JOHANN BAPTIST ENDERLE   

   1725 - 1798

Seiten über Gott - Welt - Mensch von Theodor Frey

 

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LEBEN UND WERK VON JOHANN BAPTIST ENDERLE

 

 

"Enderle, schafft kindlichen Herzens, 
in aller friedlichen Unbefangenheit,
 gutgelaunt, jovial gestimmt und
 entsprechend auch festlich einstimmend." 

Armin Gebhardt - Das Phänomen des Rokoko,
1995, S. 93 

 



 

SELBSTPORTRAITS

Selbstportraits von Enderle finden sich in Bayersried (1750),  in Hausen (1754) und in der Kirche St. Nikolaus in Hammerstetten (1763). 

St. Nikolaus in Hammerstetten

 

 

Enderle Denkmal in Donauwörth

 

   

Selbstportrait als Apostel Thomas in Bayersried (links) und die Kupferstichvorlage von Pitteri - nach 1750 (rechts))

In der Filialkirche von St. Georg in Bayersried soll sich J.B. Enderle um ca. 1750 als Apostel Thomas selbst dargestellt haben. Enderle war damals 25 Jahre jung.
Diese Zuordnung  als Selbstbildnis ist insoweit fraglich, da für die Darstellung der Apostel die Stiche von Marco Pitteri (1703-1767) als Vorlage dienten. Diese Stiche sind wiederum auf Gemälde von Giovanni Baptista Piazetta  (1682-1754) zurückzuführen.  Der Vergleich zeigt jedoch, dass der Gesichtsausdruck, besonders die Mundpartie von der Stichvorlage abweichen, so dass möglicherweise Enderle diesem Apostel seine Züge verlieh.

"Piazettas Apostel fanden durch Stiche von Marco Pitteri weite Verbreitung und gehören auch in der süddeutschen Barockmalerei zum festen Zitatfundus." 

Dr. Paula, Bayerisches Landesamt für Denkmalspflege

Hinterglasbild nach dem Stich von Pitteri (links original, 
rechts entsprechend der Darstellung des Stichs gedreht)

Die Hinweis über das Selbstportrait verdanke ich Herrn Franz Hopfenzitz aus Deisenhausen.



 

Geboren am 15. Juni 1725  in Söflingen(1905 nach Ulm eingemeindet), eine Klosterherrschaft der Klarissen, westlich von Ulm gelegen. Die Eltern Mauritius (*1693) und Maria hatten fünf Kinder, von denen drei früh starben. Der Vater scheint schon vor der Geburt des letzten Kindes 1729 gestorben zu sein.


Die Söflinger Zeit

Erste Ausbildung wahrscheinlich bei einem Söflinger Klostermaler.

1746 Altarblatt in der Schloßkapelle Klingenstein mit der Krönung Marias durch den dreifaltigen Gott und Ölbild einer Darstellung des hl. Antonius im Pfarrhof zu Unterkirchen ( beide Landkreis Ulm). Die Darstellung des 21-jährigen ist noch etwas schwerfällig und schülerhaft.  

Altarblatt in der Schloßkapelle Klingenstein (Ausschnitt) 
Häufig hat Enderle die Madonna mit der Mondsichel dargestellt. 
Siehe dazu die  Darstellungen in der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich . . .



ca. 1750  Mitarbeiter von Franz Martin Kuen in Mindelzell. Unter seinem stilistischen Einfluss stand noch längere Zeit. Die Fresken in der Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Mindelzell entstanden in Zusammenarbeit mit seinem Meister Franz Martin Kuen. Sie zeigen Szenen aus "Jüngstes Gericht" und "Verehrung des Kreuzpartikels. 


Apostelbilder in der Kirche von Bayersried (Landkreis Krumbach). Das Bild des Apostels Thomas dürfte ein Selbstportrait sein. 

 
um 1750  Die Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Stephan in Großkitzighofen (Gemeinde Lamerdingen bei Buchloe) 

1753  Erste selbständige Aufträge für die Pfarrkirchen in St. Stephan in Kirchdorf  und Oberauerbach in St. Mauritius (Landkreis Mindelheim). 
Hier fand er zu seinem eleganten, freien und sensiblen Formen und Farben. 
Gleichzeitig Auftrag im Chor der Dorfkirche St. Mauritius in Oberauerbach (Landkreis Mindelheim).

 Von 1753 an, erhielt Enderle bis zur vor seinem Tod fast jedes Jahr einen größeren Auftrag. Ein Zeichen deiner Wertschätzung aber auch seiner eher geringen Honorarforderungen.

Franz Martin Kuen
Fischach Pfarrkirche 1753
J.B. Enderle
Kirchdorf Hauptfresko 1753

Enderle hat hier die Vorlage des Themas "Verherrlichung des heiligsten Altarsakramentes" von Kuen übernommen, jedoch stilistisch und in der Raumstreckung  eigenständige Elemente eingebracht, die die späteren Werke bereits erkennen lassen.

 

Stilistische Einordnung

Enderle stand wohl in keinem direkten Arbeitsverhältnis mit dem älteren  Johann Georg Bergmüller (*1688 in Türkheim bei Buchloe,  
 † 2. 1762 in Augsburg) , aber er hat seinen Zeichenstil - vor allem an der Augsburger Akademie - studiert und zeigt besonders in der Behandlung des Gewandes Ähnlichkeiten. Allerdings zeigt Enderle eine weichere, abgerundete Formen.  Hier ist der Einfluss Kuens und über ihn Tiepolos unverkennbar.


1754  Deckenfresken in St. Bartholomäus in Hausen bei Pfaffenhausen (Gemeinde Salgen, Landkreis Unterallgäu) Chorfresko "Martyrium des heiligen Bartholomäus" und im Langhaus "Kaiser Konstantin erblickt das Kreuz". Der Abschluss der Renovierung im Jahre 2000.

1754 - Das Fresko in der Mitte des Langhauses zeigt den heiligen Konstantin  mit Gefolge wie er das Kreuz erblickt.


Decken- und Wandgemälde in St. Clemens in Herbertshofen (Landkreis Wertingen); Das Hauptfresko des Martyrium des hl. Clemens beruht auf einem Entwurf von F. M. Kuen. 


1755  heiratet er die Malerswitwe Maria Theresia Reismiller in Donauwörth und übernimmt die Werkstätte und den Kundenkreis. Dadurch erwarb er das Bürgerrecht in Donauwörth.  Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

 

In einer Gerichtsverhandlung tritt J. B. Enderle als Zeuge auf. Es geht um den Stukkateur Andreas Hen(c)kel, der von einer Apollonia Dossenberger als Vater ihres zweiten unehelichen Kindes genannt wurde. Mit Andreas Hen(c)kel aus Mindelheim arbeitet er bei der Ausgestaltung der Seeger Kirche (um 1768 - 1772) zusammen. 

Es ist wahrscheinlich, dass Enderle den Seeger Auftrag durch Vermittlung von Henckel erhalten hat. Mindelheim war auch die Heimat des Pfarrers von Seeg. 



Die ersten Donauwörther Jahre


Wohnhaus in Donauwörth aus dem Katalog  "Der Donauwörther Rokokomaler Johann Baptist Enderle(1725-1798)" (1998 zum 200jähriger Todestag- Seite 24)

 



1755  Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Genderkingen im Landkreis Donau-Ries 



1756  Fresken in "Unsere Liebe Frau vom Berge Kamel" in Mussenhausen

 

 

Mussenhausen - Chorfresko - Tempelgang Mariä. Signiert: J.B. Enderle fecit 1756

 



1756/57  Deckenfresken in St. Thekla in Welden im Landkreis Augsburg 

1757/58  Fresken in der Kirche St. Jakobus der Ältere in Ketterschwang (Ostallgäu). Das Fresko im Chor stellt das heilige Altarsakrament dar und das Fresko im Langhaus zeigt u.a. die Erscheinung des heiligen Jakobus.  



Die Höhepunkte seiner frühen Schaffenszeit


1759  Deckengemälde in der Pfarrkirche St. Martin in Schwabmühlhausen

1760  Hochaltargemälde für St. Georg in Westendorf

Um 1760  Das Gemälde "Predigt des Hl. Franziskus". Es ist heute im Museum und Galerie im Prediger in Schwäbisch Gmünd untergebracht.  

1762  Kartuschen mit gemalten Darstellungen des Kreuzweges und aus dem Marienleben in der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Wettenhausen im Landkreis Günzburg

1762/63  Fresken in der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Gottmannshofen, Stadt Wertingen, im Landkreis Dillingen/Donau 

1763  Fresken in Unsere Liebe Frau vom Berge Kamel in Mussenhausen (Langhaus: Himmelfahrt Mariens)

1763  Fresken über den heiligen Nikolaus in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hammerstetten im Landkreis Günzburg mit Selbstportrait des Malers

  

J.B. Enderle rechts oben

 

1765  Wand- und Deckenfresken in der Kapelle zur schmerzhaften Muttergottes in Eggelhof bei Achsheim im Landkreis Augsburg



1766-1767 in Deisenhausen, Pfarrkirche St. Stephan mit den Fresken aus dem Leben des heiligen Stephanus. Vier Szenen im Langhaus zeigen die Verteidigungsrede, die Einkleidung zum Diakon, die Krankenheilung und die Teufelsaustreibung.
Hier ein Ausschnitt aus dem Chorfresko, das die  Steinigung des Heiligen Stephan darstellt.
 


Ausschnitt einer Aufnahme von Hans Schinabeck


"Deisenhausen läßt vieles Anklingen, was zwei Jahre später in Unterrammingen [ und 1769/70 in Seeg] entscheidend weiter entwickelt ist. Auffallend sind das helle Kolorit, das sich über die gesamten Fresken erstreckt, und der immer nervöser werdende Pinselstrich. Dadurch wird eine überraschende Lebendigkeit in der Zeichnung erreicht."
(Dasser, S. 41)


Auffallend sind folgende Parallelen zu den Fresken der Kirche in Seeg:
Die Gestaltung der Hauptfigur der fünf klugen Jungfrauen entspricht in der Stellung und Farbgebung der Judit im kleinen Fresko des Chorraumes in Seeg. 




Die Anbetung der Hirten über dem Oratorium im Chor ist von Enderle fast identisch in Seeg aufgenommen worden. Der wesentlichste Unterschied ist, dass in Deisenhausen an der Stelle des geöffneten Himmels mit dem Text "GLORIA IN EXCELSIS DEO" drei Putti dargestellt sind.



                     Deisenhausen                                                    Seeg
             
Ausschnitt einer Aufnahme 
                       von Hans Schinabeck


Des weiteren lassen sich auch Parallelen bei den Kreuzwegstationen und den Fresken an den Orgelemporen ( König David, Hl. Cäcilia) erkennen.

Joseph (Appo) Wagner "Quod nascendur ex te Sanctum, vocabitur Filius Die."  - Kupferstich, In der Platte signiert "Appo Wagner Ven. C.P.E.S. und nummeriert "Z.2" u.re., in Latein betitelt u.Mi. "Anbetung der Hirten"

Dieser Stich dürfte Enderle als Vorlage für die Darstellungen in Deisenhausen und Seeg gedient haben.

Joseph (Appo) Wagner - 1706 Thalendorf am Bodensee bis 1780 Venedig

seit ca. 1720 Schüler bei F. Späth und J. Amigoni in München. Wechselte später von der Malerei in die Graphik und wurde Kupferstecher. Ausbildung bei L. Cars in Paris. 1729 Umzug nach Venedig, wo er eine bedeutende Kupferstich- Manufaktur betrieb. 1749 erhielt er das Privileg, seine Stiche mit C.P.E.S. zu bezeichnen.

Den Hinweis über die Stichvorlage verdanke ich Herrn Franz Hopfenzitz aus Deisenhausen.

 


Des weiteren lassen sich auch Parallelen bei den Kreuzwegstationen und den Fresken an den Orgelemporen ( König David, Hl. Cäcilia) von Deisenhausen und Seeg erkennen.




1766  Gemälde in Unsere Liebe Frau in Oberrammingen, Landkreis Unterallgäu "die Anbetung der Weisen", "Besuch Mariens bei Elisabeth" , "die Flucht nach Ägypten" , "Kreuzigung", "Mariä Tempelgang" und "Anbetung der Hirten" 



Höhepunkte seiner mittleren Schaffensperiode

1769  Deckenfresken der Pfarrkirche St. Magnus in Unterrammingen bei Mindelheim.  Die stilistische Entwicklung erreicht seinen Höhepunkt und es ist verwunderlich wie Enderle diese Aufträge bewältigen konnte.

Auf einer Mission tritt Magnus mit seinem Begleiter Tasso dem Drachen entgegen und tötet ihn

 

 

1769/1770  Die Fresken in St. Ulrich in Seeg im Allgäu entstanden. Das Hauptdeckengemälde stellt die Seeschlacht vom Lepanto dar.

 


Mit der Seeger Arbeit erreicht Enderle einen Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Das Hauptfresko erstrahl in einer ausgewogenen  Farbigkeit. Bildelemente und "Leerflächen" sind spannungsvoll zueinander geordnet. Die elegante und leichte Pinselführung ist beeindruckend.

 

 

1769  Fresken in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Buggenhofen, Gemeinde Bissingen im Landkreis Dillingen/Donau 


1770  Malereien im Pfarrhof von Zaisertshofen, Landkreis Unterallgäu 

Maria Heimsuchung im Pfarrhauses des Tussenhausener Ortsteils Zaisertshofen

 

Lit. Weißenhorn Rudolf G. "Der  Endele-Zyklus im Pfarrhof zu Zaisertshofen (Unterallgäu). XXXII 261 - Veröffentlichung des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte


1770/71  Deckengemälde in der Wallfahrtskirche Allerheiligen in Jettingen-Scheppach (hier mehr . . . ), Landkreis Günzburg. Sie zeigen: "die Anbetung der Weisen"; "Die Rückkehr aus Ägypten"; "St. Josef lehrt Jesus das Schreiben"; "Die Hl. Familie"; "Der zwölfjährige Jesus im Tempel".  

 

Kirche Allerheiligen in Scheppach "Anbetung der Könige"

1771  Hauptdeckenfresko "Maria und Heilige bitten bei Christus für die Armen Seelen" in der kath. Friedhofskirche St. Johannes der Täufer in Lauingen/Donau

1771/72  Deckengemälde in der Augustinerkirche in Mainz entstanden. Die Fresken zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Augustinus.  In Mainz konkurrierte er mit Giuseppe Appiani um den Auftrag.

1772  Altargemälde "Taufe Christi" und im Auszug "Gottvater" in der kath. Friedhofskirche St. Johannes der Täufer in Lauingen/Donau 

1773/74  Fresken in St. Ignaz in Mainz  

1775  Deckenfresken mit Szenen der beiden Kirchenpatrone in St. Peter und Paul in Hochheim am Taunus, südlich von Wiesbaden (Hessen). Restauriert in den Jahren 1996-2005. 



Spätwerk


1776/77  Deckenfresken in der neuerbauten Augustinerklosterkirche in Oberndorf am Neckar. Die Stuckarbeiten sind von Andreas Henckel. Die Verbindungen wurden wohl über das Augustinerkloster in Wettenhausen angeknüpft. 1978 renoviert, heute ist in diesem Raum das Kulturhaus der Stadt untergebracht.  

 

Anbetung der Hirten - Öl auf Leinwand 1776/77
Entwurf für das Langhausfresko der ehemaligen Augustinereremitenkirche in Oberndorf am Neckar

(Sammlung Reuschel im Bayerischen Nationalmuseum München)

 

 

 



1778  Deckenfresken im Deutschordenshaus in Donauwörth.

Simon Lutz  u. a. 
Das Göttermahl oder Die Hochzeit der Thetis mit Peleus. Eine Bildanalyse zum Deckenfresko von Johann Baptist Enderle im Deutschordenshaus zu Donauwörth. Hrsg. vom Rotary Club.
Donauwörth 1998.


1780  Das Deckenfresko im Festsaal des Klosters Heilig-Kreuz in Donauwörth. Es zeigt in vier Bildern die Geschichte des Klosters.  

 

1786  Altarbilder, Antependien und Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Mündling, Stadt Harburg. (Hochaltar: Johannes der Täufer, im Auszug Johannesschüssel, am Antependium (Bezeichnung für den  Altarvorsatz, von lat. ante, "vor", und pendere, "hängen"). Guter Hirte; Seitenaltäre: links Christus am Kreuz mit heiliger Maria Magdalena, im Auszug Gott Vater und heiliger Geist, am Antependium Ölberg; rechts 14 Nothelfer, im Auszug heiliger Josef, am Antependium heiliger Isidor).

  

1787  Deckengemälde in der Leonhardskapelle der Pfarrkirche St. Martin in Gundelfingen

1788 - 1791  Fresken in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Burgau, Landkreis Günzburg.  

1789 (25. Juli) brach er sich bei der Ausmalung der Kirche von Graben den Fuß. 

1791  Deckenfresko in der Augustinerkirche in Lauingen/Donau entstand.  

1795 (8. Januar) stirbt seine Frau.

1795  Deckenfresko "Geburt Christi" in der Pfarrkirche St. Martin in Großanhausen, Gemeinde Unterknöhringen, im Landkreis Günzburg.  

1796  (Hochzeit am 22. November) Zweite Heirat des einundsiebzigjährigen mit der siebenundvierzigjährigen Ursula Schiffelholz aus Wörnitzstein. 

1797 letzte datierte Werke: Nördliche Seitenaltarblatt der Kirche in Großanhausen (Verkündigung) und kleines Ölgemälde mit seinem Namenspatron, Johannes dem Täufer (Donauwörther Stadtmuseum). 

15. Februar 1798  Johann Baptist Enderle ist in Donauwörth an einem Gehirnschlag gestorben. 

 

Literatur: 
Karl Ludwig Dasser - Johann Baptist Enderle (1725-1798) - Ein schwäbischer Maler des Rokoko 

Schwabenmedia - Enderle im Internet

Im Biografischen- Bibliographischen Kirchenlexikon

 

 


Fürbitte des hl. Johann von Gott
um 1760
im Diözesanmuseum in Freising













Undatiertes Enderle Altarbild in der Spitalkirche Donauwörth









Münster Zu unseren lieben Frau in Donauwörth

Sind dies Enderle Gemälde?












 

 

HAUPTFRESKO "SEESCHLACHT VON LEPANTO"

INTERPRETATION

Das trinitarische Gottesbild prägt das Hauptfresko von Johann Baptist Enderle. Im Aufbau des Freskos (vergleiche Skizze unten) sind drei Ebenen zu unterscheiden. Im oberen Teil die Ebene der Transzendenz mit der Darstellung der göttlichen drei Personen  in der Einheit des einen Gottes, in der mittlerer Ebene die Vermittlung der weltlichen zur göttlichen Sphäre durch und in Maria. Damit wird die Trinität um das weibliche Element erweitert, eine "Quaternität" wird sichtbar,  ohne die zentrale Trinität in Frage zu stellen.. Schließlich sind in der unteren, weltlichen Ebene die Seeschlacht von Lepanto und die Schau des Papstes Pius dargestellt.   

 

 

Entwurf des Hauptfreskos von Johann Baptist Enderle (1770) Ulm - Museum


Auf dem gesamten Fresko wird das Heilsgeschehen in vertikaler Sicht dargestellt.  Im geöffneten Himmel (der Kreis als Symbol der Einheit mach dies anschaulich) sind in einer Dreiecksbeziehung Gott als Geist (Taube), als Vater (thronender Weltenherrscher mit Zepter) und als Sohn (Jesus Christus mit Kreuz) dargestellt.  Die Engel umrunden diese transzendentale Sphäre.

Christus und Maria sind einander eng zugeordnet. Christus und Maria schauen aufeinander und die Verlängerung der Querbalkens des Kreuzes führt zu Maria in der mittleren Sphäre. Der vertikale Kreuzbalken dagegen führt in der Verlängerung zur  unteren weltlichen Ebene, zu den kirchlichen und weltlichen Würdenträgern.

Vermittler der göttlichen Macht beim Eingreifen in die Weltgeschichte ist ein kleiner, lieblicher  Engel, der den Blitz auf die türkischen Schiffe schleudert.  Papst, Kaiser und andere Würdenträger eilen schnellen Schrittes aus einer barocken Festung ins Bild und schauen auf die tobende Schlacht. Sie stehen dem Schlachtgetümmel horizontal gegenüber. Papst Pius scheint der Blick auf den kleinen Engel mit dem Blitz zu richten. Die Kriegsutensilien im rechten unteren Bereich sind dekorativ und friedlich  als Gegengewicht zur den lichten oberen Sphären  in dunkleren Farben gehalten. 

Im gesamten Kirchenraum sind vordergründig kaum bedrohliche, erschreckende Motive zu finden. So ist der Eindruck eines Raumes des Jubels und der Schönheit vorherrschend. 



(Foto von Heinrich Scherbaum jun.)

Hauptfreskos von Johann Baptist Enderle - Ausschnitt der Trinitätsszene mit  Maria

                                                                   

Von Aussagekraft  ist auch die farbliche Gestaltung des Freskos. Enderle wählte für die Gewandung Marias die Farbe blau. Weiter im Hintergrund ist Jesus Christus mit wallendem roten Gewand dargestellt. In den Hintergrund ist Gott Vater in zarten gelblich Töne und im Zentrum die weiße Taube, als Symbol des Geistes gerückt. Um den Kreis der Einheit werden dunklere grauschwarze Töne eingebunden. So ist der Kosmos der drei Grundfarben mit Weiß und Schwarz hier entfaltet.


Brennende Widersprüche

Der geflügelte Januskopf, ein männlicher, der auf das Kriegsgeschehen blickt, ein weiblicher, der sich abwendet. Die Sense zeigt den Tod an, der die blühende Jugend fortmäht wie Gras. Dem Januskopf ist eine Krone aufgesetzt als Zeichen der Regentschaft des Todes. Er allein ist mächtig, er allein ist groß:

" . . . Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns."

(Rainer Maria Rilke).


Aber der bekrönte Januskopf zeigt auch an, dass die Zeit regiert, die davonfliegt, wie es die Flügel andeuten. Unter dem Kopf ist in römischen Ziffern die Jahreszahl MDLXXI  (1571)  in Unzialschrift angebracht.  Sie erinnert an an das geschichtliche Ereignis der Seeschlacht von Lepanto ,  aber auch an den uralten Gott Kronos, den Gott der Vergänglichkeit, der seine Kinder verschlingt.

Du sollst nicht töten! Du sollst deinen Nächsten, ja deine Feinde lieben! Du sollst deine Werte, deinen Glauben gegen Angriffe verteidigen? Du sollst wachsam sein? Widersprüche, die das Herz verbrennen! Jede kriegführende Nation reklamiert den Herrn der himmlischen Heerscharen für ihre irdischen Heerscharen, Gott wird missbraucht. Aber wo die Menschen bluten, weint der Himmel.

Eine dramatische Szene: Ein Schiff mit dem Halbmond an der Mastspitze wird getroffen.

 

 

DIE SEESCHLACHT - DIE AKTEURE

Juan d' Austria 

Pius V.

Doge von Venedig

In der Mitte ist mit dem Zepter in der Hand der Kriegsherr Juan d'Austria von Enderle dargestellt worden. Er trägt einen prächtigen goldenen Mantel mit runden Schnallen unter dem die Rüstung hervorglänzt.  Der Vergleich mit zeitgenössischen Portraits (links) zeigt, wie Enderle die Elemente der Rüstung, der Halskrause und der Barttracht in seine Gestaltung aufnimmt.  Auch die Darstellung von Pius V. mit seiner scharf geschnittenen Nase, dem weißen Bart und die Kopfbedeckung, , Camauro genannt, wurde von Enderle aufgegriffen. Dies zeigt ein Vergleich mit der berühmten Darstellung von Pius V. von El Greco (1600). Der Camauro, ist eine mit Hermelinpelz besetzte rote Samtmütze, die vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert die Kopfbedeckung der Päpste außerhalb der Liturgie war und von Benedikt XVI. wieder ins Gespräch gebracht wurde, als er sie an Weihnachten 2005 trug. 

Auch auf dem Altarblatt von Balthasar Riepp am rechten Seitenaltars ist der Papst mit dieser Kopfbedeckung dargestellt. Auch Juan d'Austria glaube ich hier erkennen zu können.

 

Hier mehr zu Papst Benedikt XVI. auf meinen Seiten  . . .

Die Lilie wird nicht nur Maria als Symbol der Reinheit Antonius von Padua aber auch Franz von Assisi zugeordnet. Wer ist es?

 

 

Auch die Darstellung des Dogen von Venedig, der mit seiner Flotte an der Seeschlacht beteiligt war,  orientiert sich an den historischen Vorbildern. Dies zeigen die Vergleich mit dem Gemälde des Dogen Agostino Barbarigo (1420 - 1501) von Gentile Bellini und besonders mit dem Stich des Dogen Alvise Mocenigo I. (Aloysius Mocenicus), der zur Zeit der Seeschlacht von Lepanto regierte. 
Zur Zeit der Entstehung des Freskos (1769/70) war ebenfalls einer aus der Familie der Mocenigo Doge von Venedig, nämlich Alvise Giovanni  oder Alvise Mocenigo IV. (1763 - 1778).

 

 

KARTUSCHEN UND GRISSAILLEN

 



ALLEGORIE DER HOFFUNG - SPES MEA IN DEO PS. 61
DIE NEUE ENZYKLIKA VON PAPST BENEDIKT XVI :   SPE SALVI

 

DER KREUZWEG

 

DER KREUZWEG VON JOHANN BAPTIST ENDERLE IN DER SEEGER KIRCHE

 

In der Seeger Kirche ist ein sehr eindrucksvollen Kreuzweg in fünf Dreiergruppen zu betrachten. Die Einzelheiten und die Kompositionen sind jedoch nicht in den Einzelheiten von unten zu erkennen. Deshalb hier die ersten drei Stationen in Ausschnitten, wobei die gegenübergestellten inversen Darstellungen bzw. die schwarzweiße Fassung die Dynamik der  Personenzuordnungen besonders deutlich machen.

 

 

 



Die Kompositionen sind teilweise aus früheren Kreuzwegen von J.B. Enderle entlehnt. In Station X (Jesus wird seiner Kleider beraubt) und XI (Jesus wird ans Kreuz genagelt) kopierte er aus Stichen von Giovanni Domenico Tiepolo aus der Folge "Via Crucis, Domenico Tiepolo invento, pinse, et incise, anno MDCCXLIX in Venezia".  Giovanni Domenico Tiepolo war der älteste Sohn  Giovanni Battista Tiepolos. Er lernte in der Werkstatt seines Vaters und arbeitete dann sehr eng mit ihm zusammen, bevor er ein eigenständiges Werk begann. Zusammen mit seinem Vater Giovanni Battista Tiepolo arbeitete er 1750 bis 1753 in der  Würzburger Residenz. (Quelle: Karl Ludwig Dasser - "Johann Baptist Enderle - 1725 - 1798" - Konrad Verlag 1970)

 

STATIONEN  X  UND XI

 

Bei der Gestaltung der STATION IV griff Enderle auf einen Kupferstich  (1742) 
von
Gottfried Bernhard Göz (1708 - 1774) zurück.  Die gleiche Darstellung hat Enderle
bereits 1762 in der Klosterkirche in Wettenhausen gewählt.
Beachtenswert sind im Vergleich aber auch die Abweichungen zur Vorlage. 

 

 

 

 

VERBREITUNG DER WERKE VON JOHANN BAPTIST ENDERLE


KARTE MIT ÜBERSICHT

Signatur von B. Enderle im Deckengemälde der Seeger Kirche

ÜBERSICHT DER ORTE MIT WERKEN 

Durch Anklicken der Orte mit Fresken erhalten sie nähere Informationen

 







Quelle:  Karl Ludwig Dasser - Johann Baptis Enderle (1725-1798) - Ein schwäbischer Maler des Rokoko; Anton H. Konrad Verlag, 1970

 

Der Donauwörther Rokokomaler Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) : Höhepunkte schwäbisch-bayerischer Freskenmalerei ; Ausstellung zum 200. Todestag von Johann Baptist Enderle in der Städtischen Kunstgalerie im Deutschordenshaus Donauwörth vom 3. Juli bis 4. Oktober 1998. - Donauwörth, 1998 / Römmelt, Stefan W.

Simon Lutz  u. a. 
Das Göttermahl oder Die Hochzeit der Thetis mit Peleus. Eine Bildanalyse zum Deckenfresko von Johann Baptist Enderle im Deutschordenshaus zu Donauwörth. Hrsg. vom Rotary Club.
Donauwörth 1998.

Anmerkungen und Ergänzungen zum Werk von Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) / Paula, Georg

Die Augustinusrezeption in der barocken Freskomalerei von Johann Anwander (1715 - 1770) und Johann Baptist Enderle (1724 - 1798) / Eckermann, Willigis

Der Kirchenneubau zu Hochwang : ein Werk von Johann Adam Dossenberger? / Seitz, Reinhard H.

Der Enderle-Zyklus im Pfarrhof zu Zaisertshofen (Unterallgäu) : ein didaktisches Kunstwerk barocker Rhetorik mit ethischem Imperativ / Weißenhorn, Rudolf Georg

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle, ein schwäbischer Maler des Rokoko. - Weissenhorn, 1970 / Bushart, Bruno

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) : ein schwäbischer Maler des Rokoko. - Weissenhorn, 1970 / Knorre, Eckhard von

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle : (1725 - 1798). - Weissenhorn, 1970 / Preiss, Pavel

Johann Baptist Enderle : (1725 - 1798), Ein schwäbischer Maler des Rokoko / Dasser, Karl Ludwig

R.G. Weißenhorn 'Der Enderle-Zyklus im Pfarrhof zu Zaisertshofen (Unterallgäu) ...', P. Rummel (Hrsg.) in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte e.V., 32. Jahrgang, Augsburg 1998, 261-304; - R.G. Weißenhorn, 'Freskomalerei in Bayrisch Schwaben ...', Münster (Westfalen), 1998.

E. Lidel: Johann Baptist Enderle als Führer durch die Kindheit Jesu, in: Der Bayerische Krippenfreund, Juni 1998, 35-46.

 

 

 

 

WETTENHAUSEN

PFARRKIRCHE MARIÄ HIMMELFAHRT

(ehem. Klosterkirche des Augustinerchorherrenstifts

Wettenhausen)

Entstehung: 12./16./17. Jh.

Baustil: Frühbarock, Chor gotisch

Baumeister: Michael Thumb

Stuckator: Georg Vogel und Christoph Gigl

Freskant: Johann Georg Knappich

Besonderheiten: Wessobrunner Stuck; prunkvolle Altäre (um

1680), Kanzel um 1670 mit den Evangelisten und Marienfigur.

Kartuschen mit gemalten Themen des Kreuzwegs und

Marienlebens von Johann Baptist Enderle.

Hl. Nikolaus (15. Jh.);

Grabstein für Probst Ulrich (vor 1519). Seitenaltar mit den 14

Rosenkranzgeheimnissen auf Kupferblech gemalt und Krönung

Mariens.

 

 

 

 

 

 

HAMMERSTETTEN

FILIALKIRCHE ST. NIKOLAUS

Entstehung: l8. Jh.

Baustil: Rokoko

Baumeister: Simpert Kraemer und Joseph Dossenberger

Besonderheiten: Stukkaturen um 1762/63;

Decken- und Wandfresken von Johann Baptist Enderle (1763),

im Chor hl. Nikolaus als Fürbitter der Menschheit; Muttergottes, Holz gefasst, um

1620.

 

Literatur:

Willigis Eckermann: Die Augustinusrezeption in der barocken Freskomalerei von Johann Anwander (1715 - 1770) und Johann Baptist Enderle (1724 - 1798). Rom: Inst. Historicum Augustinianum, 2001. In: Studia Augustiniana historica; Artikel: Iconografía agustiniana, S. 145 - 170,

 

 





 

DIE ENGEL DES J.B. ENDERLE

 

 



JUBELNDE SINNLICHE WESEN




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