MOZART

Eine Seite von Theodor Frey

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

Große Messe c-moll K.V. 427

Ave verum corpus

Jupitersymphonie K.V. 551


Gehört am 14.2.2006 
als leztes Akademiekonzert 
dirigiert von Zubin Mehta 
im Nationaltheater

 


"In seinen "Briefen und Aufzeichnungen" hat nicht nur er selbst diese Entwicklung kommentiert und beschrieben, auch die anderen Familienmitglieder kommen in ihnen sehr ausführlich zu Wort. Über 1500 solcher Brief-Dokumente sind heute erhalten und erlauben - gleichsam als Familiengespräch über das "Wunder Mozart" - die besten Einblicke in seine Existenz und die Vorstellungen, die er von seinem Leben hatte.

Mozart gibt sich in ihnen niemals "privat" oder "intim", die Briefe sind auch nicht im Stil seiner Zeit "empfindsam" oder romantisierend. Eher sind sie lebenssatte Zeugnisse eines Menschen, der immer geradeheraus sagte, was er dachte, und oft von einer großen Unruhe getrieben war.

Von dieser Unruhe berichten viele seiner Zeitgenossen, unaufhörlich sei er in Bewegung gewesen, schreibt seine Frau, noch während des Komponierens habe er kaum still sitzen können, sondern habe um sich herum immerfort einen lebendigen, vibrierenden Raum der Ansprache und Stimmen gebraucht. Das Quecksilbrige und Überraschende, das sich in seiner Musik so häufig findet, rührt daher, im Grunde ist Mozart nicht nur über ein Drittel seines Lebens auf Reisen, sondern auch innerlich immer unterwegs gewesen, besessen von der Vorstellung, alles Sicht- und Hörbare um sich herum in Klang verwandeln und ihm so Charakter und Form geben zu müssen.

Das Zentrum all dieser Klangwelten aber ist die Liebe, das Pochen des Herzens, die Anbahnung der Gefühle, ihr Anschwellen und Sich-Überbieten. In Mozarts Musik ist diese Liebe etwas Kreatürliches, sie befällt nicht nur Mann und Frau und Frau und Mann, sondern ist gleichsam das Fluidum aller Aktionen seiner Figuren. In keiner Musik sind sich daher Menschen so nah, und in keiner Musik erschrecken sie so sehr über diese Nähe, so daß sie sich fallen lassen und abtauchen, als überließen sie ihre Gefühle dem Dahinströmen der Melodien."

 

Der Autor Hanns-Josef Ortheil ist Schriftsteller und lebt in Stuttgart. Er wurde 1951 geboren und hat seit 1979 Romane und Essaybände veröffentlicht (u. a. über Mozarts Sprache)

 

OPERN
  • APOLLO ET HYACINTHUS
  • Bastien und Bastienne
  • LA FINTA SEMPLICE
  • Mitridate, rè di Ponto
  • ASCANIO IN ALB
  • IL SOGNO DI SCIPIONE
  • LUCIO SILLA
  • FINTA GIARDINIERA
  • IL Rè PASTORE
  • ZAIDE
  • THAMOS, KÖNIG IN ÄGYPTEN
  • IDOMENEO
  • Die Entführung aus dem Serail
  • Der Schauspieldirektor
  • LE NOZZE DI FIGARO
  • DON GIOVANNI
  • COSI FAN TUTTE
  • DIE ZAUBERFLÖTE
  • LA CLEMENZA DI TITO
 

So machen's (nicht) alle

Auf Weibertreue setzt.  Na ja ... aber es ist immer wieder einErlebnis, sich in Mozarts Kosmos zu verlieren und in welcher Stadt kann man innerhalb weniger Tage 7 Mozartopern erleben? Die Gärtnerin aus LiebeCosì fan tutte (gehört am 1.2.06) . Ein etwas behäbiges Dirigat von Peter Schneider mit dem gewohntfaszinierendem Licht von Max Keller und der noch erfr...
2.02.2006

Reich mir die Hand ....

Weiteres über Mozart ...Anno domini 1770 - Gefühlsreichtum eines VierzehnjährigenJubel bei einer konzertanten Aufführung der frühen Mozartoper "MITRIDATE" mit dem Dirigenten Mark Minkowski in Ingolstadt.  Minkowski begeisterte mit seinen "Les Musiciens du Louvre", die den "Gefühlsregungen bis ins Extrem nachspürt. In Phasen lyrischer Versunkenheit kennt er keine Ne...
27.01.2006

Wechsel mit Wiener Klängen

Mozartbüste in Salzburg Ein feines Silvesterkonzert des Münchener Kammerorchesters im Prinzregententheater (Leitung und Violine Daniel Giglberger) und das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert von Mariss Jansons (dieses leider nur im Fernsehen!) Beide Konzerte verband die Aufführungen von Joseph Lanners Walzer die "MOZARTISTEN". Eine passender Auftakt zum Mozartjahr, wi...
2.01.2006

Es ist mal wieder soweit - Beginn des ARD - Musikwettbewerbs 2005

Variationen und Fuge über ein Thema von Beethoven op. 86 oder Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132aC. Saint-Saens, Variationen über ein Thema von Beethoven op. 35R. Schumann, Andante und Variationen B-Dur op. 462. GruppeP. Hindemith, Sonate für zwei Klaviere (1942)F. Poulenc, Sonate für zwei Klaviere (1953)I. Strawinsky, Concerto für zwei Klaviere (1935) - überraschend h...
29.08.2005

Anno domini 1770 - Gefühlsreichtum eines Vierzehnjährigen

Jubel bei einer konzertanten Aufführung der frühen Mozartoper "MITRIDATE" mit dem Dirigenten Mark Minkowski in Ingolstadt gestern abend. Minkowski begeisterte mit seinen "Les Musiciens du Louvre", die den "Gefühlsregungen bis ins Extrem nachspürt. In Phasen lyrischer Versunkenheit kennt er keine Nervosität; die Zeit scheint stillzustehen. Andererseits gibt es selten...
4.08.2005

Wie lang bleibt ein Erlebnis?

Gestern abend wurde im Anschluss an die Vorstellung von Mozarts Zauberflöte mit Kurt Moll als Sarastro, Rainer Trost als Tamino, Diana Damrau als Königin der Nacht und Juliane Banse als Pamina(Dirigent: Ivor Bolton) Dietrich Fischer-Dieskau anlässlich seines 80. Geburtstages die Meistersinger-Medaille verliehen. Es wurde damit ein Künstler geehrt, der bereits am 7. August 1952 an der Bayeri...
24.07.2005

Ein prächtiges neues Gewand - Wiedereröffnung der Stuck Villa

.Die aufgeführten Musiker sind:Bach - Händel - Gluck  Haydn - Mozart - Beethoven - Schubert -Weber - Wagner - Cornelius  Im Speise- und Wohnzimmer sind jetzt Gemälde ausgestellt. besonders gefiehl mir das 1910 entstandene Gemälde DISSONANZ. An welche Musik hat Stuck hier wohl gedacht? Hier noch Fotos vom Aufgang zum Atelier und dem Atelier mit dem &...
18.03.2005

Mozart normal - Mozart als Kindskopf

lfred Einstein in "Mozart - Sein Charakter - sein Werk" beschreibt Mozart so:Mozart hat bei seinen Briefen an sein Augsburger "Bäsle" nicht an die Ewigkeit gedacht. Er hatte bis zu seinem Lebensende Lust an Wortverdrehungen, kindischen Spitznamen, drolligem Unsinn, lustiger Unflät...
11.02.2005

Dazwischensein

 Sie ist immer auch Frucht höchster menschlicher Anstrengung, man denke an die Willenskraft Mozarts in seinen letzten Monaten. Aber hier gelingt ein Durchscheinen des Absoluten im 'Spiegel' und 'Rätsel', die im Einmaligen das immerfort Geltende zu zeigen vermag. Aber kann nicht auch diese, scheinbar unvergängliche Kunst einer künftigen Menschheit unverständlich werden? Gemälde u...
8.02.2005

Weltzeit und Lebenszeit: Kurz ist das Leben – Lang die Kunst – Noch länger die Welt

...en Metrik beschäftigt, mit Arsis und Thesis in den gregorianischen Neumen, mit der Akzentsetzung bei Mozart und Debussy, mit der rhythmischen Abnutzung bei Beethoven, mit den rhythmischen Gestalten im 'Sacre du Printemps'. Ich habe vor allem lange über ... die Rhythmen der verschiedenen Provinzen des alten Indien nachgedacht und über ihren wunderbaren Reichtum an Gestalt und Ausdruckskra...
24.11.2004

Große Messe c-moll K.V. 427

Alfred Einstein - Mozart - Sein Charakter - Sein Werk - S. Fischer Verlag (S. 364 ff.)

Es ist Mozarts "ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und Kunst. ... Mit Recht hat man gesagt, daß dieser Torso das einzige Werk sei, das in der Mitte stehe zwischen der h-moll-Messe Bachs und der D-dur-Messe Beethovens. Denn ohne die Krise, die Überwindung der Krise, die die Bekanntschaft mit Bach in seinem Schaffen herbeigeführt hatte, hätte die c-moll-Messe niemals ihre Gestalt gewonnen."

"Der gewaltige Anruf des 'Jesu Christe' ..., die Fuge über das 'Cum sancto spiritu' sind Sätze, von denen sowohl der barocke Prunk wie die kontrapunktische, 'gelehrte' Schulstaub völlig abgefallen sind; und das gilt in vielleicht noch höherem Maß von dem Sanctus und der Doppelfuge des Osanna. Es ist nicht Bqach allein, der hinter diesem Werke steht, sondern das ganze 18. Jahrhundert, auch die großen Italiener - vielleicht Alessandro Scarlatti, Caldera, Händel, Porpora, Durante: man kann keine bestimmten Namen herausgreifen, weil Mozart eben sein Jahrhundert zusammenfaßt und dessen musikalische Sprache transfiguriert.  Wieder zeigt sich, daß man ein solches Werk nicht schreiben kann ohne eine große künstlerische Erbschaft - eine Erbschaft freilich, die man in der Lage sein muß anzutreten."

Das 'Et incarnatus' ist "ein Weihnachtsgesang, Vorstellung der Krippe, in der das göttliche Kind liegt, angebetet von der Jungfrau, im Hintergrund die musizierenden Engel; von überwätigender Süßigkeit und Naivität. Wer dergleichen ablehnt, möge ruhig auch eine Rundtafel des Botticelli mit der Geburt Christi und florentinische Engeln aus der Kirche verbannen: sie ist genau so profan. "

Ave verum corpus

Die kleine Motette ist "eins der bekanntesten Werke Mozarts geworden - so bekannt, daß amn neben seiner seraphischen Schönheit seine Meisterschaft nicht mehr sieht: die 'zweite' Einfachheit, die Vollkommenhiet der Modulation und Stimmenführung, welche leise Polyphonie als letzte Steigerung einführt. Auch hier fließen das Kirchliche und Persönliche in eins zusammen. Die Stilfrage ist gelöst."

 



Das wunderbares Thema [des Adagio] "gleicht ja einer zärtlichen Gestalt, die sich in immer dunklere, phantastische Bezirke verirrt: jedes Mal mit der gleichen Dur-Geste beginnend, dann aber immer neue, ungeheuerliche Moll-Bezirke erreichend. Diese Differenzierungen hob Shaham höchst expressiv und zart hervor. Am originellsten glückte ihm das Finale. Wird da die Tempo-Vorschrift "Tempo di Menuetto" nur als Aufforderung zu gemächlicher Langsamkeit verstanden, dann fällt der Schlusssatz unvermeidlich ab. Shaham spielte ihn, pointiert und rasch, mit witzig fesselndem Allegro-Charakter. Also brillant und konzertant. Entzückend. "

JOACHIM KAISER in der SZ vom 25.4.2009

 

Der herausragende Pianist Maurizio Pollini, der mit den Münchner Philharmonikern zuletzt 1982 unter Sergiu Celibidache musizierte, spielte am 10. 3. 2010 auf eigenen Wunsch Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 488.

Claus Spahn interviewte Pollini in der Zeit -  05.01.2006.

"Ich glaube, man kommt Mozart eher mit zunehmendem Alter näher. Vielleicht weil man die Subtilität von Mozarts Musik erst richtig zu schätzen weiß, wenn man ein erwachsener Musiker ist. Ich habe Mozart immer gemocht, aber vielleicht ist die Liebe jetzt noch größer geworden. Beethoven spricht zu uns mit großen, starken Gesten, Mozart mit Nuancen. Wer genau hinhört, entdeckt, dass er alles auszudrücken vermag. Es gibt so unendlich viel zu entdecken an versteckter Tiefgründigkeit – in seinen Opern genauso wie in den Instrumentalwerken. Je erfahrener man wird, desto mehr nimmt man davon wahr.

ZEIT: Obwohl es eine beliebte Klischeevorstellung ist, dass man eine gewisse jugendliche Unbekümmertheit brauche, um Mozart gut zu spielen.

Pollini: Man braucht Frische, das stimmt. Aber es ist natürlich keine unmittelbare Einfachheit, die aus der Musik spricht, sondern eine Einfachheit der zweiten Ebene. Mozart war nicht nur ein unermesslich begabter Musiker, er war auch ein extrem reifer Mensch. Das kann man neben der Musik in seinen Briefen studieren. Die Qualität der Musik erwächst nicht nur aus seiner genialen musikalischen Erfindungsgabe, sondern auch aus der Wachheit, dem klaren Bewusstsein, aus dem heraus er die Stücke geschrieben hat."

Joachim Kaiser schreib in der SZ  vom 12. 3. 2010 zur Interpretation von Polini:

Pollini "verwandelt den Kopfsatz seines Mozart-Konzerts in eine zauberhaft betörende Tonarabeske, die ganz beweusst auch ein Schuss Unverbindlichkeit enthält. Umso stärker kann sich dann nämlich das Moll-Adagio entfalten. Hier erst macht Pollini ersnst. . . . [Er] interpretiert die Musik ohne jeden Aufwand, ohne Drücker, ohne Temposchwankungen, ohne Interessantmacherei. " Kaiser  hört ein ins Tiefeste der menschlichen Psyche blickendes Adagio.  

 



 

Collage TAM unter Verwendung des Plakates