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" Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen: so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es verspricht und im unbekannten Glück, dass sie nur so zu sein braucht, dessen uns zu versichern, dass wir einmal so sein werden. Wir können sie nicht lesen; aber dem schwindenden, überflutenden Auge hält sie vor die Chiffren der endlichen Versöhnung."

 (Theodor W. Adorno- 1928)

theodor  frey

seiten über gott, welt, mensch

 

                                            

suche auf meinen seiten     http://www.theodor-frey.de 

 

 

 

   



ET INCARNATUS EST (Collage von tam)

Schuberts Es-Dur Messe - D 950


Auch in Schuberts letzter Messe fehlt das Bekenntnis zu »der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche« ."Im thematischen Zentrum steht neben dem Motiv der Dreifaltigkeit vor allem das der Menschwerdung Christi, die unter Ausschöpfung musikdramatischer Mittel derart ausführlich und emotional tieflotend behandelt wird, dass die betreffenden Passagen des Credo eine Art Passionsgeschichte im Kleinformat bilden, die auf den ernsten, bisweilen düsteren Grundton der gesamten Komposition ausstrahlt. Ihm sind, abgesehen von der lichten, irgendwie aber auch unwirklichen Episode des Benedictus, alle Teile der Messe verpflichtet. In Sonderheit das Agnus Dei, das beherrscht wird von einer unkonventionell gearbeiteten, aufgewühlten c-Moll-Fuge. Deren viertöniges Kopfmotiv ist, barocker Rhetorik folgend, der chiastischen Figur eines liegenden Kreuzes nachempfunden, wie wir sie in ähnlicher Weise aus vielen Werken Johann Sebastian Bachs kennen . . .Es steht als Zeichen dafür, wie stark die Anrufung des Lamm Gottes von Schmerz und Furcht geprägt ist, von innerer Erregung, die sich bis in die sanfte Friedensbitte des Schlusses hinein nachverfolgen lässt."

Roman Hinke im Programmheft des Konzertes des MKO und des RIAS-Kammerchors am 10.4.2014 im Prinzregententheaters

 





 

Gesang der Geister über den Wassern - D  714

 

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser
:Goethe, Johann Wolfgang v. (1749-1832)

 

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

 

 

 

WINTERREISE

 

 

 

Schubert

31.1.1797

Franz

19.11.1828

 

Maria João Pires


Streichtrio B-Dur DV 471
Vier Impromptus DV 899
"Forellenquintett" A-Dur DV 667

Maria João Pires, Klavier
Tobias Steymans, Violine
Hermann Menninghaus, Viola
Maximilian Hornung, Violoncello
Philipp Stubenrauch, Kontrabass

Herkulessaal München   22.1.2012

 

 

 

 

 

 

 

Die Numerierung seiner Symphonien wird heute nach der Entstehungszeit vorgenommen. Danach ist die Unvollendete des Jahres 1822 die 7. Symphonie, die verschollende "Gmundner-Gasteiner" des Jahres 1825 die 8. Symphonie und die Große C-Dur-Symphonie des Jahres 1828 die 9. Symphonie. Die frühere Zählung der h-Moll-Symphonie als Nr. 8 wurde anläßlich der Gesamtausgabe von Schuberts Werken durch Johannes Brahms vorgenommen.

h-Moll D 944
 "Unvollendete"

1822

7. Symphonie

"In den beiden Sätzen von Schuberts h-Moll-Symphonie ... kam es dann noch einmal zur Konfrontation von Leben als Kampf und schier überirdischem Trost, von Bedrohlichem und seiner Überwindung. Dank der kleinen Streicherbesetzung fehlte alles Monumentale, vielmehr bekam die Musik eine unmittelbare, existentielle Kraft, ja Schärfe, und zugleich eine große Verletzlichkeit. Die Einzigartigkeit dieser zwei Sätze in der Geschichte der Symphonie und ihre Spannweite zwischen selbstvergessenem Singen, dramatischer Zuspitzung und Blick hinter die Grenze des Lebens wurden in ihrer ganzen Tragweite hörbar."

KLAUS KALCHSCHMID in der SZ vom 17.10.2009

Nagano
2.3.2009

Liebreich
15.10.2009

C-Dur D 944
 "Große"

8. Symphonie

Das Werk trägt nach aktuellem Stand der Forschung 
in der Reihe von Schuberts Sinfonien die Nr. 8. 
Dies war nicht immer so: zunächst wurde die Sinfonie 
als Nr. 7 gezählt, später als Nr. 9.

Thielemann
11.1.2006

Hengelbrock
13.10.2010

Akvarel ved Rieder, 1825

 

9. Symphonie

1. Andante - Allegro ma non troppo

2. Andante con moto

3. Scherzo: Allegro vivace

4. Allegro vivace

Entstehung

Schubert schrieb seine "große" C-Dur Symphonie im Sommer 1825 in den österreichischen Kurorten
Gmunden und Gastein, um sie im Frühjahr 1826 in Wien zu vollenden.

Das in Schuberts Autograph genannte Entstehungsjahr 1825 wurde später von fremder Hand in 1828 geändert, so dass man die Symphonie lange Zeit für ein Produkt aus Schuberts letztem Lebensjahr hielt.

Uraufführung

Am 21. März 1839 im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses (Gewandhaus-Orchester Leipzig unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy); der gut zehn Jahre nach Schuberts Tod anberaumten Uraufführung war ein detektivisches Vorspiel vorausgegangen: Robert Schumann hatte eine Partiturabschrift bei Schuberts Bruder Ferdinand entdeckt.


Aus dem Essay "Der Weg zur großen Symphonie" von Walther Dürr

Am 31. März 1824 - wenige Wochen vor der Uraufführung von Beethovens 9. Symphonie - schreibt Schubert seinem Freund Leopold Kupelwieser nach Rom, er wolle sich mit der Komposition von Streichquartetten und dem Oktett "den Weg zur großen Symphonie bahnen".

...

1. Satz: Andante - Allegro ma non troppo

Grundsätzliche Unsicherheit kennzeichnet die Einleitung: tonale Unsicherheit, denn immer wieder lässt der Komponist den Hörer im Unklaren, ob die Grundtonart seiner Symphonie wirklich C-Dur ist oder nicht vielmehr a-Moll. Die eingangs von zwei Hörnern vorgetragene einstimmige Melodie lässt beide Möglichkeiten offen. ...I Unsicherheit zeigt sich auch im Bewegungsmuster: Der Komponist beginnt mit einem seiner Lieblingsrhythmen, einem Schreitmotiv: Lang-kurz-kurz, das er sonst gerne auf längere Strecken durchführt, hier aber bereits im zweiten Takt auf den Kopf stellt (kurz-kurz-lang), als gerate, wer sich da auf den Weg machen will, gleich zu Beginn ins Stolpern.

Zwei Stationen im Verlauf der Einleitung sind noch wichtig: Kurz vor der Schluss-Steigerung führt der Weg - durch überraschende Rückung - in die Tonart As- Dur, nach dem Verständnis der Zeit (und sehr wahrscheinlich auch Schuberts) eine Tonart, die "Tod, Grab, Verwesung, die Ewigkeit mit all ihren Geheimnissen" bezeichnet, in jedem Falle aber in eine neue und für den Verlauf des Satzes zusätzliche Gefährdung. Der As-Dur- Abschnitt mündet dann in eine ebenfalls für das Kommende bedeutsame melodische Figur der Holzbläser, in einen ersten, kurzen Halbkreis - an den "Zirkel" erinnernd, die rhetorische Figur, die den "Himmel" bezeichnet.

...

Nun wird die Bewegung gleichmäßiger und ruhiger; wer sich stürmisch auf den Weg gemacht hatte - Schubert würde ihn vielleicht "Wanderer" nennen, bleibt nun auch mal stehen, lauscht sich wiederholenden melodischen Floskeln. Dann verdichtet sich die Faktur wieder, die Bewegung wird wieder heftiger, und unerwartet bricht ein choralartiges Posaunenthema ein. ...

2. Satz: Andante con moto

... eine Art Trauermarsch, [deutet an], dass der "Wanderer" weiter auf dem Weg ist. In verschiedenen Episoden drängen sich ihm Visionen auf - der Satz ist nach dem Muster eines Rondos geformt -, während die langsamen Schreitbewegungen unaufhörlich weiterführen. Da ist zunächst ein wieder siebentaktiges, melancholisches Oboenthema - klagend zunächst, dann sich steigernd und von schneidenden Orchesterschlägen unterbrochen. Es folgt eine eher pastoral anmutende Episode, als führe der Weg durch eine herbstliche Landschaft.

3. Satz: Allegro vivace

... Wieder setzen die Streicher in stürmischem Unisono ein, wieder antworten ihnen - piano - die Bläser. Wieder ist das C-Dur durch überraschende Rückungen nach As-Dur in Frage gestellt. Häufig aufblitzende, aus dem Hauptmotiv abgeleitete Fragmente von Tanzmelodien unterbrechen den Lauf, vermögen aber nicht, ihn wirklich zum Stillstand zu bringen. ... Im Trio beruhigt sich die Bewegung -Doch das Tempo wird hier keineswegs zurückgenommen - lediglich die rhythmische Struktur verändert sich: Während im Scherzo jeder einzelne Takt Gewicht hat, die schweren Akzente also schnell aufeinander folgen, wird im Trio nur jeder zweite Takt betont - die Bewegung scheint sich zu verlangsamen.

4. Satz: Allegro vivace

Das Finale setzt mit einer Fanfare ein, einem Signal, das wie ein Zeichen zu neuem Aufbruch wirkt. Dass es ein Ziel benennt, erwartet man nicht - die Musik drängt wieder einfach nur vorwärts ..., Bald aber ... stellt Schubert den punktierten Figuren ein kantables Thema gegenüber, das in seiner melodischen Gestalt einen vollständigen "Zirkel" bildet. ...

Es ist, als kenne der "Wanderer" nun das Ziel. Folgerichtig dominieren die Zirkelfiguren, kombiniert entweder mit den drängenden Punktierungen oder dem zielbewussten Vorwärtsschreiten, die Durchführung und ähnlich auch die Coda des Satzes. Und was ist - so fragt man sich angesichts der engen Bindungen an den 1. Satz - mit der Rückung nach As-Dur, der Verlockung und Gefährdung des "Wanderers"? Es scheint zunächst, als spiele sie hier eine untergeordnete Rolle.

Erst gegen Ende nicht nur des Finales, sondern der ganzen Symphonie, kehrt jene fatale Tonart wieder - zwar in Verbindung mit dem Schreitthema und über dem Grundton C. Das erscheint zunächst wie eine Art farbliche Ausweichung. Schubert wiederholt diesen Abschnitt aber unmittelbar darauf - und wie durch jede Wiederholung in der Musik wird damit etwas als "bedeutsam" etabliert, was man anders vielleicht überhören könnte. Dann erst führt das Fanfarenmotiv in ungetrübtem C-Dur zum eigentlichen Schluss. Es ist, als ob der "Wanderer" sein Ziel - vielleicht bringt es ihn ja tatsächlich der "Erlösung" näher - nur über eine letzte, den Tod streifende Gefährdung hat erreichen können.

 

Richard Strauss - Über Schubert

Aus dem Nachlass des Komponisten mitgeteilt von Stephan Kohler

"À propos C-Dur-Symphonie ! Doch, über die hatte ich einmal wirklich nachgedacht, als ich mir sagen musste, von dieser göttlich unbefangenen,im ungehindertsten Erfinderleichtsinn geborenen Suite stammen die ganzen modernen Musiziersymphonien Schumanns, Brahms', Tschaikowskys, Goldmarks, Bruckners ab - nicht von den neun Tondichtungen Beethovens, von welchen die direkte Linie über den von der Zunft heute immer noch unerkannten Franz Liszt bis zu meiner Wenigkeit geht. Auch bei der "Wandererphantasie" machte ich einmal nachdenklich halt, um die Erfindung des Leitmotivs einer näheren Untersuchung zu unterziehen, aber sonst - nachgedacht hatte ich noch nicht über Schubert, wirklich nicht - nur ihn angebetet, gespielt und gesungen und bewundert ! Ja beneidet: das ist 's ! Glücklicher Schubert: Er konnte komponieren, was er wollte, wozu ihn sein Genius trieb. Da gab's noch keine Kunstgelehrten, die bei jedem Werke prophezeiten, wie die nächsten Werke aussehen müssten. Oder die jedes neue Werk mit vor zehn Jahren geschriebenen Werken, die sie seinerzeit ebenso in Grund und Boden hinein umstritten hatten, totschlugen. Hat nicht Ihr Hanslick(2), der beim Erscheinen den "Lohengrin" als bar jeglicher Melodie erklärt hatte, bei den "Meistersingern" erklärt, die große Erfindungskraft, die im "Lohengrin" waltete, sei nunmehr völlig versiegt ? Glücklicher Schubert ! Bei der ersten Aufführung der C-Dur-Symphonie konnte kein hochnäsiger Kritiker nach bloßem Durchlesen der Partitur das Werk zerschmettern, weil die Partitur damals noch gar nicht gedruckt war !"

 

Lithograhie von C. Bacchi

 

ALTE ZEICHNUNGEN ZUM THEMA "DER TOD UND DAS MÄDCHEN" (TAM)

Das Münchener Kammerorchester spielte am 13. März 2008 unter Alexander Liebreich im Prinzregententheater :

von Franz Schubert
Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810
›Der Tod und das Mädchen‹
(Fassung für Streichorchester von
Gustav Mahler)

 

 

 

 

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