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"VOM ERNST DES LEBENS HALB VERSCHONT, 
IST DER SCHON, DER IN MÜNCHEN WOHNT"

Eugen Roth                                       

 

                                            
  
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. .

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Henze über München

 

Die Kulturstadt München, ihr Publikum, das Fluidum, ihre Kultur, ihre Geschichte: Ich betrachte das alles mit der ratlosen Faszination des benachteiligten Norddeutschen und teile die resignierte Bewunderung des übervorteilten Italieners, ich schau es von oben bis unten an - und ich begreife: Dies ist die Hauptstadt nicht meines, sondern eines anderen, des Bayerischen Landes! Es hat eine märchenhafte Geschichte und eine Art Folklore, der nichts gleichzusetzen ist auf dieser Welt, und sie ist, trotz aller phänomenologischen Exzentrik doch wirklich echt und wahr, nicht künstlich aufgemacht. Das hat wohl auch was mit der sprachlichen Bodenbeschaffenheit, mit der geologischen Lage und der Religion zu tun, der katholischen, deren Ausübung und Auswirkungen überall deutlich zu sehen und zu spüren sind, mehr wohl als in irgendeinem anderen europäischen Lande außer vielleicht Irland, Katholisch Westfalen und dem Vatikanstaat. ... Am besten gefallen mir das gebildete bürgerliche Publikum und die kunstverständigen Leute. ... Es ist der groß- und residenzstädtische Grundton, der mich da anzieht, das Tempo, die Energie, das Fortschrittliche in der urbanen Sozialpolitik, das Gefühl, sich in einem modernen demokratisch funktionierenden System zu bewegen, auf dessen Leistungen und Absicherungen man sich verlassen kann. Es gibt hier auch weniger Manifestationen von Ausländerfeindlichkeit als andernorts, find ich - man hat aus der Geschichte gelernt: Man muß sich einer Anzahl ehemaliger Mitbürger schämen für immer, und man muß die Wiederkehr solchen Gesindels für alle Zeiten ablehnen und Verhindern. Die Münchner, die Bayern im allgemeinen sind dazu prädestiniert und sind natürlich wohl auch ein wenig toleranter den Andersdenkenden und -glaubenden gegenüber als gewisse Vertreter anderer germanischer Stämme, oder liege ich da ganz falsch? Übersehe ich was?

Am meisten gefällt mir in München, wie hier und da inm Frühjahr die blühenden Kastanienbäume und der Weißdorn im Flusse sich verdoppeln und wie ihre unteren Äste sich ins Wasser neigen, in den Strom, der sie kühlt und wiegt. Der Duft blühender Bäume in Nymphenburg und Schleißheim erinnert mich an lang zurückliegende Episoden freundlicher, leutseliger Natur, an Jausen und Spaziergänge. Zuweilen fröstelt man mitten im Sonnenschein. Wenn man nun einfach immer weiter geradeheraus schritte, wäre man schon recht bald im ganz Offenen, auf dem Hochplateau mit seinem Ackerland, den Bauersleuten, mit ihren in voller Opulenz stehenden, wohlgestriegelten und elektrisch beschälten und gemolkenen Haustieren, und könnte auch, kurz hinterm Gelände des ehemaligen KZ Dachau, ohne Zweigleinknacken und mit Gänsehaut den ersehnten Wald betreten und wilden Tieren begegnen, die alle ganz scheu und verstört sind und um ihr Leben bangen und rennen bei unserem Anblick, weil sie so eine wahnsinnige und absolut berechtigte Angst vor uns haben.

Aus Hans Werner Henze - Reiselieder mit böhmischen Quinten - S.567 ff.



mittelalter

renaissance

17./18. jahrhundert
(barocker absolutismus)
 

aufklärung

19. jahrhundert

20. jahrhundert bis 1933

drittes reich

nachkriegszeit

neues jahrtausend

 

2011 - 853 Jahre München 

1158

Der Welfe Herzog Heinrich der Löwe hat sich 1156 mit seinen Gegnern, den Hohenstaufen, verglichen und das Herzogtum Bayern zurück erhalten. An der Isar, wo sich zwei alte Handelsstraßen trafen, die das Salzkammergut mit den Zentren in  Schwaben, der Rheinpfalz  und Burgund verbanden, fand Herzog Heinrich ein kleines Dorf zwischen Lehm- und Kiesgruben vor, das Otto Zierer von Benediktinerkaplan Herbot, so beschreiben lässt: "Das ist Haidhausen. Es besteht wohl schon seit Kaiser Karls Tagen; gar mancher Salzfuhrmann, der den Freisingern ausweichen will, nimmt den gachen Steig (Gasteig) hinab, setzt über die Furt, wenn die Isar seichtes Wasser führt, und fährt drüben zu dem Dorf Sentlinga (Sendling). . . Von dort führt ein Knüppelpfad nach dem Dorf Suapinga (Schwabing), dessen niederer Holzturm in der Ferne eben noch zu erkennen ist." 
Otto Zierer - Anton Kammerl - München, S. 19

Der Ortsname wurde schon im Mittelalter auf "munich/münich", also "Mönch", zurückgeführt, weshalb das erste überlieferte Stadtsiegel (1239) bereits einen Mönchskopf mit Zipfelmütze zeigt, ab 1304 einen aufrecht stehenden Mönch mit Segenshand und Gebetbuch. So ist er in stilisierter Form heute noch als Stadtwappen und Stadtsiegel gebräuchlich. Durch missverständliche Darstellungen wurde der Mönch später als Kind gedeutet und so zum "Münchner Kindl".

Quelle: Daten zur Stadtgeschichte der Landeshauptstadt München


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aufklärung

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Die durchschnittliche Lebensdauerbetrug zu Beginn des 14. Jh. etwa 35 Jahre. Die Lebensdauer wurde wesentlich vom Ausmaß der Säuglings- und Kindersterblichkeit bestimmt, sodass in einer Population mit einer mittleren Lebenserwartung von 35 Jahren durchaus Hundertjährige anzutreffen waren.  Man hat gefunden, dass mehr Männer zwischen 40 und 60 Jahren (maturus) starben als zwischen 20 und 40 (adultus); für Frauen galt das umgekehrte Verhältnis.
Das Jugendalter (14 - 20 Jahre) durften 30,1 % der geborenen männlichen und 24,8 % der weiblichen Individuen erwarten. Für das Erwachsenenalter (20 - 40 Jahre) waren es 28,4 % bzw. 23,2 %. Das Alter (40 - 60 Jahre) erreichten jeweils 14 %. Das Greisentum (über 60 Jahre) erlebten jeweils 10 %.

Quelle: Mittelalter Lexikon

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1180

Pfalzgraf Otto aus dem Hause Wittelsbach wird Herzog von Bayern. Es beginnt die bis 1918 andauernde Regierung dieses Geschlechtes als Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern.

Graf Otto V. von Scheyern verlegte 1124 die Residenz der Pfalzgrafen von der Burg Scheyern nach der Burg Wittelsbach bei Aichach.

zu Scheyern . . . 

1255

Zwei herzogliche Brüder - Heinrich und Ludwig - teilen das Herzogtum Bayern unter sich. Es entstehen ein Teilherzogtum Niederbayern mit Hauptort Landshut und unter Herzog Ludwig II. ein Teilherzogtum Oberbayern mit Hauptort München. München wird ab jetzt zum Amtssitz eines Landesherrn ausgebaut und ist nicht mehr wie bisher nur Bürgerstadt und Handelsplatz.

 

1280

Bei Ausschreitungen gegen die Münchner Juden gibt es zahlreiche Tote. Spätere Schriftsteller geben weit voneinander abweichende Zahlen an.

Am 12. Oktober 1285 kam es zum ersten Progrom, nachdem eine Frau „gestand“, die Münchner Juden hätten ein getauftes Christenkind getötet und sein Blut getrunken. Eine aufgebrachte Volksmenge zündete die Synagoge an, wobei 180 Juden, die sich in den ersten Stock geflüchtet hatten, in den Flammen umkamen.

Quelle: Wikipedia

1314

Der Herzog von Bayern-München - wieder ein Ludwig und Sohn des bereits genannten - wird zum König und

 

1328

zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. München wird dadurch vorübergehend - bis zu seinem Tod 1347 - zur kaiserlichen Residenzstadt. Auf diese Zeit dürfte der Gebrauch der Farben schwarz und gelb (Gold) als Stadtfarben zurückgehen, die auch die Farben des Reiches waren.

Reiterfigur (1967)  Kaiser Ludwig vor dem neuen Tor des Alten Hofs von Hans Wimmer

 

1442

etwa um diese Zeit - wie in diesem Jahrhundert auch andernorts - werden durch den Landesherrn (Herzog) auch aus München die Juden vertrieben.

 

1468

Baubeginn für die Frauenkirche, die erst 1525 ihre charakteristischen runden Kuppeln erhält.

mehr zur Frauenkirche . . .

1470

Baubeginn für das Tanzhaus, das heutige "Alte Rathaus", das den Weg vom Marktplatz (heute "Marienplatz") hinunter ins Tal abriegelte. Im Obergeschoss befindet sich der Festsaal, der nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wieder hergestellt wurde. Im Untergeschoss gab es Brotverkaufsstände und das Stadtgefängnis. Die beiden breiten Durchfahrten wurden erst 1877 und 1934 geschaffen, um dem Verkehr Raum zu geben.

 

1481

Der bisher auch noch mit mehreren Gebäuden, unter anderem einer Kapelle, bebaute Marktplatz wird von diesen befreit und wird erst jetzt zu dem rechteckigen freien Platz als der er sich heute darstellt. Seine endgültige Größe erhielt er erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zurückverlegung der Baulinie auf der Südseite. Seinen Namen "Marienplatz", der von der Mariensäule mitten auf dem Platz abgeleitet ist, erhielt er erst 1854. Vorher hieß er nur "Platz" oder "Markt" und zuletzt - nach dem dort stattfindenden Getreidemarkt oder der Getreideschranne - auch "Schrannenplatz".

 

1487

Herzog Albrecht IV. erlässt eine neue Brauordnung für München, die erstmals das sogenannte Reinheitsgebot für Bier enthält, wonach Bier aus nichts anderem als aus Hopfen, Gerste - gemeint ist das daraus gewonnene Malz - und Wasser gesotten werden dürfe. Das Gebot wurde 1516 in das "Buch der gemeinen Landgebot, Landesordnung, Satzung und Gebräuch" übernommen und für das ganze Herzogtum Bayern verbindlich gemacht. Noch heute erneuern die Münchner Bierbrauer alle Jahre auf dem Brauertag den "Preu-Eid" mit dem Reinheitsgebot als Selbst-Verpflichtung, da es nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes von 1986 keine Gültigkeit mehr besitzt.

 

1505

Nach dem Aussterben der Landshuter (niederbayerischen) Herzogslinie im Mannesstamm 1503 kam es zu einem Krieg ("Landshuter Erbfolgekrieg") um das weitere Schicksal dieses Teilherzogtums und schließlich 1505 durch Entscheidung des Kaisers Maximilian in Köln ("Kölner Spruch") zur Wiedervereinigung der bayerischen Teilherzogtümer. Sie entsprachen gemeinsam etwa den heutigen Regierungsbezirken Ober- und Niederbayern und einem Teil der Oberpfalz. Die Landesteilungen waren damit beendet. Es gab ab jetzt nur noch ein Herzogtum Bayern und München war seine Hauptstadt.

mehr zu Landshut . . . 

Quelle: Daten zur Stadtgeschichte der Landeshauptstadt München






Reiterstandbild des Kurfürstes Maximilian I  
am Wittelsbacherplatz
nach einem Modell von Bertel Thorwaldsen

 

renaissance

1420 - 1610

 

in Landshut . . .

Maximilian I. 

* 1573 in München † 1651 in Ingolstadt 

1597 Herzog von Bayern - 1623 Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches






aufklärung

 


Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1759 - 1838)

 "Im Jahr 1803 erwarb . . . der damalige Bayerische Staats- und Konferenzminister Freiherr Maximilian von Montgelas [rechts] das Anwesen [Schloss Stepperg - Ismaningerstraße 109]. In seinem "Gartenhaus Bogenhausen" das er als Sommerresidenz nutzte, wurde Geschichte geschrieben, denn 1805 kam hier der "Bogenhauser Geheimvertrag" zustande. Mit dem Vertrag wurde die Allianz Bayerns mit Frankreich gegen Österreich und Russland begründet und Kurfürst Max IV. Joseph von Bayern erhielt die Königswürde (König Maximilian I. in Bayern)." 

Quelle: Nordostkultur

 

Friedrich Ludwig von Sckell (1750 - 1823)

 

Sckell gestaltet mehrer Parkanlagen nach englischen Vorbildern. "1789 wird er von Graf Benjamin Thompson von Rumford mit der Anlage des Englischen Gartens in München beauftragt, den er 1803 in seiner Funktion als "Intendant der königlichen Gärten Münchens" vollendet. 1805 legt er die prächtige Parkanlage für Freiherr Maximilian von Montgelas auf Schloss Stepperg in Bogenhausen an und verwandelt große Teile des barocken Gartens von Schloss Nymphenburg in eine landschaftliche Anlage."

 

 Quelle: Nordostkultur

 



Bis 1802 war von 1294 an im Prielwald die Grenze des Hochstifts Freising zum herzoglichen Bayern. Die Versuche der Herzöge dieses Gebiet einzutauschen blieben erfolglos. Nach der Verweltlichung des Freisinger Hochstifts wurde der ca. 250 Tagwerk umfassende Prielwald versteigert und abgeholzt und ab 1810 Ziegeleien gegründet.  Heute ist noch eine verwitterte Wotanstatue von Heinrich Natter (1844-1892) aus Tirol (1874) zu sehen. Von ihm stammt auch das Andreas Hofer Denkmal auf dem Bergisel.

Vergleiche die Skulpturen von Rudolf Wachter in der St. Paulskirche in München

 


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