SALZBURG

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GEORG TRAKL 1887 - 1914

Vorstadt im Föhn

Am Abend liegt die Stätte öd und braun,
Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen -
Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.

Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
In Gärten Durcheinander und Bewegung,
Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.

Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
In Körben tragen Frauen Eingeweide,
Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
Kommen sie aus der Dämmerung hervor.

Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.

Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.

Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
Und manchmal rosenfarbene Moscheen.

 



Georg Trakl ist 1887 als Sohn eines Eisenhändlers in Salzburg geboren. Im Alter von 27 Jahren starb er zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Garnisonsspital in Krakau. Ein Suizidversuch wurde verhindert und Trakl wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes in ein Krakauer Militärhospital eingewiesen. Am Abend des 3. November 1914 starb er dort nach Einnahme einer Überdosis Kokain an Herzstillstand. Ob es sich dabei um einen Unfall oder um Suizid handelte, ist ungeklärt.

In nur wenigen Jahren hat er ein lyrisches Werk geschaffen, das ihm einen besonderen Platz in der deutschsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts gesichert hat.

Bis zum 21. Lebensjahr lebte Georg Trakl bei seiner Familie in Salzburg. Auch später kam er für unterschiedlich lange Aufenthalte hierher zurück. Prägende Erfahrungen des Dichters sind daher mit Örtlichkeiten dieser Stadt verbunden und haben ihren Niederschlag in seinen Gedichten und Prosatexten gefunden. Einige Gedichte nennen Örtlichkeiten Salzburgs im Titel, andere werden in ihrer Bildsprache von der Architektur und der Atmosphäre der Stadt mitbestimmt. Sieben Gedichttafeln an "Trakl-Orten" sind als Hinweis darauf gedacht, wobei allerdings zu bedenken bleibt, dass Trakl auch dort, wo er von äußeren Anregungen ausging, in seinen Gedichten stets innere menschliche Zustände gestaltete.

Im Geburtshaus des Dichters am Waagplatz in Salzburg ist eine Forschungs- und Gedenkstätte eingerichtet.,

 



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gute laune









baldurina grient vor hansi dem großen







tanz































































Ilse Aichinger





 

Abendlied von Georg Trakl

Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn,
Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns.

Wenn uns dürstet,
Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,
Die Süße unserer traurigen Kindheit.

Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,
Schaun den grauen Möven zu.

Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,
Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.

Da ich deine schmalen Hände nahm
Schlugst du leise die runden Augen auf,
Dieses ist lange her.

Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,
Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.

 





 

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