EINE SEITE VON THEODOR FREY 

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AM HAUPTEINGANGSTOR
IM SÜDWESTEN

Wie sollte es anders sein, die Zahl 3 , die Zahl der Bewegung, ist die Grundlage der Gestalt: dreieckiger Grundriss, 3 Türme, 3 Altäre, 3 Orgel, 3 Marmorportale.  Die Dreiheiten sind nicht isoliert, sondern gebunden in der horizontalen und vertikalen Gestalt der Einheit. Aber diese Dreifaltigkeit ist kaum in dieser Einheit zu fassen, nicht leicht zu erschauen. Im näheren Umfeld sind immer nur zwei Eingänge, nur zwei Türme zu sehen.  Vom Stift Lambach aus, ist die Gesamtgestalt gut zu erkennen.
Nach außen drei, nach innen eins, lautet das theologische Grundprinzip des gesamten Kirchenbaus. Durch den äußeren Dreiecksgrundriss ergeben sich drei gleiche Schauseiten mit drei reich gegliederten Fassaden. In deren Scheiteln erheben sich die drei Türme; sie flankieren den Zentralbau, der durch eine halbförmige Kuppel nach oben abgeschlossen ist. Die
Kuppel wird bekrönt von einer dreiseitigen Laterne, auf der sich eine dreieckige Pyramide mit dem Auge Gottes erhebt.

 





Die Vergegenwärtigung der Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit konnten wir  in einem überwältigenden Raumerlebnis erfahren. In Stadl-Paura an der Traun, unweit von Lambach (Oberösterreich), steht dieses Raumwunder. Die Barocke Wallfahrtskirche, der "Heiligen Dreifaltigkeit" geweiht, ist ein formvollendeter Barockbau, der 1714-24 von J. M. Prunner errichtet wurde.

Es wäre der ideale Ort über die Beziehungen und Bewegungen zwischen Einheit und Vielheit, über Immanenz und Transzendenz nachzudenken. Hegel und Schelling, aber auch Nikolaus von Kues und Teilhard de Chardin wären meine bevorzugte Partner.

Teilhard will beispielsweise den herkömmlichen Gottesgedanken in eine neue Dimension ausweiten. Der dreieinige Gott ist nicht einfach dasselbe, wie der "Unbewegte Beweger". Teilhard spricht vom Pleroma,  als eine "ontologisch reichere Einheit als die Trinität"." Das Pleroma ist mehr als Gott allein, bevor Christus dorthin, mit der Ihm einverleibten Welt zurückgekehrt ist."

In vielen Einzelheiten lässt sich über die Heilsgeschichte meditieren. Besonders eindrucksvoll ist auch die Lichtdramaturgie der Altergemälde. Natürliches Außenlicht geben theatralische Effekte.












In den Tagebüchern des Abtes Maximilian Pagl von Lambach (1705-1725) findet sich "über Seiten hinweg der Alltag eines Barockprälaten: Reisen, Besuche, Geschäfte, Wetternotizen und Ökonomika, dazwischen Unterhandlungen mit Künstlern und Kunsthandwerkern oder die üblichen Haupt- und Staatsaktionen. Dass Abt Maximilian Pagl auch ein großer Beter war, ein Mann der durchwachten Nächte, ein Asket mit Geißel und Bußgürtel in der Prunkschatulle - das erfahren wir erst aus der Trauerrede auf den Dahingegangenen. Von seinem Grübeln, Sinne, Meditieren über das Geheimnis der Trinität, von seinem kindlichen Dank und seiner überschwänglichen Verehrung für den dreieinigen Gott aber erzählt uns keine einzige geschriebene oder gedruckte Zeile, sondern nur ein großes erschütterndes Werk barocker Kunst: die Dreifaltigkeitskirche von Paura bei Lambach, deren Bau und Zier ihn bis zum letzten Atemzug beschäftigt hat."

Benno Hubenstein - Vom Geist des Barock - S. 23

 








 






 




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DREIFALTIGKEITSKIRCHE 
IN MÜNCHEN


Ein weiteres herausragendes Beispiel für die theologische Interpretation der Dreifaltigkeit ist in der Dreifaltigkeitskirche in München zu finden

Sie wurde zwischen 1711 und 1716 als erstes Gotteshaus in München im spätbarocken Stil von G.A.Viscardi entworfen und von Zuccali und Ettenhofer ausgeführt. Cosmas Damian Asam gestaltete 1714/15 das erste barocke Kuppelfresko in München.
Als einzige Kirche in der Innenstadt Münchens blieb die Dreifaltigkeitskirche von der Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg verschont.



"Eine Tiefe ruft eine andere Tiefe nach."

TRINITÄTSSYMBOLE  IN DER DREIFALTIGKEITSKIRCHE IN MÜNCHEN



EST OMNIBUS UNUS

Albertus Magnus
LIBELLUS DE UNITATE INTELLECTUS CONTRA AVERROISTAS

"Igitur iste cum sit separatus, communis est omnibus, unus in se existens. Igitur nec per illum cadit in numerum id quod remanet post mortem hominum. Igitur nullo modo cadit in numerum, et sic unum et idem est, quod remanet ex omnibus separabile et secundum naturam incorruptibile.

Beistand in der Nacht

Drei Herzen über der Münchner Stadt



 

Méditations sur le Mystére de la Sainte Trinité
MEDITATION ÜBER DAS GEHEIMNIS DER HEILIGEN DREIFALTIGKEIT

VON OLIVIER MESSIAEN

 

 

ZU SEINEN TRINITÄTSVORSTELLUNGEN . . . 

Das Glück einer Stunde auszukosten
und auch die Stunde selber,
als Zeit, als Dauer in der Vergänglichkeit,
das ist Sache des Alters,
nicht der Jugend.


Theodor Haecker - Tag- und Nachtbücher - 23.6.1940

 

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