ORTS -

ERKUNDUNGEN                   1

IM SÜDWESTEN
DEUTSCHLANDS

VON THEODOR ALBERTUS MAGNUS FREY


7
TAGE      21 STATIONEN

Ein Höhepunkt: 
Die Chagallfensten in St. Stephan - Mainz

I

1

SCHEPPACH - ALLERHEILIGENKIRCHE - PFARRKIRCHE 

2

GÜNZBURG - STADT UND FRAUENKIRCHE

3

ULM - STADT

4

ULM - KONZERT IM STADTHAUS / EROS

hier mehr . . .

II

5

ULM - MÜNSTER

6

SCHWÄBISCH GMÜND - STADT

7

SCHWÄBISCH GMÜND - KIRCHEN

III

8

MARBACH - LITERATURMUSEUM

9

LUDWIGSBURG - SCHLOSS UND STADT

10

STUTTGART - STADT - LIEDERHALLE / ELIAS

IV

11

BRUCHSAL

12

HEIDELBERG

13

SPEYER - STADT

V

14

SPEYER- DOM

15

WORMS - DOM

16

WORMS - STADT /JÜDISCHER FRIEDHOF



VI

17

BAD - KREUZNACH - BRETZENHEIM

VII

18

MAINZ - STADT

19

MAINZ - STEPHANSKIRCHE

20

MAINZ - KIRCHEN MIT ENDERLE FRESKEN

21

FRANKFURT - STADT

I/1    SCHEPPACH

WALLFAHRTSKIRCHE ALLERHEILIGEN


Mit dem Bayernticket zur ersten Station Jettingen - Scheppach. Auf einer bewaldeten Höhe, etwa 2 km östlich vom Bahnhof entfernt, steht die Wallfahrtskirche Allerheiligen, die über einen Treppenweg zu erreichen ist. Der Besuch galt vor allem den von Johann Baptist Enderle 1770 gestalteten Fresken. Hier ein Ausschnitt aus dem Fresko des Langhauses, das die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande zeigt. Auf die Fresken möchte ich im Zusammenhang mit der Vita von Enderle noch näher eingehen. Danach zurück zum Ortskern in Scheppach mit der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.

 

Fresken von J.B. Enderle begegneten uns noch am Ende der Reise in Mainz

  Augustinerkirche 
  Kirche Sankt Ignaz


 


PFARRKIRCHE SCHEPPACH


1769  Fresken von Franz Martin Kuen (1719 - 1771), in dessen Werkstätte in Mindelzell Enderle 1750 arbeitete und unter dessen stilistischen Einfluss er noch längere Zeit stand . Hier ein Ausschnitt aus dem Fresko des Langhauses, das die Verehrung des Altarsakramentes
zeigt. Rudolf von Habsburg bietet dem Priester, der das Ziborium trägt, sein Pferd zum Durchschreiten des Wildbaches an. Die Fresken sind etwa zur gleichen Zeit wie diejenigen der Wallfahrtskirche entstanden, zeigen aber wie der Jüngere den Älteren übertraf.  

I/2    GÜNZBURG AN DER DONAU

Stadtplatz  der ehemaligen Landeshauptstadt Vorderösterreichs, über die die Poststraße von Wien nach Paris führte

Günzburg ist mit dem Zug in einer Viertelstunde von Jettingen-Scheppach aus zu erreichen.

Aus Günzburgs Geschichte:
Nach dem Abzug der Römer folgten gegen Ende des fünften Jahrhunderts die Alemannen, deren Herzöge im achten Jahrhundert unter fränkische Herrschaft kamen. Im Jahr 1065 wird Günzburg wieder genannt, als der junge deutsche König Heinrich IV. (1056-1106) „ze Gunceburch“ eine Urkunde unterzeichnet. Die Marktsiedlung wurde nach 1280 der Markgrafschaft Burgau einverleibt und gelangte mit dieser nach dem Aussterben der Markgrafenfamilie (Heinrich III. von Berg †1301) in die Hand der Habsburger. Auch die Habsburger erkannten die verkehrstechnisch günstige Lage und legten im 14. Jahrhundert eine exakt geplante Oberstadt an, die sich rasch entwickelte (Stadtrecht 1307, Verlegung des Wochenmarktes „nach oben“, Hohe Gerichtsbarkeit, Spital, Lateinschule) und bald die Orte der Umgebung überflügelte. Der Ausbau zur Residenz steigerte die Attraktivität Günzburgs noch um ein weiteres: Zwischen 1577 und 1580 entstand an der Süd-West-Ecke der Oberstadt ein Schloßbau mit dazugehöriger Hofkirche im Renaissancestil. Auftraggeber war Erzherzog Ferdinand II., dessen zum Markgrafen erhobener Sohn Karl von 1609 bis 1618 hier residierte. Karl verstand es, das wirtschaftliche Leben zu fördern, doch durch den 30jährigen Krieg wurden alle Bemühungen wieder zunichte gemacht (Rückgang der Einwohnerzahl von ca. 2.400 auf ca. 800). 
Die Markgrafschaft wurde so zu einem Teil der österreichischen Vorlande, einem weit gestreuten Territorialbesitz im heutigen Südwestdeutschland, und an diesen Besitzverhältnissen änderte sich, abgesehen von einigen Verpfändungen, für mehr als 500 Jahre nichts mehr.
(Quelle: Interneteintrag der Stadt Günzburg)




Janusz Korczak, der polnische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge hat eine Fülle von Gedanken und Anregungen hinterlassen, Romane, Essays, Geschichten, kinderpsychologische Abhandlungen, Gedichte, Gebete, die jeden aufgeschlossenen Menschen, insbesondere den Erzieher, elementar ansprechen und herausfordern, trösten und ermuntern, so daß noch viele Generationen sich von ihm anstecken lassen werden und sich an ihm orientieren können. Korczaks Bedeutung liegt vor allem auch darin, "dass er dem Gesagten und Geschriebenen nachgekommen ist mit der Tat. Janusz Korczak starb 1942 im Konzentrationslager Treblinka, in das er zusammen mit den Kindern des von ihm geleiteten Waisenhauses verbracht worden war."

Aus dem Beitrag von Werner Licharz in : Janusz Korczak - Zeugnisse einer lebendigen Paedagogik

 



Im Rahmen einer internationalen pädagogischen Fachtagung der Deutschen Korczak-Gesellschaft wurde 2003 ein Denkmal für Janusz Korczak enthüllt, das der ehemalige Zögling des Korczak-Waisenhauses in Warschau, der israelische Bildhauer und Maler Itzchak Belfer, entworfen hat.



Die  so schmerzvolle Geschichte der Juden begegnete uns vor allem in Speyer und Worms wieder.

   Synogoge in Speyer
  Jüdischer Friedhof in Worms
  Darstellung der Synagoge am Portal des Wormser Domes

 

 

Günzburger Personen:

Franz Xaver Schwarz war "Reichsschatzmeister" der NSDAP;

Josef Mengele wurde wegen seiner grauenvollen Menschenversuche in Auschwitz zum Synonym des verbrecherischen Wissenschaftlers.  2005 enthüllte die Stadt Günzburg ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer Mengeles.
 
Zwei Günzburger, die sich dem NS-System entgegenstellten.
 
Otto Geiselhart wurde 1933 von den Nazis in den Tod getrieben

Stadtpfarrer Dr. Adam Birner predigte mutig gegen das Regime, wurde 1941 verhaftet und starb unter nie geklärten Umständen im Augsburger Gestapo-Gefängnis. 

 

 FRAUENKIRCHE  VON DOMINIKUS ZIMMERMANN




Dominikus Zimmermann (1685 - 1766), der Erbauer der Wieskirche, war ein Schüler des Baumeisters der
Seeger St. Ulrichs Kirche Johann Jakob Herkomer. 


Herkomer erhielt zunächst eine Ausbildung als Maler und wandte er sich bei seinem Italienaufenthalt in jungen Jahren der Architektur zu. Auch der Bildhauerei stand er  nahe. 1685 kehrte er aus Venedig in seine Heimat zurück, wo er eine Kapelle errichtete, die er  mit Fresken ausstattete. In den Jahren 1694-1697 weilte er wieder in Italien. 

 


Baugeschichtlich stellt die Frauenkirche die unmittelbare Vorläuferin der Wieskirche dar. 


Ein Fresko zeigt plastisch die Seeschlacht von Lepanto, die J.B. Enderle in der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich so wunderbar gestaltete.

   St. Ulrich in Seeg
   Seeschlacht von Lepanto

 

I/3   ULM AN DER DONAU - STADT                       hier mehr . . .

              Aufwärts: Kunsthalle Weishaupt (2007 - 

Ulmer Münster (1377 - 2008 . . .)


"Das 13. Jahrhundert bringt den Untergang für die Staufer und für das Reich heftige Thronkämpfe. Ulm bewahrt sich seine direkte Unterstellung unter Kaiser und König. Schritt für Schritt entsteht eine bürgerschaftliche Selbstverwaltung mit Bürgermeistern und Rat der zunächst allein von Patriziern besetzt ist.

Doch bald ist die Bevölkerung im reichsstädtischen unzufrieden; in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wollen die in den Zünften vereinigten Handwerker die Beteiligung am Rat der Ulmer Stadtregierung erzwingen. Dabei herrschen teilweise bürgerkriegsartige Zustände, es gibt Tote und Verletzte.

Erst 1345 kommt die Stadt zur Ruhe: Im Kleinen Schwörbrief wird den Zünften nicht nur die Mitwirkung am politischen Geschehen eingeräumt - sie ertrotzen sich sogar die Mehrheit im Rat. Von 31 Sitzen fallen künftig 17 an die Ulmer Zunftmeister. 1376 schließen sich unter der Führung Ulm 14 schwäbische Reichsstädte im Schwäbischen Städtebund zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit zusammen. Der Bund wird von Kaiser Karl IV für rechtswidrig erklärt. Die Folge: 1367 belagern kaiserliche Truppen Ulm.

Die Kaiserlichen müssen zwar erfolglos abziehen, die Belagerung aber macht den Ulmern klar:
Die vor den Mauern der Stadt gelegene, aus dem 7. Jahrhundert stammende Pfarrkirche "ennet felds" stünde in einem Krieg äußerst ungünstig - die Gläubigen könnten nicht mehr zur Kirche gehen.

Am 30. Juni 1377 lassen die Ulmer der Erkenntnis Taten folgen: Der Grundstein zum Münster wird gelegt. Immenses Selbstbewusstsein zeigt sich in diesem Bau: Die aufstrebende Stadt mit ihren etwa 10.000 Einwohnern baut eine gigantische Kathedrale mit Platz für 20.000 Menschen. Finanziert wird das Bauwerk durch Spenden der Bürger.


 



Die Zünfte weiten in der Zwischenzeit ihre beherrschende Rolle im Stadtstaat Ulm aus. Im Großen Schwörbrief von 1397 spiegelt sich ihre gewachsene Bedeutung wider: Neben dem bisherigen Rat wird ein 40 Mitglieder umfassender "Großer Rat" gebildet, in dem die Zünfte 30 Sitze haben. Die Patrizier verlieren obendrein ihr aktives Wahlrecht für die Stadtregierung.

Das 15. Jahrhundert bringt für Ulm den Höhepunkt seiner Macht und seines Reichtums: Ulmer Barchent- und Leintücher werden in Genua, Venedig, Genf, Lyon, den Niederlanden und sogar in England verkauft. Daneben ist die Freie Reichsstadt ein bedeutender Umschlagplatz für Eisen, Wein und Holz. Der Wohlstand drückt sich auch im Besitz der Stadt aus: Ulm gehören neben den drei Städten Geislingen, Albeck und Leipheim insgesamt 55 Dörfer - keine andere Reichsstadt außer Nürnberg hatte jemals ein solch großes Stadtgebiet."

(Quelle: Internetseite der Stadt Ulm)




I/4   ULM AN DER DONAU - KONZERT IM STADTHAUS / EROS

"So hört es sich an, das Glück: dahinströmend in purer Schönheit. Das Kammerorchester bettet die Sopranistin mit starkem Herzklopfen auf einer minimalistisch gewobenen Harmonie, die Bläser reißen in hellem Ton den Himmel auf. Alles atmet, pulsiert. Und die Sängerin macht sich Luft in großer Euphorie. Was sie auf Italienisch singt? Gewiss keine Gebrauchsanweisung für die Inbetriebnahme eines Kühlschranks. Aber den Text versteht kaum einer. Der Zuhörer darf mitlesen, im Programm. "I Sonetti Lussuriosi" heißen Michael Nymans Lieder, sie beziehen sich auf Pietro Aretinos berüchtigte "I Modi" [Stellungen] aus dem 16. Jahrhundert. . . . Das Ulmer Festival "Neue Musik im Stadthaus" widmet sich in mehreren Konzerten dem "Eros", und die deutsche Erstaufführung der "Sonetti Lussuriosi" durch das von Chatschatur Kanajan geleitete European Music Project und die hervorragende Solistin Maria Rosendorfsky ging ohne Vorspiel gleich mal zur Sache. Der Komponist Michael Nyman, mittlerweile 64 Jahre alt und vor allem für seine Soundtracks zu Peter-Greenaway-Filmen, aber auch zu Jane Campions "Das Piano" berühmt, war extra aus England angereist. Und zeigte sich begeistert . . ."



Michael Nyman applaudiert Maria Rosendorfsky

 

[In Ulm] bot Jürgen Grözingers intelligent zusammengestelltes Festival das Werk sogar im Angesicht des Münsters. Die "mächtige Kathedrale", die sich vor die Glasfenster des Konzertsaals drückt, gefiel Nyman sehr. Das ist nämlich die Geschichte dieser Sonette: Giulio Romano, ein Schüler Raphaels, zeichnet in der Sala di Constanino im Vatikan Liebesszenen in eindeutigen Stellungen, der Kupferstecher Marcantonio Raimondi verbreitet sie im Handel, nicht zuletzt zum Pläsir des höheren Klerus. ....  In Michael Nymans Liedern, in denen die Sopranistin auch die Worte des Mannes übernimmt, das Paar immer vereint ist, wirkt einfach die verführende Klangschönheit. Was den Komponisten inspirierte, steht auf einem anderen Blatt. Die Literatur spricht davon, die bildende Künste zeigens einfach, ob als Fresko schon im alten Pompeji oder als Comic-Akt von Jeff Koons: die menschliche Wollust, in flagranti. Und die Musik? Sagt viel über den Text, über Konnotationen. Berührt aber vor allem auch wortlos, weil sie Gefühle ausdrückt, weil sie Emotionen auslöst."

JÜRGEN KANOLD IN DER HEIDENHEIMER ZEITUNG

 

 




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