GÖTTERDÄMMERUNG

 

 

 

 

Siegfried    Andersen

Gunther      Uusitalo

Hagen        Salminen

Alberich   Kapellmann

Brünnhilde    Schnaut

Waltaude                 Lipovsek

     Zubin Mehta

     David Alden

Ende der Durchsage

Die Party ist vorbei, der

Hahn kräht, die Würfel sind

eingesammelt, die Tänzerinnen

schnarchen, die Mäuse krabbeln

in die Pappbecher, der Esel hat

den Schwanz eingeklemmt, die

Fabel hat sich zum Sterben

verkrochen, die Liebe ist

verstaubt, die Tempel sind

leer, der Vogel ist aus-

geflogen, im Käfig sitzt ein

verzwergtes Herz und flennt;

der Traum hat eine Bruchlandung

gemacht, ich sitze mit

leeren Händen da, starre sie

an, starre sie an, und 

nichts klingt

nach.

 

Charles Bukowski

 

Rheingold 

Walküre  

Siegfried

 

Ende der Durchsage

Joachim Kaiser in der SZ vom 24.12.2003

 

" Es mag billig scheinen, wenn hier im Bewusstsein sicherer Resonanz vom hohen Kultur-Ross herab über die aktualitäts-geilen Bühnen-Leute gespöttelt wird. Obwohl man als Theaterkritiker dicke Mappen füllen könnte mit Hilfe suchenden Protest-Briefen wütender „Othello“- oder Wagner-Fans. Etwa zur Münchner Götterdämmerung schrieb ein Erbitterter: „Die Darstellung Siegfrieds als ständig besoffenen, torkelnden Bajuwaren, erstochen in einem mit Spielautomaten bestückten Bierkeller unter den teilnahmslosen Tölzer Jagdfreunden sollte offenbar die Musik Wagners treffen . . . Dazu passend davor die zu Putzfrauen mutierten Rheintöchter, danach die kettenrauchende Brünnhilde, in der Interpretation als alt gewordene Schlampe, die nicht einmal mehr einen Trottel ins Bett kriegt.“

 

Aufschub des Untergangs

Düstere Frage: sind es denn wirklich nur einige zerstörerische Regisseure, die mit dem hohen Stil großer Klassik überhaupt nichts mehr anfangen können und schäbigen Aktualitäten nachjagen, wobei junge Kritiker ihnen beipflichten? Als jüngst in Augsburg – nach einem kritischen Vortrag über die historische Instinktlosigkeit wohlfeil anachronistischer Klassik-Modernisierungen – eine Diskussion stattfand, meldeten sich auch zwei Geistliche. Ein Katholik und ein Protestant. Beide bejahten einschränkungslos die vorgebrachte Kritik. Alles Gesagte wäre leider 1:1 auf die Kirchen übertragbar, wo es auch mächtige, zerstörerische Tendenzen gäbe: Etwa dem universalen lateinischen Messe-Text zu misstrauen, Luthers Deutsch von Laien-Predigern verzerren zu lassen, denen die „gute Nachricht“ leichter über die Lippen kommt als das „Neue Testament“, und wo vermeintlich jugend-nahe Gottesdienste mit scheußlichem KlampfenGetön sich anbiedern möchten bei jenen, denen Bachs Choräle und Paul Gerhardts Lyrik so abschreckend fremd seien und fern. Ja, als wohlerwogene „Öffnung“ zum Politisch-Gesellschaftlichen setzen auch manche große überregionale Feuilletons ihren Drang zur thematischen Erweiterung durch. Weniger Streichquartett, mehr Irak; weniger Rezensions-Gekrittel, mehr aktueller Biss."