DEM HIMMEL EIN STÜCKWEIT NÄHER

 

ROKOKOKIRCHE
ST. ULRICH 
IN SEEG



EINE SEITE VON THEODOR FREY

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   MARIA
  ZUR THEOLOGIE UND ÄSTHETIK

   EIN RAUM DES JUBELS

 

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   KIRCHENFENSTER 
  
RESTAURIERUNG
   WIEDERERÖFFNUNG
   JOHANN BAPTIST ENDERLE
   BALTHASAR  RIEPP

 


Aufnahme am 6. Januar 2011


 

 

Es "bedient sich die Religion häufig genug der Kunst, 
um die religiöse Wahrheit der Empfindung näherzubringen 
oder für die Phantasie zu verbildlichen, 
und dann steht die Kunst allerdings 
in dem Dienste eines von ihr verschiedenen Gebiets. 
Wo die Kunst jedoch in ihrer höchsten Vollendung vorhanden ist, 
da erhält sie gerade in ihrer bildlichen Weise 
die dem Gehalt der Wahrheit entsprechendste 
und wesentlichst Art der Exposition".

(Aus der Ästhetik Bd. 1 von G.W.F. Hegel)

 



St. Ulrich in der "Seeger Nacht der 1000 Lichter" am 20. 11 .2010

Foto von Erika Poppler, Seeg





Auschnitt aus dem Innenpanorama von St. Ulrich von Christian Anders

Herzlichen Dank für die Bereitstellung der Aufnahme 




WIEDERERÖFFNUNG
AM 2. DEZEMBER 2007 


Was der Dichter Reiner Kunze über die Wieskirche ausdrückte,

gilt auch für die Seeger Kirche:

"Fingerabdruck des himmels

Der göttliche daumen war eingefärbt

über und über mit licht"

 

Kann man prägnanter sagen, 
wie sich die Schönheit eines Raumes mit dem Göttlichen verbinden läßt? 

 

Am 2. Dezember 2007 wurde in einem Festakt im Gemeindezentrum und mit einem feierlichen Pontifikalamt mit Diözesanbischof Walter Mixa die Wiedereröffnung gefeiert.


Hier ein kurzer Bericht meiner Eindrücke:  

Nach der Begrüßung durch den Pfarradminstrator Harald Heinrich berichtete Generalkonservator Prof. Egon-Johannes Greipl über den schwierigen Verlauf der gesamten Restaurier- ungsarbeiten. 

Greipl wies darauf hin, dass in der Zeit des 18. Jahrhunderts mit den Rokokobauwerken der bedeutendste Beitrag Bayerns und Schwabens zur Kunstgeschichte gelungen ist. Die Epoche ist von europäischen Bedeutung und die Seeger Ulrichskirche stellt eines der Hauptwerke dar. Sie ist eine große, eine in der ersten Reihe stehende Kirche dieser Zeit.

Er schilderte die vielfältigen Probleme, die mit einer Restaurierung hinsichtlich der Substanzerfassung, der Statik, des Zustandes des Stucks, und den Folgen aus den aufgefundenen Farbschichten verbunden waren um dann darauf einzugehen, wie diese Kirche viele Sinne - nicht nur die Augen sondern auch die Ohren über die erklingende Musik und die Glocken, den Geruchssinn über den Weihrauch-  anspricht. 

Er machte deutlich, dass die Welt um 1750 eine andere war. Zu dieser Zeit war Licht, vor allem ein lichter Raum etwas seltenes für das Erleben der Menschen. Für die einfachen Gläubigen, die in dunklen, gedrückten Räumen lebten, war der Gottesdienst in der hellen, heiteren Kirche ein Gegenstand des Staunens, eine tiefe Erfahrung. Sie war eine Wahrnehmung, die uns in unserer Zeit der Überfülle, auch der Überfülle von Licht, verloren zu gehen droht. Greipl plädierte, dass wir mit Erfurcht und Bescheidenheit mit dem Werk unserer Vorfahren umgehen. Johann Jakob Herkomer und Johann Baptist Enderle haben diesen Raum für Gott und für die Augen der einfachen Menschen im 18. Jahrhundert geschaffen, nicht für die Gebildeten und für die Kunsthistoriker von heute. 

Greipl würdigte die eindrucksvolle Persönlichkeit von Pfarrer Alois Meisburger, der ein kenntnisreicher und tatkräftiger, manchmal auch eigensinniger und schlitzohriger Partner war.


Danach referierte der Architekt Prof. Josef Schwarz über den Verlauf der Restaurierung. Hier Einzelheiten . . .

Er kennzeichnete die Kirche als ein ausgezeichnetes Beispiel, in dem sich Funktion und Raum, Kunst und Architektur verbinden.

Bewegend war, wie anschließend
Theo Waigel die Geschichte der Restaurierung und deren Finanzierung in einer gelungenen Mischung aus ernsten und humorvollen Passagen darstellte. So erzählte er zum Beispiel folgende Episode. Ein Bauer, der von Pfarrer Meisburger gefragt wurde, ob er mit eine Spende zur Kirchenrenovierung größere Chancen hätte, um in den Himmel zu kommen, hat er geantwortet: "Verspreche kann i nix, aber probiere tät is". 
Bei der Beurteilung der Frage, ob eine umfassende oder schrittweise Restaurierung sinnvoll sei, fand Waigel ein schönes Bild: "Man springt über einen Abgrund nicht in zwei Sprüngen". Er stellte den bedeutenden Beitrag von Gemeindespenden (über 500 000 € von insgesamt 2,3 Mio €) heraus.
Auch erwähnte er, dass Bundespräsident Horst Köhler, ein Protestant,  von der Kirche beeindruckt war und darum bat: "Wenn ihr eine schöne Messe feiert, dann lad's mich ein". 

Abschließend dankten der Kirchenpfleger Xaver Kiderle und Bürgermeister Manfred Rinderle den vielen Menschen, die in unterschiedlichster Art und Weise - von den Reinigungsfrauen bis zu den Geldgebern -  dieses großartige Seeger Gemeinschaftswerks gemeistert haben. Umrahmt wurde der Festakt von besinnlich-beschwingter Saitenmusik und einer Ausstellung über die Restaurierungsgeschichte. Die Restauratoren haben ein Meisterwerk vollbracht. 

 

PONTIFIKALAMT ZUR
WIEDERERÖFFUNG 

 

Der Gottesdienst bewegte mich nicht zuletzt deshalb sehr, da ich vor 61 Jahren am  1. Adventssonntag (1.12.1946) hier getauft wurde und in den Kinder- und Jugendjahren mich der Raum  sehr prägte. Noch heute sind manche meiner Zeichnungen von den Durchblicken, den Verknüpfung der Gestaltebenen dieses Raumes sowie der Linienführung der Ornamente geprägt.

 

Nach dem feierlichen Einzug unter den Klängen der restaurierten Orgel sang die Gemeinde mit der Harmoniemusik, die im Altarraum postiert war, das Lied "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit . . . Ein Lied passend zum Advent, das mich aber auch an die Theoästhetik, die HERRLICHKEIT,  von Hans Urs von Balthasar erinnerte. Die Bedeutung der Schönheit zur Erfahrung des Göttlichen, die Öffnung des göttlichen Geheimnisses zu uns, fand in dieser Eröffnung seinen treffenden Ausdruck. Das Lied war auch deshalb sehr gut gewählt,  da die Musik aus dem Jahre 1704 stammt, also der Zeit in der Johann Jakob Herkomer die Pläne für die Kirche erstellte. 

Welches Lied könnte die Lage der Seeger Kirche treffender beschreiben, als das Lied "Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land . . . "  so die Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Frau Annemarie Mayer, in ihren Grußworten, in denen sie die Verdienste von Pfarrer Meisburger  und Pfarrer Ganal,  aber auch der ganzen Pfarrgemeinde hervorhob. 

Danach erfüllte die Musik des 18. Jahrhunderts den Raum. Sehen und Hören, Hören und Sehen verbanden sich. Die Lichter des Raumes glänzten ein Spur heller  als Mozarts "Kyrie - Andante maestoso - Più andante" gespielt vom Seeger Kirchenchor mit Orchester eindrucksvoll erklang. Die Krönungsmesse war auch deshalb das passende Werk, da sie sich nach einer Auffassung auf die „Krönung“ eines wundertätigen Gnadenbildes in der Wallfahrtskirche Maria Plain im Jahre 1751, zu deren 28. Jahrestag die Messe ebendort uraufgeführt worden sein soll.  Die Krönung Marias ist in der Seeger Kirche z.B. auch am rechten Seitenaltar dargestellt. Wahrscheinlicher erscheint aus heutiger Sicht aber, dass die Uraufführung am Ostersonntag 1776 im Salzburger Dom erfolgte. J.B. Enderle stellte sein faszinierendes Deckenfresko im Jahre 1770 fertig.

Die Lesungen waren aus Jesaja 2, 1-5 mit der eindringlichen Textstelle: "Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." sowie  aus dem Brief von Paulus an die Römer,  in dem es heißt: "Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.  Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen."

Kräftiger als sonst kam mir das anschließende dreifache Halleluja vor.

Die "Frohe Botschaft" war aus Mt. 24,37-44: 

"Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.  Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.  Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet."

Bischof Mixa sprach in der Predigt die anwesende Prominenz persönlich an. Bist Du wirklich bereit Thomas Goppel, Theo Waigel ... Walter Mixa, bist Du, Du , Du wirklich bereit?  Und es folgte das ehrliche Eingeständnis, dass die Bereitschaft sich auf das Kommen des Menschensohnes einzustellen, nicht sehr groß ist. Er verwies auf den Kirchenraum und bezeichnete ihn als einen "Festsaal des Glaubens, der Freude und Glücksgefühl atmet" um dann gleich aber darauf hinzuweisen, dass an erster Stelle das Bereithalten stehen sollte. Die heutige Kirche unterliege großen Herausforderungen und gefordert sei, wachsam zu sein. Er nahm dann Bezug auf das Deckenfresko von Balthasar Riepp, das die Schlacht gegen die Ungarn 955 vor den Toren Augsburgs zeigt und stellte die Frage. "Welche Entwicklung hätte Europa genommen, wenn Ulrich nicht gehandelt hätte? Sind wir bei heutigen Entwicklungen wachsam genug? Ulrich griff die Ungarn nicht an,  sondern verteidigte die abendländische Kultur. Nur wenige Jahrzehnte später nahmen die Ungarn dann das Christentum an (Am Weihnachtsfest des Jahres 1000 ließ sich Stephan mit einer von Papst Silvester II. übersandten Krone zum "Apostolischen König" krönen und wurde so zum Begründer des christlichen Königreiches Ungarn). 
Auch das Fresko im Langhaus von J.B. Enderle zeigt mit der Seeschlacht von Lepanto die Verteidigung des christlichen Europas.
(Am 7. Oktober 1571 besiegte die katholische Seestreitmacht unter Juan de Austria, dem Stiefbruder des spanischen Königs, die türkische Mittelmeerflotte im Golf von Lepanto in der Seeschlacht von Lepanto vernichtend. Der Sieg wurde dem "Gebetssturm" zugerechnet, bei dem in ganz Europa im Vorfeld der Seeschlacht das Rosenkranzgebet gebetet wurde. In der Folge stiftete Papst Gregor XIII. 1573 das Rosenkranzfest. Nach dem Sieg über die Türken bei Peterwardein am 5. August 1716 erhob Papst Klemens XI.  das Fest zu einem allgemeinen Fest der ganzen Kirche.)

Und wieder fragte Mixa: Wie halten wir es heute? Er stellte heraus, wie wichtig der interreligiöse Dialog sei, stellte aber auch die Frage, ob das Christentum heute den Herausforderungen ausreichend begegnet. Zum Schluss nahm er auf das Segelschiff des Seeger Wappens Bezug. So ein Schiff aus Glaube, Hoffnung und Liebe sollten die Christen sein. 

Nach den Fürbitten, die Gläubige aller Alterstufen vorbrachten, sang der Kirchenchor das dreigliedrige Credo Allegro molto - Adagio - Tempo I aus der Krönungsmesse. Im Laufe der Messfeier wurde vor der Wandlung noch das Sanktus Andante maestoso - Allegro assai, und das Benediktus  Allegretto - Allegro assai und danach das Agnus Dei Andante sostenuto - Allegro con spirito eindrucksvoll vorgetragen. 

Weitere musikalische Elemente waren das Lied "O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf. . .". Bei diesem Pontifikalamt  in diesem Raum, in dem man sich dem Himmel ein stückweit näher fühlte, bekamen diese den Himmel öffnenden Worte einen besonderen Klang.  Während der Kommunion stimmte die Harmoniemusik Seeg den adventlichen Choral "Tochten Zion ..." an. Beendet wurde der Gottesdienst mit dem Loblied, aller Loblieder "Großer Gott wir loben dich" und ich hatte den Eindruck, dass die ganze Gemeinde aus vollem Herzen für das gelungene Werk der Restaurierung sang. Ein bewegender Tag der sicher vielen lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach dem Segen und vor dem festlichen Auszug verlieh Kunstminister Thomas Goppel die Bayerische Denkmalschutzmedaille 2007 noch an Theo Waigel:
In der Begründung heißt es:
"Die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat und den Kulturschätzen Bayerns zeichnen Bundesfinanzminister a. D. Dr. Theo Waigel aus Seeg, Lkr. Ostallgäu, Schwaben, besonders aus. Mit seinem Namen macht er sich seit Jahren bei zahlreichen Denkmälern gerade in seiner Heimat Allgäu für denkmalpflegerische Maßnahmen stark und wirbt unermüdlich Gelder ein. Sein jüngster Einsatz galt der Gesamtinstandsetzung der Kirche in Seeg, die kürzlich erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Da die Kirchengemeinde die große finanzielle Last nicht hätte bewältigen können, hat Dr. Waigel ein Kuratorium gegründet und mit dessen Hilfe zahlreiche Spender und Fördergeber gewonnen. Der glückliche Abschluss dieser Restaurierung wäre ohne seinen hohen persönlichen Einsatz so nicht möglich gewesen."

 

 

 

Christoph von Schmid über die Kirche und seine Kaplanzeit in Seeg.

 

In den Erinnerungen aus meinem Leben

(Bd. 3 Berufsleben hrsg. von Albert Werfer 1855)
schreibt
Christoph von Schmid

Seite 101

     Die Kirche zu Seeg ist so groß, als für eine
Pfarrei von mehr als 2000 Seelen nöthig ist und
auch sehr schön. Die drei Altarblätter, auf deren
Lehrreiches Sailer, als er am Kirchweihfeste da
predigte, aufmerksam machte, sind dadurch den Pfarr-
angehörigen noch merkwürdiger geworden. Auf dem
Seitenaltare rechts zeigt Maria ihr göttliches Kind, 
den zu unserem Heile Mensch gewordenen Sohn
Gottes, und weiter unten erblickt man den heiligen
Ulrich, der sein Bisthum Augsburg und auch die 
Pfarrei Seeg dem obersten Hirten Jesus Christus
empfiehlt und ihm die Herzen aller dahin gehörigen
Christen übergibt. Auf dem andern Seitenaltare
links erblickt man Jesus Christus, wie er von

Seite 102

Johannes getauft und zu seinem heiligen Berufe,
die Menschen zu lehren und selig zu machen, ein-
geweiht wird und wie der Himmel sich über ihm
aufthat, von dem die Stimme der Vaters erscholl:
"Dieser ist mein geliebter Sohn." Auf dem Hoch-
altare erscheint Jesus Christus in der Herrlichkeit
des Himmels von seinen Aposteln und Heiligen und
Völkern aus allen Jahrhunderten und Himmels-
strichen umgeben, eine Herrlichkeit, zu der auch wir
bestimmt sind.

     Auf dem Choraltare sind noch vier Engel von
schöner Bildhauerarbeit mit Kreuz, Anker und zwei
Rauchfässern, die auf Glaube, Hoffnung, Glut der
Liebe und Weihrauch des Gebethes hindeuten.

     Nebst der Hauptkirche befinden sich in der Pfar-
rei noch zwei kleinere Kirchen etwa eine Stunde
weit in Lengenwang und Rückholz. Bei jeder ist
zur Aushülfe in der Seelsorge ein Geistlicher an-
gestellt.

     Ueberdies haben die frommen, eifrigen Pfarr-
angehörigen nächst ihrer Wohnungen noch viele
kleine Kapellen erbaut; in eilf derselben darf auch
Messe gelesen werden, damit alte Leute, denen der
Weg in die Kirche zu weit wäre, doch hier dem
heiligsten Opfer beiwohnen können

 

 

EIN RAUM DES JUBELS

JETZT

Der Altarraum der Kirche nach der  umfassenden Restaurierung, die im Oktober 2007 abgeschlossen wurde. 

Aufgrund des plötzlichen Todes von Pfarrer Alois Meisburger wurde die am 7. Oktober  2007 geplante Wiedereröffnung  am 
2. Dezember 2007 nachgeholt.

 

Zum Thema Restaurierung hier mehr 

Verwendung einer Aufnahmen von Erwin Reiter, Haslach aus dem Kirchenführer ( Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 1. Auflage 2007)



DAVOR

Die Kirche vor der  umfassenden Restaurierung.





Die Ansicht zur Orgelempore sehen sie durch Bewegung des Cursors auf das Bild.

Heiliges Grab - leider nicht als Farbbild.

BAUGESCHICHTE

Vor 1635


Alte Seeger Pfarrkirche (vor 1635)  mit "gotischem" Satteldach
Darstellung auf dem Altarbild der Kapelle 
St. Johannes und Paulus in Seeweiler






Reste des gotischen Gewölbes in der Seeger Pfarrkirche



Entwurf von
Johann Jakob Herkomer

Bauarbeiten

Dachdecker: Kilian Halbritter, Lobach

Maler: Kaspar Popp, Bernbeuren

Maurer: Josef Miller, Rettenbach/Mkt. Oberdorf

Stuckierung: Matthias Lotter, Augsburg

 


Die Kirche wurde entworfen vom Baumeister, Maler und Stukkateur
Johann Jakob Herkomer
(1652 -1717), dessen Großvater Christof Herkommer aus Seeg stammt. 

Rißzeichnung für den Chor von Herkomer (35 x 18 cm) - 1710

 

Sein Sohn Balthasar, der die Taverne und Braustätte in Seeg besaß, die 1635 abbrannte, kaufte 1639 das Taferngut zu Sameister bei Roßhaupten. Dort kam  Johann Jakob 1652 zur Welt. Taufpate von Johann Jakob Herkomer war Johann Angerer, Pfarrer von Seeg von 1638 - 1657. 

Johann Jakob Herkomer erhielt zunächst eine Ausbildung als Maler und wandte er sich bei seinem Italienaufenthalt in jungen Jahren der Architektur zu. Auch der Bildhauerei stand er  nahe. 1685 kehrte er aus Venedig in seine Heimat zurück, wo er eine Kapelle errichtete, die er  mit Fresken ausstattete. In den Jahren 1694-1697 weilte er wieder in Italien. Herkomer war der Lehrer von Dominikus Zimmermann (1685 - 1766), dem Erbauer der Wieskirche.

1701-1717 baute er die Kirche des Klosters St. Mang in Füssen,
1714-1715 leitete er den Umbau der St. Moritz-Kirche zu Augsburg.
Von 1716-1717 war er wesentlich beteiligt an der Barockisierung der
Hl. Kreuz-Kirche zu Augsburg.
Sehr bedeutsam war der Auftrag, der 1717 an ihn erging: Er sollte die Stadtpfarrkirche von St. Jakob zu Innsbruck neu erbauen. Herkomer. erlebte nur den Bau der Fundamente, er starb bereits im Herbst 1717. Sein Neffe, Johann Georg Fischer vollendete den Bau.


Kapelle “Maria Schmerzen“, Sameister - Grablege Johann Jakob Herkomers

Hier mehr zur 

ZUR THEOLOGIE
UND ÄSTHETIK
DER KIRCHE

 

RESTAURIERUNG   

GESCHICHTE DER RESTAURIERUNGEN
(Quelle: Allgäuer Zeitung vom 30.11.2007)

1905   
Innenrestaurierung
1942/43    
Innenrestaurierung
1982   
Außenrenovierung
2000/2001    
statische Sicherung und Stabilisierung des Dachstuhl, nachdem 1999 zwei Quadratmeter des Deckenputzes im Langhaus heruntergestürzt waren. Gleichzeitig restauratorische Befunduntersuchung.
2002 - 2004   
Restaurierungskonzept und Aufstellung eines Finanzierungsplans
Herbst 2004
Beginn der Arbeiten mit Reinigung und Freilegung der Wand- und Deckenflächen, der Stuckornamente; neuer Wandputz im Sockelbereich; statische Verstärkung der Empore, Ausbau der Orgel; neue Elektroinstallation.
Frühjahr 2005
Beginn der Restaurierung der Raumschale in vollem Umfang, zugleich Restaurierung der Wandtafeln aus Naturstein und der Kirchenfenster.
Sommer 2006
Abbau des Gerüsts für die Raumschale.
Herbst 2006
Gerüste an den Altären, der Kanzel und der Orgel. Abbau der Figuren, Engel, Vasen.
Bearbeitung in Werkstätten. Restaurierung von Chorgestühl, Kommunionbank und Beichtstühlen.
Sommer 2007
Entfernung der letzten Gerüste; Restaurierung der Sockelbereiche der Altäre. Die letzten Figuren und Gemälde kehren zurück; neue Beleuchtung (Glas-Kronleuchter) installiert.
Oktober 2007
Fertigstellung der Orgel
Ende 2007
Fertigstellung der Neugestaltung der Sakristei.

 

Nacht zum 1. März 2016
Ca.
2 qm des Freskos von J.B. Enderle ("Seeschlacht von Lepanto") stürzten in den Kirchenraum. "Vorerst jedoch wird die gesamte Decke im Langhaus abgeklopft, ob weitere absturzgefährdete Bereiche vorliegen. Diözesanbauamt : J.B. Enderle war ein genialer Künstler, aber seine Bauleute haben nicht ganz fachgerecht gearbeitet: Das Holzlattengerüst hätte ohne Abstände/Fugen jeweils mit dem nächsten zargenartig verbunden sein müssen: Man sieht, dass der Stuck fast rechteckig geradlinig, dem Bretterverlauf entsprechend, abgefallen ist. Man hat jetzt tellergroße, handbreit dicke Stuckteile aufgesammelt und will sie soweit möglich puzzleartig zusammensetzen, damit man nur den Rest neu ersetzen muss." ( Klaus W. Ruprecht). Es sind Gott sei Dank jedoch im unteren Randbereich kaum figurative Elemente betroffen.

 







Restaurierungsstand 
Februar 2007

Fotos von Heinrich Scherbaum
















Make up für den großen Auftritt 














Die Zwei verstehen sich



















Um Vier dem Himmel nah


NACH DER RESTAURIERUNG

In der SZ vom 8.10.2007

"Seit ein paar Wochen ist die Sanierung des Gotteshauses, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Plänen des berühmten Füssener Barockbaumeisters Johann Jakob Herkommer errichtet wurde, vollendet. Der prachtvolle Innenraum, der seinerzeit von den Freskanten Johann Baptist Enderle und Balthasar Riepp sowie dem Stuckateur Andreas Henkel gestaltet wurde, schlägt jeden Besucher in seinen Bann. Fachleute zählen die Pfarrkirche St. Ulrich in Seeg deshalb zu den herausragenden Rokokokirchen in Süddeutschland. Auch der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss, der in den 50er Jahren mehrmals im Allgäu Urlaub machte, war schon damals von der Schönheit des Gotteshauses begeistert."

Foto von Heinrich Scherbaum

Bei der rechten Pauke hat der Maler Franz Kugelmann aus Kleinaitingen ein Liedblatt gemalt, auf dem die ersten Zeilen des Liedes erkennbar ist, das der verstorbene Pfarrer Alois Meisburger 1980 vertont hat. 

hier dazu mehr . . .

Ein Brückenschlag von Deisenhausen nach Seeg

Von Peter Bauer in der Ausburger Allgemeinen vom 13.7.2006 (Auszüge)

"Johann Baptist Enderle ist sein Name. Er ist einer der bekanntesten Kirchenmaler des 18. Jahrhunderts in der Region. 1766/67 malt er die Deisenhauser Kirche aus, 1769 die Kirche von Seeg im Allgäu.
...
Aktiv war er auch in Deisenhausen. Die dortige Pfarrkirche St. Stephan gilt als eine Art "Geheimtipp" unter den vielen schönen Kirchen Mittelschwabens. Sie wurde nach Entwürfen des Wettenhauser Baumeisters Joseph Dossenberger gestaltet. Bei der Malerei begegnen wir in Deisenhausen wieder dem Namen Johann Baptist Enderle, auch seinem lebendig-hellen Kolorit und seinem fast nervös anmutenden, vitalen Pinselstrich.

Enderle in Seeg und Deisenhausen: Diese Verbindung sollte im Jahr 2007 eine besondere Bedeutung erlangen. Theo Waigel blickt zurück auf die Seeger Renovierung der Jahre 1906/07: Damals wurde eine neue Orgel auf der Westampore erstellt. Doch im Zuge der Arbeiten sei auch ein Fresko Enderles zerstört worden. Bei der zurzeit laufenden Generalsanierung sei das zerstörte Fresko wieder freigelegt worden. "Der Pfarrer sprach sich dafür aus, das Fresko wieder herzustellen", berichtet Waigel. Das Landesamt für Denkmalpflege sei aber diesbezüglich zunächst skeptisch gewesen. Schließlich sei Enderle-Kenner Karl Ludwig Dasser eingeschaltet worden, der 1970 über Enderle eine bis heute wegweisende Arbeit geschrieben hat. Dasser teilte, so berichtet Waigel, mit, dass es in der Deisenhauser Kirche Bilder von Enderle gebe, die der Malerei in Seeg ähneln würden. Das habe laut Waigel auch den Landeskonservator schließlich überzeugt.

Die Wiederherstellung des Enderle-Freskos in Seeg sei genehmigt worden. Waigel berichtet, dass er zusammen mit seiner Familie von Oberrohr nach Deisenhausen geradelt sei, um die Malerei Enderles in der dortigen Kirche zu fotografieren. Die Deisenhauser Arbeiten Enderles seien nun eine wichtige Vorlage bei der Wiederherstellung des Gemäldes in Seeg. "

 

DER KREUZWEG VON JOHANN BAPTIST ENDERLE IN DER SEEGER KIRCHE

 

In der Seeger Kirche ist ein sehr eindrucksvollen Kreuzweg in fünf Dreiergruppen zu betrachten. Die Einzelheiten und die Kompositionen sind jedoch nicht in den Einzelheiten von unten zu erkennen. Deshalb hier die ersten drei Stationen in Ausschnitten, wobei die gegenübergestellten inversen Darstellungen bzw. die schwarzweiße Fassung die Dynamik der  Personenzuordnungen besonders deutlich machen.

 

 

 



 

 

 

 

 

KIRCHENFENSTER IN DER NACHFOLGE DER NAZARENER


Im Jahr 1942 wurden die bemalten Kirchenfenster aus dem 19. Jahrhundert ausgebaut [Unten rechts ist, wenn ich es auf dem Bild richtig erkennen kann, zu lesen: "München 1889). Sie gerieten in  Vergessenheit und wurden im Jahre 1994 durch Zufall wieder aufgefunden. Der Malstil ist der Nachfolge der Nazarener zuzuordnen. Die Fenster, elf an der Zahl,  können im Heimatmuseum Seeg (Hauptstrasse 66) betrachtet werden.


Münchner Firma, das Atelier,  Joseph Peter Bockhorni
[unten links vermerkt] hat die Fenster wohl ausgeführt. Es könnte sein, dass sie dabei auf Entwürfe von Malern zurückgriff. 

Diese Firma hat auch die Kirche in St. Johann Baptist in München Haidhausen ausgeführt.  Diese Fenster beruhen auf Entwürfen der Professoren Augustin Pacher, Wilhelm Megerle und Jakob Bradl, sind allerdings erst ab 1903 eingebaut worden.

Auch die bemalten Kirchenfenster im barocken Rundbogenstil der Filialkirche St.Kastulus  in Prittlbach (Gemeinde Herbertshausen) stammen von J. P. Bockhorni, München 1892.

Noch eine Reihe weiterer Kirchenfenster im bayerischen Raum sind von Bockhorni signiert.

 

Anstelle des Hauptaltarbildes wohl eine mit einem Lichterrahmen versehene Marienstatue

Zur Bedeutung der Glasmalerei schreibt das Meyers Konversationslexikon von 1888 

"Der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten 20 Jahre herbeigeführte Aufschwung der Bauthätigkeit in Deutschland, die Wiederbelebung alter Kunstbetriebe und die beständig zunehmende Freude an der farbigen Ausstattung aller zum innern Ausbau der Monumental- und Privatbauten gehörigen Elemente haben auch die G.[lasmalerei] zu einer neuen Entwickelung geführt. Während sie bis um die Mitte der 70er Jahre nur von einigen wenigen, zum Teil von Regierungen unterstützten Instituten gepflegt wurde und zu ihrer Existenz meist auf spärliche Aufträge für Kirchenbauten angewiesen war, sind in den letzten 15 Jahren in allen Mittelpunkten deutscher Kunstthätigkeit Privatinstitute für G. entstanden, die jede Technik der G. üben und auch den umfangreichsten monumentalen Aufgaben gerecht zu werden vermögen. In München, von wo die Erneuerung der G. in unserm Jahrhundert ihren Ausgang genommen hat, sind neben dem alten F. X. Zettlerschen Institut, das nach der Aufhebung der königlichen Glasmalereianstalt (1869) noch den Zusammenhang mit der frühern Zeit aufrecht erhielt, die Mayersche Hofkunstanstalt, die unter andern Glasfenster für die Kathedralen in Metz und Olmütz, den Stephansdom zu Wien, die Elisabeth- und Nikolaikirche in Eisenach und die Stiftskirche zu Kaiserslautern geliefert hat, das Atelier von J. P. ˆ[Joseph Peter] Bockhorni, dessen Spezialität ebenfalls Kirchenfenster sind, und die Anstalt von Karl de Bouché entstanden, der alle Techniken der G. für kirchliche und Profanzwecke kultiviert. "

 

 

ALLEGORIE DER HOFFUNG - SPES MEA IN DEO PS. 61
DIE NEUE ENZYKLIKA VON PAPST BENEDIKT XVI : 
  SPE SALVI


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Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, 
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Friedrich Schiller


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