Seiten über Gott - Welt - Mensch

von Theodor Frey

SORGE UND ZUVERSICHT

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ORDO ORDINANS       

VERSUCH EINER NORMATIVEN UTOPIE

Das Ordnungsprinzip,
das aktiv Ordnende, 
die ordnende Weltvernunft,
der ordnende Mensch.

SORGE UND ZUVERSICHT

UNGEWISSHEIT UND WAGNIS

Die Probleme, die es in der Welt gibt, 
können nicht mit der gleichen Denkweise 
gelöst werden, die sie erzeugt hat.
Albert Einstein

Nichts scheint derzeit gewisser als die Ungewissheit

Ordnung (ordo, diathesis) ist die feste Bestimmtheit des Zusammen von Mannigfaltigkeitselementen in Raum, Zeit oder Kausalität, in der Außen- oder Innenwelt, die Verteilung, Einteilung, Gliederung nach Zusammengehörigkeiten. Die Ordnung der Naturphänomene wird uns nicht fertig »gegeben«, sondern muß erst von unserem Intellekte gesetzt, (nach-)konstruiert werden, allerdings schon auf Grundlage der Bestimmtheiten der Wahrnehmungsdata.

Rudof Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904)

Man hat festgelegt, dass heute der ist.

An sich ist die Unterscheidung von konstituierenden Akten und konstituierten Einrichtungen, die Gegenüberstellung von ordo ordinans und ordo ordinatus,

Carl Schmitt: Der Nomos der Erde, 1950 (S. 50)

"Zu gegebener Zeit müssen Ordnungen um der Ordnung willen umgestoßen werden - das ist keine Paradoxie, sondern eine mit Notwendigkeit aus dem Ordnungsgedanken fließende Folgerung."
Für den Verfall des Wortes Ordnung ist nicht das Sprechen und die Sprache verantwortlich, sondern das Denken. Deswegen ist er nichts Endgültiges. Das Wort kann durch das Denken wiederhergestellt werden. Es muß sogar wiederhergestellt werden - um des Denkens willen. Denn wie kann das Denken sich selbst verstehen, ohne sich in Ordnung zu bringen."

Helmut Kuhn

Der Begriff Ökonomie setzt sich aus den Worten 'oikos' (Haus, Anwesen) und 'nomos' (Regel, Gesetz) zusammen. Aristoteles verwendet ihn zur Bezeichnung der unmittelbar auf die Bedürfnisbefriedigung gerichteten Handlungen aller Mitglieder eines (Familien-)haushalts. Von diesem unterscheidet er die Gelderwerbslehre ('chrematistiké).

Aristoteles, Poltik, 1253b

Oecnomia: Kluge Maßregeln zur Beschaffung lebensnotwendiger Dinge (Mittelalter) 

Politische Ökonomie: 'Wissenschaft von den Bedingungen und Formen, unter denen die verschiedenen menschlichen Gesellschaften produziert und ausgetauscht und unter denen sie demgemäß jedesmal die Produkte verteilt haben.'
(Engels 1878)

Sie erforscht jene kausalen, strukturellen und funktionalen Gesetze und Zusammenhänge, in denen sich die Beziehungen der Menschen in der gesellschaftlichen Produktion sowie in der hiervon letztlich bestimmten Distribution manifestieren. (Lange 1969, 72)

Daß die Forschung dabei von wissenschaftlichen Traditionen sowie ethischen und politischen Wertmaßstäben beeinflußt wird, ist kaum noch umstritten. (Myrdal 1976, 17)

Wenn geschichtliche Fortschritte darin bestehen, Leiden einer versehrbaren Kreatur zu mildern, abzuschaffen oder zu verhindern; und wenn die historische Erfahrung lehrt, daß den endlich erzielten Fortschritten verzehrendes Unheil auf dem Fuße folgt, liegt die Vermutung nahe, daß die Balance des Erträglichen einzig dann erhalten bleibt, wenn wir um der möglichen Fortschritte willen unsere äußersten Kräfte aufbieten. Vielleicht sind es solche Vermutungen, die der um ihre Gewißheiten gebrachten Praxis zwar keine Zuversicht geben können, aber doch eine Hoffnung lassen. (Habermas, Kritik der Vernunft S, 438)

 

Vorgefundene Ordnungen (SEIN - RAUMZEIT  - KOSMOS - WELT) 
Sich entwickelnde Ordnungen (LEBEN)
Ordnungsprinzipien: Naturgesetze - Kausalgesetze
Ursprung: Nichts - Schöpfer 
Gegensätze:
Kosmos - Chaos
Insecuritas Situation des Menschen (Peter Wust)

 

Hergestellte und herzustellende abgeleitete Ordnungen (durch den MENSCHEN)
Ordnungsprinzipien:
Gestaltungswollen /  Gestaltungssollen

Wem gehört was?
Natürliche Ressourcen (Atmosphäre, Boden, Bodenschätze, Wasser . . .)
Technische. medizinische Erfindungen (Software-Ubuntu-Gemeinsinn, Medikamente . . .)
Kulturelles (Wissen, Gedachtes, Gestaltetes . . .) 

Privateigentum,
Gemeineigentum,
staatliches Eigentum

lebendige, d.h. selbst gestaltende Bürgergesellschaft zwischen dem Markt und den Gemeinschaftsorganisationen

 

 

 

VORGEFUNDENE ORDNUNG

HERGESTELLTE - HERZUSTELLENDE ORDNUNGEN

DIE BASISEBENE

DIE MITTLERE EBENE

DIE METAEBENE

PERSONEN

GRUPPEN

GESELLSCHAFTSORDNUNGEN

Dem Menschen als Person wird eine Freiheit der Entscheidung und Verantwortlichkeit für sein Handeln zugeschrieben. Mit dieser Zuschreibung sind Rechte und Pflichten verbunden.

Lebendige, d.h. selbst gestaltende Bürgergesellschaft zwischen dem Markt und den Gemeinschaftsorganisationen, zwischen dem individuellen und gemeinschaftlichen Bedarf

Ordnung und Einheit in die Mannigfaltigkeit der Welt bringen
Gestaltung der Freiheitsräume,
der Handlungsspielräume

 


BEZIEHUNGEN

BEWEGUNGEN

GESTALTEN

Gestaltung der Beziehungen durch 
>   gesellschaftliche, staatliche Regelungen,
>   philosophisch- religiösen Diskurs (Tugendlehren),
 >   Bildung von Gruppen - Organisationen,
>   persönliche Lebensgestaltung.

   

PRIVATSPHÄRE

MITWIRKUNGSSPHÄRE

GESELLSCHAFTSSPHÄRE

Privatbereich/Vom Staat unabhängiger Bereich
Rechtliche Sicherstellung einer möglichst geringen staatlichen Einflussnahme
Einfluss der Gesellschaftssphäre über generelle
Regeln und unterstützende Finanzierung

WERTE

Menschenwürde
Liebe
Mitfühlen (Empathie)
Freie Entscheidung
Treue, Verlässlichkeit, Vertrauen
Verantwortung
Hilfe bei Not/nicht beeinflussbaren Risiken

DREI GIFTE (Buddhismus)
Gier, Hass, Verblendung

SIEBEN TODSÜNDEN
Erstmals wurden acht Todsünden und niederträchtigen Leidenschaften vom griechischen Theologen Evagrius von Pontus erwähnt:

Völlerei
Wollust
Habgier
Traurigkeit
Zorn
geistige Faulheit
Ruhmsucht
Stolz

Papst Gregor der I. reduzierte im 6.Jhrh. diese auf die sieben Todsünden:
Hochmut
Neid
Zorn
Traurigkeit
Habgier
Völlerei
Wollust
oder auch:
Hoffart, Stolz (pride) - superbia
Geiz, Habsucht (greed) - avaritia
Neid (envy) - invidia
Zorn (wrath) - ira
Unkeuschheit, Wollust (lust) - luxuria
Unmäßigkeit, Völlerei, Freßsucht (gluttony) - gula
Trägheit, Überdruß (sloth) - acedia

Karl Otto Hondrich: In Merkur 4/09
"Was alle Menschen teilen, sind nicht so sehr Werte oder Rechte, sondern ein Unterworfensein - unter die Elementarprozesse- und Gesetze des sozialen Lebens, ähnlich wie unter die Naturgesetze."

Die Marktversorgung hat die Selbstversorgung abgelöst. Konsumieren erfolgt nicht mehr zur Deckung des Grundbedarfs. Konsum besitzt symbolische Qualität, er dient der individuellen und sozialen Selbstentfaltung und Selbstdarstellung.

Wie groß sollten die EINHEITEN sein, um die Ziele möglichst optimal verwirklichen zu können? 
FLEXIBILITÄT / EFFIZIENZ
Verteilung der Aufgaben nach dem Subsidiaritätsprinzip innerhalb der mittleren Ebene 

RECHTE - PFLICHTEN

Mitwirkungsrechte - Recht auf "Arbeit"
Wahlrecht
Recht auf angemessene Entlohnung bei Mitwirkung
Recht auf Verlässlichkeit von Regeln

Nida-Rümelin:Magazin - Kulturstiftung des Bundes
S. 5
Das Ethos des anständigen Kaufmanns ist auch unter den Konkurrenzbedingungen einer zunehmen globalen Ökonomie unverzichtbar.
Unternehmenskommunikation nach innen erfordert die Beachtung der Prinzipien wie Wahrhaftigkeit, Gleichbehandlung und Fairness. Verlässliche Verständigung über kulturelle und nationale Grenzen hinweg hat ihre Basis in globalen zivilgesellschaftlichen Strukturen, die damit zur Voraussetzung einer effizienten globalen Ökonomie werden. Die nationalstaatliche Erfahrung zeigt, dass ohne eine funktionierende Zivilgesellschaft, ohne den Aufbau von Sozialkapital, auch die ökonomische Effizienz leidet.

Wenn die institutionellen Rahmenbedingungen . . . so gestaltet sind, dass diejenigen, die kein Verantwortungsgefühl haben, die rücksichtslos ihre Eigeninteressen und das ihrer Unternehmen verfolgen, daraus einen massiven Vorteil zu Lasten anderer ziehen, dann wird dieses System individueller und kollektiver Verantwortlichkeit instabil. Wirtschaftsethik bedarf nicht nur der kulturellen Einbettung in den größeren Zusammenhang unserer lebensweltlichen Interaktionspraxis, sondern auch der Institutionalisierung.

Bildung und Arbeit

Bildung und Erziehung findet heutzutage in einem eigenen, geschützten [Verhinderung von Kinderarbeit!] Raum statt, der durch die Privatsphäre und pädagogische Institutionen gebildet  . . . werden. .Zum Heranwachsen gehört auch, dass man eigene Aufgaben übernimmt, Fähigkeiten unter Beweis stellt, Anstrengungen aushält und Verantwortung trägt. ... Dass Kinder den Kinder den Raum der Familie als bloße Versorgungsstation ansehen, liegt darin begründet, dass sie den Schutzraum, der ihnen jenseits der Arbeitswelt gegönnt wird, zum Freizeitpark umdeuten. . . . Dass der private Haushalt doch auch ein Haushalt, ein oikos ist, dass in ihm Kompetenzen eingeübt werden, die der Selbsterhaltung dienen, darf nicht in Vergessenheit geraten. Beschädigt wird sonst die Verbindung von Bildung und Arbeit, also auch die Bildung selbst. (Dieter Thomä - Magazin Kulturstiftung 13/ S.15)

GESELLSCHAFTLICHER DISKURS ÜBER GRUNDLAGEN 

 FREIHEIT

GERECHTIGKEIT - Generationengerechtigkeit (John Rawls)

VERANTWORTUNG - Ethik des Bewahrens, statt ökologischer Zukunftsverschleiß (Hans Jonas)

Wehren gegen absehbare leidvolle Entwicklungen - Sorge und Zuversicht

Wie kann man jenseits von ökonomischen Evolutionsvorstellungen gesellschaftliches Wohl erreichen? Wer schafft unter welchen Bedingen den Wohlstand in den entwickelten Staaten (z.B. Deutschland - Automobilindustrie, Rüstungsindustrie, Medizintechnik, Machinenbau) und wem kommen diese Leistungen zugute?

RANGORDNUNGEN
Ökonomie - Ökologie
Wachstumsbewertung
Bewertung der Zeitdimension bei der Gestaltung  - jetzt-später?
Verstetigung der Prozesse
Belastung der Zukunft?
Risikoabschätzung

Welche Ordnung kann die Ziele miteinander am besten verbinden?

Demokratie und Soziale Marktwirtschaft
(Verantwortung/Gerechtigkeit/Freiheit)

"Das, was wir Gesellschaft nennen, ist das Produkt eines verblendeten Denkens und Handelns, ist das Produkt der drei Gifte Gier, Hass, Verblendung. Gewiss, dieser Gedanke ist zuerst auf einer persönlichen Ebene wahr. Doch Menschen handeln voneinander abhängig, und so ist die Menschliche Gesellschaft die Institutionalisierung dieser drei Gift" (Brodbeck - Die Finanzkrise als Götterbote)

Interkultureller Humanismus als Hoffnung für das 21. Jahrhundert

Die sieben Todsünden der Menschheit:

1. Reichtum ohne Arbeit
2. Genuß ohne Gewissen
3. Wissen ohne Charakter
4. Geschäft ohne Moral
5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
6. Religion ohne Opfer
7. Politik ohne Prinzipien

Mahatma Gandhi

 

Weltinnenpolitik als analytische und programmatische Konzeption für das 21. Jahrhundert 

Integration der drei Kernaspekte, nämlich der Weltinnenpolitik, der Weltethosidee als ihrer interkulturellen ethischen Basis und der Menschenpflichtenerklärung (Carl Friedrich von Weizsäckers) 

Engagement für die Verschränkung von wissenschaftlichem Denken, moralischem Hinterfragen und politischen Entscheidungen 

Streben nach einer Verbindung zwischen rationalem Planen einerseits und einer tief im Innern des Menschen wurzelnden Ethik,  die auf gewaltfreie Konfliktlösungen gerichtet ist.
 
In Anbetracht einer fundamental bedrohten Menschheit ist ein Zusammenwirken einer verantwortungsvollen Politik und der Zivilgesellschaft für die gemeinsame Gestaltung einer zukunftsfähigen „Weltinnenpolitik“ notwendig
„1. Sicherung des Weltfriedens,  
2. eine international einklagbare Rechtsordnung,  
3. international vereinbarten und durchsetzbaren Umweltschutz.“

Die Global Marshall Plan Initiative setzt sich ein für ein verbessertes und verbindliches globales Rahmenwerk für die Weltwirtschaft, das die Wirtschaft mit Umwelt, Gesellschaft und Kultur in Einklang bringt.

Nida-Rümelin:Magazin der Kulturstiftung des Bundes S. 5
In der gegenwärtigen Umbruchphase der globalen Ökonomie ist eine kulturelle Perspektive gefordert. Eine plurialistische, liberale Gesellschaft bedarf einer Vielfalt von Sphären, von denen nicht eine einzige dominieren darf (Michael Walzer).

"Die Elterngeneration der Nachkriegszeit war eine in Normalität erstarrte und doch zugleich gebrochene Generation; entsprechend war der Aufstand von 1968 ein Protest gegen das Sitzfleisch der Alten, gegen die Verlogenheit, die tief in das Wirtschaftswunder hineingewebt war, aber auch eine Suchanzeige für ein anderes Verhältnis zwischen den Generationen.
. . . Wenn man das Zeitfenster hier nur etwas weiter fasst und über die Achtundsechziger im engsten Sinne hinausgeht, dann trifft man auf eine Generation, die unter anderem dadurch in die Geschichte eingehen wird, dass sie die Schulden der öffentlichen Hand in Deutschland zwischen 1970 und 2008 von 63 Milliarden auf rund 1.500 Milliarden Euro hochgetrieben  und  gleichzeitig ihren Beitrag zu der ökologischen Katastrophe geleistet hat, in die ihre Kinder hineingeraten werden. Aktuell wird noch eine Finanz- und Wirtschaftskrise frei Haus geliefert. Es gibt also haufenweise Gründe dafür, die Älteren als Vorbilder für die eigene Bildung abzulehnen. Und doch fällt die Ablehnung gar nicht so leicht, denn die jüngere Generation hat nun Eltern, die so verständnisvoll, nachsichtig und großzügig gegenüber ihren Kindern sind, dass es schwer fällt, sie in Bausch und Bogen zu verdammen."(Dieter Thomä - Magazin Kulturstiftung 13/ S.15)

PERSONEN

DASEIN FÜR MICH

ICH
Das ich ist die gegeben in der Einheit von Empfinden, Denken und Tun

"Das Ich ist die Einheit des handelnden Menschen. Es ist fraglos gegeben und kann durch kein Denken aufgelöst werden." (Ludwig von Mises)
homo oeconomicus
Alle Menschen entscheiden unabhängig voneinander und verfolgen in diesem Handeln das Ziel der Nutzen- und Gewinnmaximierung."

GRUNDBEDÜRFNISSE


SICHERUNG DER MENSCHENWÜRDE

LEISTUNGSFÄHIGKEIT - Entfaltungsmöglichkeiten
"INNERE" VERANLAGUNGEN
"UMWELTBEDINGUNGEN"  

 

LEISTUNGSBEREITSCHAFT

VERHALTENSREGELN

Konsument
Verändern der Konsum- und Mobilitätsroutinen erforderlich
Beschränkter Ressourcenverbrauch für jeden Einzelnen?

 

AUSGANGSSITUATION EINES LEBENS

Materielle/Finanzielle Ressourcen
Geistige Veranlagungen
Körperliche Möglichkeiten

"Wenn alle jung sind oder sein wollen, hat das Alte ausgespielt. Dagegen ergeht der Bescheid Alesis de Tocquevilles: ' Wenn die Vergangenheit die Zukunft nicht mehr erhellt, tappt der Geist im Dunkeln.' Dem Geist fehlt dann, anders gesagt, Bildung." 

Was ist heute notwendig?
... die Bereitschaft, sich den Anstrengungen zu stellen, in die die Welt den Genuss eingewickelt hat; dazu gehört auch die Bereitschaft, sich zu bilden, und das heißt: Geduld mich sich selbst zu haben und in den Fluss des Lebens einzutauchen, der die eigene Zukunft aus der Vergangenheit hervorgehen lässt . . . 

'Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.' Dieser Satz aus der Rede von Barack Obama vom 5. Februar 2008 bringt Schwung ins Verhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft. Hier wird Stimmung verbreitet, in der der Knoten platzt, in der plötzlich möglich erscheint, was vorher undenkbar war. Doch in diesem satz feiern nicht Selbstgefälligkeit und Machbarkeitswahn neue Triumphe - und zwar deshalb nicht, weil er neben der Hoffnung auch Demut zum Ausdruck bringt. Diejenigen, die auf sich 'warten', müssen sich in Geduld fassen; ihnen liegt nicht daran, sich nach Belieben aus dem Hut zu zaubern oder selbstverliebt an sich zu arbeiten. Sie begeben sich auf eine Reise, in der sie - um ein Wort Heinrich von Kleists abzuwandeln - durch die schöne Anstrengung, die auf sie zukommt, mit sich selbst bekannt gemacht werden. Früher nannte man so etwas eine Bildungs-Reise."

(Dieter Thomä - Magazin Kulturstiftung 13/ S.15)

 

GRUPPEN - ORGANISATIONEN

MITWIRKEN

FAMILIE
BILDUNGSEINRICHTUNGEN
VEREINE
KIRCHE VOR ORT
GEMEINDE
BÜRGERINITATIVEN
PROJEKTE
BETRIEB - UNTERNEHMUNG
Mitwirkung Unternehmer (Organisator/Mitteleinsatz - Kapital)
Mitwirkung Mitarbeiter
Unternehmensziele - kurzfristige Gewinnmaximierung - nachhaltige Verwirklichung der Ziele der Beteiligten

GESTALTEN/VERDIENEN
SCHAFFEN VON WERTEN
SICH EINBRINGEN
VERWIRKLICHEN

MIT ANDEREN LEBENSSITUATIONEN GESTALTEN

Soziale Kompetenz (Soft Skills)
Emotionale Kompetenz

Indien:

Im indischen Delhi kämpft Sunita Narain für mehr ökologische Klugheit in der Welt. Die Publizistin und Institutschefin (Centre for Science and Environment -CSE) lernt dabei auch vom Wissen der Landbevölkerung, was für Indien ein verträglicher Weg in die Zukunft wäre

Bangladesch: Der Friedensnobelpreis geht an den Wirtschaftsfachmann Mohammed Junus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen Bank. Das Nobelkomitee begründete seine Entscheidung mit "erfolgreichen Bemühungen zur Erzeugung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten". Der 66-Jährige organisiert mit der Bank seit mehr als dreißig Jahren vor allem Kleinstkredite für arme Menschen in dem südasiatischen Land. In der Preisbegründung hieß es weiter, dass es "dauerhaften Frieden nicht geben kann, so lange große Bevölkerungsgruppen keine Wege aus der Armut finden". Kleinstkredite, wie sie von Junus und seiner Bank vergeben werden, seien solch ein Weg. "Junus hat sich als Führungsgestalt erwiesen, die Visionen in praktische Handlung zum Vorteil von Millionen Menschen umsetzen konnte", hieß es weiter. Allein in Bangladesch hätten zwei Millionen Menschen von den zinsfreien Kleinstkrediten profitiert, die ohne Sicherheit und überwiegend an Frauen vergeben werden.

 

GESELLSCHAFTSORDNUNGEN

STAATSORDNUNG

Regeln setzen und durchsetzen

Gewalt und Vertrauen

Demokratie
Autokratie

Liberale Demokratien müssen beweisen, dass sie durch ihre Affinität zur vernünftig gerahmten Marktwirtschaft und durch die Standards des sozialen Friedens wie des Rechtsfriedens, die globalen Probleme meistern können. Ist sie beweglich und lernfähig genug? Flexibilität und selbstkritische Lernfähigkeit!

Zukunftsgüter:
staatliche Bildungsinstitutionen
zuverlässige materielle Infrastruktur (Energie, Wasser, gesunde Umwelt . . .)
medizinische Versorgung
gesichertes Existenzminimum

Öffentliche Güter
Bildung, Sicherheit," Lebensmittel" - z.B.Wasser, Energie, Gesundheit/Pflege, Mobilität,

Nida-Rümelin: Magazin der Kulturstiftung des Bundes S. 5
Als produktiver Staat stellt die Politik Güter- und Dienstleistungen bereit, finanziert durch Steuern und Abgaben. Als Ordnungsmacht etabliert sie die nationalen und globalen regeln, die ien effizientes Marktgeschehen mit kollektiven Gütern, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit verbinden ... 
Er kann die geforderten Leistungen nur als Teil eines Netzwerkes der Kooperation erbringen, das die kulturellen und moralischen Bedingungen ökonomischer Kooperation einschließt.

Eine Wirtschaftskultur, die auf Eigenverantwortung und Markt setzt, kann auf die Dauer nur stabil bleiben, wenn sie die Freude am Konsum, am Genuss des Augenblicks mit der Verantwortung für die Zukunft verbindet, eine Balance zwischen kurzfristiger Genuss- und Gewinnoptimierung einerseits und nachhaltige Vorsorge andererseits herstellt.

SOZIALORDNUNG

WIRTSCHAFTSORDNUNG

Grundsätzliches zur Wirtschaftsethik
Nell-Breuning


Aufgabenteilung Staat - Wirtschaft - Gruppen

LIBERALISMUS 
NEOLIBERALISMUS
KAPITALISMUS
MARKTWIRTSCHAFT
SOZIALE LEISTUNGSGESELLSCHAFT
SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT (Müller-Armack)
KOMMUNISMUS
SOZIALISMUS
FEUDALISMUS

"Natürliche Wirtschaftsordnung" (Gesell)

STAAT: Sicherung Markt und Wettbewerb
grenzen ziehen - Verantwortung einfordern

"Neue Weltwirtschaftsordnung" - Start mit G20 Treffen am 2.4.2009 in London?

IWF - Weltbank
Weltwährung 

Ist Marktmechanismus wertfrei? Aber die moralischen Vorstellungen der Produzenten wie auch der Konsumenten spiegeln sich im Marktgeschehen wider.

"Der Hass erscheint als wirtschaftliche Konkurrenz, als Ellenbogengesellschaft, als rücksichtsloser Egoismus, stets auf der Grundlage des Nichtwissens, also der Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen des eigenen Handelns. Und gerade dieses dritte Gift der Konkurrenz erklären Ökonomen und in ihrem Windschatten die Politiker zur universellen Lösung aller Probleme." (Brodbecl - Die Finanzkrise als Götterbote)

Keynesianismus - Monetarismus

In seinem Buch von 1962 "Kapitalismus und Freiheit"  wollte Milton Friedman nachweisen, das die Theorie von Keynes, wonach die Konjunktur mit Hilfe staatlicher Maßnahmen erfolgreich zu steuern wäre, als überholt gelten muß: "Frei Märkte für Güter und Ideen bleiben die entscheidende Vorbedingung für die individuelle Freiheit." Milton Friedman weist der Regierung folgende Aufgaben zu: "Eine Regierung, die für Ruhe und Ordnung sorgt, die die Eigentumsrechte definiert, die ein Instrument vorsieht, mit dem wir die Eigentumsrechte und andere Gesetze im Spiel der Wirtschaftskräfte ändern können, eine Regierung, die Kontroversen über die Auslegung der Gesetze entscheidet, die Einhaltung von Verträgen erzwingt, den Wettbewerb fördert, ein monetäres System schafft, sich für die Bekämpfung technischer Monopole und die Beseitigung ihrer Folgewirkungen einsetzt, wenn die angebracht scheint, und die die private Wohlfahrt und die Familie bei der Fürsorge der Unzurechnungsfähigen, seien es Geisteskranke oder Kinder, unterstützt - eine solche Regierung hat zweifellos eine Reihe wichtiger Funktionen zu erfüllen. Der konsequente Liberale ist kein Anarchist. "  
Kapitalismus und Freiheit S. 59/60 dtv 1976 Noam Chomsky merkte zu Friedmans Sentenz „Das Gewinnstreben ist das Wesen der Demokratie“ an, das Ziel der Demokratie bestehe darin, „dass die Leute über ihr eigenes Leben und die politischen Entscheidungen, die sie betreffen, frei bestimmen können.“ Das Gewinnstreben dagegen sei „eine auf bestimmten Strukturen basierende, krankhafte Erscheinung“, die in einer „anständigen, moralischen Gesellschaft“ marginal wäre.

Wo versagt der Markt: nach Nida-Rümelin im Magazin der Kulturstiftung des Bundes S. 5
"der Markt ist unverzichtbar als Koordinierungsinstrument individueller Bedürfnisse und ökonomischer Produktion . . . Der ideale Markt sichert Effizienz also im Sinne des Pareto-Kriteriums.

Der Markt ist
1. nicht in der Lage kollektive Güter, also Güter, die individuell nicht nachgefragt werden können, wie Umweltgüter, gemeinsame Sicherheit, öffentliche Räume und Institutionen bereitzustellen.
2.verteilungsblind, d.h., er ist nicht in der Lage, die gerechten Varianten unter den Pareto-effizienten Zuständen von ungerechten zu scheiden und zu realisieren.
3.zukunftsblind, d.h., er ist nicht in der Lage, die Interessen zukünftiger menschlicher Generationen, die Bewahrung der natürlichen Ressourcen, den Erhalt eines lebenswerten Globus zu sichern, weil Menschen, die zukünftig einmal leben werden, jetzt noch keine Nachfrage generieren.

 

 

RECHTSORDNUNG

Summum ius, summa iniuria, das höchste Recht ist das höchste Unrecht, ist ein alter Satz  nach welchem der, welcher nur nach dem Buchstaben urteilt oder sein recht durch schlaue Interpretation (callida iuris interpretatione) strengstens wahrt, unrecht tut, übervorteilt oder lieblos handelt. (Vgl. Cicero, de offic. I, 10, 33.) Beispiel dafür sind Shakespeares Shylock, Sophokles' Kreon in der Antigone, der Spartanerkönig Kleomenes.

Je umfassender der rechtliche Regelungskosmos, desto mehr gerät die Gerechtigkeitsidee unter die Räder, desto mehr verliert das Recht seine ursprüngliche Funktion der Wahrung von rechtlich geschützten Handlungsräumen

"Während am Beginn jeder äußeren Diffusion des Rechts positiv konnotierte Ziele stehen, wie Sicherung von Freiheitsräumen, Schutz typischerweise Schwächerer, Rechts-Durchsetzungsgarantien, Bändigung übermäßigen Gewinnstrebens, Wahrung von Gerechtigkeit und Gewährung von Partizipationschancen, zeigen sich mit zunehmender innerer Diffusion die Kehrseiten der hehren Ausgangsziele, wie Verlust der Gemeinwohlorientierung durch exzessive Fixierung auf Individualrechte, Immobilisierung der Gesellschaft durch Errichtung starrer rechtlicher Schutzwälle, Pervertierung des Rechtsstaats zum Rechtswegstaat, Ersticken von Handlungschancen durch ein Übermaß an Kontrolle, Verlust der übergreifenden Gerechtigkeitsidee durch kleinstteilige Rechtszuweisungen." 
Bernd Rebe in Cicero 

Steuerrecht - Was sind wir bereit für die öffentlichen Güter bereitszustellen?
Wie sind die Mittel zu verteilen?
Einfach - gerecht - ausreichend?

Neugründung Europas - Angesichts der Krise 2008 nachholen was 1989 versäumt wurde.

 

FRIEDENSORDNUNG

Vereinte Nationen

Bündnisse z.B. NATO
Einzige eingespielte, transatlantische Organisation ("Subunternehmen der UN"), die die Mittel zur Machtdurchsetzung aufbringen kann (Verhinderung Krieg Griechenland-Türkei, nach 89 Festigung Osteuropa, Befriedung Balkan, Afghanistan?)

 

WER IST FÜR WAS VERANTWORTLICH?
Nehmen die Entscheidungen den Nachkommenden Spielräume für ihre Entscheidungen?
Schränkt die heutige Liberalität die zukünftige ein?
Kann Wohlstand von Massen mit demokratischer Freiheit und Gleichheit einhergehen?


GENERATIONENGERECHTIGKEIT
Ist die exorbitante Staatverschuldung eine Hypothek, die ein Gemeinwesen zulasten seiner künftigen Bürger aufnehmen darf?
Ist der heutige Ressourcenverbrauch, der den Nachkommenden von den fossilen Energiequellen kaum etwas übrig lässt, eine vertretbare Last?
Darf man für seine Gegenwart nur soviel an Energie verbrauchen, wie man für die kommende Gegenwart neu bereithält?

Kann man die soziale Marktwirtschaft so einrichten, dass sie nicht weiter die Zukunft verbraucht?


LEISTUNGSBEWERTUNG

ROLLE DES GELDES - DES ZINSES

Das Geld hat "einen Wert, weil die Vielen praktisch mit seinem Wert rechnen und ihm in ihren Handlungen vertrauen; sie vertrauen umgekehrt dem Geld, weil sie glauben, dass es einen Wert habe. Die 'Substanz' des Geldwertes ist also das in seiner fiktiven Einheit verborgene Nichtwissen um die gegenseitige Abhängigkeit der Menschen in der Wirtschaft. Das ist auch das Geheimnis, weshalb sich Geldwerte über Nacht in Luft auflösen, um morgen neu zu entstehen." . . .
In Wahrheit . . . sind Zins, Gewinn, Rendite oder Spekulation nur die kollektive Form von Gier. Die Geldgier hat sich in Form von Banken, Fonds, Börsen usw. als soziale Wirklichkeit institutionalisiert."(Brodbeck - Die Finanzkrise als Götterbote)

Der Professor für Volkswirtschaft Bernd Senf vertritt die These, der Zins wirke sich unter anderem auf die Wirtschaft, die Umwelt und den Staat negativ aus und müsse grundsätzlich in seiner Problematik erkannt werden[4]. Diese Sensibilisierung erfolge derzeit in den Wirtschaftsstudiengängen nicht. Weiter argumentiert Bernd Senf, dass der Wachstumszwang westlicher Volkswirtschaften mit dem Zinssystem zwingend einhergeht und die Wirtschaft dem exponentiellen Wachstum der Geldmenge nicht unbegrenzt folgen kann. Infolge dessen müssen Spannungen im Finanzsystem auftreten, welche sich in Finanzkrisen entladen und im Endeffekt zum Crash des Finanzsystems führen müssen.

Zinseszinsverbot

„Islamic Finance: Islam-gerechte Finanzanlagen und Finanzierungen“ 
In der Regel geht es darum, Ausweichlösungen zu schaffen, um Zinsen zu vermeiden. Da sich das Zeit-Phänomen des Zinses jedoch nicht vermeiden läßt, läuft dies darauf hinaus, den Eindruck zu vermeiden, daß Zinsen anfallen. Ähnlich wie das Christentum hat der Islam große Probleme mit Zinsen. Zwar äußert sich der Koran nicht negativ dazu, doch in den Hadithen (Überlieferungen des Propheten) finden sich sehr scharfe Ablehnungen von „Riba“, das auf Deutsch mit „Überschuß“ zu übersetzen wäre. Ob schon der übliche Zins ein solcher Überschuß wäre oder erst der Wucher wurde immer wieder diskutiert. 

Zitat aus Walsers neuem Buch "Angstblüte"

"Die Zahl ist die Hauptsache. Die Zahl ist der einzig gültige Ausdruck des Geldes. Die Zahl ist der Sinn des Geldes. Die Zahl ist das Geistigste, was die Menschen haben, was über jede Willkür erhaben ist. Die Zahl ist kein Menschenwerk. Die Menschen haben die Zahl nicht geschaffen, sondern entdeckt. Also sag ich dir zum Schluss: Das Absahnen, Gewinnmitnehmen samt Geldausgeben ist die triviale Dimension. Ich sage verständnisvoll: die irdische Dimension. Wer aber Geld spart und verzinst, erlebt den ersten Schauer der Vermehrung: Ich sage: der Vergeistigung. Der Zins ist die Vergeistigung des Geldes. Wenn der Zins dann wieder verzinst wird, wenn also der Zinseszins erlebt wird, steigert sich die Vergeistigung ins Musikgemäße. Das ist kein Bild, kein Vergleich, das ist so. Die Zinseszinszahlen sind Noten. Wenn wir aber den Zinseszins-Zins erleben, erleben wir Religion. ... Spürbar wird Gott."


"Animal Spirits" heißt das neue Buch, das Shiller gemeinsam mit dem Nobelpreisträger George Akerlof geschrieben hat. Der Titel ist eine Referenz an John Maynard Keynes, der seinerzeit mit diesen "tierischen Geistern" das Auf und Ab der Börse erklärte. Shiller und Akerlof sehen im heutigen Keynesianismus zu viel Glauben an die Vernunft der Marktakteure. Die Ökonomie als Wissenschaft müsse mehr Erkenntnisse aus der Psychologie aufnehmen, um das Verhalten der Menschen in der echten Wirtschaft erklären zu können.

Staatsanleihen ausgeben, deren Zins mit der Inflation schwanken - Sicherung gegen Kaufkraftverlust und gegen Übervorteilung

Die zweite unsichtbare Hand

Jürgen Kremer, Mathematiker am Rhein-Ahr-Campus in Remagen: Über das Zinssystem wird der Wohlstand von Arm zu Reich unmerklich aber unaufhaltsam verschoben.  Die Mehrrheit der Ökonomen sähen zwar das soziale Auseinandertriften, als Lösung setzen sie aber auf Wachstum. Kremer : Zeitlich unbegrenztes Wachstum lässt sich physikalisch auf keinen Fall aufrechterhalten. Langfristig ist unser Geldsystem nicht stabil. Es gilt ein solches zu entwickeln.

"Natürliche Wirtschaftsordnung"

Johann Silvio Gesell: Er baute seine Überlegungen auf den Eigennutz des Menschen als gesunden, natürlichen Antrieb, der es ihm erlaube, seine Bedürfnisse zu verfolgen und wirtschaftlich tätig zu sein.  Er trat für freien, fairen Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle ein. Dazu gehörte für ihn der Abbau aller ererbten und gesetzlichen Vorrechte. Jeder sollte sich allein auf seine Fähigkeiten stützen müssen. Im freien Wettbewerb würde den Begabtesten das höchste Einkommen sichern, ohne Verfälschung durch Zins und Bodenrente. Ebenso würde sie den weniger Befähigten ein Auskommen gewähren. Ein gerechter Ausgleich von Arm und Reich wäre möglich.

MEHRWERTTHEORIEN (MARX)

(Profit, Grundrente, Zins usw.)
Mehrwert ist der Wertüberschuss, den der Arbeiter über den ihm vom Kapitalisten erstatteten Wert seiner Arbeitskraft hinaus für das Kapital produziert, Seinem Inhalt nach ist er unbezahlte Arbeit bzw. Mehrarbeit über den Arbeitslohn hinaus. Die Aneignung von Mehrwert durch das Kapital ist daher ein Akt der Ausbeutung (Exploitation) der lebendigen Arbeit. 

 

Ich sehe (Hans-Christoph Binswanger, St. Gallen)) vor allem zwei Ansätze im monetären Bereich. Der erste ist die Vollgeld­idee. Vollgeld bedeutet, dass die Kredite, die die Banken vergeben, voll gedeckt sein müssen. Eine Geschäftsbank könnte nur noch so viel Kredit vergeben, wie sie selber von der Zentralbank erhalten hat. Dadurch erhielten die Zentralbanken mehr Verantwortung.

Könnte ein Staat so was alleine einführen?

Nein, aber ein grosser Staat wie die USA oder auch die EU könnten die Initiative ergreifen. Es brauchte aber eine internationale Absprache, ähnlich wie seinerzeit in Bretton Woods.

Und der zweite Ansatz?

Man muss sich fragen, ob wir uns die Gesellschaftsform der Aktiengesellschaft in ihrer heutigen Form noch leis­ten können. Die Logik der Aktiengesellschaft führt dazu, dass alle Gewinne letztlich zur Steigerung des Aktienwerts verwendet werden, was die Spekulation fördert. Die Alternative wäre der Stiftungsgedanke: Das Ziel der Unternehmen sollte es nicht sein, möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, sondern Produkte bereitzustellen.

Habermas zur Finanzkrise: ZEIT 06.11.2008

"Was mich am meisten beunruhigt, ist die himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass die sozialisierten Kosten des Systemversagens die verletzbarsten sozialen Gruppen am härtesten treffen. Nun wird die Masse derer, die ohnehin nicht zu den Globalisierungsgewinnern gehören, für die realwirtschaftlichen Folgen einer vorhersehbaren Funktionsstörung des Finanzsystems noch einmal zur Kasse gebeten. Und dies nicht wie die Aktienbesitzer in Geldwerten, sondern in der harten Währung ihrer alltäglichen Existenz. Auch im globalen Maßstab vollzieht sich dieses strafende Schicksal an den ökonomisch schwächsten Ländern. Das ist der politische Skandal. Jetzt mit dem Finger auf Sündenböcke zu zeigen, halte ich allerdings für Heuchelei. Auch die Spekulanten haben sich im Rahmen der Gesetze konsequent nach der gesellschaftlich anerkannten Logik der Gewinnmaximierung verhalten. Die Politik macht sich lächerlich, wenn sie moralisiert, statt sich auf das Zwangsrecht des demokratischen Gesetzgebers zu stützen. Sie und nicht der Kapitalismus ist für die Gemeinwohlorientierung zuständig."

ICH - DU (PARTNERSCHAFT)

DASEIN FÜR DEN ANDEREN - DEN NÄCHSTEN

Das Tier, das "Wir" sagt (Michael Tomasello)

"Die anderen Grundemotionen - Angst, Freude, Wut - haben wir mit den Affen gemein: die Freude jedoch, etwas mit anderen zu teilen und gemeinsam zu tun, ist ein menschliches Gefühl."
Wenn die Fähigkeit zur Kooperation, die Freude an ihr, nicht erst mühsam herbeigezwungen werden muss, sondern uns als konstituierendes Merkmal innewohnt, dann muss man nicht scheitern an der Herausforderung, vor der unsere Gattung steht - ein gemeinsames, globales Wissen und Gewissen zu entwickeln.
"ich weiß, das du weißt, dass ich weiß, dass wir gemeinsam diesen Turm bauen wollen." Dieser Sockel der gespürten "Wir-Intentionalität" ist der Urgrund der menschlichen Kommunikation sowie des späteren Lebens in Institutionen, Normsystemen, Ethiken. Und natürlich für die Sprache.

ROLLENVERTEILUNG

GERECHTE VERTEILUNG

Aristophanes "Kugelmensch":

Eines Tages wurde es den Göttern am Olymp langweilig, und sie beschlossen, ein Ebenbild von ihnen zu schaffen. Dieses solle sie amüsieren, und ihnen Abwechslung in die Ewigkeit bringen.
So formten die Götter also ein Ebenbild von ihnen, mit einer großen Ausnahme: Von all den Eigenschaften, die jeder einzelne besaß, nahmen sie nur das Beste: Die Gerechtigkeit von Athene, die Güte von Hera, die Liebe der Aphrodite, die Größe des Zeus, usw. usw.
So schickten sie diese Kugelmenschen, die mit 4 Armen, 4 Beinen, 2 Köpfen, 2 Herzen ... ausgestattet waren, den Olymp herab, um auf der Erde, auf Mutter Gaia, ihr Leben zu führen. Doch bald merkten die Götter, daß der Kugelmensch zu perfekt war. Er machte keine Fehler, wie die Götter es bisweilen taten, er stritt auch nie, wie das die Götter des öfteren taten. Davon beängstigt, daß diese Leben die Götter, deren Schöpfer, einst überflügeln würden, selbst diese töten, wie es einst Zeus mit seinem eigenen Vater Chronos, und dieser mit seinem Vater Chaos tat; so traten die Götter wieder zusammen, um einen neuen Entschluß zu fassen:
Der Kugelmensch, das Wesen welches wir geschaffen haben, soll ab fortan nur noch als Hälfte umherirren, und das ganze Leben seiner anderen Hälfte auf der Suche nachlaufen müssen.

GEMEINDE 
GRUNDVERSORGUNGS-
EINRICHTUNGEN

MITVERANTWORTUNG

KINDERBETREUUNG
SCHULE
BÜRGEREINRICHTUNGEN
Gesundheitseinrichtungen
Beratungseinrichtungen

ERZIEHUNG
BILDUNG
GESUNDHEIT

 

Arbeit ist nicht allein Gelderwerb- Erwerbsarbeit;
Die gleiche Tätigkeit ist häufig unbezahlte Arbeit in der Freizeit, in sozialen Zusammenhängen. 

 

GESELLSCHAFT
KULTURELLE VIELFALT

WISSENSCHAFT
Freiheit der Forschung - Grenzen?

Amory Lovins, 58, studierte Physik an den Universitäten Harvard und Oxford. Er leitet das Rocky Mountain Institute in Snowmass, Colorado, eine Denkfabrik für Innovationen im Bereich Umwelt und Energie, die er 1982 mitbegründete.Sein größter Erfolg in Deutschland war das Buch »Faktor Vier. Doppelter Wohlstand ? halbierter Naturverbrauch«, das er mit Ernst Ulrich von Weizsäcker schrieb.Die jüngste Studie seines Instituts, »Winning the Oil Endgame ? Innovations for Profits, Jobs and Security«, zeigt, wie sich die USA bis 2050 vom Erdöl unabhängig machen können.Sie wurde vom Pentagon mitfinanziert. Für sein Engagement in Sachen Energieeffizienz bekam Amory Lovins 1983 den Alternativen Nobelpreis.Lovins sagt im ZEIT -Interview:?Ich bin zuversichtlich, denn ich sehe deutliche Anzeichen, dass sich in Indien und China eine Mentalität des leapfrogging entwickelt; dass man also beim Aufbau der eigenen Infrastruktur versucht, uns technologisch zu überholen. Zwei Fünftel der Gehirne der Welt leben in diesen beiden Ländern. Schon jetzt beginnt sich der Fluss der Erfindungen umzukehren. Der Wettbewerb hat begonnen, und Wettbewerb ist etwas Gutes.?

 

KÜNSTE

Freiheit der Künste - Grenzen?

 

PHILOSOPHIEN - RELIGIONEN

Christentum - Nächstenliebe
Buddhismus - Taoismus - Konfuzianismus
Islam

Atheismus

Agnostizismus

Religionsfreiheit - Grenzen?

"An sich haben die falschen Religionen aber kein Recht auf freie Ausübung in der Öffentlichkeit."  (Piusbruderschaft) Oha! 

Welchen Bezug haben die  Religionen/Philosophien zu den Ordnungsvorstellungen?

Christentum/Protestantismus - Kapitalismus, soziale Marktwirtschaft - Freiheit - Nachhaltigkeit - Ökologie ?

Buddhismus/Toaismus/Konfuzianismus - Nachhaltigkeit - Sicherheit ?

Beiträge zur Grundlegung einer buddhistischen Ökonomie, Vorträge und
Aufsätze von
Karl-Heinz Brodbeck u.a.
Was ist eigentlich „Geld“?
Geld als kollektiver Schein
Die Geldgier und der Zins

 

Der Islam als eine Religion der Nachhaltigkeit?

In der öffentlichen Meinung steht der Islam für Fundamentalismus, mangelnde Menschenrechte, ökonomische Rückständigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber Mensch und Natur. Doch in den letzten 25 Jahren ist im Herzen der arabischen Welt mit der SEKEM-Initiative ein Modellprojekt entstanden, das nicht nur der III. Welt, sondern auch den modernen Staaten des Nordens beweist, dass Ökologie und Fairness mit wirtschaftlichem Erfolg Hand in Hand gehen können, und das alles mit dem Koran als Grundlage.

 

Armin Nassehi

Religion: Versuch Ordnung und Einheit in die Mannigfaltigkeit der Welt zu bringen

"Eine gute Religion muss mit gesellschaftlichem und religiösem Pluralismus umgehen können. Sie muss mit der Idee und der Praxis der individuellen Freiheit kompatibel sein, und sie muss sich auf gleicher Augenhöhe auf einen Dialog mit anderen Religionen einstellen können."

"Zeigt dieser »Sitz im Leben« sich heute tatsächlich noch in der Frage der Versöhnung von Aufklärung und Religion, von Freiheit und Bindung? Und erwartet man von religiöser Kommunikation heute tatsächlich noch so etwas wie eine sinnhafte Gesamtperspektive auf die Welt (jenseits ihrer vorübergehenden Politisierbarkeit)? Oder sind das Fragen, die aus der Vergangenheit eines bürgerlichen Kosmos »intakter« religiöser Lebenswelten nachhallen in eine Welt, die nicht mehr nur keine Antworten auf solche Fragen hat, sondern diese Fragen gar nicht mehr kennt?"

"Was an religiöser Praxis offensichtlich als »gut« empfunden wird, ist ihr Fundus an rituellen Formen. . . . Einerseits war es erheblicher pomp and circumstance, der für mediale Inszenierung geradezu gemacht schien. Andererseits atmeten alle Gesten auch eine erstaunliche Einfachheit, weil sie auf der Wiederholbarkeit ritueller Gesten beruhten. Sie erklären sich selbst und vermitteln letztlich das Gefühl, dass sie alles mitsymbolisieren – Leben und Tod, Vergänglichkeit und Ewigkeit, Sünde und Erlösung – und zugleich nichts weiter sind als das, was da geschieht."

"»Gut« war daran vor allem, wie sich Kommunikation und Gesten, die ganze Maschinerie römischer Selbstinszenierung, mit einer Selbstverständlichkeit und Widerständigkeit darstellte, die über die Macht der Bilder die Ohnmacht ihrer Legitimationskrise überwindet. . . .  Insofern ist im Hinblick auf ihre Sichtbarkeit die Wiederkehr des Religiösen eine Wiederkehr ritueller Formen, die sich »irgendwie« von selbst verstehen, weil man sie eigentlich nicht im emphatischen Sinne verstehen muss. Mit einem Wort: Die Wiederkehr des Religiösen zeigt sich nicht in neuem (oder altem) Orientierungswissen, sondern in der Wiederkehr der Kasualien, in der Aufhebung zufälliger Lebensverläufe in der Ritualität von Taufe, Kommunion, Konfirmation, Hochzeit, Begräbnis."

"Dass das Religiöse sich kulturgeschichtlich stets in rituellen Formen niedergeschlagen hat, hat unmittelbar mit dem Problem zu tun, für das Religion eine Lösung sein möchte. Etwas abstrakt lässt sich dieses Problem als das Problem der Unbestimmbarkeit beschreiben – also der Umgang mit dem Zufall, dass man hier und jetzt und so ist und die Grundlage seiner eigenen Freiheit nicht selbst frei wählen konnte. Dazu gehört natürlich der Tod, über den man nichts weiß und über den man deshalb reden muss. "

"Religiöse Kommunikation setzt vielmehr Sprecher in Szene, die mit Bestimmtheit auf die Unbestimmtheit von Situationen hinweisen. Diese strategische Position vermag keine andere Kommunikationsform einzunehmen. Insofern bedeutet die Wiederkehr des Religiösen eine radikale Änderung ihrer Gestalt: Die Substanz des Religiösen liegt immer weniger in den Weltbildern religiöser Sinnsysteme, sondern in einer Praxisform, die auch in einer – wie Max Weber es formulierte – gottfernen und prophetenlosen Zeit auf Sprachformen zurückgreifen kann, in denen es nicht nur um den sachlichen Gehalt der Form, sondern um die Form selbst geht. Die enorme ästhetische Potenz des lateinischen Messeritus bestand gerade darin, dass man ihn nicht verstehen konnte – und dass er darin verstehbar war. Bevor sich religiöse Rede (vor allem protestantisch) in Ethik aufgelöst hatte, war sie eher Ethos, Haltung, Form. Sie hat die Asymmetrie zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Priester und Laie, zwischen Glauben und Wissen ausgehalten. Die strategische Potenz religiöser Rede scheint davon nach wie vor zehren zu können."

"Wir leben schon lange nicht mehr in jener bürgerlichen Gesellschaft, die sich mit guten Gründen, mit Toleranzforderungen und der Unterstellung von Vernunft sistieren lässt. All diese – plakativ gesprochen – eher protestantischen Unterstellungen haben ihren »Sitz im Leben« weitgehend verloren. Insofern ist die religiöse Gegenwart »katholischer« geworden, und zwar in dem Sinne, dass sich die »Güte« des Religiösen in ihrer ästhetischen Potenz zeigt. Nicht dass das Gute vom Schönen abgelöst würde – ästhetisch meint eher, dass sublimierte Gründe und geordnete Inhalte zugunsten der praktischen Potenz des Religiösen in den Hintergrund treten. Gespräche etwa nehmen weniger religiöse Inhalte in Anspruch, vielmehr wird die Form des Gesprächs selbst religiös. Und wer mit religiösen Praktikern, Seelsorgern, praktischen Theologen zu tun bekommt, wird an ihnen bisweilen ein ironisches Bewusstsein dafür wahrnehmen, dass sich nur im symmetrischen Gespräch unter authentischen Sprechern jene grundlegende Asymmetrie religiöser Erfahrung aufbewahren lässt, die alles Religiöse durchzieht."

"Ich weiß nicht, ob mir als Soziologen erlaubt ist, das auch noch christlich-theologisch zu deuten: Aber dass mit der Menschwerdung Gottes diese Kombination von Symmetrie und Asymmetrie auf geradezu ungeheuerliche Weise ausgedrückt wird, ist schon bemerkenswert. "

Papst Johannes Paul II. Ecclesia in Europa vom 28. Juni 2003:
9. Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne
Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen „als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, dass nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft. Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. (...) Es wundert daher nicht, dass in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist“ (Zweite Sonderversammlung der Bischofssynode für Europa, Osservatore Romano, 3. Oktober 1999). Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer „schweigenden Apostasie“ seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe."

 

 

BILDUNGSBÜRGERTUM

 

FAMILIE

DASEIN FÜR ANDERE - GENERATIONENÜBERGREIFEND

BEWERTUNG DER LEISTUNG FÜR ANDERE

LEISTUNG FÜR KINDER
LEISTUNG FÜR ALTE/KRANKE

ÜBERGANG ZUR MITTLEREN- MITWIRKUNGSEBENE

LAND/STAAT/STAATENGRUPPE

REGELN SETZEN UND DURCHSETZEN

SICHERHEIT

GESUNDHEIT

NACHHALTIGER WOHLSTAND

CHANCENGERECHTIGKEIT

SOLIDARITÄT

LEISTUNGSMAßSTÄBE

VERTEILUNG

 

 

 

 

WELT-(ERD-)GESTALTUNG

ALLES IST FÜR ALLE DA
Ungleiche Verteilung der Rohstoffe, Lebensmittelproduktionsmöglichkeiten,
Entwicklungsstandards,

 

ERHALTUNG DES LEBENS AUF DIESEM PLANETEN

METAREGELN FÜR ALLE

 

Zehn Gebote - Weltethos (Küng)
Konzil der Weltreligionen (C.F. v.Weizsäcker)

Mitleiden - Emphatie


Ehrfurcht vor dem Leben (A. Schweitzer)
„Ich rufe die Menschheit auf zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik macht keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem, höherem und niederem Leben. Sie lehnt eine solche Unterscheidung ab. Denn der Versuch, allgemeingültige Wertunterschiede zwischen den Lebewesen anzunehmen, läuft im Grunde darauf hinaus, sie danach zu beurteilen, ob sie uns Menschen nach unserem Empfinden näher oder ferner zu stehen scheinen. Das aber ist ein ganz subjektiver Maßstab. Wer von uns weiß denn, welche Bedeutung das andere Lebewesen an sich und im Weltganzen hat? Die Konsequenz dieser Unterscheidung ist dann die Ansicht, dass es wertloses Leben gebe, dessen Vernichtung oder Beeinträchtigung erlaubt sei. Je nach den Umständen werden dann unter wertlosem Leben Insekten oder primitive Völker verstanden."

Leistungsgesellschaft (engl. achieving society), in der Soziologie auch Meritokratie genannt, bezeichnet . . .  eine Gesellschaft, in welcher der Erwerb von Funktionen und Ämtern, der soziale Status und materielles Einkommen auf der Grundlage erbrachter und bewertbarer persönlicher Leistung bestimmt werden. Daraus resultierende soziale Ungleichheiten werden darin unter Berufung auf die Leistung als strukturbestimmender Verteilungsmaßstab allgemein akzeptiert. Die Leistungsgesellschaft zeichnet sich daher durch flexible Übergänge zwischen den Schichten und die Möglichkeit steiler Karrieren aus.

„Jeder muss sich aber fragen lassen, welche Beiträge er selbst für eine vitale, wohlhabende und freie Gemeinschaft geleistet hat: Wie viele Kinder hat jemand mit Liebe und Weitsicht großgezogen, wie viel uneigennützige Hilfe Notleidenden gegeben, wie viel dafür getan, dass Gemeinschaften gerecht und lebensklug bleiben? Wie viel Steuern und Abgaben hat er aus eigener Arbeit aufgebracht, wie viel dazu beigetragen, dass im Land attraktive Unternehmen und Arbeitsplätze entstanden sind?“

Udo Di Fabio: Die Kultur der Freiheit, München 2005, S. 276

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2005

Fassungslos lässt dieses Buch Heribert Prantl zurück, nicht nur weil es mit abstrusen Thesen aufwartet, sondern auch weil sein Autor, Udo Di Fabio immerhin Richter am Bundesverfassungsgericht ist. "Die Kultur der Freiheit" ist dabei in Prantls Augen nicht weniger als ein nationalkonservatives Programm, dem man auch den Titel "Die Kultur der Jungen Freiheit" hätte geben können, wie er in Anspielung auf die Zeitschrift schreibt. Was nun erregt den Rezensenten so? Abgesehen vom libertären und religiösen Kurs sind es zwei Punkte: zum einen Di Fabios Positionierung hinsichtlich der Europäischen Union, deren "Streben nach Bundesstaatlichkeit" und territoriale Ausdehnung er laut Prantl politisch ablehnt - und das, obwohl er als Verfassungsrichter über die Klage zur EU-Verfassung eigentlich darüber erst noch juristisch urteilen soll. Zum zweiten sind es Di Fabios Ausführungen zum Dritten Reich, in denen er vor allem die Deutschen von jemanden verführt sieht, der noch nicht einmal ein Deutscher gewesen sei, wie Prantl entsetzt erzählt. Und nicht etwa weil Hitler Österreicher war, spricht ihm Di Fabio diese höhere Weihe, sondern weil, wie Prantl zitiert, "kein Jota vom Anstand des preußischen Staatsdieners, weder Heimatgefühl noch Lebensfreude des bayerischen Katholizismus besaß, keinerlei Neigung für Fleiß und harte Arbeit, keinen Sinn für deutsche Lebensart, bürgerliche Vorlieben und christliche Traditionen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.08.2005

Der erbitterten Kritik, die Udo Di Fabios Buch "Die Kultur der Freiheit" auf sich gezogen hat, kaum dass es auf den Markt ist, mag sich Rezensent Matthias Arning nicht anschließen. Er gibt sich eher moderat, auch wenn er nicht umhinkommt, das provokative Potenzial anzusprechen, welches das Buch des Verfassungsrichters in sich birgt - schließlich geht es um nichts geringeres als eine Rekonstruktion "deutscher Nationalkultur als Kultur der Freiheit" (Di Fabio). So plädiere Di Fabio an Gedanken Paul Noltes und Paul Kirchhoffs anknüpfend für einen Aufbruch in einer neue bürgerliche Epoche, in der Freiheit, Verantwortungsbewusstsein und vor allem Kinderliebe wieder gelten. Dass Di Fabio das Grundsätzliche liebt und "mächtig auf den Putz" haut, verhehlt Arning nicht. Er räumt ein, dass Di Fabios Ausführungen, insbesondere zum Nationalsozialismus, die auch Arning "völlig überzogen" erscheinen, gelegentlich irritieren können. Auch findet er Di Fabios Werben für eine kinderfreundlichere Gesellschaft ziemlich penetrant. Nichtsdestoweniger zollt er ihm seinen Respekt für den Mut, eine kämpferische Streitschrift vorgelegt zu haben, "die diese freudlose Republik ein bisschen erschüttert".

 

„Da von wirklicher Leistungsgerechtigkeit unter den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen keine Rede sein kann, geht es den Verfechtern dieses Prinzips im Kern um nichts anderes als eine Legitimierung der großen sozialen Unterschiede und einem grundlegenden Umbau des Bildungssystems zu ihren Gunsten.“

Michael Hartman (2002): Der Mythos der Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York.

Nach Pierre Bourdieu gibt es drei große Klassenlagen: das Großbürgertum/Bourgeoisie, das Kleinbürgertum und die Arbeiterschaft. Diese verteilen sich im sozialen Raum entlang einer „vertikalen“ Achse, auf der mehr oder weniger die Herrschaftsverhältnisse abgebildet sind. Die Klassen differieren unter anderem durch das Distinktionsvermögen ihrer Angehörigen.

Innerhalb der einzelnen Klassen unterscheidet Bourdieu – auf einer „horizontalen“ Achse – Klassenfraktionen mit einer je spezifischen Position und symbolischen Auseinandersetzungen im Raum der Lebensstile, etwa das Besitzbürgertum (Unternehmer; an Tradition und Luxus orientiert), die neue Bourgeoisie (leitende Angestellte; an Fortschritt orientiert) und das Bildungsbürgertum (Intellektuelle, Lehrkräfte an Universitäten; an Bohème oder – erzwungener – Askese orientiert). Die einzelnen Klassenfraktionen grenzt Bourdieu anhand der Struktur ihres gesamten Kapitals gegeneinander ab. Dabei unterscheidet Bourdieu ökonomisches Kapital von kulturellem Kapital, sozialem Kapital und symbolischem Kapital. So ist etwa beim Bildungsbürgertum ein hohes „kulturelles Kapital“, aber nur ein relativ gering ausgeprägtes „ökonomisches Kapital“ vorzufinden. Die verschiedenen Klassenfraktionen werden zum Teil auch als Milieus bezeichnet.

Die Bedingungen der sozialen Lage, also der Verortung im sozialen Raum, determinieren einen jeweils unterschiedlichen „Habitus“, während die Handlungsstrategien einen gewissen individuellen Freiheitsspielraum bieten. Der Habitus prägt den spezifischen Geschmack, aber auch die Praxisformen, also die jeweils ausgeübten und präferierten sozialen Praktiken (d. h.: den Lebensstil). Zugleich ermöglicht der Habitus eine Unterscheidung zwischen der Eigengruppe und Fremdgruppen.

 

 

 

Legitime Ordnung nach Max Weber
Wirtschaft und Gesellschaft - Grundriss der verstehenden Soziologie(1922)

Legitime Geltung kann einer Ordnung von den Handelnden zugeschrieben werden:
a) kraft Tradition: Geltung des immer Gewesenen;
b) kraft affektuellen (insbesondere: emotionalen) Glaubens: Geltung des neu Offenbarten oder des Vorbildlichen;
c) kraft wertrationalen Glaubens: Geltung des als absolut gültig Erschlossenen;
d) kraft positiver Satzung, an deren Legalität geglaubt wird.
Diese Legalität [d)] kann [den Beteiligten] als legitim gelten
a) kraft Vereinbarung der Interessenten für diese;
b) kraft Oktroyierung (auf Grund einer als legitim geltenden Herrschaft von Menschen über Menschen) und Fügsamkeit.

1. Die Geltung von Ordnungen kraft Heilighaltung der Tradition ist die universellste und ursprünglichste. Angst vor magischen Nachteilen verstärkte die psychische Hemmung gegenüber jeder Änderung eingelebter Gepflogenheiten des Handelns, und die mannigfachen Interessen, welche sich an Erhaltung der Fügsamkeit in die einmal geltende Ordnung zu knüpfen pflegen, wirkten im Sinn ihrer Erhaltung

2. Bewußte Neuschöpfungen von Ordnungen waren ursprünglich fast stets prophetische Orakel oder mindestens prophetisch sanktionierte und als solche heilig geglaubte Verkündigungen, bis herab zu den Statuten der hellenischen Aisymneten. Die Fügsamkeit hing dann am Glauben an die Legitimation des Propheten. Ohne Neuoffenbarung von Ordnungen war in Epochen der Geltung des strengen Traditionalismus die Entstehung neuer Ordnungen, d.h. solcher, die als »neu« angesehen wurden, nur so möglich, daß diese als in Wahrheit von jeher geltend und nur noch nicht richtig erkannt oder als zeitweise verdunkelt und nunmehr wiederentdeckt behandelt wurden.

3. Der reinste Typus der wertrationalen Geltung wird durch das »Naturrecht« dargestellt. Wie begrenzt auch immer gegenüber seinen idealen Ansprüchen, so ist doch ein nicht ganz geringes Maß von realem Einfluß seiner logisch erschlossenen Sätze auf das Handeln nicht zu bestreiten und sind diese sowohl von dem offenbarten wie vom gesatzten wie vom traditionalen Recht zu scheiden.

4. Die heute geläufigste Legitimitätsform ist der Legalitätsglaube: die Fügsamkeit gegenüber formal korrekt und in der üblichen Form zustandegekommenen Satzungen. Der Gegensatz paktierter und oktroyierter Ordnungen ist dabei nur relativ. Denn sobald die Geltung einer paktierten Ordnung nicht auf einmütiger Vereinbarung beruht, – wie dies in der Vergangenheit oft für erforderlich zur wirklichen Legitimität gehalten wurde, – sondern innerhalb eines Kreises von Menschen auf tatsächlicher Fügsamkeit abweichend Wollender gegenüber Majoritäten – wie es sehr oft der Fall ist –, dann liegt tatsächlich eine Oktroyierung gegenüber der Minderheit vor. Der Fall andrerseits, daß gewaltsame oder doch rücksichtslosere und zielbewußtere Minderheiten Ordnungen oktroyieren, die dann auch den ursprünglich Widerstrebenden als legitim gelten, ist überaus häufig. Soweit »Abstimmungen« als Mittel der Schaffung oder Änderung von Ordnungen legal sind, ist es sehr häufig, daß der Minderheitswille die formale Mehrheit erlangt und die Mehrheit sich fügt, also: die Majorisierung nur Schein ist. Der Glaube an die Legalität paktierter Ordnungen reicht ziemlich weit zurück und findet sich zuweilen auch bei sog. Naturvölkern: fast stets aber ergänzt durch die Autorität von Orakeln.

5. Die Fügsamkeit gegenüber der Oktroyierung von Ordnungen durch Einzelne oder Mehrere setzt, soweit nicht bloße Furcht oder zweckrationale Motive dafür entscheidend sind, sondern Legalitätsvorstellungen bestehen, den Glauben an eine in irgendeinem Sinn legitime Herrschaftsgewalt des oder der Oktroyierenden voraus, wovon daher gesondert zu handeln ist.

6. In aller Regel ist Fügsamkeit in Ordnungen außer durch Interessenlagen der allerverschiedensten Art durch eine Mischung von Traditionsgebundenheit und Legalitätsvorstellung bedingt, soweit es sich nicht um ganz neue Satzungen handelt. In sehr vielen Fällen ist den fügsam Handelnden dabei natürlich nicht einmal bewußt, ob es sich um Sitte, Konvention oder Recht handelt. 

 

Literatur:

Ottfried Höffe: Ist Demokratie zukunftsfähig? Über moderne Politik; Verlag C.H. Beck, München 2009

Nassehi, Armin  Soziologie. Zehn einführende Vorlesungen, Wiesbaden, VS Verlag (2008):

http://www.brainworker.ch/waldphilosophie/beziehungslehre.htm

Bei der Beziehungslehre (auch: 'Beziehungssoziologie) handelt es sich um eine stark formal orientierte Richtung der Soziologie. Sie wurde von Leopold von Wiese begründet, der von Georg Simmel und dessen soziologischem Relationismus beeinflusst war; von Wiese versuchte - im Gegensatz zu Simmel und den Lehren von den sozialen Prozessen - eine methodische Konkretion des Beziehungsdenkens. Alfred Vierkandt betrachtete 1932 die Beziehungslehre als eine der Hauptkategorien des soziologischen Denkens. Sie wurde nach 1933 aus der Fachdiskussion gehalten und nach 1945 nur wenig wiederbelebt. Heute (2008) ist sie aus den Lehrplänen verschwunden.

Solidarische Leistungsgesellschaft ?

 

FREIHEIT

Freiheit ist kein Vorrecht, die besten Plätze 
für sich selbst zu reservieren

KANT Kritik der reinen Vernunft, B560/61

"Dagegen verstehe ich unter Freiheit, im kosmologischen Verstande, das Vermögen, einen Zustand von selbst anzufangen, deren Kausalität also nicht nach dem Naturgesetze wiederum unter einer anderen Ursache steht, welche sie der Zeit nach bestimmte."

ALBERT KELLER Philosophie der Freiheit, 11/12

"Allerdings ist es dem Menschen nicht möglich, einen umfassenden Anfang zu setzen. Er kann nicht alles überhaupt anfangen lassen, sondern er findet sich, seine Bewußtheit und seine Welt bereits vielfach bestimmt vor.  . . .

  • Was wird begonnen?

  • Wozu, d.h. aus welchem Grund und mit welchem Ziel, wird es unternommen

  • Wie, d.h. von welchem Ausgangspunkt her und mit welchen Mitteln und in welcher Methode, ist folglich vorzugehen?

 

THESE VON ALBERT KELLER

Freiheit ist das oberstes formale Ziel des Menschen?
Freiheit begründet als letzte Norm das Sollen und die Wertung menschlichen Verhaltens

WAS SOLL ICH MIT DER FREIHEIT TUN?
WAS DARF ICH VON DER FREIHEIT HOFFEN?

"Werte in unmittelbarer Hinordnung auf Freiheit und die daraus resultierende Pflicht, den anderen als Person zu achten, stehen nicht zur Disposition. Zwar kann von grundwerten im Plural geredet werden, aber ihnen liegt ein einziges höchstes und unbedingtes Gut zugrunde, das ihnen erst normierendes Gewicht und nicht aufhebbare Werthaftigkeit gibt, nämlich die Ausrichtung auf schrankenlose Freiheit. Ihr gegenüber mag sich zwar die Wertschätzung wandeln, aber in sich bleibt sie unwandelbar dem Menschen als sein Ziel und spezifisches oberstes Gut vorgegeben. Sie also ist von der Gesellschaft nicht zu normieren, sondern sie normiert umgekehrt weltliche wie kirchliche Gesellschaften und Gemeinschaften samt all ihren Werten und Wertewandlungen." 
Albert Keller - Philosophie der Freiheit S. 279/280

Analyse der derzeitigen Krise (ZEIT 14/2009) von AI WEIWEI *1957 - Konzeptkünstler

"Wir haben alle geglaubt, dass Freiheit dem menschlichen Leben seine Würde und Bedeutung geben könnte. Wir haben nicht für möglich gehalten, dass uns die Freiheit, wie wir sie heute leben, in diese kurzfristige globale Konsumgesellschaft führt, in der jeder nur auf seinen persönlichen Kontostand schielt. Die Schlussfolgerung kann nur sein, dass die absolute Freiheit, wie sie Amerika propagiert hat, der menschlichen Entwicklung schadet. Absolute Freiheit ist nicht nachhaltig.

. . . Es ist nicht die Freiheit an sich die schadet. Es ist die Ideologie der Freiheit. . . .  Im Namen der Freiheit konnten die amerikanischen Banken machen, was sie wollten. Mit den bescheidenen Gefühlen und Bedürfnissen der meisten Menschen hat der amerikanische Freiheitsbegriff nichts mehr zu tun. Das Böse der Menschen aber tritt immer dann in Erscheinung, wenn sie sich einer abstrakten Superideologie hingeben.

. . . Die Krise muss andauern, nicht damit unsere Lebensgrundlagen weiter zerstört werden, aber damit die alten Strukturen irreparablen Schaden erleiden und etwas Bedeutungsvolles, Neues entstehen kann. Das Supermonster zu besiegen würde heißen, dass wir persönliche Freiheitswerte wiederentdecken, die nicht dem Materialismus, Geld und Zahlen frönen, sondern ehrliche Beziehungen zu Natur, Nachbarn und Freunden verpflichtet sind, In der großen Krise liegt auch die Chance für große Veränderungen."

Scheitern – eine Kritik an der traditionellen Ökonomie

von Karl-Heinz Brodbeck (Feb. 2008)

"Es ist absehbar, dass ohne grundlegende und globale Neuorientierung der Wertkriterien zur Beurteilung menschlichen Handelns, seine Befreiung von der monetären Fesselung, tatsächlich der Kapitalismus nicht den Kommunismus besiegt hat, sondern nur etwas länger überlebte. Der noch vor knapp zwei Jahrzehnten überall vernehmbare Triumphruf, der Kapitalismus sei doch das effizientere, das dynamischere und damit einzig überlebensfähigeWirtschaftssystem, ist deutlich leiser geworden. Da Wirtschaften immer Handeln heißt, gibt es aber auch keine abstrakte Systemfunktion, die für den eigenen Untergang sorgen würde – eine auf Marx zurückgehende Hoffnung. Nur eine Änderung der Wahrnehmung und der Motivation der Menschen kann das globale Scheitern eines erkennbaren Irrwegs verhindern. Eben weil die Wirtschaft ein koordiniertes Handeln ist, nicht wie in der Vorstellungswelt der traditionellen Ökonomie ein „Mechanismus“, ist das allerdings auch möglich. Wäre das Wirtschaftswachstum nur ein Naturprozess, würde menschliches Tun nicht vom Denken wesentlich mitbestimmt, würden nur Sachzwänge regieren, denen „Marktgehorsam“  zu leisten ist – wie dies der Neoliberalismus behauptet –, dann allerdings müsste das Urteil ganz anders lauten."

GEIZ

Zur Todsünde des Geizes von Kerstin Heil

Der Geizige verarmt

Die Comic-Figur "Dagobert" ist der Prototyp des Geizigen! Geiziger geht nicht! Er sitzt auf seinem Geld. Einer ? so steht es geschrieben im Alten Testament, Jesus Sirach 14,9 ? dessen "geiziges Auge die Seele ausgetrocknet". Heute wäre ein Typ wie Dagobert sicher ein Held. Denn: "Geiz ist geil!" grölt die Werbung. ? Und gar nicht so leise kommt das Echo von einer medialen Bergwand in das konsumüberflutete Tal: "Nein! Eine Todsünde!"

Geiz macht grau, sagt Rainer Nitsche (er schrieb das "große Buch vom Geiz")
und meint: "grau-gesichtig und verhärmt". Der Mann muss es wissen: Anlässlich der Schnäppchenjäger-Kampagnen blickte der Berliner Verleger in Buchform etwas tiefer in die Geschichte des Geizes ? und blickte in einen Abgrund. "Die Geizigen leiden unter ihrem Geiz" ? gestern wie heute. Traurige Gestalten seien es, die durch ihre "giftige Leidenschaft" ihr soziales Umfeld zerstörten. Die akribisch im Alltag agierten ? animiert allein von "Avaritia", dem Geiz, der scheinbar neuen "Leit-Tugend" unserer Zeit.

Zweifelhafter Lohn

Mit Sparsamkeit habe diese wortgeschichtlich mit "Gier" verwandte "Geierei" nach Reichtum genauso wenig zu tun wie mit dem derzeitigen Run auf "Purzel"- oder "Dauerniedrigpreise", in dem sich mehr Raffgier als übertriebenes Knausertum offenbare: Es sei mehr ein "kultivierter, fast uniformierte Zeit-Geiz".

Richtiger Geiz sei zwanghaft und verlange Organisationstalent, sagt Nitsche. Der Geizige müsse weit planen, Unvorhergesehenes ausschalten: Von Geburtstagen, Gästen oder Feiern aller Art müsse er sich verabschieden. Denn die kosten Geld, das der Geizige nicht hergeben will. Nicht für sein Leben. Und das dann nach eben diesem nur seine Erben unter der Matratze finden. Denn: "Wozu", fragt schon die Bibel, "braucht ein Geiziger Gold?" (Jesus Sirach 14,3)

Perfide Lust

"Geizige sind ungesellig", betont Nitsche. Befreundet könne man mit solchen Leuten nicht sein. Verheiratet schon gar nicht. Den Menschen an ihrer Seite würde das Leben zur Qual. Die Medizin vergleiche Geiz als psychische Deformation oder neurotische Reaktion, übrigens mit chronischen "Stuhlverstopfungen".

Aber: Geiz ? eine "Todsünde"? Im Mittelalter, sagt Nitsche, als es noch keine Sozialversicherung und ähnliche sichernde Strukturen gab, da seien Bedürftige auf die Freigiebigkeit ihrer Familien oder fremder Mitmenschen angewiesen gewesen. Da hätten die Christen Geiz zu Gottes Gegenteil erklärt, Geiz war Sünde ? Todsünde. "Die Kirche hatte ja ein Interesse daran, dass die Leute die Armen unterstützten, damit diese nicht der Kirche selbst zur Last fielen."

Negative Leidenschaft

Heute sei Geiz eine "negative Leidenschaft", eine zerstörerische Gier, die auch den Geizigen und dessen soziales Ansehen zerschlage. Und nicht nur das: "Eine Gesellschaft der Geizigen könnte nicht eine Generation überleben." Daher: Obacht, ihr Bundesbürger! Denn auf deutschem Boden mit seiner "Überorganisiertheit" sieht Nitsche ein Paradies für Geizkragen. Während der Deutschen "Geiz-Oberhäupter", die Schwaben, immerhin noch mit Belustigung und Bewunderung gleichermaßen bedacht würden, werde etwa in Italien oder Frankreich der Geizige schlichtweg verachtet.

Geiz sei heute eine unterschätzte Leidenschaft, resümiert Nitsche. Grau-gesichtig, giftig ? ganz sicher nicht "geil" ? und: Männersache. Das sagte auch schon Goethe, der im Faust, der Tragödie zweiter Teil, seinen Geiz in Hosen auftreten ließ: "Bin männlichen Geschlechts, der Geiz!" (Faust II).

 

 

 


Das Gerüst                                                                        Erläuterung des Gesamtwerks

Die Null - Prolog -

Epilog - Das Unendliche

 

 

1
Zahlen

2
Symbole

3
Beziehungen

4
Hören

5
Sehen

6
Menschsein

7
Fragen

8
Bewegungen

9
Sein

 

10
In Raum
und Zeit

11
Werden

 

12
Heils-
geschichte

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1

Eins

Einheit

Stille

Licht

Nicht-Nichts

Weder - Noch

Einfalt

Geöffnetes Sein

Mythos des Paradieses

Augenblick

der

Geburt

Das Ewige im Werden

 

2

Zwei

Dualität

Einatmen

Ausatmen

 

Weiß

Schwarz

 

Werden

Vergehen

Entweder - Oder

Entfaltung

Dasein

Nicht mehr

Noch nicht

Notwendig-

keiten

Der Wille zum Leben

 

3

Drei

Ich

Ton

Gelb Rot Blau

Denken

Tun

Empfinden

Wie bin ich?

Drehung

Bewußtsein

Verbundenheit

Geist

Körper

Seele

Die Beseelung des Menschen

 

4

Vier

Ich und Gott

Wort

Gelb, Rot, Blau mit Weiß

Suchen

Was

bedingt

mich?

Rückbindung

Sein aus dem Anderen

Gedächtnis

Gottesfurcht

Die Offenbarung des Vaters

 

5

Fünf

Ich und Welt

Dissonanz

Harmonie

Gelb, Rot, Blau mit Schwarz

Zweifeln

Warum ist Etwas?

Ruhe-

losigkeit

Angst vor dem Verlassensein

Richtig

Falsch

Möglichkeiten

Freiheit

 

6

Sechs

Ich und Du

Antwort

Orange

Violett

Grün

Finden

Wer bin ich?

Vereinigung

Sehnen nach Angenommen-

sein

Identität

Das Gleiche

im Du

Liebe

 

7

Sieben

Heil

Gebet

Alle Farben mit Weiß

Hoffen

Wer nimmt mich an, wie ich bin?

Gelassenheit

Sein im Anderen

Maß

Gottesliebe

Die Offenbarung des Sohnes

 

8

Acht

Entzweiung

Fluch

Segen

Alle Farben mit Schwarz

Hassen

Lieben

Was ist sinnvoll?

Vernichtung

Versöhnung

Angst vor dem Schuldigsein

Gut

Bös

Tod

Die Vergottung des Menschen

 

9

Neun

Menschheit

Dialog

Alle Mischungen

Sollen

Was ist menschlich?

Zuwendung

Menschsein

Wissenschaft

Politik

Kunst

Verantwortung

Die Gestaltung der Welt

 

10

Zehn

Erlösung

Jubel

Silber und Gold

Verwandeln

Was ist über den Menschen hinaus?

Verschmelzung

Sein zu dem Anderen

Entgegen-

kommen

Gottes-

erleuchtung

Die Offenbarung des Geistes

 

11

Elf

Gericht

 

Ausklingen

Einklingen

 

Erblindung

Erhellung

Auslöschen

Entwerden

Richte ich mich selbst?

Verlieren

Bewahren

Sein in letzter Entscheidung

Entbindung

Einbindung

Verlassenheit

Geborgenheit

Gnade

 

12

Zwölf

Einheit in Fülle

Erfülltes Schweigen

Reines Licht

Alles

Sowohl als auch

Allfalt

Einssein

Mystik des Himmels

Ewigkeit

Das gewandelte Ewige

 

 

 



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