek 2016, S. 15/16
EPILOG Nehmen Sie den Raum in Ihrem Herzen mit, er ist ein Geschenk, dass Ihnen ohne eine Verpflichtung, einfach so, gegeben wird. Es ist eine Kostbarkeit, die sie sich immer wieder schenken können und sie werden erleben, dass sie immer wertvoller wird. Verabschieden möchte ich mich von Ihnen mit meinem Lieblingsengel, der sie einlädt wieder und wieder den Klang des Raumes im Zusammenklang seiner Elemente zu erleben. Diese Raumsymphonie ist ein unerschöpfliches Ereignis auf unserem Erdenrund. Bevor sie die Kirche verlassen, gönnen sie sich noch einen Rundgang. Versuchen sie aber nicht alles Gedachte nochmals zu wiederholen, sondern die Gedanken auf sich beruhen zu lassen, ruhen sie von ihren Gedanken aus. Spüren Sie sich selbst beim Gehen in dieser Raumgestalt. Sie werden erfahren, dass zwischen Ihnen und diesem Raum eine Verbindung entstanden ist und dass die Kostbarkeit dieser Stunde und dieses Ortes in nicht vorhersehbarer Art und Weise in ihnen weiterwirkt. Und sogar einige ihrer Sorgenfalten könnten sich verflüchtigt haben. Die beiden Engel mögen sie begleiten.
Christoph von Schmid war eindreiviertel Jahre Kaplan bei Michael Feneberg in Seeg. Seine erste Taufhandlung war am 10. März 1795, seine letzte am 9. Dezember 1796. In den Erinnerungen aus meinem Leben (Bd. 3 Berufsleben hrsg. von Albert Werfer 1855) schreibt Christoph von Schmid ausführlich über seine Kaplanzeit in Seeg. Der Text ist im Folgenden in Originalschreibweise wiedergegeben. Seite 101 Die Kirche zu Seeg ist so groß, als für eine Pfarrei von mehr als 2000 Seelen nöthig ist und auch sehr schön. Die drei Altarblätter, auf deren Lehrreiches Sailer, als er am Kirchweihfeste da predigte, aufmerksam machte, sind dadurch den Pfarrangehörigen noch merkwürdiger geworden. Auf dem Seitenaltare rechts zeigt Maria ihr göttliches Kind, den zu unserem Heile Mensch gewordenen Sohn Gottes, und weiter unten erblickt man den heiligen Ulrich, der sein Bisthum Augsburg und auch die Pfarrei Seeg dem obersten Hirten Jesus Christus empfiehlt und ihm die Herzen aller dahin gehörigen Christen übergibt. Auf dem andern Seitenaltare links erblickt man Jesus Christus, wie er von Seite 102 Johannes getauft und zu seinem heiligen Berufe, die Menschen zu lehren und selig zu machen, eingeweiht wird und wie der Himmel sich über ihm aufthat, von dem die Stimme der Vaters erscholl: "Dieser ist mein geliebter Sohn." Auf dem Hochaltare erscheint Jesus Christus in der Herrlichkeit des Himmels von seinen Aposteln und Heiligen und Völkern aus allen Jahrhunderten und Himmelsstrichen umgeben, eine Herrlichkeit, zu der auch wir bestimmt sind. Auf dem Choraltare sind noch vier Engel von schöner Bildhauerarbeit mit Kreuz, Anker und zwei Rauchfässern, die auf Glaube, Hoffnung, Glut der Liebe und Weihrauch des Gebethes hindeuten. An schönen Frühlingstagen z.B. erinnerten wir daran, daß Jesus Christus uns auffordere, auf die Vögel unter dem Himmel zu blicken, die der himmlische Vater ernähre und auf die Blumen des Feldes, die Er schöner schmücke als Salamo gekleidet war in aller seiner Pracht. Zur Zeit der Aerndte, wenn nach langem Regen die Sonne wieder hell und warm schien, oder wenn nach langer Dürre ein milder Regen die Felder erfrischte, [so] machten die Worte Jesu, der himmlische Vater lasse seine Sonne scheinen, Er lasse regnen, einen besonders erfreulichen und tröstlichen Eindruck auf die Landleute. Die kurzen Anreden durften aber nebst der Messe nicht länger währen, als eine halbe Stunde, damit die Leute nicht von ihrer Arbeit abgehalten würden. Indessen merkten sie sich die wenigen Worte besser als eine lange predigt.
HOFFNUNG
LIEBE
GLAUBE
MARIA
Deckenfresko des Langhauses von Johann Baptist Enderle Marias Haupt trägt die Krone der Himmelskönigin, das Zepter wird ihr vom Engel gereicht. Sie ist umkränzt mit 12 Sternen. In der "Offenbarung des Johannes" heißt es: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt" (12, 1). Die Zwölfzahl der Sterne ist Hinweis auf die zwölf Stämme Israels (Genesis 37, 9) und somit auf das Volk Gottes. Die genannte "Frau" wurde mit Maria gleichgesetzt, da sie später in der Offenbarung als Frau erwähnt wird, die den Messias gebären wird. Die Zahl "Zwölf" hatte schon immer für die Menschen eine besondere Bedeutung. Zwölf goldene Sterne auf dunkelblauem Grund wurden auch das Symbol für Europa. Sie ist das Produkt von "drei" und "vier" ist. Die Dreizahl steht dabei für die Dreifaltigkeit Gottes in Vater, Sohn und Geist, und die "Vier" symbolisiert die Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen. "Zwölf" ist dann die Vereinigung des Göttlichen mit dem Weltlichen und findet in Maria als Mittlerin zwischen Gott und Welt auf dem Fresko ihren sinnfälligen Ausdruck. Maria blickt auf zu Christus und zeigt mit ihrer rechten Hand auf ihr Herz. Die linke Hand weist nach unten auf die Erde und zum Putto mit dem Blitzstrahl in der Hand, der in das Geschehen bei der Seeschlacht von Lepanto eingreift. Marias linker Fuß hält die nach unten gerichtete Mondsichel fest, ein Symbol, das bereits der ägyptischen Himmelskönigin Isis zugeordnet war. Im Zusammenhang mit Maria ist die Lilie, die der Engel ihr entgegenstreckt ein Symbol der Jungfräulichkeit, das auch der Erzengel Gabriel bei der Verkündigung in der Hand hält.Die Symbole sind von Christus her zu deuten. Wenn z.B. von Maria als Morgenstern gesprochen wird, dann sagt dies, dass sie als Mutter vor ihrem Sohn war. Der Morgenstern ist zu sehen, bevor die Sonne aufgeht. Bei der Bezeichnung Maienkönigin wird Maria mit dem Frühling in Verbindung gebracht. Maria ist mit einem blauen Mantel umkleidet. Blau wird im Alten und Neuen Testament, wie auch der blaue Stein Saphir, mit dem Himmel, aber auch als Farbe des Meeres mit Weite und Tiefe verbunden. Die Farbe Blau verknüpft wie Maria Göttliches mit Irdischem.
Altarbild von Johann Baptist Enderle (1787) Maria als Himmelskönigin mit einem fröhlichen Jesuskind. St. Ulrich, barhäutig, bittet für die Seeger Bürger. Die Mitra haben die Engel ihm abgenommen.
Marienleben Maria mit dem Kinde Maria als „tota pulchra“, der ganz und gar Schönen Maria Immaculata, als apokalyptische Frau Vom Schmerz gezeichneten Maria vom Siege, die Siegreiche, Erhöhte Sie steht auf der Mondsichel, trägt einen Sternenkranz rund um ihr Haupt und ist von der Sonne umgeben, häufig siegt sie über Drache oder Schlange, über Sünde und Häresie. Das Zertreten der Schlange verweist auf den Sündenfall. Maria erscheint als neue Eva, die den Erlöser Jesus Christus zur Welt bringt. EVA wurde zum AVE (Maria).
MARIENDARSTELLUNGEN
"Was heute am christlichen Glauben interessiert, ist Erfahrung anstelle von dogmatischer Belehrung, Poesie anstelle richtiger Begriffe. Unübertreffliches Beispiel für einen Erfahrungsweg ist das junge Mädchen Maria. Es wäre unredlich, Maria als geistiges Eigentum des Katholizismus zu verstehen. Martin Luther war, was viele nicht wissen, ein Verehrer Mariens. Bei der Beschäftigung mit Maria bekommen Gefühle Raum, Trauer, Sehnsucht, Poesie - Bereiche, die im protestantischen Glauben lange ausgeklammert und verdächtigt worden sind. Für Hildegunde Wöller kann Maria zum Inbegriff der Würde und Schönheit des Menschen werden. Gemeinsam mit dem Flötisten Hans-Jürgen Hufeisen, der traditionelle Marienlieder bearbeitet hat, will sie einen neuen Blick auf Maria werfen." Aus dem Ankündigungstext einer Sendung des Bayerischen Rundfunks (3. 2. 2008)
KIRCHENVATER AUGUSTINUS
KIRCHENVATER HIERONYMUS
KIRCHENVATER AMBROSIUS
KIRCHENVATER GREGOR
KIRCHENVÄTER AM KANZELKORB 1710 - Marmoriert 1810 von Johann Geiger aus Buchloe
Erzengel Michael am Schalldeckel der Kanzel