OLIVIER MESSIAEN

Saint-François d'Assise 

DER HEILIGE FRANZ VON ASSISI


Eine Seite von Theodor Frey

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I. AKT

Das Kreuz

II. AKT

Der wandernde Engel

III. AKT

Die Stigmata

Die Laudes

Der musizierende Engel

Der Tod und das neue Leben

Der heilige Franz küsst den Aussätzigen

Die Vogelpredigt

 

 




1. AKT             ERSTES BILD : DAS KREUZ 

 

 

                                          

BRUDER LEONE

Ich habe Angst , ich habe Angst, ich habe Angst auf dem Weg, wenn die Fenster größer und dunkler werden, wenn sich die Blätter der Poinsettia nicht mehr rot färben.

FRANZISKUS

Oh Erde! . . . Oh Himmel! . . . Bruder Leone ?

BRUDER LEONE

Mein Vater ?

 

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FRANZISKUS

Selbst wenn der Minderbruder den Blinden das Augenlicht, den Tauben das Gehör und den Stummen die Sprache wiedergäbe: Wisse, dass all dies nicht die Freude, die vollkommene Freude ist.

BRUDER LEONE

Ich habe Angst, ich habe Angst, ich habe Angst auf dem Weg, wenn sie sterben wird, wenn sie nicht mehr duftet, die Tiaré-Blume. Da! Das Unsichtbare, das Unsichtbare wird sichtbar.

 . . .

FRANZISKUS

Selbst wenn der Minderbruder aller Wissenschaften kundig wäre und das Zukünftige und die Geheimnisse der Herzen weissagen könnte: Wisse und merke die wohl, dass alles dies nicht die Freude, die vollkommene Freude ist.

 . . .

 

 

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FRANZISKUS

Oh Kreuz! . . . Oh Unmögliches Ding! . . . wenn ich mich aber auf dich, Macht, heiliger Baum stütze . . .

 . . .

FRANZISKUS

Selbst wenn der Minderbruder die Sprache der Engel, den Lauf der Sterne, die Tugenden der Vögel und der Fische, der Bäume und der Steine, der Wurzeln und der Wasser kennte, selbst wenn er predigte, bis alle Menschen bekehrt wären, wenn er immer und überall das Vorbild höchster Heiligkeit verkörperte: Wisse wiederum, dass alles dies nicht die Freude, die vollkommene Freude ist.

 . . .

FRANZISKUS

. . . Wenn es zu regnen beginnt und wir bis auf die Haut durchnässt, voller Schlamm, von Hunger gequält, nach einem sehr langen Fußweg an der Pforte eines Klosters ankommen . . . und gegen das Tor klopfen, und der Pförtner uns mit den Worten beschimpft: Geht fort! Taugenichtse! Elende Diebe! . . . wenn wir dies geduldig und frohen Herzens ertragen, indem wir an die Leiden Christi, des Gebenedeiten, denken: Dies ist die Freude, die vollkommene Freude. Denn über allen Gnaden und Gaben des Heiligen Geistes, die Christus den Seinen zuteil werden lässt, steht die Macht, sich selbst zu überwinden und freudig, und um der Liebe Christi willen, die Pein, die Beschimpfungen, die Schande und die Mühsal zu ertragen.

. . .

CHOR

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

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1. AKT

   ZWEITES BILD : DIE LAUDES  

 

 



THEMA DES HEILIGEN FRANZISKUS ORCHESTEREINLEITUNG
AMSELGESANG  IN DEN HOLZBLÄSERN
SONNENGESANG

 

 

FRANZISKUS

Gelobt seist Du, meine Herr, für Bruder Wind, für die Luft und die Wolken, den klaren Himmel . . . und alles Wetter!

. . .

Gelobt seist Du, mein Herr, für das Wasser, das sehr nützlich ist und demütig, kostbar und keusch!

 

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FRANZISKUS

 . . . Gelobt seist Du, mein Herr, für das Feuer, für das Feuer mit dem Du die Nacht erhellst! Schön ist es, voller Freude, stark und Mächtig! Gelobt seist Du Herr.

CHOR

Loben wir ihn, und erheben wir ihn für immerdar, jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit !

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BASSMOTIV
PSALM DER BRÜDER
THEMA DES HEILIGEN FRANZISKUS ORCHESTEREINLEITUNG
AMSELGESANG  IN DEN HOLZBLÄSERN
SONNENGESANG




 

FRANZISKUS

Gelobt seist Du, mein Herr, für unsere Mutter Erde, die uns trägt und uns ernährt, die alle Früchte bervorbringt, die Blumen, die tausendfach gefärbten Blumen, die Blumen und die Kräuter ! 

CHOR

Heilig ! Heilig ! Heilig ! Herr und Gott ! Der Du bist, der Du warst und der Du kommst !


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FRANZISKUS

Oh Du ! Der Du die Zeit erschaffen hast! Die Zeit und den Raum, das Licht und die Farbe, den duftenden Schmetterling, den Tropfen klaren Wassers, und das Lied des Windes, das in jedem Baum anders erklingt!

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FRANZISKUS

Du hast auch die Existenz des Hässlichen gestatter: Das die krätzige Kröte, der giftige Pilz Nachbarn der Libelle und des blauen Vogels sind . . .

Du weißt, wie sehr ich Angst habe, wie sehr ich mich vor den Aussätzigen ekle, vor ihrem zerfressenen Gesicht, ihrem schrecklichen und dumpfen Geruch ! Herr ! Herr ! Lass' mich einem Aussätzigen begegnen . . . . Mache mich fähig, ihn zu lieben . . .

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1. AKT    DRITTES BILD : DER HEILIGE FRANZISKUS KÜSST DEN AUSSÄTZIGEN 

 

 

 

DER AUSSÄTZIGE

Wie kann man ein solches Leben ertragen ! All die Brüder, die mir ihre Dienst erweisen wollen . . . Wenn sie ertrügen, was ich ertrage, wenn sie erlitten, was ich erleide ! Ha ! . . . Ha ! . . . wahrscheinlich würden auch sie auf begehren . . .

FRANZISKUS

Gott schenke dir Frieden, mein geliebter Bruder !

DER AUSSÄTZIGE

Was für ein Friede soll mir von Gott kommen, der alles von mir genommen hat, der mich verwesen und riechen lässt ?

 

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FRANZISKUS

Die Gebrechen des Körpers sind uns zum Heil unserer Seele auferlegt. Wie soll man das Kreuz begreifen, wenn man davon nicht ein kleines Stück getragen hat ?

DER AUSSÄTZIGE

Ich habe genug, genug, mehr als genug ! Die Brüder, die du mir zu meiner Hilfe geschickt hast, pflegen mich schlecht ! Anstatt meine Qualen zu lindern, nötigen sie mir ihr widerliches Geschwätz und ihre nutzlosen Heilmittel auf.

. . .

FRANZISKUS

Bringe dein Leiden als Buße dar, mein Sohn

DER AUSSÄTZIGE

Buße ! Buße ! Heile mich zuerst von meinen Beulen, und dann, dann will ich buße tun ! Und außerdem: Ich weiß, dass ich deine Bruder anekle; wenn sie mich sehen, so verbergen sie nicht einmal ihr Verlangen, sich zu übergeben . . .

Früher einmal war ich jung und stark ! Jestz bin ich wie ein Blatt, das vom Mehltau befallen ist: ganz gelb und mit schwarzen Flecken übersät . . .

 

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DER AUSSÄTZIGE

Früher einmal war ich jung und stark ! Jetzt bin ich wie ein Blatt, das vom Mehltau befallen ist: ganz gelb und mit schwarzen Flecken übersät . . .

FRANZISKUS

Wenn der innere Mensch schön ist, so wird er in der Stunde der Auferstehung verklärt werden.

 

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DER ENGEL

Aussätziger, Aussätziger, Aussätziger, dein Herz klagt dich an, dein Herz.

DER AUSSÄTZIGE

Woher kommt diese Stimme ?

. . . Ich verstehe nicht . . .

FRANZISKUS

Er sagt: "Dein Herz klagt dich an, aber Gott ist größer als dein Herz."

DER ENGEL

Denn Gott, denn Gott, denn Gott ist ganz die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm.

FRANZISKUS

Wo Unwahrheit ist, möge ich das Tor zur Wahrheit öffnen ! . . .
Wo das Dunkel ist, möge ich Licht bringen ! Verzeih' mir, mein Sohn: ich habe dich nicht genug geliebt . . .

 

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DER AUSSÄTZIGE

Wunder ! Wunder ! Wunder ! Sieh Vater sieh: Die Flecken sind von meiner Haut verschwunden !  . . .

FRANZISKUS

Du warst die umgekehrte Pyramide . . . die auf die Spitze gestellt war  . . . aber Gott hat dich jenseits der Unwahrheit erwartet . . .

FRANZISKUS

Weine nicht so stark, mein Sohn ! Auch ich bin nicht würdig, geheilt zu sein . . .

CHOR

Denen, die viel geliebt haben, wird alles vergeben ! 

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 ENDE DES 1. AKTES




2. AKT

VIERTES BILD : DER WANDERNDE ENGEL 



 

 

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