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NEUN

         THEODOR ALBERTUS MAGNUS  FREY   I   SEITEN ÜBER GOTT,  WELT  UND MENSCH   I   EXPERIMENTE ZUR GESTALTWERDUNG 

 

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  Die Zahl Neun

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III. Symphonie   3. Satz                                    

Vom Licht zur Antwort im Menschsein  

DIE ANTWORT IM MENSCHSEIN

GRUNDTEXT                                                                                                                        

Die Neun

  

Geschenktes und gefundenes Wissen um das werdende Sein,
sagt mir im Gewissen das Sollen.
Ich soll mich vom Geheimnis
annehmen lassen,
wie ich auch das andere Du
annehmen soll, wie mein eigenes Ich,
in allen seinen Seiten.

Unter der Herrschaft
von Zeit und Raum, im Freiheitsraum der Möglichkeiten,
suchen wir Antworten
auf das Wort aus der Mitte.

Ein mühsamer, unaufhörlicher Dialog,
der vom dreifaltigen Licht des Einen
im dreifachen Ichsein
jedes Menschen entzündet wird.

Ein unendlicher Dialog, der seinen Sinn erst entfalten kann,
wenn er im Aufleuchten wieder auf die Einheit zurückstrahlt. 

  

 Die Fülle der Farben wird in der Menschheit in allen Mischungen entfaltet,
mit allen Aufhellungen im Weiß, mit allen Schattierungen im Schwarz.

Eine Vielfalt, die im Einzelnen uns gefangen nimmt 
und in der Zusammenschau
verwirrt.
Daraus wird stets
Wissen und Nichtwissen um das was ist,
Empfinden und Nichtempfinden in dem was ist,
Tun und Lassen,
für das was sein soll.

Es ist das Richtig und Falsch, das Schön und Häßlich, das Gut und Bös.
Es ist in allen Wissenschaften, allen Künsten und allen Politiken.

Wir suchen,
begrenzt durch die Bindungen im Dasein, nach den Möglichkeiten,
die Sinn geben
für das Ich, das Ich und das Du, das Wir,
Sinn für das was war, Sinn für das was sein soll.

Aus unseren engen Grenzen kriecht die Angst den Sinn zu verfehlen,
die verzweifelt Erkenntnis des Ungenügens.
Aber gerade diese Begrenzungen, unsere Ängste, die Urangst vor dem Tod,
stoßen Erkenntnisse, Änderungen, Neuerungen an.

Gerade im Mitempfinden der Ängste des Anderen, der Anderen,
zeigen sich Wege unser Ich zu entgrenzen, 
um dann gemeinsam
Sinnwege gehen zu können.

Die Neun ist die Symbolzahl für das Suchen der Antworten des Alltags,
Antworten, die im Hier und Jetzt gegeben werden müssen
im Blick auf das Gewordene und Kommende,
in der Hoffnung der werdenden Gestalt damit Fülle zu verleihen.

Die Antworten werden gesucht im Licht der Vernunft,
das die Seiten des Ichs
aneinander bindet und im Gedächtnis des Seins bewahrt.

In diesem Miteinander finden die Dreiecke die Gestalten von Pyramiden
oder sich vielfach durchdringender Dreiecke.

Es werden Zeichen zu Bildern, Töne zu Symphonien, 
es werden Regeln zu Ordnungen, Gedanken zu Systemen,
und in allem wird unser Dasein und mit ihm unser Sein gestaltet.

Aber wo ist das Maß zu finden, das Maß für das was sein soll ?

Was wir denken wird nicht verloren sein, wenn es in der Mitte gehalten wird.
Was wir tun und lassen wird sein, wenn es zur Mitte führt.
Was wir empfinden wird weiterwirken, wenn es von der Mitte gespeist wird.

Die Wege zur Mitte werden für jeden von uns andere sein, schon deshalb,
da bereits der Beginn des Suchens, der Beginn des Weges, für jeden woanders liegt.
Aber der Sog zur Mitte ist für jeden von uns der Gleiche,
da die entfaltete Gestalt nur eine Mitte kennt.

Deshalb habe Ehrfurcht vor dem Leben in seiner ganzen Fülle
und achte die unterschiedlichen Wege, die bisher gegangen worden sind.
Denn welche Schuld liegt im Zerstören von dem, 
was die Fülle des Seins
noch zu weiten vermag.

Erfahre dich als ein Gewordener, der für sein so sein,
immer wieder nach Gründen zu seiner Rechtfertigung sucht.
Denn welche Schuld liegt in der Unwahrhaftigkeit, die die Fülle des Seins verengt.

Besinne dich, daß in dein Urteilen und Entscheiden,
immer auch deine Ängste und Hoffnungen eingehen.
Denn welche Schuld liegt darin, die Wege der Anderen mit Vorurteilen zuzuschütten.

Bedenke, daß jedes Verletzen und verletzt werden den Weg verdunkelt,
daß jede erfahrene und geschenkte Zuneigung aber Wegzeichen geben.
Denn welche Schuld liegt darin, Andere in finsteren Nacht auf den Weg zu schicken.

Besinne dich auf das, was all deine Seiten wirklich bedürfen, 
um sich gegenseitig befruchten zu können.
Erkenne, daß der abgewogene Verzicht bei einer Seite deines Ichs,
den anderen Seiten an Fülle zuwachsen kann.

Setze dich dafür ein, den Schwächeren Möglichkeiten zu eröffnen,
um ihre Ängste mit Hoffnungen zu vertreiben.
Denn welche Schuld liegt darin, daß auch durch dich,
Möglichkeiten des Seins zerstört werden.

Beziehe die Möglichkeiten des Zukünftigen in dein Handeln ein.
Wäge die Folgen ab und verzichte im Zweifel.
Denn welche Schuld liegt im Tun, daß die Folgen nicht zu bändigen vermag.

Bin bereit zu widerstehen, wenn du in wissender und gewissenhafter Prüfung überzeugt bist,
daß du in Ordnungen eingebunden wirst, die dem Dasein die Fülle berauben.
Spüre, deine Verantwortung für die Freiheit des Anderen.
Denn welche Schuld liegt darin, geschehen zu lassen, daß in der Unterdrückung,
das Werden des Seins geknechtet  wird.

Erkenne, daß alles im Teil Richtige, im Ganzen doch die Richtung verfehlen kann.
Wisse um die Fülle von Wahrheiten in jedem Du, doch vergiß nicht,
diese im Dialog an das Geheimnis der Mitte zu binden.

Sei im offenen Geheimnis und sei es mit den Anderen und dann erst sei
Jude, Buddhist, Christ, Muslim ...

Löse dich von deinen Bildern,
die das Geheimnis festhalten möchten.
Denn welche Schuld liegt darin, wenn aus den Bildern Waffen geschmiedet werden.

Suche
das rechte Reden und Schweigen vor dem Geheimnis,
das uns immer mehr sagt, als wir es für möglich halten.

Suche in der dir geschenkten Freiheit nach Antworten in den Möglichkeitsräumen,
nach dem, das uns in den Verschiedenheiten die Einheit öffnet.

Suche nach den Beziehungen und Bewegungen im Sein,
die wir, in der umfassenden Gestalt des offenen Geheimnisses,
als die große Liebe erfahren dürfen.

In all diesem Sollen kreuzt sich das vergangene Werden
mit der entgegenkommenden Fülle.
So ändert sich In jedem Augenblick
das Sollen, da sich auch das Sein stets verändert,
aber es bleibt stets auch gleich in seiner Orientierung
am immer Gleichen des uns Entgegenkommenden.

Unser Sein ist
Dazwischen-Sein, nie im Ganzen verlassen, nie im Ganzen daheim.
Erst wenn die Zeit beginnt
das Sein zu verlassen,
kann sich der Sinn als Ganzes zeigen, die Fülle seiner ganzen Gestalt.

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KOMMENTIERUNGEN

   Topograhie des ethischen Denkens






 

 

BEZIEHUNGEN

KÜNSTE  -   RELIGIONEN


Gestaltenwandel


Für Friedrich Schiller waren die historischen Religionen Kulturleistungen, die vom schöpferischen Geist der Menschen hervorgebracht wurden. Sie waren "Ausdrucksformen des freien Wesens des Menschen, der seine unmittelbaren Lebensbedingungen transzendieren kann in Richtung auf einen umfassenden und tragenden Sinnzusammenhang."

 

So schreibt Rüdiger Safranski in seinem 2004 erschienen Buch "Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus"

 

Und weiter: "Für Schiller manifestiert sich diese schöpferischen Kräfte in der Vielfalt und dem Gestaltenwandel der historischen Religionen ebenso wie in der Moral und der Kunst. Sein Kriterium für Würde und Wert dieser Ausdrucksformen war die Freiheit. Er forderte das höhere Spiel des freien Geistes, eine Selbstermunterung der schöpferischen Kräfte.  ...

Es gehört zu solchem Spiel, daß Formen geschaffen und wieder aufgelöst werden ohne dogmatische Fesseln. ...Diese Religion, die alle übrigen relativiert, ist die ästhetische. Sie ist formbewußt und schafft Bilder, glaubt aber nicht an die absolute Wahrheit der Bildnisse. Aus dieser Perspektive erscheinen Religionen als Versuche, der Transzendenz ein bestimmtes Gesicht zu geben. Diese Gesichter aber dürfen nicht zur Fratze werden, und genau darin sah Schiller eine Gefahr. Unter der Voraussetzung der Gefahr solcher Verdinglichung war es für ihn kein Problem, wenn der Ort der Transzendenz letztlich leer blieb. Eine schlechthin gültige Offenbarung gab es für ihn nicht. Eine leere Transzendenz, die zur Schöpferischen Gestaltung anregt, erfüllte für ihn ironischerweise noch am besten das alte Gebot: 'Du sollst dir kein Bildnis machen!'."







"
Der höchste Genuß aber ist 
die Freiheit des Gemütes 
in dem lebendigen Spiel 
aller seiner Kräfte"


Friedrich Schiller

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 


Vom offenen Geheimnis 9

 

BEZIEHUNGEN

JOAN BAEZ IN 1966 UND 2007 

1966

2007

Interview im Magazin  "deutschen Panorama" 6/1966 anläßlich der Teilnahme am Ostermarsch in Deutschland

"Entweder bewegt die Welt sich weiter in der Richtung, in der sie sich bewegt, was damit enden wird, daß wir uns alle in die Luft jagen - wir werden es vielleicht sowieso tun - oder wir machen ungeheure Anstrengungen in die andere Richtung. In die andere Richtung bedeutet, daß wir lernen, unsere Probleme gewaltlos zu lösen. Wenn weiter Gewalt angewendet wird wie bisher, wird es zur Vernichtung der Welt führen! 


Was halten Sie von der Behauptung, daß in Vietnam Frieden und Freiheit verteidigt werden?


" ... ich glaube nicht, daß man Frieden, Freiheit und Demokratie mit Bomber bringen kann."


Wer war nach Ihrer Ansicht der bessere Präsident: Kennedy oder Johnson?


"Sie sind beide schlecht! Präsident Kennedy war viel attraktiver. Er hatte eine hübsche Frau und nette Kinder, das ist alles. Präsiden Johnson ist häßlich, reizlos, boshaft ... Aber schrecklich sind sie beide."

Glauben Sie nicht, daß sie politisch naiv sind?


"Das ist wahr, ich bin naiv. Aber alle großen Führer sind naiv, überall: die Premierminister, die Präsidenten, dieser ganze Verein. Sonst würden wir Frieden haben anstatt Krieg. wenn sie kluge Politiker wären, hätten wir Frieden und keinen Krieg. 

Interview in der FAZ - 10.3.2007



Sie haben aber nicht aufgeführt, gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg zu singen. Rückschläge, un davon gibt es derzeit wahrlich genug, scheinen Sie nicht zu entmutigen. Warum nicht?

"Fast hätte ich jetzt gesagt. Aus Gewohnheit. Und womöglich ist das sogar wahr. Bush ist jetzt aber der beste Promotor, den ich je hatte. Durch ihn bin ich plötzlich wieder wichtig geworden."

Kommt es Ihnen manchmal so vor, als müssen Sie heute noch einmal Ihre Vergangenheit durchleben?
"Ja natürlich, keine Frage. Die Parallelen zwischen dem Irak und Vietnam sind mehr als offensichtlich, auch wenn sich viele Umstände verändert haben und es viele Unterschiede gibt. Geschichte wiederholt sich nie exakt. Im etwas anderen Kontex scheinen wir aber beständig unsere Fehler zu wiederholen."


Es gab Proteste, aber sie waren nicht zu vergleichen mit den Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg. Hatten Sie mehr erwartet?


"Auch die Proteste nehmen heute eine andere Form an. Viele Leute meinen, es lohne sich nicht mehr, auf die Straße zu gehen. ... Die Bush-Witze sind erst jetzt gefragt. Apropos Witze: ... Als ich kürzlich in der Türkei war, habe ich einen Teppichverkäufer getroffen. ...Er sagte: Kennen Sie den Unterschied zwischen Amerika und Joghurt? ... Joghurt hat eine lebende Kultur."


"Nächstes Jahr werde ich mein fünfzigjähriges Jubiläum als Sängerin feiern. Ich habe also Material genug. Ich werde [nach Deutschland] Neues mitbringen, Songs, die noch niemand kennt, und bekannte Songs aus allen Abschnitten meiner Karriere. Sie bekommen mein ganzes Leben zu hören, in anderthalb bis zwei Stunden."

 

 

Illustration von Burkhard Neie/xix in der FAZ vom 10.3.2007

 

  Joan Chandos Baez wird am 9.1.1941 in New York geboren. Sie wächst in den USA, in Frankreich, Italien, der Schweiz und im Nahen Osten auf.

  1956 hört sie erstmals Martin Luther Kind predigen und kauft sich ihre erste Gitarre, um in der Schule zu singen und zu spielen.

  In Boston macht sie Bekanntschaft mit der Folkszene und wird 1959 zum Newport Folk Festival eingeladen.

  Sie schreibt viele Songs selber. Einige Jahre lebt sie mit Bob Dylan zusammen.

  Für ihre gewaltlose Proteste gegen den Vietnam-Krieg wird sie in Haft genommen. Jetzt singt sie gegen den Irak-Krieg an.

  Am 18.3.2007 beginnt sie, frisch ausgezeichnet mit einem Grammy für ihr Lebenswerk, ihre Deutschland- Tournee in Mannheim.

 


Die acht UN-Millennium-Entwicklungsziele

Nach der Unterzeichnung der Millenniumerklärung 
wurden von der UN acht Ziele formuliert, 
damit die Erklärung mit Leben gefüllt werden kann. 
Diese Ziele sind in insgesamt 18 konkretisierende Teilziele gegliedert. Die Erfüllung/Nichterfüllung aller Ziele ist durch 
die Festlegung bestimmter Indikatoren messbar und kann von daher gut beobachtet, b
egleitet und eingefordert werden.

hier mehr . . .

Beispiel: Das 7. Ziel - Ökologische Nachhaltigkeit

Wenn es ums Überleben geht oder eine blühende Wirtschaft aufgebaut werden soll, ist „die Umwelt“ scheinbar nur im Weg. 
Ziel 7 ist ein grundlegendes Ziel, bei dem die Erfahrungen der Industrieländer bei Umweltproblemen wie schmutzigem Trinkwasser oder belasteten Böden sehr wertvoll sind. Eine Politik ist unabdingbar, die das Bewusstsein hat und auch verbreitet, dass ohne die natürlichen Ressourcen, moderne technische Möglichkeiten und das Wissen um natürliche Zusammenhänge mittel- und langfristig kein menschenwürdiges Leben auf der Erde möglich ist und kurzfristige Erfolge beim Kampf gegen die Armut ohne ökologische Nachhaltigkeit morgen schon wieder ins Schlimmere verdreht werden.

Teilziel 9: Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankern und die Vernichtung von Umweltressourcen eindämmen.

Teilziel 10: Bis 2015 Halbierung des Anteils der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser.

Teilziel 11: Bis 2020 eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern und -bewohnerinnen bewirken.

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Ein philosophischer Kommentar zu Guttenberg  

Die Folgen des Getanen kann ich nicht abwälzen, sondern nur gestalten und verwandeln 

" Aber ich bleibe auf dem Wege und bin nicht im Besitz [der Wahrhaftigkeit]. Statt der Identität meiner mit mir selbst kann eine Trennung von mir einsetzen. Was ich in einer Tat, in einer Lebenspraxis war, das will ich nicht sein. Zwar muß ich sie übernehmen, aber ich vollziehe die Trennung in einer Umkehr meiner selbst. Geschieht das im Ernst, dann muß ich doch leben mit etwas, das ich nie mehr loswerden kann. Ich bin ein Anderer als zu Anfang. Die Umkehr gründet ein Leben, das übernehmen muß, was mir fremd geworden ist und doch zu mir gehört. Die Umkehr ist wahr mit dem neuen Blick, der neuen Urteilskraft, durch die geschieht, was die Umkehr bezeugt. Das Gewesene wird trotz Wiedergeburt übernommen, nicht abgestoßen, als ob es nicht gewesen sei. Ich bin nicht befreit in einem absoluten Sinn (. . .). Vielmehr trage ich die Folgen des Getanen und Gelebten, die ich nicht abwälzen, sondern nur sehen, mit meinen Möglichkeiten gestalten und verwandeln kann."

Karl Jaspers in "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung", S. 173