ALTE PINAKOTHEK IN MÜNCHEN

SAAL IV - ITALIENISCHE HOCHRENAISSANCE

RINASCIMENTO - WIEDERGEBURT


EINE SEITE VON THEODOR FREY

CHARKTERISIERUNG NACH WILHELM HAUSENSTEIN

"Das Rinascimento bedeutet den natürlichen Versuch Italiens, seine uralte 'Idenzität' wiederzufinden: seine Einheit mit sich selbst, die sich im germanisch durchtränkten Weltzeitalter der Gotik verschoben hat.  . . .  Diese 'Reintegration' ist mit einer stärkeren oder schwächeren, offenen oder heimlichen, im Grunde immer unbestreitbaren Ausstoßung des Christentums verbunden. . . .  [Italien] begreift, daß es hinter dem Christentum immer die Antike bewahrt hat, die Italiens ältestes Erbe ist - tausend Jahre älter als das Christentum. . . . Aus dem Rinascimento [bricht] ein starker Drang hervor gegen die Armut, gegen die christliche Enthaltsamkeit, gegen die metaphysische Natur des Christentums. Es entsteht ein bewußtes Neuheidentum, und wenn dies junge Neuheidentum mit der historisch ausgewachsenen Macht des älteren Christentums eine Ehe hält, so ist diese Ehe ein Kompromiß aus Gründen der lebenspolitischen Verständigkeit, oft aber auch eine öffentlich wie heimlich  gebrochene Ehe."
Kunstgeschichte - 1928 - S. 198

" Das italienische Rinascimento ist die weltgeschichtliche Ablösung der Gotik und auch der dahinterstehenden Romanik. Beide, Romanik und Gotik, tragen tiefe deutsche Prägespuren. Sie sind die Kunstformen des heiligen römischen Reiches deutscher Nation.  . . . Das Italien des Rinascimento ist . . . ein lockeres Gefüge von Stadtstaaten.  Diese Stadtstaaten sind teils bürgerlich-patrizische Republiken, teils Stadtmonarchien mit einem 'principe' von tyrannischer Machtvollkommenheit an der Spitze. . . . Die Macht des 'principe' kommt nicht in erster Linie aus dem ländlichen Grundbesitz, sondern aus dem in bürgerlichen Geschäften erworbenen Vermögen. Die Medici, die im fünfzehnten Jahrhundert die Herrschaft über Florenz an sich reißen, sind in florentinischer Wollweberei, im europäischen Handel und im Bankgeschäft groß geworden. Der Senat von Venedig, die 'signoria" (das 'Herrenhaus'), ist ein Senat von Großhändlern, die den levantinischen Güterverkehr in Händen halten."
Kunstgeschichte - 1928 - S. 201

Hausenstein schlägt vor, das Rinascimento im fünfzehnten Jahrhundert ( Quattrocento) als Frührenaissance beginnen zu lassen. Das sechszehnte Jahrhundert ( Cinquecento) als Hochrenaissance.



 



 

Dieses verzaubernde Lächeln

braucht sich vor dem der Mona Lisa 

nicht zu verstecken


Die dunstige Berglandschaft weist auf die späteren Meisterwerke
(Mona Lisa, Hl. Anna Selbdritt) voraus

Die Nelke als Passionsblume verweist
auf das Martyrium Christi, 
das Kind schaut aber aus dem Bild
hinaus

Brilliante, fasziniernde 
Gestaltung des Gewandes

Die Blumen als Kontrapunkt
in der rechten Ecke

Der pyramidale Bildaufbau

Rot, Gelb, Blau - Komposition

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Seine Ausbildung machte Alessandro (Sandro) Filipepi in den Werkstätten des Malers Fra Filippo Lippi sowie des Bildhauers Andrea del Verrocchio. Nachdem sein Vater verstorben war, eröffnete Sandro um 1470 seine eigene Werkstatt. Sein erster großer Auftrag war eine „Allegorie der Tapferkeit“, sein Mitarbeiter der Sohn seines ehemaligen Meisters, Flippino Lippi.
Botticelli ("Fässchen") arbeitete in erster Linie für die Patrizierfamilien seiner Heimatstadt Florenz, und gestaltete besonders für die Medici mythologische Themen.
Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderst ist in Florenz überschattet von der Vertreibung der Medici und der Gewaltherrschaft Savonarolas. Ob Botticelli kurz vor der Hinrichtung (1498) den Savonarolas beitritt, gilt als umstritten. Auffallend ist jedoch der Wandel in der Thematik und Malweise, die die sozialen und religiösen Erschütterungen wider spiegeln. Für diese ernsten, religiösen Themen, ist die "Beweinung Christi" ein Beispiel. Botticelli war im Jahr der Hinrichtung Savonarolas ein wohlhabender Mann. In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete er kaum noch. 



Auf dem Bild mit der ausgeprägten Bogenform 
sind auch die "Zeugen" einer späteren Zeit,
die hll. Hieronymus und Paulus (links) einbezogen. 
Nur der hl. Petrus (rechts) steht segnend und betrachtend
außerhalb der Komposition.

                     

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Verkündigung Mariae (vermutlich 1743/45)



Der Bildaufbau
Wo die Linien der Zentralperspektive zusammenlaufen, ist an der Spitze des Baumstammes (Bezug auf den Baum des Paradieses und den Kreuzesstamm) der Geist Gottes im Symbol der Taube angeordnet. Dieser Geist geht von Gott dem Schöpfer (linke obere Ecke) aus und führt zu Jesus, dem Sohn Gottes, den Maria unter ihrem Herzen trägt (rechts). 

Während sich Maria im inneren Raum befindet und der Geist im Vorraum, wird "Gott Vater" von Engeln umgeben in einer irrealen Sphäre dargestellt.

Der Trinitätsgedanke findet sich auch in den drei Bogenöffnungen des Raumes wider, die von einem größeren Bogen umwölbt werden. Das Wort Gottes, symbolisiert durch das aufgeschlagene Buch, befindet sich auf einem dreistufigen Potest.

Zwischen der auf Maria hinweisenden Hand des Verkündigungsengels und der auf ihr Herz deutenden Hand Marias zeigt sich eine enge Verbindung. 
Die Rosen des Blumenkranzes des Engels werden auch in der Vase dargestellt, die auf dem Buchpotest steht ("Mir geschehe nach deinen Worten). Der Blick des Engels richtet sich auf die Vase, während Maria auf das Buch schaut. 












Maria mit dem Kinde (um 1465)





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Andrea del Sarto wurde als Sohn des Schneiders (ital.:"sarto") in Florenz geboren. Wichtige Anregungen erhielt er durch die Werke Leonardo da Vincis, Michelangelos und Raphaels. Seit 1508 war er in die Zunft der Ärzte und Apotheker eingeschrieben, der damals auch die Maler angehörten.




LUCANTONIO DEGLI UBERTI
Ansicht der Stadt Florenz, um 1500/10








 


 

 

Die Alte Pinakothek besitzt ein Meisterwerk von Andrea del Sarto, die "Die heilige Familie", die er um 1514 malte. In einer Kabinettsausstellung wird die Erstfassung dieses Bildes (links), dem Werk aus dem Pariser Louvre (rechts) gegenübergestellt. 

Willibald Sauerländer charakterisiert die Malweise Andrea del Sartos in der SZ Nr. 226 so:

"Seine Werke werden nie laut, vermeiden das übermächtige Pathos, aber sind erfüllt von einem schwebenden poetischen Zauber. Vor allem war Andrea ein göttlicher Kolorist mit Tönen, die nie schrill oder brillant wirken, aber eine schimmernde, warme, von Schatten umspielte Farbigkeit entfalten. Da ist etwas von Leonardo, etwas von Raffael, aber die sanfte Schönheit von Andreas Gemälden bleibt unverwechselbar."

 

 

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Perugino (von ital. Il Perugino: Der aus Perrugia; * um 1445/1448 in Città della Pieve, Provinz Perugia; † Februar oder März 1523 in Fontignano bei Perugia; eigentlich Pietro di Cristoforo Vannucci) war ein italienischer Maler der Renaissance. Er galt als der wichtigste Meister der Umbrischen Schule und war der Lehrer Raffaels.

Seine Lehrmeister waren vermutlich Piero della Francesca und Andrea del Verrocchio

Quelle: Wikipedia












Ausschnitt aus "St. Sebastian"




Vergleiche das Bild von Leonard da Vinci "Maria mit der Nelke (1473)


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