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Schubert |
31.1.1797 |
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Franz |
19.11.1828 |
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Die
Numerierung seiner Symphonien wird heute nach der Entstehungszeit
vorgenommen. Danach ist die Unvollendete des Jahres 1822 die 7.
Symphonie, die verschollende "Gmundner-Gasteiner" des
Jahres 1825 die 8. Symphonie und die Große C-Dur-Symphonie des
Jahres 1828 die 9. Symphonie. Die frühere Zählung der h-Moll-Symphonie
als Nr. 8 wurde anläßlich der Gesamtausgabe von Schuberts Werken
durch Johannes Brahms vorgenommen.
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h-Moll
D 944
1822 |
7.
Symphonie "In den beiden Sätzen von Schuberts h-Moll-Symphonie ... kam es dann noch einmal zur Konfrontation von Leben als Kampf und schier überirdischem Trost, von Bedrohlichem und seiner Überwindung. Dank der kleinen Streicherbesetzung fehlte alles Monumentale, vielmehr bekam die Musik eine unmittelbare, existentielle Kraft, ja Schärfe, und zugleich eine große Verletzlichkeit. Die Einzigartigkeit dieser zwei Sätze in der Geschichte der Symphonie und ihre Spannweite zwischen selbstvergessenem Singen, dramatischer Zuspitzung und Blick hinter die Grenze des Lebens wurden in ihrer ganzen Tragweite hörbar." KLAUS KALCHSCHMID in der SZ vom 17.10.2009 |
Nagano 2.3.2009 Liebreich |
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C-Dur
D 944
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Thielemann 11.1.2006 |
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Akvarel ved Rieder, 1825
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1. Andante - Allegro ma non troppo 2. Andante con moto 3. Scherzo: Allegro vivace 4. Allegro vivace |
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Entstehung Schubert
schrieb seine "große" C-Dur Symphonie im Sommer 1825 in
den österreichischen Kurorten
Das in Schuberts Autograph genannte Entstehungsjahr 1825 wurde später von fremder Hand in 1828 geändert, so dass man die Symphonie lange Zeit für ein Produkt aus Schuberts letztem Lebensjahr hielt. Uraufführung Am 21. März 1839 im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses (Gewandhaus-Orchester Leipzig unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy); der gut zehn Jahre nach Schuberts Tod anberaumten Uraufführung war ein detektivisches Vorspiel vorausgegangen: Robert Schumann hatte eine Partiturabschrift bei Schuberts Bruder Ferdinand entdeckt. |
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Am 31. März 1824 - wenige Wochen vor der Uraufführung von Beethovens 9. Symphonie - schreibt Schubert seinem Freund Leopold Kupelwieser nach Rom, er wolle sich mit der Komposition von Streichquartetten und dem Oktett "den Weg zur großen Symphonie bahnen". ... 1. Satz: Andante - Allegro ma non troppo Grundsätzliche Unsicherheit kennzeichnet die Einleitung: tonale Unsicherheit, denn immer wieder lässt der Komponist den Hörer im Unklaren, ob die Grundtonart seiner Symphonie wirklich C-Dur ist oder nicht vielmehr a-Moll. Die eingangs von zwei Hörnern vorgetragene einstimmige Melodie lässt beide Möglichkeiten offen. ...I Unsicherheit zeigt sich auch im Bewegungsmuster: Der Komponist beginnt mit einem seiner Lieblingsrhythmen, einem Schreitmotiv: Lang-kurz-kurz, das er sonst gerne auf längere Strecken durchführt, hier aber bereits im zweiten Takt auf den Kopf stellt (kurz-kurz-lang), als gerate, wer sich da auf den Weg machen will, gleich zu Beginn ins Stolpern. Zwei Stationen im Verlauf der Einleitung sind noch wichtig: Kurz vor der Schluss-Steigerung führt der Weg - durch überraschende Rückung - in die Tonart As- Dur, nach dem Verständnis der Zeit (und sehr wahrscheinlich auch Schuberts) eine Tonart, die "Tod, Grab, Verwesung, die Ewigkeit mit all ihren Geheimnissen" bezeichnet, in jedem Falle aber in eine neue und für den Verlauf des Satzes zusätzliche Gefährdung. Der As-Dur- Abschnitt mündet dann in eine ebenfalls für das Kommende bedeutsame melodische Figur der Holzbläser, in einen ersten, kurzen Halbkreis - an den "Zirkel" erinnernd, die rhetorische Figur, die den "Himmel" bezeichnet. ... Nun wird die Bewegung gleichmäßiger und ruhiger; wer sich stürmisch auf den Weg gemacht hatte - Schubert würde ihn vielleicht "Wanderer" nennen, bleibt nun auch mal stehen, lauscht sich wiederholenden melodischen Floskeln. Dann verdichtet sich die Faktur wieder, die Bewegung wird wieder heftiger, und unerwartet bricht ein choralartiges Posaunenthema ein. ... 2. Satz: Andante con moto ... eine Art Trauermarsch, [deutet an], dass der "Wanderer" weiter auf dem Weg ist. In verschiedenen Episoden drängen sich ihm Visionen auf - der Satz ist nach dem Muster eines Rondos geformt -, während die langsamen Schreitbewegungen unaufhörlich weiterführen. Da ist zunächst ein wieder siebentaktiges, melancholisches Oboenthema - klagend zunächst, dann sich steigernd und von schneidenden Orchesterschlägen unterbrochen. Es folgt eine eher pastoral anmutende Episode, als führe der Weg durch eine herbstliche Landschaft. 3. Satz: Allegro vivace ... Wieder setzen die Streicher in stürmischem Unisono ein, wieder antworten ihnen - piano - die Bläser. Wieder ist das C-Dur durch überraschende Rückungen nach As-Dur in Frage gestellt. Häufig aufblitzende, aus dem Hauptmotiv abgeleitete Fragmente von Tanzmelodien unterbrechen den Lauf, vermögen aber nicht, ihn wirklich zum Stillstand zu bringen. ... Im Trio beruhigt sich die Bewegung -Doch das Tempo wird hier keineswegs zurückgenommen - lediglich die rhythmische Struktur verändert sich: Während im Scherzo jeder einzelne Takt Gewicht hat, die schweren Akzente also schnell aufeinander folgen, wird im Trio nur jeder zweite Takt betont - die Bewegung scheint sich zu verlangsamen. 4. Satz: Allegro vivace Das Finale setzt mit einer Fanfare ein, einem Signal, das wie ein Zeichen zu neuem Aufbruch wirkt. Dass es ein Ziel benennt, erwartet man nicht - die Musik drängt wieder einfach nur vorwärts ..., Bald aber ... stellt Schubert den punktierten Figuren ein kantables Thema gegenüber, das in seiner melodischen Gestalt einen vollständigen "Zirkel" bildet. ... Es ist, als kenne der "Wanderer" nun das Ziel. Folgerichtig dominieren die Zirkelfiguren, kombiniert entweder mit den drängenden Punktierungen oder dem zielbewussten Vorwärtsschreiten, die Durchführung und ähnlich auch die Coda des Satzes. Und was ist - so fragt man sich angesichts der engen Bindungen an den 1. Satz - mit der Rückung nach As-Dur, der Verlockung und Gefährdung des "Wanderers"? Es scheint zunächst, als spiele sie hier eine untergeordnete Rolle. Erst gegen Ende nicht nur des Finales, sondern der ganzen Symphonie, kehrt jene fatale Tonart wieder - zwar in Verbindung mit dem Schreitthema und über dem Grundton C. Das erscheint zunächst wie eine Art farbliche Ausweichung. Schubert wiederholt diesen Abschnitt aber unmittelbar darauf - und wie durch jede Wiederholung in der Musik wird damit etwas als "bedeutsam" etabliert, was man anders vielleicht überhören könnte. Dann erst führt das Fanfarenmotiv in ungetrübtem C-Dur zum eigentlichen Schluss. Es ist, als ob der "Wanderer" sein Ziel - vielleicht bringt es ihn ja tatsächlich der "Erlösung" näher - nur über eine letzte, den Tod streifende Gefährdung hat erreichen können.
Richard Strauss - Über Schubert Aus dem Nachlass des Komponisten mitgeteilt von Stephan Kohler "À propos C-Dur-Symphonie ! Doch, über die hatte ich einmal wirklich nachgedacht, als ich mir sagen musste, von dieser göttlich unbefangenen,im ungehindertsten Erfinderleichtsinn geborenen Suite stammen die ganzen modernen Musiziersymphonien Schumanns, Brahms', Tschaikowskys, Goldmarks, Bruckners ab - nicht von den neun Tondichtungen Beethovens, von welchen die direkte Linie über den von der Zunft heute immer noch unerkannten Franz Liszt bis zu meiner Wenigkeit geht. Auch bei der "Wandererphantasie" machte ich einmal nachdenklich halt, um die Erfindung des Leitmotivs einer näheren Untersuchung zu unterziehen, aber sonst - nachgedacht hatte ich noch nicht über Schubert, wirklich nicht - nur ihn angebetet, gespielt und gesungen und bewundert ! Ja beneidet: das ist 's ! Glücklicher Schubert: Er konnte komponieren, was er wollte, wozu ihn sein Genius trieb. Da gab's noch keine Kunstgelehrten, die bei jedem Werke prophezeiten, wie die nächsten Werke aussehen müssten. Oder die jedes neue Werk mit vor zehn Jahren geschriebenen Werken, die sie seinerzeit ebenso in Grund und Boden hinein umstritten hatten, totschlugen. Hat nicht Ihr Hanslick(2), der beim Erscheinen den "Lohengrin" als bar jeglicher Melodie erklärt hatte, bei den "Meistersingern" erklärt, die große Erfindungskraft, die im "Lohengrin" waltete, sei nunmehr völlig versiegt ? Glücklicher Schubert ! Bei der ersten Aufführung der C-Dur-Symphonie konnte kein hochnäsiger Kritiker nach bloßem Durchlesen der Partitur das Werk zerschmettern, weil die Partitur damals noch gar nicht gedruckt war !"
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Lithograhie von C. Bacchi |
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ALTE
ZEICHNUNGEN ZUM THEMA
"DER
TOD UND DAS MÄDCHEN"
(TAM) Das Münchener Kammerorchester spielte am 13. März 2008 unter Alexander Liebreich im Prinzregententheater : von
Franz
Schubert
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Kontrastreich |
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Mit Mozart, Schubert, Britten und Vivier begann das Münchener Kammerorchester die neue Saison unter dem Motto "Jenseits" und bewies einmal mehr, wie originell und spannend Konzertprogramme abseits der ausgetretenen Pfade sein können. In den düsteren d-Moll-Akkorden der "Don Giovanni"-Ouvertüre pochte in Gestalt des Komturs gleich vehement das Jenseits an die Tür, bevor sich die irdische Vitalität von Giovanni wieder Bahn brach. Alexander Liebreich ließ keinen Zweifel am Spagat der Musik zwischen Leben und Tod und reizte die Kontraste vehement aus, ließ trocken und scharf akzentuiert spielen. Auch "Zipangu" - eine alte Bezeichnung für Japan - von Claude Vivier aus dem Jahr 1980 erzählt vom Kampf eines Individuums und vom Kontrast zweier Welten, hier Fernost und dem Westen. Dreizehn Streicher werden mit größter Vehemenz und oft heftigstem Bogendruck mit- und gegeneinander geführt, nur einmal verströmt eine Solovioline mildes Licht, bevor erneut die offen endende Auseinandersetzung um die Dominanz einer expressiven Melodie geführt wird.
In Benjamin Brittens Serenade op. 31 für Tenor, Horn und Streicher aus dem Jahr 1943 wurden Nacht, Schlaf und Sterben durch die Interaktion von englischen Texten aus fünf Jahrhunderten und ihrer Vertonung mit Solo-Horn und Streichern aufs vielfältigste gespiegelt. Jedes der sechs Lieder verströmte eine eigene dunkel geheimnisvolle Aura, nur das vorletzte machte eine Ausnahme im gleißenden, flirrenden Lobpreis des Abendsterns als Königin auf einem Silberthron. Christoph Prégardien artikulierte perfekt und bot mit fein abgetöntem, flexiblem Tenor zusammen mit dem exzellenten Hornisten Franz Draxinger und dem MKO eine faszinierende Interpretation. Mit Schuberts "Tränenregen", "Der Wegweiser" und "Du bist die Ruh" in subtilen, ebenso luziden wie sanft expressiven Orchestrierungen des 20-jährigen Anton Webern zielte der Beginn des zweiten Teils ganz in Richtung Tod und Transzendenz. In den beiden Sätzen von Schuberts h-Moll-Symphonie, seiner "Unvollendeten", kam es dann noch einmal zur Konfrontation von Leben als Kampf und schier überirdischem Trost, von Bedrohlichem und seiner Überwindung. Dank der kleinen Streicherbesetzung fehlte alles Monumentale, vielmehr bekam die Musik eine unmittelbare, existentielle Kraft, ja Schärfe, und zugleich eine große Verletzlichkeit. Die Einzigartigkeit dieser zwei Sätze in der Geschichte der Symphonie und ihre Spannweite zwischen selbstvergessenem Singen, dramatischer Zuspitzung und Blick hinter die Grenze des Lebens wurden in ihrer ganzen Tragweite hörbar. Langer, überaus herzlicher Applaus des Publikums für "sein" Münchener Kammerorchester. KLAUS KALCHSCHMID |