Seiten über Gott - Welt - Mensch von Theodor Frey

 KARL RAHNER

 ALBERT KELLER

RUPERT MAYER

 TEILHARD DE CHARDIN

 NELL-BREUNING

HUGO LASSALLE

JESUITEN

ST. MICHAEL-MÜNCHEN

FRANZISKUS I.





NICHT BEGRENZT WERDEN VOM GRÖßTEN 
UND DENNOCH EINBESCHLOSSEN SEIN VOM GERINGSTEN,
DAS IST GÖTTLICH.


Warum und wozu ist Gott Gott?

Die "eigentlichen Probleme des Christentums - wie auch anderer Religionen - liegen auf dem weiten Feld der Gottesfrage: dass es den Menschen unter den Bedingungen einer wissenschaftlichen zusehends entzauberten, entmythologisierten, aufgeklärten Welt immer schwieriger wird, auf althergebrachte Weise religiös zu sein, Gott zu bitten, zu bekennen, zu loben - oder in Riten und Sakramenten zu feiern. Viele Menschen haben die größte Schwierigkeit damit, dass sich das Rätsel der Welt nicht aus der Welt erklärt - und schon gar nicht aus dem Nichts. Noch größer aber ist für viele die Schwierigkeit, dass auch das Mysterium Gott, die Welt und deren Sinn in den Möglichkeiten unserer Anschauung und Logik nicht wirklich erklärt - und schon gar nicht sich selbst. Warum und wozu ist Gott Gott ?"

Johannes Röser in CiG 12/2013 S. 128 anlässlich der Wahl von Papst Franziskus



FRANZISKUS I.

Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist neuer , der 266. Papst, der römisch-katholischen Kirche. Als Namen wählte er Franziskus. 
Der 76-Jährige ist der erste Lateinamerikaner und erster Jesuit auf dem Papstthron. 

Papst Franziskus, geboren am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in Buenos Aires war Erzbischof der argentinischen Hauptstadt. . . .  "Der gelernte Chemiker ist ein Multitalent - etwa auch fürs Kochen, was er von seiner Mutter geerbt haben soll. Ein Liebhaber der Oper, der griechischen Klassiker, von Shakespeare und Dostojewski. Ein Schwimmer, der körperlich anpacken kann - auch wenn er schon seit der Kindheit mit Lungenproblemen zu kämpfen hat. Nach dem Diplom als Chemie-Ingenieur entschied sich Bergoglio für den Priesterberuf und trat in die Gesellschaft Jesu ein. Er studierte Philosophie und Theologie und lehrte währenddessen Literatur und Psychologie. Nach seiner Priesterweihe im Dezember 1969 brachte er es schnell zum Jesuiten-Provinzial Argentiniens. In diese Amtszeit fiel auch die Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). Im Foltergefängnis inhaftierte Ordensbrüder warfen Bergoglio Schwäche im Umgang mit dem Regime vor, weil er sich nicht vor sie gestellt habe.

Von 1980 bis 1986 war Bergoglio Rektor der Theologischen Hochschule von San Miguel. Um seine Dissertation zu beenden, kam er 1985 zu einem längeren Aufenthalt nach Deutschland - und spricht seither neben Spanisch und Italienisch auch Deutsch . . . .
Der Naturwissenschaftler liebt nicht die großen Auftritte. Er gilt als wortkarg und medienscheu. Zur Tagespolitik hält er möglichst Distanz. Obwohl er selten eine Rolle im Streit zwischen Bischöfen und der Regierung seines Heimatlandes spielte: Die Chemie mit der hohen Politik und der Wirtschaft stimmte auch bei ihm oft nicht. Die argentinischen Eliten ermahnte er wegen ihrer Korruptheit und ihres frivol verschwenderischen Lebenswandels.

Bergoglio lebt Bescheidenheit vor. Statt seiner Bischofsresidenz bewohnte er in Buenos Aires ein schlichtes Appartement. Er ging selbst im Supermarkt einkaufen, liebte lange Spaziergänge durch seine Heimatstadt - und fuhr ansonsten lieber Bus als Bischofslimousine.
Sein Vater war Eisenbahnangestellter; vielleicht rührt daher seine Vorliebe für öffentliche Verkehrsmittel.

Theologisch eher gemäßigt und dialogbereit, gilt Bergoglio bislang als schüchterner und doch volksnaher «Versöhner», der der konservativen und sozial engagierten Bewegung «Comunione e Liberazione» nahesteht. Seine vergleichsweise wenigen Worte hatten im traditionell katholischen Argentinien Gewicht. Und an Weihnachten und Ostern besuchte er ein Krankenhaus für arme Kinder oder ein Gefängnis, wäscht den Kranken oder Gefangenen die Füße. Für seine Landsleute geht von dem asketischen Einzelgänger eine besondere Aura aus. Manche beschreiben ihn als faszinierend, manche als rätselhaft."

Auszug eines Berichtes von Thomas Jansen (KNA)

Laut Wikipedia schätzt er unter den Schriftstellern Friedrich Hölderlin, Jorge Luis Borges und Fjodor Michailowitsch Dostojewski am meisten. Er bevorzugt die Filme des italienischen Neorealismus.

 

Franziskus zitierte die Redewendung von Friedrich Hölderlin (1770-1843)
aus einem Brief an seine Großmutter:

 

"Es ist ruhig, das Alter, und fromm".

Meiner verehrungswürdigen Großmutter
Zu ihrem 72. Geburtstag

Vieles hast du erlebt, du teure Mutter! und ruhst nun
Glücklich, von Fernen und Nah'n liebend beim Namen genannt,
Mir auch herzlich geehrt in des Alters silberner Krone
Unter den Kindern, die dir reifen und wachsen und blühn.
Langes Leben hat dir die sanfte Seele gewonnen
Und die Hoffnung, die dich freundlich in Leiden geführt.
Denn zufrieden bist du und fromm, wie die Mutter, die einst den
Besten der Menschen, den Freund unserer Erde, gebar. -
Ach! sie wissen es nicht, wie der Hohe wandelt' im Volke,
Und vergessen ist fast, was der Lebendige war.
Wenige kennen ihn doch und oft erscheinet erheiternd
Mitten in stürmischer Zeit ihnen das himmlische Bild.
Allversöhnend und still mit den armen Sterblichen ging er,
Dieser einzige Mann, göttlich im Geiste, dahin.
Keines der Lebenden war aus seiner Seele geschlossen

Und die Leiden der Welt trug er an liebender Brust.
Mit dem Tode befreundet' er sich, im Namen der andern
Ging er aus Schmerzen und Müh' siegend zum Vater zurück.
Und du kennest ihn auch, du teure Mutter! und wandelst
Glaubend und duldend und still ihm, dem Erhabenen, nach.
Sieh! es haben mich selbst verjüngt die kindlichen Worte,
Und es rinnen, wie einst, Tränen vom Auge mir noch;
Und ich denke zurück an längst vergangene Tage,
Und die Heimat erfreut wieder mein einsam Gemüt,
Und das Haus, wo ich einst bei deinen Segnungen aufwuchs,
Wo, von Liebe genährt, schneller der Knabe gedieh.
Ach! wie dacht' ich dann oft, du solltest meiner dich freuen,
Wann ich ferne mich sah wirkend in offener Welt.
Manches hab' ich versucht und geträumt und habe die Brust mir
Wund gerungen indes, aber ihr heilet sie mir,
O ihr Lieben! und lange, wie du, o Mutter! zu leben

Will ich lernen; es ist ruhig das Alter und fromm.
Kommen will ich zu dir; dann segne den Enkel noch Einmal,
Daß dir halte der Mann, was er, als Knabe, gelobt

In St. Georgen hat Bergoglio eine Dissertation über Romano Guardini schreiben wollen. Es kam aber zu keinem Abschluss.


Franz von Assisi von Olivier Messiaen . . .


 

tam  - Zeichnung zu Franziskus in Ägypten


KAPITALISMUSKRITIK  FUNDAMENTAL

„In der Wurzel ungerecht" nennt Papst Franziskus das aktuelle ökonomische System (59). Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr bloß ausgebeutet, sondern ausgeschlossen,
weggeworfen. Diese Kultur des Wegwerfens habe etwas Neues geschaffen. „Die Ausgeschlossenen sind nicht „Ausgebeutete", sondern Müll, „Abfall"." (53) Die Welt lebe in einer neuen Tyrannei des „vergötterten Marktes", die manchmal sichtbar, manchmal virtuell sei. Hier regiere die Finanzspekulation, die Korruption und Egoismen, die sich etwa in Steuerhinterziehung ausdrückten (56).

Auch die Familie durchlaufe eine tiefe kulturelle Krise, so Franziskus. Sie sei der Ort des Lernens, mit Verschiedenheiten umzugehen und zu reifen, werde aber „tendenziell als eine bloße Form affektiver Befriedigung gesehen" (66). Dagegen zerstöre „der postmoderne und globalisierte Individualismus" die Bindungen zwischen Menschen und die Familienbande. (67)

Die Kirche könne nicht abseits stehen, wenn es um das „Ringen um Gerechtigkeit" geht. Die Armen seien für die Kirche zuerst eine theologische Kategorie, dann erst eine soziologische oder fruchtlos werde und in einer "sSchreiben "Evangelii Gaudium"pirituellen Weltlichkiet" aufgehe."

Papst Franziskus im Schreiben "Evangelii Gaudium" - Aus der Zusammenfassung von Radio Vatican (26..11.2013)

Zum Lehrschreiben . . .


Michel de Certeau (1925 - 1986) und Henri de Lubac (1896 - 1991)

Papst Franziskus lies im vergangenen Sommer in einem Interview ( Stimmen der Zeit ) die Bemerkung fallen, er schätze zwei zeitgenössische Denker besonders: die Jesuiten Michel de Certeau und Henri der Lubac.

 

Der Papst Franziskus zum Abschluss der Familiensynode am 24.10.2015

Die Kirche habe „keine Angst, die betäubten Gewissen aufzurütteln oder sich die Hände schmutzig zu machen, indem sie lebhaft und offen über die Familie diskutiert“. Auffallend sei, „dass das, was dem Bischof von einem Kontinent normal vorkommt, dem Bischof eines anderen Kontinents seltsam, fast skandalös erscheinen kann“, bemerkte Franziskus.

„Die erste Pflicht der Kirche besteht nicht darin, Verurteilungen auszusprechen, sondern darin, die Barmherzigkeit Gottes zu proklamieren, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil des Herrn zu führen“

„Die Erfahrung der Synode hat uns auch verstehen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht die sind, die den Buchstaben, sondern die, die den Geist verteidigen; nicht die Ideen, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes und seines Verzeihens. Das bedeutet nicht, die Wichtigkeit der Formeln, Gesetze und Gebote Gottes irgendwie zu verkleinern, sondern die Größe des wahren Gottes zu preisen.“

 

NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN
AMORIS LAETITIA

hier das Schreiben gesamt  . . .

19. März 2016

Hier für mich bemerkenswerte Aussagen:

Indem ich daran erinnere, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. . . .Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll« - - -Am Horizont der Liebe, die in der christlichen Erfahrung der Ehe und der Familie im Mittelpunkt steht, zeichnet sich auch noch eine andere Tugend ab, die in diesen Zeiten hektischer und oberflächlicher Beziehungen etwas ausgeklammert wird: die Zärtlichkeit.  ..  . . .

In der Ehe sollte man die Freude der Liebe bewahren. Wenn das Streben nach Genuss zwanghaft ist, schließt es uns in eine Einseitigkeit ein und macht uns unfähig, andere Arten der Erfüllung zu entdecken. Die Freude weitet dagegen die Fähigkeit zu genießen aus und erlaubt uns, Geschmack an mannigfaltigen Dingen zu finden, auch in den Lebensphasen, in denen der Genuss verblasst. Darum sagte der heilige Thomas, dass das Wort „Freude“ gebraucht wird, um von der Ausweitung des Herzens zu sprechen. Die eheliche Freude, die sogar mitten im Schmerz erlebt werden kann, schließt ein zu akzeptieren, dass die Ehe notwendig ein Miteinander von Wonnen und Mühen, von Spannungen und Erholung, von Leiden und Befreiung, von Befriedigung und Streben, von Missbehagen und Vergnügen ist, immer auf dem Weg der Freundschaft, die die Eheleute dazu bewegt, füreinander zu sorgen: Sie » gewähren sich […] gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst «.

Die Liebe der Freundschaft wird „caritas“ genannt, wenn sie den » hohen Wert « des anderen erfasst und wertschätzt. Die Schönheit – der „hohe Wert“ des anderen, der sich nicht mit seiner physischen oder psychologischen Anziehungskraft deckt – erlaubt uns, den unantastbaren Kern seiner Person zu erleben, ohne die zwingende Notwendigkeit, ihn zu besitzen. In der Konsumgesellschaft verarmt das ästhetische Empfinden, und so erlischt die Freude. Alles ist da, um gekauft, besessen und konsumiert zu werden – auch die Menschen. Die Zärtlichkeit, hingegen, ist eine Äußerung jener Liebe, die sich von dem Wunsch des egoistischen Besitzens befreit. Sie bringt uns dazu, vor einem Menschen gleichsam zu erzittern, mit unermesslicher Achtung und einer gewissen Furcht, ihm Schaden zuzufügen oder ihm seine Freiheit zu nehmen. Die Liebe zum anderen schließt dieses Gefallen daran ein, das Schöne und Unantastbare seines persönlichen Wesens zu betrachten, das jenseits meiner Bedürfnisse existiert. Das ermöglicht mir, sein Wohl zu suchen, auch wenn ich weiß, dass er mir nicht gehören kann, oder wenn er physisch unangenehm, aggressiv oder lästig geworden ist. Darum gilt: » Von der Liebe hängt es ab, ob jemand, dem ein anderer Mensch angenehm ist, diesem unentgeltlich etwas gibt. «

 Die Freude dieser beschaulichen Liebe muss gepflegt werden. Da wir erschaffen sind, um zu lieben, wissen wir, dass es keine größere Freude gibt als die über ein geteiltes Gut: » Versag dir nicht das Glück des Tages […] Beschenk den Bruder und gönne auch dir etwas « (Sir 14,14a.16a). Die intensivsten Freuden des Lebens kommen auf, wenn man die anderen beglücken kann, in einer Vorausnahme des Himmels. Man erinnere sich an die geglückte Szene in dem Film „Babettes Fest“, wo die großherzige Köchin eine dankerfüllte Umarmung und ein Lob empfängt: „Wie wirst du die Engel ergötzen!“ Süß und belebend ist die Freude, anderen Vergnügen zu bereiten und zu sehen, wie sie genießen. Diese Wonne, eine Wirkung der Nächstenliebe, ist nicht die der Selbstzufriedenheit dessen, der nur auf sich selber schaut, sondern die des Liebenden, der sich über das Wohl der geliebten Person freut – eine Wonne, die sich in den anderen Menschen ergießt und in ihm fruchtbar wird.

 

 

KARL RAHNER
1904 - 1984

 

Das heilige Geheimnis in der Alltäglichkeit und Durchschnittlichkeit

 

Die „Alltäglichkeit" und „Durchschnittlichkeit" sind für Rahner ein unverzichtbares Thema der Frage nach der Gotteserfahrung. Es gibt nur einen einzigen Weg zur Erkenntnis Gottes, und der führt „durch die Begegnung mit der Welt, zu der wir natürlich auch selber gehören ... Weil Gott etwas ganz anderes ist als eine der in unserem Erfahrungsbereich vorkommenden oder aus ihm erschlossenen Wirklich- keiten und weil die Erkenntnis Gottes eine ganz bestimmte einmalige Eigenart hat und nicht nur ein Fall des Erkennens im Allgemeinen ist, darum ist es sehr leicht, Gott zu übersehen." Rahner nennt verschiedene nichtpersonale Metaphern, mit denen sich die Gotteserkenntnis umschreiben lässt: „Man kann von Sein sprechen, vom Grund, von letzter Ursache, vom lichtenden und entbergenden Logos, man kann das Gemeinte noch mit tausend anderen Namen anrufen... Wir wollen das Woraufhin und Wovonher unserer Transzendenz ‚das heilige Geheimnis' nennen", heißt es im „Grundkurs des Glaubens"

 

 


DEN UNBEGREIFLICHEN IN ALLEM FINDEN

Die unter den einfachen Worten der geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola verborgene Theologie "gehört zu den wichtigsten Grundlagen des abendländischen Christentums der Neuzeit, ja ist in der Schultheologie der Kirche und der üblichen Praxis der Frömmigkeit noch gar nicht völlig eingeholt, sondern hat noch eine große Zukunft. " Die Übungen wollen "den Menschen eine radikale Unmittelbarkeit zu Gott erfahren lassen, die für Ignatius auch alles Christliche und Kirchliche letztlich trägt und umfaßt. Ignatius ist davon überzeugt, daß eine solche 'mystische' Unmittelbarkeit zu Gott wirklich möglich ist.". . .  "Aber diese Unmittelbarkeit zu Gott über alle Einzelwirklichkeiten der menschlichen Existenz hinaus bedeutet für Ignatius doch nicht (nur) eine mystisches Sichverlieren in der schweigenden Unbegreiflichkeit Gottes. Die ignatianischen Übungen sind vielmehr eine Logik der existenziellen Entscheidung, in der die Einmaligkeit des einzelnen Menschen und die Einmaligkeit des Willens Gottes über alle bloße Normativität allgemeiner Prinzipien hinaus zum Durchbruch kommt. Von seiner Freiheit in Gott und von Gott selbst her kehrt der Mensch zur konkreten Entscheidung, zur konkreten Aufgabe und Tat in dieser Welt zurück, vollzieht er den schöpferischen und erlösenden Abstieg der Liebe Gottes zu seiner Welt mit, um Gott nicht nur in seiner weiselosen Unbegreiflichkeit allein, sondern in allem zu finden."

Karl Rahner im Vorwort zu "Ignatius - Geistliche Übungen - Übertragung und Erklärung von Adolf Haas, Herder ,1966

 

Karl Kardinal Lehmann am 24. 4. 2009 bei den 1. Rahner Lectures in der Hochschule für Philosophie  in München im Gespräch mit Erzbischof Reinhard Marx. Karl Lehmann referierte über die Bedeutung Karl Rahners für die Zukunft.

EINFLÜSSE

Quelle der Rahner'schen Theologie ist die Spiritualität seines Ordensvaters Ignatius von Loyola, die sich nicht nur in den Ignatius-Interpretationen und seinen Auslegungen der ignatianischen Exerzitien zeigt.

Aufnahme des philosophischen Ansatzes des belgischen Jesuiten Joseph Maréchal, der - beeinflusst durch Maurice Blondel u. a. – die kantsche Fragestellung aufzunehmen und im Rahmen einer thomistisch geprägten Philosophie zu lösen suchte. Rahners Thomas-Interpretation „Geist in Welt“, in seiner Freiburger Studienzeit im Umkreis Martin Heideggers verfasst, steht hierfür. Hans Urs von Balthasar schrieb dazu 1964 „diese Synthese entsprach zudem ganz dem jesuitischen Genius einer anti-statischen, barocken Dynamik. Mit ihr hat Rahner den weiten Herzensschwung der Kirchenväter nachvollziehen können, bei deren Theologie und Spiritualität er zunächst einsetzt“.

Von der Mitte in die Weite - "Karl Rahner - aus Sicht der Generation danach" - Von Roman Siebenrock

 

Eintauchen ins Unverfügbare
Eintauchen ins Unfassbare

Gib uns die Erkenntnis,
die sich im Alltag bewährt,
dass, wenn wir dich suchen
und nach dir verlangen,
der Geist der Ruhe,
des Friedens und der Zuversicht,
der Freiheit und der schlichten Klarheit
DEIN Geist ist,
und aller Geist der Unruhe und Angst,
der Enge und der bleiernen Schwermut
höchstens unser Geist
oder der der dunklen Tiefe ist.

Karl Rahner SJ

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Videoaufzeichnung des Vortrags am 12.2.1984 auf der Tagung der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg "Vor dem Geheimnis Gottes den Menschen verstehen" zum 80. Geburtstag von Karl Rahner (5.3.1984).


Über die Möglichkeit des Glaubens heute

. . . mir ist kein Grund begegnet, "der mich zwänge oder veranlaßte, nicht zu glauben. Ich bin katholisch geboren, weil ich in einem glaubenden Milieu geboren und getauft worden bin. Ich hoffe auf Gott, daß sich dieser durch Tradition überkommene Glaube zu meiner eigenen Entscheidung, zu einem eigentlichen Glauben gewandet hat, daß ich auch in der Mitte meines Wesens katholischer Christ bin, was ja im letzten das Geheimnis Gottes und meiner unreflektierbaren Tiefe bleibt, die ich auch mir selbst nicht aussagen kann."

Schriften zur Theologie - Band V - Neuere Schriften - S. 12 ff.

 

Die Botschaft Jesu "wendet sich an den durchschnittlichen Menschen, sie will helfen, sein mühsames und kurzes Leben zu bestehen." . . . Man müsste es der wahren Botschaft von Gott anmerken, daß sie das unbegreifliche Geheimnis beschwört, das wir Gott nennen; daß sie nicht den Anspruch mache, 'dahinter gekommen zu sein', sondern gerade umgekehrt, den Menschen unentrinnbar vor den je größeren Gott, vor sein Geheimnis als solches zu stellen, um ihn dadurch wirklich aus sich heraus und über sich selbst hinweg zu zwingen in jenen Akt hinein, den man Glaube, Anbetung, Übergabe, Liebe oder wie immer nennen mag."

Schriften zur Theologie - Band V - Neuere Schriften - S. 47 

"Die einfache Botschaft des Evangeliums . . . muß in seiner Einfachheit das Schwerere, das der gemeinten Wirklichkeit Nähere, das Abgründige und Geist und Herz überfordernde sein, trotz und wegen seiner Einfachheit. Das reflektierte System muß immer als das Abgeleitete, Sekundäre erscheinen. . . . . Den das Kerygma [die Botschaft] ist, richtig verstanden, nicht eine zusätzliche Rede über etwas, sondern die Wirklichkeit selbst. Denn es ist im Gegensatz zur reflektierenden Theologie nur ganz da und richtig gehört, wenn es die Gnade, in der es verkündigt wird und mit der es gehört werden wird, einschließt; wenn es die gnadenhaft vergöttlichte und in die Wirklichkeit Gottes selbst hineinstürzende Transzendenz des Menschen selbst beschwört, diejenige, die nicht im reden da ist, sondern in der Erfahrung des 'Alltags', in der Erfahrung der Liebe, des Todes und der unentrinnbaren Begegnung mit dem Geheimnis, in dessen Abgründigkeit alles gründet, dessen Nacht allein alle vordergründige Helle des menschlichen Daseins erleuchtet."

Schriften zur Theologie - Band V - Neuere Schriften - S. 48

 

„Offenbarung ist also gerade keine durch Gott selbst gewährte gnostische Überwindung des Geheimnisses, auch nicht in seiner unmittelbaren ‚Schau', sondern Geschichte der immer radikaleren Erkenntnis Gottes als des Geheimnisses. Das geht bis zur Unmittelbarkeit dieses Geheimnisses in dem, was man ‚Schau' nennt, und kann nur ausgehalten werden in der liebenden Übergabe an dieses bleibende Geheimnis. Der Verlorene und nicht der Selige weiß alles als unendliches Allerlei und er weiß gerade so gar nichts. Der Selige gibt sich hebend weg, läßt sich bedingungslos an das hebend und rettend sich selbst in Unmittelbarkeit schenkende Geheimnis des ‚deus absconditus' [des verborgenen Gottes] fallen. Wenn die theoretische Vernunft als das Vermögen des herrscherlichen Umgreifens verstanden wird, dann ist die Seligkeit gerade die Befreiung dieser theoretischen Vernunft in die Liebe des Mysteriums hinein, das uns in Unmittelbarkeit zu sich selbst völlig ergreift. Die Geschichte der Offenbarung ist dann die fortschreitende Erkenntnis, daß wir es mit dem bleibenden Geheimnis selbst zu tun haben, immer mehr mit ihm und mit nichts anderem. So gesehen wäre in dem Bericht über die Offenbarung gewiß vieles anders zu sagen und zu deuten, als dies gewöhnlich geschieht. Aber wenn der Höhepunkt dieser Offenbarung, die Mitteilung des Geistes Gottes selbst, in dem Ereignis geschieht, in dem ein Mensch in seinem Tod alles andere außer Gott verliert, sich Gott bedingungslos als dem unbegreiflich über ihn Verfügenden übergibt und so selig wird, dann läßt sich die Geschichte dieser Offenbarung wohl so schreiben, wie es hier gemeint ist. Alles in einer Geschichte läßt sich eben nur von ihrem Ende her letztlich zutreffend deuten. Dieses Ende aber ist die Ankunft Gottes als des bleibenden, jedoch in Liebe angenommenen Geheimnisses. In dieser Geschichte wird also das Geheimnis nicht eigentlich langsam zerstört, sondern alle Vorläufigkeiten werden immer weiter abgebaut, soweit sie uns meinen lassen, wir hätten es mit Gott nur in dem zu tun, was wir von ihm begreifen zu können glauben."

Schriften XII 299f.




"Undogmatische Merksätze über Gott"

von ALBERT KELLER (1932 - 2010) in

Grundfragen christlichen Glaubens

Alte Lehren neu betrachtet

2010

- Das Wort "Gott“ ist eher ein Ruf als eine Bezeichnung

- Gott kann nicht geleugnet werden, nur der Begriff von Gott
( Auch die eigene Existenz kann niemand leugnen, da sie Vorbedingung des
Leugnens ist; sie selbst ist jedoch bedingt. Gott aber ist Vorbedingung aller Existenz - also allen Leugnens - , Er selbst jedoch ist unbedingt)

- Was man in Frage stellen kann, ist nicht Gott

- Der Atheist: "Es gibt keinen Gott!“ - Gott:” Es gibt keine Atheisten!" - Gott hat recht.

- Gott ist alles Gute auf einmal und grenzenlos. Wer etwas Gutes liebt, liebt darin auch Gott

- Je mehr einer sich in Gott gründet, desto freier wird er. Und je freier er ist, desto mehr gründet er in Gott

- Wenn Gott sich zeigte, hätten wir ihm gegenüber keine Freiheit, jedenfalls keine Wahl. Um unserer Freiheit willen muss Er sich verbergen

10.9. Anspruch dieser Antwort

- Am Anfang war die Vernunft (der logos“: Joh 1,1)

- Mit Gott kann man nicht zu Rande kommen, denn er hat keinen Rand.

- Gott taugt nicht zur Welterklärung, auch wenn es ohne Ihn keinen Sinn gäbe.

- Da Gott ständig alles in allen Einzelheiten schafft, ohne jedoch dessen innerweltliche Ursache zu sein, ist die Annahme, er greife ins Weltgeschehen ein, (von der Inkarnation abgesehen) grundlos

- Das Wirken Gottes und das der Welt (des Menschen) wachsen zugleich; ebenso Gnade und Freiheit.

- Es gibt nur eine Liebe: die zu Gott, der Welt, den Menschen und zu sich selbst. Wer eine ohne die andere will, geht fehl. Darin liegt die Sünde: in verkorkster, mangelnder Liebe.

- Nichts ist individueller als der Bezug zu Gott. Dennoch ist er nicht privat, da der uns mit allem verbindet.

- Alle Menschen sind eins in Christus und so erlöst; nur wer andere ablehnt, sperrt sich davon aus.

- Das Böse hassen und den Bösen lieben; den Irrtum bekämpfen und den Irrenden annehmen, das heißt Nächstenliebe - und gilt auch für die Liebe zu sich selbst

- Damit der Mensch hören kann, muss Gott in menschlicher Sprache zu ihm reden: Wort Gottes muss Menschenwort sein. Alles Menschenwort aber ist missverständlich.

- Wer anspricht, stellt einen Anspruch. Wie können wir es also wagen,Gott anzusprechen?-

”Die Ros’ ist ohn’ Warum“ - darin gleicht sie Gott (Gott ist der grundlose Grund von allem. Er ist das Ende aller Begründung.Wer ”Warum”? fragt, fragt zuletzt nach Gott.)

- Erst der Glaube an die Schöpfung lässt die Welt als Frage zu - Geschichtliche Persönlichkeit - vor Gott ist jeder eine; - Auch eine Putzfrau ist von Gottes Gnaden“ - wie alles ein Wunder ist.

- Niemand kann meinen Schmerz fühlen - nur Gott: Er fühlt ihn in mir

 

Heiterer Philosoph, Jesuit und edler Provokateur

von Ulf Poschardt in WELT Online 8.7.2010

". . . Wer bei ihm die Freude hatte, Philosophie zu studieren, wird ihn nie vergessen: herzhaft lachend, sinnlich, scharfzüngig. . . . er war ein Freigeist der Extraklasse. Wie viele Jesuiten schätzte er den eigenen Weg zur Erkenntnis mehr als das Erwartbare, Modische oder Kirchennahe."

In Thomas von Aquin und dessen Gängelung von Sünde und Unvernunft als Unfreiheit schätzte er den protoaufklärerischen Liberalen und Rationalisten, bei Ludwig Wittgenstein liebte er Biografie und Werk in seiner Zerrissenheit als Exempel für die Lernfähigkeit gerade der größten Geister.  . . .

Viele Mitstudenten waren angehende Priester an dieser Hochschule. Sie waren schockiert von der absoluten Subjektivität der Sprache; was - so fragte ein Kommilitone - wäre dann mit der Unfehlbarkeit der Worte des Papstes. Der, so antwortete Keller sichtlich amüsiert, müsse nur ein Semester Wittgenstein hier belegen, um zu wissen, dass keine sprachliche Äußerung eindeutig und damit unfehlbar sei. Die Studenten schwiegen.

Keller war ein grandioser Prediger. Auch hier provozierte er die Gemeinde gerne - mit dem Erfolg einer bis zuletzt proppenvollen Jesuitenkirche St. Michael mitten in der Münchner Fußgängerzone. Dort legte er sich in der letzten dokumentierten Predigt im Mai mit den konservativen katholischen Kreisen an, die es für ausgemacht hielten, dass es in der Kirche keine Demokratie geben könne. Für Keller natürlich Unsinn. Deshalb findet er immer eine Bibelstelle (Joh. 14, 23-29), die deutlich macht, dass die Gemeinde entscheiden muss. Seinen 75. Geburtstag feierte der genussfreudige Katholik mit seinen Tegernseer Gebirgsschützen, und zwar ganz in Tracht, grinsend mit Zigarillo im Mund: ein Einzigartiger, vom Denken beseelt."

 





BÜSTE IN DER MICHAELSKIRCHE

 

 

Gedenktafel in der Kreuzkapelle
der Michaelskirche in München



Gedenktafel unter der Kanzel in der Michaelskirche

 



Rupert Mayer wurde in St. Eberhard (Stuttgart)
getauft und feierte 1899 hier seine Primiz


 

 




 Gedenktafel in Altomünster












 

 

                                            

  
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