MUSICA  VIVA

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VIVMUSICA

 

1

2

BRITTEN

HAMEL

LIGETI

HARTMANN

OLIVERO

HENZE

SCHOSTAKOWITSCH

HILLER

USTWOLSKAJA

SCHTSCHEDRIN SHCHEDRIN

WIDMANN

MESSIAEN

LUTOSLAWSKI

TAN DUN

UNSUK CHIN

GUBAIDULINA

EINE SEITE VON THEODOR FREY



WAR REQUIEM
opus 66

Benjamin Britten (1913 – 1976)




„ Da ich davon überzeugt bin, dass jeder Mensch vom Geist Gottes erfüllt ist, bin ich außerstande, menschliches Leben zu vernichten."



„Mein ganzes Dasein ist schöpferischer Arbeit gewidmet, da ich den Beruf eines Komponisten ausübe, und ich vermag mich nicht an zerstörerischen Handlungen zu beteiligen.“

 



Werkbeschreibung

unter Verwendung des Beitrages von Wolfgang Stähr

im Programmheft zum Konzert der Münchner Philharmoniker am 2. 4. 2008 (Generalprobe)



9 5 8  erhielt Britten den Auftrag ein Chorwerk für die Einweihung der gotischen Kathedrale der Stadt Coventry zu schreiben.  Der Vorgängerbau war 1 9 4 0 von den Nazis zerstört worden. Bis heute steht der Name Coventry für den Geist der Friedfertigkeit.

Aus Trümmergestein fügten die Menschen der Gemeinde einen Altar zusammen, in dessen Rückseite sie die Worte
„Father forgive“ meißelten. 

Bereits 1 9 4 5  hatte Britten über ein Oratorium mit dem Titel „Mea Culpa“ nachgedacht, eine Art Totenmesse, die den Opfern von Hiroshima gewidmet sein sollte. 1 9 4 8  wollte Britten auf die Ermordung Mahatma Ghandis  reagieren:


„Der Tod Gandhis ist für einen Menschen meiner Gesinnung ein schrecklicher Schock und ich bin entschlossen, zum Gedenken an dieses Unglück ein Requiem zu schreiben – zu seinen Ehren. Wann ich dieses Stück vollenden werde, kann ich nicht sagen.“



Beide Projekte kamen nie über das Stadium von Idee und Vorsatz hinaus, und so war Benjamin Britten dankbar und glücklich, als ihm der Auftrag aus Coventry doch noch die Möglichkeit eröffnete, jenes monumentale Werk zu schaffen.

Britten wagte sich an eine Vertonung der Missa pro defunctis, der lateinischen Totenmesse. Die Texte der Liturgie und der Bibel böten dem Komponisten für seine Musik die großartigste Quelle der Inspiration.

Britten verschränkte die Worte der Liturgie mit Gedichten des englischen Lyrikers Wilfred Owen, der, im Alter von 25 Jahren, in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs in Frankreich gefallen war. In Owens literarischen Zeugnissen fand Britten die Klage und die Verzweiflung, die bittere Ironie, aber auch die unstillbare Friedenssehnsucht eines Menschen, der durch die Hölle des Krieges gegangen war – ohne je seine humane Orientierung zu verlieren.

 

„Ich befasse mich nicht mit Dichtung, mein Thema ist der Krieg und das Mitleid, das er verlangt. Im Mitleid liegt die Poesie. Dennoch sind diese Klagelieder für unsere Generation in keiner Weise tröstlich. Vielleicht für die nächste. Warnen – das ist alles, was ein Dichter heute zu leisten vermag.“ (Owen)

„Die Gedichte müssen mit äußerster Schönheit, Intensität und Wahrhaftigkeit gesungen werden.“ (Britten)

 

Britten verfolgte mit der Besetzung der drei Solopartien auch symbolische Absichten. Die Uraufführung sollte Angehörige jener drei Nationen zusammenführen, die unter dem Krieg am meisten gelitten hätten: einen Engländer, einen Deutschen und eine Russin. (Dass Britten bei dieser Überlegung das jüdische Volk außer Acht ließ, ist kritisch angemerkt worden.)


Ich lehne Gewalt ab, weil das Gute, das sie zu bewirken scheint, nicht lange anhält; dagegen ist das Schlechte, das sie bewirkt, von Dauer. (Gandhi)



Die Musik zeugt von der Fähigkeit zu trauern ebenso wie vom Bekenntnis der eigenen Schuld.
Bereits das hochexpressive, trauermarschartige „Requiem aeternam“ lenkt den Blick von der Bitte um ewige Ruhe auf den Bittenden selbst, den schuldbeladenen Menschen.

Den Opfern des Krieges werden Stimme und Statur verliehen, mal leise und verzweifelt, dann wieder mit dem Ausdruck der Verbitterung und Empörung – bis hin zu jener quälenden Frage, die der frühe, sinnlose Tod eines jungen Soldaten erzwingt und die unweigerlich an den Aufschrei des schmerzgebeugten Hiob denken lässt: Wozu der Mensch erschaffen sei, wenn solche Leiden ihn erwarteten, wenn er so grausam zugrunde gehen muss.

„Oh, was trieb die törichten Sonnenstrahlen sich abzumühen,
Den Schlaf der Erde überhaupt zu stören ?“

Dem Jubel des „Sanctus“ folgt die zweifelnde Frage des Dichters:

„Wird das Leben diese Leichen erwecken ? Wird es wirklich Den Tod aufheben, alle Tränen stillen ?“

Im „Offertorium“ vermag der Einspruch des Engels Abraham nicht abzuhalten, den eigenen Sohn zu töten – „und die halbe Saat Europas, einen nach dem anderen“.

Aufs engste verwoben sind Tenorsolo und Chor im „Agnus Dei“:

„Und nun leiden die Soldaten mit Ihm“, heißt es bei Owen, mit „Ihm“, der am Kreuz gestorben ist.  

„ …Doch die, welche mit größerer Liebe lieben,
Lassen ihr Leben; sie hassen nicht.“

Auf den Schauplätzen des Krieges, in den bombardierten und verwüsteten Städten, im unentrinnbaren Feuer der Heckenschützen, im blindwütigen Terror der Selbstmordattentäter scheint das Jüngste Gericht bereits angebrochen zu sein.


Hier zum gesamten Text . . .

 

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Konzert für Klavier,

 Streichorchester und Pauken
1946

Galina Ustwolskaja (1919 – 2006)

 

 

Musik, die in den Schlupfwinkeln diktatorischer Repression zu großer Eindringlichkeit und Ausdruckskraft findet


“Meine Werke sind zwar nicht religiös im liturgischen Sinne, aber von religiösem Geist erfüllt, und – wie ich es empfinde – sie würden am besten in einem Kirchenraum erklingen, ohne wissenschaftliche Einführungen und Analysen. Im Konzertsaal, also in ‘weltlicher’ Umgebung, klingen sie anders...”


Gespielt am 3. 4.2008 vom Münchener 
Kammerorchester im Prinzregententheater
, Klavier Alexei Lubimov 

 

 

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ARD
MUSIKWETTBEWERB 2008

 

STREICH
QUARTETT


Erster Durchgang 

1. 

Ludwig van Beethoven, ein Quartett aus op. 18
oder
Joseph Haydn, ein Quartett aus op. 33, 50, 64, 74, 76 oder 77

2. 

Eines der folgenden Quartette:
Pavel Haas
Gideon Klein
Hans Krasa
Erwin Schulhoff
Viktor Ullmann
Alban Berg, Lyrische Suite
Bertold Goldschmidt, 1., 2. oder 3.
Paul Hindemith, op. 16 oder op. 22
Leos Janácek
Arnold Schönberg, Nr. 3 op. 30 oder Nr. 4 op. 37
Igor Strawinsky, Drei Stücke und Concertino
Alexander Zemlinsky, Nr. 2 op. 15

Zweiter Durchgang 

3. 

Eines der folgenden Quartette:
Felix Mendelssohn Bartholdy, op. 12, 13, 44 oder 80
Johannes Brahms
Antonín Dvorák, op. 105 oder 106
Robert Schumann

4. 

Eines der folgenden Quartette:
Pierre Boulez, Livre pour Quatuor (1948/49)
Benjamin Britten, Nr. 2 oder Nr. 3
John Cage, String Quartet
Elliot Carter, Nr. 3 oder Nr. 4
Henri Dutilleux, Ainsi la nuit
Sofia Gubaidulina, Nr. 3
György Kurtag, Officium breve
György Ligeti, Nr. 1 oder Nr. 2
Witold Lutoslawski
Wolfgang Rihm, Nr. 3 »Im Innersten«
Alfred Schnittke, Nr. 2 oder Nr. 3
Dmitri Schostakowitsch, Nr. 13 oder Nr. 14

Semifinale

5. 

W. A. Mozart, eines der Quartette KV 387, KV 421, KV 428, KV 458, KV 464, KV 465, KV 499, KV 575, KV 589 oder KV 590

7. 

Rodion Schtschedrin, Streichquartett (2006)
Auftragswerk, es darf vor dem Wettbewerb nicht öffentlich aufgeführt werden.

7. 

Hugo Wolff, Italienische Serenade G-Dur

Finale

8. 

Eines der folgenden Quartette:
Ludwig van Beethoven, op. 59, 127, 130, 131 oder 132
oder
Franz Schubert, a-Moll D 804, d-Moll D 810 oder G-Dur D 887

9. 

Eines der sechs Quartette von Béla Bartók:
Nr. 1 (1908)
Nr. 2 (1915–17)
Nr. 3 (1927)
Nr. 4 (1928)
Nr. 5 (1934)
Nr. 6 (1939)

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ARD
MUSIKWETTBEWERB 2004

 

STREICH
QUARTETT



 

Élan vital"
 

steht für "lebendige Begeisterung". Es ist ein von dem französischen Philosophen Henri Bergson 1907 in seinem Werk L'évolution créatice geprägter Begriff zur Bezeichnung einer die Evolution und biologische Lebensprozesse steuernden schöpferischen Lebenskraft, die sich als Wille zur Formbildung und Differenzierung manifestieren soll.

Quatuor Ebène

Mittwoch, 21. Juni 2006 im Kloster Metten, 
begleitet durch ein heftiges Gewitter

 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Streichquartett d-Moll, KV 421 (417b)

 

Franz Schubert (1797-1828)

Quartettsatz c-moll, D 703

 

Anton Webern (1883-1945)

Sechs Bagatellen für Streichquartett, op. 9

 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Streichquartett F-Dur, op. 59 Nr. 1

 

und als Zugabe von Chick Corea ein Jazzstück

 

Pierre Colombet, Violine

Gabriel Le Magadure, Violine

Mathieu Herzog, Viola

Raphaël Merlin, Violoncello

 

Im September 2004, knapp fünf Jahre nach seiner Gründung, gewann das Quatuor Ebène in München nicht nur den 1. Preis des Internationalen ARD-Wettbewerbs, sondern auch den Publikumspreis, den Preis der Karl-Klingler-Stiftung und zweimal den Preis für die beste Interpretation.

 

Die vier ehemaligen Schüler des Conservatoire National de Région de Boulogne-Billancourt genossen ihre Lehrzeit beim Ysaÿe Quartett am Conservatoire Supérieur de Paris und wurden im September 2003 in die Klasse von Gabor Takács am Konservatorium in Genf aufgenommen. Dieses Quartett zeichnet sich durch seine Offenheit und Vielseitigkeit aus und spielt nicht nur das klassische Repertoire, sondern widmet sich auch mit derselben Leidenschaft den Werken der zeitgenössischen Musik.

 

«Das Quatuor Ebène ist, im besten Sinne des Wortes, ein Ensemble, das alle Qualitäten und erforderlichen Eigenschaften eines Streichquartetts beispielhaft in sich vereint (...). Das Spiel der Franzosen war vom symphonischen Geist des gegenseitigen Zuhörens, der Spontaneität der Gefühle und der rhythmischen Reaktionsfähigkeit geprägt (...); sie behandeln so verschiedenartige Stilrichtungen, wie Mozart, Beethoven oder Bartok mit derselben unfehlbaren Intelligenz. Es war ein permanentes Vergnügen, zu sehen, mit welcher Präsenz und Konzentration sich diese jungen Männer auf der Bühne des Herkulessaal behaupteten.»

Harald Eggbrecht, Süddeutsche Zeitung, September 2004

 

«Die Instrumentalisten des Quatuor Ebène strafen diejenigen Lügen, die behaupten, ein gewisser, der französischen Mentalität eigener Individualismus stehe der Bildung eines wirklich großen Quartetts entgegen. Kohärenz, Balance und Engagement sind die Worte, die uns in den Sinn kommen, um das Talent dieser jungen, für ein sehr abwechslungsreiches Repertoire offenen Künstler zu bezeichnen.»

Alain Cochard, Zurban, August 2004

 

«Die Kontraste kraftvoll betonend, vereint das Quatuor Ebène den Eifer der Jugend mit einer bereits beachtlichen Reife und führt durch die Klarheit des Spiels eines jeden Instruments die interpretierten Werke zu einem Höhepunkt der Intensität, der Poesie und des musikalischen Jubels.»

La Nouvelle République, März 2004

 

«Es gibt Künstler, deren Überzeugungskraft den Zuschauer von seinen Vorurteilen und eigenen Kenntnissen enteignet, und ihm wie selbstverständlich ihre eigene Interpretation aufdrängen. Der Zuhörer verlässt den Konzertsaal mit einem Lächeln auf den Lippen, vergisst seine Enttäuschungen, seine Sorgen, seine Zweifel, bewegt von der Entdeckung einer vielversprechenden Jugend.»
Frédéric Calandreau, Resmusica, Februar 2005

 

2006 erschien beim Label Mirare (Vertrieb Harmonia Mundi, IR 013) eine CD mit Streichquartetten von Joseph Haydn.

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WITOLD LUTOSLAWSKI 1913  -1994

Konzert für Violoncello und Orchester (1969-1970)

mit Johannes Moser und dem Symphonieorchester des BR unter Welser-Möst

Konzertausschnitte verwendete ich um die Bilder der Gebirgsüberfahrt nach Konya, 
eine archaische Gegend,  zu untermalen. Es war anfangs er 70er Jahre.


Harald Eggebrecht schreibt in der SZ vom 3. Mai 2010:

" Vom ersten Ton fesselte Mosers Konzentration, schuf er jene Forschungsatmosphäre, in der sich das Selbstgespräch entfalten kann. Moser spielte das nicht so sehr nachdenklich, gar klagend, sondern von Beginn an mit eloquenter, offensiver Virtuosität und stets frischer Klangfarbenphantasie. Das Orchester unter Welser-Mösts kundiger und sorgfältiger Leitung ließ sich dementsprechend reizen und zum wilden Kampf provozieren. . . . Am Ende steigt der Solist in höchste deklamatorische Höhen. meist ist man nicht sicher, ob das in Triumph oder in einer Frage endet. Bei Moser war es eindeutig ein Sieg."

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SOFIA GUBAIDULINA *24.10.1931 IN TSCHISTOPOL  



GUBAIDULINA ÜBER SCHOSTAKOWITSCH 

 

"Er war ein sehr guter Mensch, nicht nur ein guter Komponist. Meine Sinfonie [Examenssinfonie 1959] war nicht so gut . . . nicht so gut. Aber er hat etwas gefunden in dieser Musik. Er hat mir gesagt, ich solle zu mir selbst kommen, unabhängig von anderen Meinungen. Das war unglaublich wichtig, bis jetzt ist es wichtig."

 

NONO ÜBER GUBAIDULINAS SINFONIE: STIMMEN . . . VERSTUMMEN

Diese Musik " blüht, explodiert und trifft."

 

GUBAIDULINA ÜBER GUBAIDULINA

"Bei meinen Improvisationen als Kind hat mich begeistert, dass uns Zusammenhänge zwischen den Tönen zu anderen Tönen zwingen. Also haben sie Spannung! Spannung zwischen energetischen Potentialen, Spannung und Erlösung." Darin sieht sie ein "kosmisches Gesetz". Sie ist überzeugt, dass Musik religiös ist im Sinne einer "Verbindung mit höchster Vollkommenheit."

QUELLE: ZEIT 27,10.2011

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