elemente

 

seiten von theodor frey

beziehungen

bewegungen

gestalten

 

"Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten.“ 

Gustav Mahler

 

 

                                            

  
suche auf meinen seiten     http://www.theodor-frey.de



KONTAKT - theodor.a.m.frey@gmx.de   I    Anregungen, Hinweise und Reaktionen sind herzlich willkommen

 

 SYMPHONIEN    

I II III IV V VI VII VIII IX X

LIED VON DER ERDE

DES KNABEN WUNDERHORN

 

SYMPHONIEN

 

 



I. SYMPHONIE

D-Dur

gehört mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons  am 2.3.2007

 

"Titan" nach einem Roman von Jean Paul; 
der Titel wurde ebenso wie das Programm
später fallengelassen

Erste Entwürfe mit 24 Jahren (1884)
vollendet mit 28 Jahren (1888)

Im Dezember 1877 hörte Mahler die Uraufführung von Anton Bruckners  3. Symphonie und wurde beauftragt, einen vierhändigen Klavierauszug dafür herzustellen und erhielt dazu von Bruckner das handschriftliche Manuskript der ersten drei Sätze erhielt. Gustav Mahlers Witwe Alma Mahler-Werfel versuchte Ende der 1930er Jahre dieses Autograph an die Nationalsozialisten zu verkaufen, die wegen Hitlers Interesse an Bruckners Musik europaweit versuchten, die noch verbleibenden Manuskripte zu sammeln.

 




II. SYMPHONIE

 

gehört mit den Münchner Philharmonikern 
am 18.7.2004 unter James Levine -sein Abschiedskonzert

am 20.1.2013 unter Zubin Mehta

am 20.9.2015 unter Valery Gergiev

Text nach Friedrich Gottlieb Klopstock:

Aufersteh´n, ja aufersteh´n wirst du,
mein Staub, nach kurzer Ruh´.
Unsterblich Leben. Unsterblich Leben
wird der dich rief, dich rief, dir geben.

Wieder aufzublüh´n wirst Du gesät!
Wieder aufzublüh´n wirst Du gesät!
Der Herr der Ernte, der Herr der Ernte geht
und sammelt Garben uns ein, die starben.

O glaube, mein Herz, o glaube:
Es geht dir nichts verloren!
Dein ist, dein ja dein, was du gesehnt.
Dein, was du geliebt, was du gestritten.

O glaube: Du wardst nicht umsonst geboren.
Hast nicht umsonst gelebt, gelitten.

Was entstanden ist, das muss vergehen.
Was vergangen, auferstehen.

Hör´ auf zu beben. Hör´ auf zu beben.
Bereite dich. Bereite dich zu leben.

O Schmerz. Du Alldurchdringer.
Dir bin ich entrungen.
O Tod. Du Allbezwinger.
Nun bist du bezwungen.

Mit Flügeln, die ich mir errungen,
in heissem Liebesstreben
wird´ ich entschweben zum Licht,
zu dem kein Aug´ gedrungen.

Sterben werd´ ich um zu leben.
Sterben werd´ ich um zu leben.

Aufersteh´n, ja aufersteh´n wirst du,
mein Herz, in einem Nu.
Was du geschlagen, was du geschlagen,
zu Gott, zu Gott wird es dich tragen.

 

 

 

Die zweite Symphonie gelang [Levine] ebenso sicher, in Teilen virtuos-theatralisch, darum eine Spur vordergründiger. ... Die Sätze eins bis drei erklangen im Orchester phantastisch ausdetailliert, im Kopfsatz dramatisch aufgeheizt, klangpotent, aber nicht lärmend in den Tutti-Klangmassen. Das Unerhörte eines unbegleiteten Eintritts der Singstimme, von Anne-Sofie von Otter mit himmlischer Beseelung versehen, litt erneut unter der Schwäche des Gleichgewichts zwischen vokal und instrumental, die zuvor ins Gewicht gefallen war. Die Sängerin hinter dem Orchester glich einer Fernstimme, und die drei Trompeten, die ¸¸O Röschen rot" mit fromm-choralartigem Satz pianissimo beantworten sollen, platzten mezzoforte dazwischen und störten das Mysterium eines genialen Regieeinfalls Mahlers. Im Spektakel des rasanten Finalsatzes mit Chor, Soli und Orgel, dem höllischen Pandämonium des Jüngsten Gerichts samt seraphischer Auferstehung nach Klopstock, wurde es hektisch im Orchester, mit der Krönung einer gewaltigen Apotheose. Standing ovations, bewegter Jubel ohne Ende...

WOLFGANG SCHREIBER
in SZ, 19. Juli 2004

 

 

 




III. SYMPHONIE

 

 

 

 

 

 

gehört mit dem Bayerischen Staatsorchester am 20.2.2005 unter Zubin Mehta - ein Benefizkonzert für die Tsunami-Opfert



Der Text aus Nietzsches Zarathustra

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

Ich schlief!

Aus tiefem Traum bin ich erwacht!

Die Welt ist tief!

Und tiefer als der Tag gedacht!

Tief, tief, tief ist ihr Weh!

Lust, tiefer noch als Herzeleid!

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit!

Will tiefe, tiefe Ewigkeit!

 

 

 

Kirill Petrenko mit Mahlers III. Symphonie im Münchner Nationaltheater

" Petrenkos Entscheidung, für sein 1. Akademiekonzert an „seinem Haus“ Mahlers 3. Symphonie zu wählen, erwies sich als Glücksfall. . . .

Das Besondere der Einstudierung wie des Konzerts ist der Sinn Petrenkos für Abstufungen, Nebenstimmen und Klangfarben. So gelangen nicht nur die gewaltigen Steigerungen der Bergauftürmungen . . . sondern Petrenko ließ auch alle Klänge bis atmenden Stille verstummen, ließ dann eine Idylle aufblühen, weitete den Klang zum tönenden Großpanorama, um dann energisch und vehement Mahlers abrupte Umbrüche ins Zerrissene, ins grell Verzerrte und chaotisch Schrille zu formen. Immer wieder wurde da die erschreckende Komplexität unserer modernen Welt mit ihren unvereinbaren Gegensätzen und Gleichzeitigkeiten im Klang beschworen.

Okka von der Damerau sang das Alt-Solo von Schmerz und Lust schön eingebettet in den Orchesterklang, zu dem dann das „Bimm-Bamm“ der Engelschöre keck kontrastierte. Noch einmal faszinierte Petrenko im bewegenden Liebes-Adagio des Schlusssatzes. . .:

 Aus all dem erwuchs ein in Emotionswellen mehrfach überwältigendes Kunsterlebnis, gemäß Mahlers Wunsch „eine Welt in Tönen“ – so grandios, dass nur zu sagen bleibt: Danke, dass man das erleben durfte."

 
 



 IV. SYMPHONIE

gehört mit den 
Münchner Philharmonikern 
am 15.6.2005 
unter Ivan Fischer

Mahler über seine Vierte:

"Alle Routine, die man sich erworben, nützt einem nichts. Man muß von neuem erst wieder lernen für das Neue. So bleibt man ewig Anfänger."

 

 

Uraufführung am 25. 11.1901
im "Großen Kaim-Saal" 
vom "Kaim-Orchester, 
aus dem später 
die Münchner Philharmoniker 
hervorgingen.

 

 

Seine ursprüngliche Programmskizze:

Nr. 1 Die Welt als ewige Jetztzeit, G-dur

Nr. 2 Das irdische Leben, es-moll

Nr. 3 Caritas, H-dur (Adagio)

Nr. 4 Morgenglocken, F-dur

Nr. 5 Die Welt ohne Schwere, D-dur (Scherzo)

Nr. 6 Das himmlische Leben, G-dur

 

 

Besonders bewegend der 3. Satz:

Er beginnt mit einer wunderbar ruhevollen Melodie, die mit zunehmender Komplexität und Eindringlichkeit zu mehreren, durch einen Basso ostinato in den gezupften Kontrabässen verbundenen Variationen entwickelt wird. In der letzten Variation wird das tempo primo wieder aufgenommen, und bei dem gewaltigen Ausbruch des ganzen Orchesters überträgt Mahler die Rolle der Kontrabässe den Pauken, die das Ostinato mit überwältigender Wirkung in voller Kraft krachend hervorheben. Der Tumult erstirbt nach und nach, und der Satz endet pianissimo mit den überirdischen Klängen der Violinflageoletts, gestützt durch die Flöten. 

(Deryck Coole im Booklet der Aufnahme unter Zubin Mehta mit dem Israel Philharmonis Orchestra und Barbara Hendricks)

 




 

 V. SYMPHONIE cis-Moll

gehört mit den Staatsorchester unter Zubin Mehta am 15.12.2008

mit den Münchner Philharmonikern 
unter Juraj Valcuha am 24.6.2011

 

 

"Der erste Satz, 'in angemessenem Schritt, streng, wie ein Kondukt', ist eine Totenklage. Die Solotrompete führt mit einem rhythmisch straffen, düsteren Motiv in die Stimmung ein.  . . . In der Folge hellt sich die düstere Stimmung in weichen Sextengängen der Holzbläser vorübergehend auf. Ein leidenschaftliches Trio mit grellen Trompetenmotiven und schwirrenden Geigenpassagen leitet zum düsteren Ausgang zurück. Der Schmerz vertieft sich in einem Erinnerungsmotiv an eines der Mahlerschen Kindertotenlieder und löst sich in einem zweiten Trio in wehmütigen Empfindungen und stille Resignation auf.

Im stürmisch bewegten zweiten Satz bäumt sich ein Mensch in hemmungsloser Klage mit erschreckender Wildheit gegen das Schicksal auf. . . . 

Der dritte Satz . . . stellt der trüben verquälten Stimmung . . . eine schöne, romantisch gefärbte innere Ausgeglichenheit gegenüber. . . .

Der vierte Satz, Adagietto, enthält einen bunten Reigen gefühlvoller lyrischer Melodien. . . .

Der fünfte Satz bringt mit einer Reihe energischer Themen eine befreiende Überwindung von Trauer und Resignation . . . und gipfelt in einer hinreißenden Schlußsteigerung."

Aus Reclams Konzertführer von Hans Renner (1959) S. 491 f. 

 

tam

 

 

 

 

 







Gustav Mahler

Kirill Petrenko dirigiert Mahler im Nationaltheater am 29.9.2014

 


Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert

Symphonie Nr. 6

Schon früh bekam sie den Beinamen „die Tragische“, was an die unerbittliche, rhythmusbetonte Struktur des Kopfsatzes und des Scherzos anknüpft, nicht weniger aber an den zugleich beträchtlich ausgeweiteten wie auch unheimlich verdichteten Schlusssatz, der, nach einer halben Stunde scheinbar verlöschend, mit einem jähen Tuttischlag in der Originaltonart endet. Das Andante, ein intensiver, weiträumiger Orchestergesang in der entfernten Tonart Es-Dur, nimmt auch sonst vom martialischen Grundcharakter der Symphonie Abstand. Drei Hammerschläge  im Finale und Herdenglocken in dreien der vier Sätze sind auch als auf die außermusikalische Transzendenz verweisende Klangsymbole zu deuten.






















Wenn man musizieren
will, darf man nicht malen, dichten,
beschreiben wollen. Aber was man musiziert,
ist doch nur der ganze (also fühlende,
denkende, atmende, leidende etc.) Mensch.



30.09.2015
Symphonie Nr. 6 a-Moll »Tragische«
SEMYON BYCHKOV






 

 

 

 



 VII. SYMPHONIE

Gesang  zur  Nacht
 

Wir wandeln in Verlassenheit

Und sind im Ewigen verloren,




 IX. SYMPHONIE

 

Georg Trakl

 

Wir wandeln in Verlassenheit

Und sind im Ewigen verloren,

gehört mit den 
Münchner Philharmonikern 
am 28.3.2004 
unter Daniele Gatti


"Der Teufel tanzt es mit mir/Wahnsinn, 
fass mich an, Verfluchten!/ 
vernichte mich/daß ich vergesse, daß ich bin!/ 
daß ich aufhöre, zu sein/ daß ich ver"
  Mahler auf der Titelseite des vierten Satzes 
"Du allein weisst, was es bedeutet / Ach! Ach! Ach! / 
Leb' wol mein Saitenspiel! / Leb wol / Leb wol"
  Mahler im Particell am Ende des vierten Satzes
 


Alma Mahler-Werfel - Mein Leben 
 Dezember 1911 - Wien

"Gustav Mahler ist am 18. Mai von mir gegangen. Was liegt alles dazwischen. Ein unruhiges Leben. Viel Leid. Viel große Freude. Heute ist der erste Abend, an dem ich allein in meiner neuen Wohnung schlafen soll ... Ich habe eben in der eisernen Kasette Gustav Mahlers Abschied an mich gefunden.  Es sind die Skizzen zur 10. Symphonie. Wie eine Manifestation mutet sie mich an, diese ungeheuren Liebesworte aus dem Jenseits."




 X. SYMPHONIE

Adagio aus der 10. Sinfonie

10. Sinfonie (Fassung von Deryck Cooke in Zusammenarbeit mit Berthold Goldschmid)  

 

gehört mit den Münchner Philharmonikern unter Michael Gielen am 27.11.2003 (Generalprobe) 













Alma Mahler 
um 1910

Gesang  zur  Nacht

" Die Zeit ist da, die Feder ist zur Hand - 
doch die Gedanken wollen nicht verweilen.
Auf die fünf Linien blick' ich unverwandt
- Es flimmern vor den Augen mir die Zeilen -

denn noch bin ich geblendet vom Licht,
das mir gestrahlt von Aphroditens Angesicht!
Zusammenfassen will ich alle Schauer meiner Lust,der Gotteswonne Ewigkeit an ihrer Brust
zu einer Melodie, die wie der Sonnenbogen
den Himmel ihrer Holdheit kühn durchzogen -
in tiefste Tiefen tauchend ihrer Schöne,
dann flammend niedersinkt zum Hochzeitsbett!
O fände doch bei Dir, wie ehmals meine Töne,
mein Liebessehnen Heimatruh und Stätt'!"


Mahler (mit 50 Jahren) an seine Frau am 17.8.1910 

 

"Meine Symphonien erschöpfen den Inhalt meines ganzen Lebens; es ist Erfahrenes und Erlittenes, was ich darin niedergelegt habe; Wahrheit und Dichtung in Tönen. Und wenn einer gut zu lesen verstünde, müsste ihm in der Tat mein Leben darin durchsichtig erscheinen. So sehr ist bei mir Schaffen und Erleben verknüpft, dass wenn mir mein Dasein fortan ruhig wie ein Wiesenbach dahin flösse, ich - dünkt mich - nichts Rechtes mehr machen könnte."(Gustav Mahler)

Das Geheimnis der „letzten“ Sinfonie hat die Menschen von jeher gefesselt. „Es sieht so aus“, vermutete Arnold Schönberg, „als ob uns in der ,Zehnten‘ etwas gesagt werden könnte, was wir noch nicht wissen sollen“. Er huldigte damit der Aura jener ominösen Zahl, an der so viele bedeutende Sinfoniker, darunter Beethoven und Bruckner, gescheitert waren. Auch Gustav Mahler gelang es nicht, eine 10. Sinfonie zu vollenden. Sein letztes Werk teilt mit Schuberts „Unvollendeter“ den Charakter des Fragments; mit Bruckners „Neunter“ und dem Requiem von Mozart verbindet diese „Zehnte“ zugleich das Los, dass der Tod des Komponisten die Vollendung buchstäblich vereitelt hat.

  

Die Manuskripte zur „Zehnten“ entstehen zwischen dem 3. Juli und dem 3. September 1910. Diese Wochen verbringt Mahler in seinem Südtiroler Feriendomizil bei Toblach; 

In diesem Sommer freilich wird die kompositorische  Besinnung durch Ereignisse von tiefgreifender, existentieller Bedeutung  gestört:  Durch ein Versehen (oder gezielte Indiskretion) erfährt Mahler zu Ferienmitte von der Affäre, die seine Frau Alma seit Anfang Juni mit dem Architekten Walter Gropius unterhält.  

Die Enthüllung vernichtet für ihn jäh alle familiäre Sicherheit. Verlustängste quälen ihn fortan – und dies, wie man heute  weiß, keineswegs ohne Grund: Denn trotz einer Aussprache mit Gropius verfolgt Alma die intime Beziehung heimlich weiter. Um der unmittelbaren psychischen Folgen der Ehekrise Herr zu  werden, reist Mahler noch Ende August ins südholländische Leiden und sucht in einem therapeutischen Gespräch Rat bei Sigmund Freud. Doch dessen Analyse gewährt keine dauerhafte Besserung:  

Von dieser Zeit an vermitteln Mahlers private Briefe das erschütternde Zeugnis eines seelisch höchstgradig labilen Menschen.          

Am 18. Mai 1911 stirbt Gustav Mahler.  

 

ADAGIO

   

In der vorliegenden Form wird der Ablauf des Adagio durch den Wechsel dreier Themen konstituiert: Während  das anfangs von den Bratschen allein vorgetragene erste Thema dem Archetypus der „traurigen Weise“ aus Wagners „Tristan“ verhaftet ist,  beschwört das zweite einen ekstatischen Tonfall:  Über weitgespannten Intervallen, im ständigen Auf und Ab gekreuzter melodischer Linien, entfalten sich expressionistische Ausdrucksgesten, in denen die Dissonanz zum Eigenwert erhoben  scheint.   

Das dritte Thema hebt sich durch Scherzando- Elemente (Trillerketten und Pizzicato) von dem pathetischen Duktus der ersten beiden ab. Immer neue Formulierungen dieser Themen bestimmen den Verlauf des Satzes: Motivmaterial wird abgespalten, variiert, kombiniert, und nur vage bleibt dahinter das tradierte Muster der Sonatensatzform erkennbar. Der Durchführungsgedanke,  von Beethoven erstmals auf alle Satzteile ausgedehnt, überlagert  jedes Formgesetz – es entsteht die Musik einer endlosen Metamorphose.  

Umso schärfer kontrastieren zwei gleichsam „von außen“ in die Musik einbrechende Ereignisse am Schluss des Satzes: Mit einem Orchestertutti stürzt plötzlich ein Choral über den Hörer herein und öffnet den Blick für Regionen der Transzendenz, die nur dem Gefühl oder dem Glauben zugänglich sind.

Doch die religiöse Vision mag nicht zu bestehen; sie bricht förmlich zusammen in einem kakophonen Akkord, der bis auf drei Töne sämtliche Stufen der chromatischen Tonleiter enthält. Dieser Neuntonklang

ist zu Recht als Ausdruck totaler Entropie, als Todessymbol gedeutet

worden. Tatsächlich löst sich die Musik im folgenden auf, verliert sich in thematische Fragmente. Der Ausklang mündet nicht in Resignation, sondern in Schweigen. 

 

Während Mahler den Sommer 1910 wie gewohnt zurück- gezogen in seinem Toblacher Komponierhäuschen verbrachte, ließ sich Alma bei einem Kuraufenthalt auf eine Affäre mit dem Architekten Walter Gropius ein. Kurze Zeit später erhielt der ahnungslose Mahler einen Brief, der ihn zur Freigabe seiner Frau aufforderte. Zwar besann sich Alma schließlich auf Mahler als "Zentralpunkt" ihres Daseins und kehrte in den Hafen der Ehe zurück, doch der Schock saß tief und schlug sich nach Ansicht einiger Mahler-Exegeten direkt in den Skizzen zur 10. Sinfonie nieder. ...

Immerhin überschreib Mahler dieses scheinbar naive Allegretto moderato mit dem dantesken Titel "Pugatorio" und übersäte das Manuskript mit verzweifelten Randnotizen persönlichen Charakters.

 

Dazu die Konzertbesprechung in der SZ:

"Von solchen Emotionen, die den Klang zerfetzen, ihn ins Surreale treiben, konnte sich Cooke natürlich nicht leiten lassen. So vernimmt man in der rekonstruierten Fassung, vor allem in den Sätzen 2, 4 und 5, immer wieder einen Spannungsabfall, wo die Musik ins Flächige geht und dem Bersten der Konturen nur wenig Raum gibt. Aber zugleich macht die Fassung die Relationen des Werks klar, ihr Umstülpen der formalen Konzeption, die die schnellen, überhitzten und bizarren Teile nach innen drängt, mit dem ganz knappen Purgatorio, einer Monade gleich, in der Mitte. Außen waltet Ruhe, desolate zu Beginn, eine sich ins auroraartig Ätherische öffnende am Schluss. Mahler hat, das erweist der Gesamtbau, ein Werk entworfen, in dem menschliche Tragödie und göttliche Komödie in eins laufen.

Michael Gielen, der die Münchner Philharmoniker durch die Cooke-Fassung der Zehnten leitete, war idealer Sachwalter. Man kann diese Rekonstruktion nur als offene Frage interpretieren, zugleich muss die Härte und Unversöhnlichkeit der Diktion immer spürbar bleiben, auch da, wo das Unerratbare von Cooke mit einem Mantel des Mittelwegs abgedeckt ist. Gnadenlos gestaltete Gielen in der Münchner Philharmonie den Schlag der Tambourtrommel am Schluss des vierten Satzes, der dann, wie eine Hinrichtungssalve auch im letzten Satz immer wieder die Nerven zucken lässt. Und der berühmte Neunklang im Adagio, der wie eine Vorahnung eines Clusters wirkt, konnte zu Beginn noch etwas weniger drastisch genommen werden, da er im gesamtsymphonischen Verlauf im letzten Satz wie eine jähe Schmerzenserinnerung wieder auftaucht und seinen Sinn enthüllt: Das Weh des Daseins, das Weh des Wegmüssens."

REINHARD SCHULZ in der SZ vom 1.12.2003 über das Konzert in München(Gasteig)

 



Nach außen vermittelt Mahler den Eindruck, als habe sich in ihm ein asketischer Mystiker inkarniert, obwohl er das Leben mit allen Sinnen aufzunehmen und zu genießen wusste. In den Nahkampf mit der Realität verstrickt, war er mit allen Fasern seiner weitgespannten, empfindungsreichen Persönlichkeit der Utopie eines "besseren" Daseins verfallen, einer Traumwelt, in der die Gebrochenheit des Irdischen aufgehoben und von der Vision seiner idealen Ganzheit überwölbt sein sollte.

Je mehr die Erfolgskurve in die Höhe schnellte, desto abgrundtiefer verlief die Krise in Mahlers Seelenleben, für die als Auslöser der Tod seiner Tochter Maria Anna und das unheilbare Zerwürfnis mit seiner manisch fremdgehenden Gattin Alma fungierte.

Seinem engsten Vertrauten jener Jahre, Bruno Walter, machte er das Geständnis, "dass ich einfach mit einem Schlage alles an Klarheit und Beruhigung verloren habe, was ich mir je errungen, und nun am Ende eines Lebens als Anfänger wieder gehen und stehen lernen muss. Wie sollte ich die Darstellung einer solchen ungeheuren Krise versuchen! Ich sehe alles in einem neuen Lichte - bin so in Bewegung; ich würde mich manchmal gar nicht wundern, wenn ich plötzlich einen neuen Körper an mir bemerken würde!"

Das Thema "Abschied" ist in der IX. Symphonie allgegenwärtig - Abschied vom zertrümmerten Gebäude des eigenen Lebens, Abschied vom chaotischen Leerlauf einer geistlosen Umwelt, Abschied von den Idealen der Kunst und damit Abschied vom eigenen Ich. Dennoch steht die Geste des Abschiednehmens und der Trauer musikalisch nicht im Widerspruch zur gleichzeitigen, geradezu emphatischen Beschwörung des Ewigkeitsgehalts und Kunstschönen von Musik.

Der Abschied vom Leben löst sich in Nichts auf: Schattenhafte, fast nur noch geräuschhafte Bewegungen der Instrumente, kammermusikalische, bis hin zur Einstimmigkeit ausgedünnte Klänge erzeugen eine gläserne Atmosphäre, die in Anonymität, Ausdruckslosigkeit, Erstarrung endet. 

Arnold Schönberg glaubte: "Dieses Werk ist nicht mehr im Ich-Ton gehalten. Es bringt sozusagen objektive, fast leidenschaftslose Konstatierungen von einer Schönheit, die nur dem bemerkbar wird, der auf animalische Wärme verzichten kann und sich in geistiger Kühle wohlfühlt."

Mahlers Tendenz des melodisch Vagen, Zerfließenden oder sogar Amorphen wird durch ein immer dichter geknüpftes Netz von Beziehungen unterhalb des Melodisch-Motivischen aufgefangen, und dem latent Diffusen seiner Tonsprache wirkt ausgleichend de Schematismus der Form entgegen.

Im Adagio durchdringen sich zwei Gruppen mit dichtem chorischen Streichersatz und dünnem kontrapunktischem Satz, sie lösen sich wieder aus ihrer Verschlingung und verklingen. Noch reicher ist ist die Verwandlung im Andante, wo die Themen immer wieder neue Ausdruckskraft gewinnen, "wenn sie miteinander kontrastiert, stabilisiert und wieder in Bewegung gesetzt, umgefärbt und anders artikuliert werden, in Unschärfe verschwimmen oder aus kontrapunktischem Dickicht heraustreten. Musik erleidet menschliches Schicksal, geht durch die Stadien von Geburt, Wachstum, Reife, Konflikt und Auseinandersetzung bis zum Sterben hindurch" (Sigurd Schimpf).

 

 

Mahler dirigierte in München die Uraufführung seiner 4. Sinfonie und die Erstaufführungen seiner 2. 6. und 7. Sinfonie. Triumphaler Höhepunkt seines Wirkens war die Uraufführung seiner 8. Sinfonie, der "Symphonie der Tausend", am 12. und 13. September 1910 in München. Im Gedächtniskonzert am 20. November 1911 kam unter der Leitung seines engen Freundes Bruno Walter Mahlers "Lied von der Erde" zur Uraufführung.

Henze zu Mahler in "Reiselieder mit böhmischen Quinten" 

Einmal, kurz nach Kriegsende bin ich mit einer Art Musik konfrontiert worden, von der unsereins damals so gut wie gar nichts wußte. Sie hatte wohl in Deutschland nie so recht Fuß fassen können, zumal ihr Autor, Gustav Mahler, 1933 sofort auf den Index gekommen war. Diese Musik aber berührte mich zutiefst, sie vermittelte mir den Zugang in eine Ausdrucksweise und Gefühlswelt, von deren Dimensionen ich bisher keine Vorstellung gehabt hatte. Die ersten Stücke, die ich hörte, waren die Kindertotenlieder und die Neunte, und im Laufe der Jahre würde ich mir das ganze Œuvre erarbeiten, das natürlich mein eigenes Schreiben beeinflussen sollte.

"Meine Symphonien erschöpfen den Inhalt meines ganzen Lebens; es ist Erfahrenes und Erlittenes, was ich darin niedergelegt habe; Wahrheit und Dichtung in Tönen. Und wenn einer gut zu lesen verstünde, müsste ihm in der Tat mein Leben darin durchsichtig erscheinen. So sehr ist bei mir Schaffen und Erleben verknüpft, dass wenn mir mein Dasein fortan ruhig wie ein Wiesenbach dahin flösse, ich - dünkt mich - nichts Rechtes mehr machen könnte."(Gustav Mahler)

Das Geheimnis der „letzten“ Sinfonie hat die Menschen von jeher gefesselt. „Es sieht so aus“, vermutete Arnold Schönberg, „als ob uns in der ,Zehnten‘ etwas gesagt werden könnte, was wir noch nicht wissen sollen“. Er huldigte damit der Aura jener ominösen Zahl, an der so viele bedeutende Sinfoniker, darunter Beethoven und Bruckner, gescheitert waren. Auch Gustav Mahler gelang es nicht, eine 10. Sinfonie zu vollenden. Sein letztes Werk teilt mit Schuberts „Unvollendeter“ den Charakter des Fragments; mit Bruckners „Neunter“ und dem Requiem von Mozart verbindet diese „Zehnte“ zugleich das Los, dass der Tod des Komponisten die Vollendung buchstäblich vereitelt hat.

  

Die Manuskripte zur „Zehnten“ entstehen zwischen dem 3. Juli und dem 3. September 1910. Diese Wochen verbringt Mahler in seinem Südtiroler Feriendomizil bei Toblach; 

In diesem Sommer freilich wird die kompositorische  Besinnung durch Ereignisse von tiefgreifender, existentieller Bedeutung  gestört:  Durch ein Versehen (oder gezielte Indiskretion) erfährt Mahler zu Ferienmitte von der Affäre, die seine Frau Alma seit Anfang Juni mit dem Architekten Walter Gropius unterhält.  

Die Enthüllung vernichtet für ihn jäh alle familiäre Sicherheit. Verlustängste quälen ihn fortan – und dies, wie man heute  weiß, keineswegs ohne Grund: Denn trotz einer Aussprache mit Gropius verfolgt Alma die intime Beziehung heimlich weiter. Um der unmittelbaren psychischen Folgen der Ehekrise Herr zu  werden, reist Mahler noch Ende August ins südholländische Leiden und sucht in einem therapeutischen Gespräch Rat bei Sigmund Freud. Doch dessen Analyse gewährt keine dauerhafte Besserung:  

Von dieser Zeit an vermitteln Mahlers private Briefe das erschütternde Zeugnis eines seelisch höchstgradig labilen Menschen.          

Am 18. Mai 1911 stirbt Gustav Mahler.  

 

ADAGIO

   

In der vorliegenden Form wird der Ablauf des Adagio durch den Wechsel dreier Themen konstituiert: Während  das anfangs von den Bratschen allein vorgetragene erste Thema dem Archetypus der „traurigen Weise“ aus Wagners „Tristan“ verhaftet ist,  beschwört das zweite einen ekstatischen Tonfall:  Über weitgespannten Intervallen, im ständigen Auf und Ab gekreuzter melodischer Linien, entfalten sich expressionistische Ausdrucksgesten, in denen die Dissonanz zum Eigenwert erhoben  scheint.   

Das dritte Thema hebt sich durch Scherzando- Elemente (Trillerketten und Pizzicato) von dem pathetischen Duktus der ersten beiden ab. Immer neue Formulierungen dieser Themen bestimmen den Verlauf des Satzes: Motivmaterial wird abgespalten, variiert, kombiniert, und nur vage bleibt dahinter das tradierte Muster der Sonatensatzform erkennbar. Der Durchführungsgedanke,  von Beethoven erstmals auf alle Satzteile ausgedehnt, überlagert  jedes Formgesetz – es entsteht die Musik einer endlosen Metamorphose.  

Umso schärfer kontrastieren zwei gleichsam „von außen“ in die Musik einbrechende Ereignisse am Schluss des Satzes: Mit einem Orchestertutti stürzt plötzlich ein Choral über den Hörer herein und öffnet den Blick für Regionen der Transzendenz, die nur dem Gefühl oder dem Glauben zugänglich sind.

Doch die religiöse Vision mag nicht zu bestehen; sie bricht förmlich zusammen in einem kakophonen Akkord, der bis auf drei Töne sämtliche Stufen der chromatischen Tonleiter enthält. Dieser Neuntonklang

ist zu Recht als Ausdruck totaler Entropie, als Todessymbol gedeutet

worden. Tatsächlich löst sich die Musik im folgenden auf, verliert sich in thematische Fragmente. Der Ausklang mündet nicht in Resignation, sondern in Schweigen. 

 

Während Mahler den Sommer 1910 wie gewohnt zurück- gezogen in seinem Toblacher Komponierhäuschen verbrachte, ließ sich Alma bei einem Kuraufenthalt auf eine Affäre mit dem Architekten Walter Gropius ein. Kurze Zeit später erhielt der ahnungslose Mahler einen Brief, der ihn zur Freigabe seiner Frau aufforderte. Zwar besann sich Alma schließlich auf Mahler als "Zentralpunkt" ihres Daseins und kehrte in den Hafen der Ehe zurück, doch der Schock saß tief und schlug sich nach Ansicht einiger Mahler-Exegeten direkt in den Skizzen zur 10. Sinfonie nieder. ...

Immerhin überschreib Mahler dieses scheinbar naive Allegretto moderato mit dem dantesken Titel "Pugatorio" und übersäte das Manuskript mit verzweifelten Randnotizen persönlichen Charakters.

 

Dazu die Konzertbesprechung in der SZ:

"Von solchen Emotionen, die den Klang zerfetzen, ihn ins Surreale treiben, konnte sich Cooke natürlich nicht leiten lassen. So vernimmt man in der rekonstruierten Fassung, vor allem in den Sätzen 2, 4 und 5, immer wieder einen Spannungsabfall, wo die Musik ins Flächige geht und dem Bersten der Konturen nur wenig Raum gibt. Aber zugleich macht die Fassung die Relationen des Werks klar, ihr Umstülpen der formalen Konzeption, die die schnellen, überhitzten und bizarren Teile nach innen drängt, mit dem ganz knappen Purgatorio, einer Monade gleich, in der Mitte. Außen waltet Ruhe, desolate zu Beginn, eine sich ins auroraartig Ätherische öffnende am Schluss. Mahler hat, das erweist der Gesamtbau, ein Werk entworfen, in dem menschliche Tragödie und göttliche Komödie in eins laufen.

Michael Gielen, der die Münchner Philharmoniker durch die Cooke-Fassung der Zehnten leitete, war idealer Sachwalter. Man kann diese Rekonstruktion nur als offene Frage interpretieren, zugleich muss die Härte und Unversöhnlichkeit der Diktion immer spürbar bleiben, auch da, wo das Unerratbare von Cooke mit einem Mantel des Mittelwegs abgedeckt ist. Gnadenlos gestaltete Gielen in der Münchner Philharmonie den Schlag der Tambourtrommel am Schluss des vierten Satzes, der dann, wie eine Hinrichtungssalve auch im letzten Satz immer wieder die Nerven zucken lässt. Und der berühmte Neunklang im Adagio, der wie eine Vorahnung eines Clusters wirkt, konnte zu Beginn noch etwas weniger drastisch genommen werden, da er im gesamtsymphonischen Verlauf im letzten Satz wie eine jähe Schmerzenserinnerung wieder auftaucht und seinen Sinn enthüllt: Das Weh des Daseins, das Weh des Wegmüssens."

REINHARD SCHULZ in der SZ vom 1.12.2003 über das Konzert in München(Gasteig)

 

 




DES KNABEN WUNDERHORN

Ausgewählte Lieder aus für Bariton und Orchester 
am 100. Todestag von Gustav Mahler (18. 5. 2011) mit den Münchner Philharmoniker

Christian Thielemann, Dirigent
Michael Volle, Bariton


1. Der Schildwache Nachtlied
2. Wer hat dies Liedlein erdacht
3. Rheinlegendchen
4. Wo die schönen Trompeten blasen
5. Lied des Verfolgten im Turm
6. Das irdische Leben
7. Tambourg´sell




 

DAS LIED VON DER ERDE

Eine Symphonie für eine Tenor- und eine Altstimme und Orchester nach Gedichten aus "Die chinesische Flöte" von Hans Bethge

Das Trinklied vom Jammer der Erde. Allegro pesante

Der Einsame im Herbst. Etwas schleichend. Ermüdet

Von der Jugend. Behaglich heiter

Von der Schönheit. Comodo. Dolcissimo

Der Trunkene im Frühling. Allegro. Keck, aber nicht zu schnell – Pesante

Der Abschied. Schwer

gehört mit den 
Münchner Philharmonikern 
am 18.7.2004 
unter James Levine -
sein Abschiedskonzert

gehört mit dem 
Staatsorchester 
am 22.11.2005 
unter Zubin Mehta
im Nationaltheater

gehört mit dem 
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
am 25.11.2011
unter Riccardo Chailly
mit
Christianne Stotijn, Mezzosopran
Ben Heppner, Tenor

Zwischen Leben und Tod

Spannungsverhältnis zwischen der Schönheit der Natur und der Wirrnis des Menschseins 

"Die müden Menschen geh’n heimwärts,um im Schlaf vergess’nes Glück und Jugend neu zu lernen."

Auflösung und Verstummen

»Was also drängt sich unwiderstehlicher auf als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe? Dieses also unvergänglich sei? Daher denn Alles und Jedes, was dasein will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist.« 

Arthur Schopenhauer

 


Das Lied von der Erde
The Literary Changes


Levine realisiert in München, wo Mahler 1910 den größten Triumph zu Lebzeiten errang mit der Uraufführung der Achten, eine verblüffende Programmidee: Er knöpft sich exakt jenes ausufernde Programm vor, das Bruno Walter ein halbes Jahr nach Mahlers Tod in München an einem einzigen Abend bewältigte: das Lied von der Erde und die Zweite Symphonie.
  
Was Walter dirigierte, war die Uraufführung vom ¸¸Lied'. Aber der Künstler wollte offenbar den ¸¸Abschied" des sechsten Satzes, dieses in Stratosphären verdämmernde, in der musikalischen Struktur zerbrechende, vom Klang der Celesta wie in Eis gegossene ¸¸Ewig, ewig", nicht als letzten Gruß seinem Mentor und Freund Mahler nachschicken, sondern sandte das frische Jugendwerk der ¸¸Auferstehungssymphonie" als Hoffnungszeichen hinterher. Damals spielten - und sie spielen heute: die Münchner Philharmoniker. Mit ihnen hatte der Dirigent Mahler im Jahr 1900 in München seine Vierte aus der Taufe gehoben. Soviel nur zum Rückgriff auf eine kostbare historische Konstellation. ...
  
Umso gewichtiger, was Levine und die Philharmoniker instrumental zu bieten hatten: wunderbares Legato der Streicher, über große Bögen atmende Blech- und Holzbläser, Instrumentalsoli von höchster Individualität, kontrastreiches Farbenspiel, rhythmische Attacke, das alles aufs Feinste gearbeitet und empfunden. Dirigiert von Levine - mit Hilfe der Partitur und eines hellwachen Ohrs, in sparsamen, von hinten oft kaum sichtbaren Gesten - mit einer souveränen Ruhe, die die Pausen, die Schweigezonen tiefster Einsamkeit und Resignation im ¸¸Abschied" zum Ereignis machte. Levine hielt die Spannung von Reflexion und Poesie der Töne in seinen Händen. Keine Stecknadel fiel beim ¸¸letzten Lebewohl", Ergriffenheit im Saal.
  

WOLFGANG SCHREIBER
in SZ, 19. Juli 2004

Text " Das Lied von der Erde " 

(Mahler's alteration)  

Poem von Meng Hao-Ran

Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge.
In allen Tälern steigt der Abend nieder
Mit seinen Schatten, die voll Kühlung sind. 
O sieh! Wie eine Silberbarke schwebt 
Der Mond am blauen Himmelssee herauf.
Ich spüre eines feinen Windes Wehn
Hinter den dunklen Fichten!

Der Bach singt voller Wohllaut durch das Dunkel.
Die Blumen blassen im Dämmerschein.
Die Erde atmet voll von Ruh und Schlaf,
Alle Sehnsucht will nun träumen.

Die müden Menschen gehn heimwärts,
Um im Schlaf vergeßnes Glück
Und Jugend neu zu lernen!

Die Vögel hocken still in ihren Zweigen.
Die Welt schläft ein!

Es wehet kühl im Schatten meiner Fichten.
Ich stehe hier und harre meines Freundes;
Ich harre sein zum letzten Lebewohl.

Ich sehne mich, o Freund, an deiner Seite
Die Schönheit dieses Abends zu genießen.
Wo bleibst du ...? Du läßt mich lang allein! 
Ich wandle auf und nieder mit meiner Laute
Auf Wegen, die vom weichen Grase schwellen. 
O Schönheit! O ewigen Liebens - Lebenstrunkne Welt!


Poem von Wang Wei inserted here by Mahler:

Er stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk
Des Abschieds dar. Er fragte ihn, wohin
Er führe und auch warum es müßte sein.
Er sprach, seine Stimme war umflort: Du, mein Freund,
Mir war auf dieser Welt das Glück nicht hold!
Wohin ich geh? Ich geh, ich wandre in die Berge.
Ich suche Ruhe für mein einsam Herz.
Ich wandle nach der Heimat, meiner Stätte.
Ich werde niemals in die Ferne schweifen.
Still ist mein Herz und harret seiner Stunde!

Die liebe Erde allüberall
Blüht auf im Lenz und grünt aufs neu! 
Allüberall und ewig
Blauen licht die Fernen!
Ewig... ewig...

 


BÜSTE VON RODIN IN DER NEUEN PINAKOTHEK IN MÜNCHEN

 

 

Gustav Mahler Gesellschaft

LEKTÜRE
"Witwe im Wahn" 
Das Leben der Alma Mahler-Werfel von OLIVER HILMES 

 

ZEITGENOSSEN

Bernhard Mahler 1827-1889  
Maria Mahler 1837-1889  
Alma Mahler 1879-1964  
  Maria Anna Mahler 1902-1907
Anna Justine Mahler 1904-1989  
Justine Mahler (Rosé) 1868-1938  
Arnold Rosé 1863-1946  
Alma Rosé 1906-1944  
Johann Fuchs 1842-1899  
Hans Richter 1843-1916  
Josef Bayer 1852-1913  
Josef Hellmesberger, Jr.   1855-1907
Felix Mottl 1856-1911  
Francesco Spetrino 1857-1948  
Franz Schalk 1863-1931  
Bruno Walter 1876-1962  
Richard Wagner 1813-1883  
Giuseppe Verdi 1813-1901  
Clara Schumann 1819-1896  
Anton Bruckner 1824-1896  
Bedrich Smetana 1824-1884  
Karl Goldmark 1830-1915  
Johannes Brahms 1833-1897  
Camille Saint-Saens 1835-1921  
Modest Mussorgsky   1835-1881
Georges Bizet   1838-1875
Peter Tschaikowsky 1840-1893  
Antonin Dvorak 1841-1904  
Edvard Grieg 1843-1907  
Nikolai Rimski-Korsakov 1844-1908  
Gabriel Fauré 1845-1924  
Richard Heuberger 1850-1914  
Hans Kössler 1853-1926  
Anton Rückauf 1855-1903  
Wilhelm Kienzl 1857-1941  
Edward Elgar 1857-1934  
Hans Rott   1858-1884
Giacomo Puccini 1858-1924  
Hugo Wolf 1860-1903  
Frederick Delius 1862-1934  
Claude Debussy 1862-1918  
Richard Strauss 1864-1949  
Carl Nielsen 1865-1931  
Jean Sibelius 1865-1957  
Erik Satie 1866-1925  
Hans Pfitzner 1869-1949  
Alexander Zemlinsky 1871-1942  
Alexandre Scriabin   1872-1915
Max Reger 1873-1916  
Sergei Rachmaninov 1873-1943  
Gustav Holst 1874-1934  
Arnold Schoenberg 1874-1951  
Maurice Ravel 1875-1937  
Bela Bartok 1881-1948  
Igor Stravinskij 1882-1971  
Anton Webern 1883-1945  
Alban Berg 1885-1935  
Hermann Winkelmann 1849-1912  
Theodor Reichmann 1849-1903  
Ernest Van Dyck 1861-1923  
Nellie Melba 1861-1931  
Marie Renard 1863-1939  
Andreas Dippel 1866-1932  
Leo Slezak 1873-1946  
Marie Gutheil-Schoder 1874-1935  
Richard Mayr 1877-1935  
Edouard Manet 1832-1883  
Edgar Degas 1834-1917  
Paul Cezanne 1839-1906  
Auguste Rodin 1840-1917  
Claude Monet 1840-1926  
Otto Wagner 1841-1918  
Paul Gauguin 1843-1903  
Vincent van Gogh   1853-1890
Carl Moll 1861-1945  
Gustav Klimt 1862-1918  
Henri de  Toulouse-Lautrec 1864-1901
Josef Engelhardt 1864-1941  
Alfred Roller 1864-1935  
Vassily Kandinsky 1866-1944  
Koloman Moser 1868-1918  
Henri Matisse 1869-1954  
Josef Hoffmann 1870-1956  
Paul Klee 1879-1940  
Pablo Picasso 1881-1973  
Walter Gropius 1883-1969  
Manon  Gropius 1918-1935
Karl Marx 1818-1883  
Friedrich Engels 1820-1895  
Friedrich Nietzsche 1844-1900  
Sigmund Freud 1856-1939  
Alfred North Whitehead 1861-1947  
Mahatma Gandhi 1869-1947  
Bertrand Russell 1872-1970  
Carl Jung 1875-1961  
Karl Lueger 1844-1910  
Eduard Hanslick 1825-1904  
Gustav Schönaich 1840-1906  
Theodor Helm 1843-1920  
Max Kalbeck 1850-1921  
Richard Heuberger 1850-1914  
Robert Hirschfeld 1858-1914  
William Ritter 1863-1955  
Ludwig Karpath 1866-1936  
Richard Specht 1870-1932  
Max Graf 1873-1958  
Charles Dickens 1812-1870  
Fyodor Dostoevsky 1821-1881  
Leo Tolstoy 1828-1910  
Henrik Ibsen 1828-1906  
Mark Twain 1835-1910  
George Bernard Shaw 1856-1950  
Anton Tschekov 1860-1904  
Luigi Pirandello 1867-1936  
André Gide 1869-1951  
Marcel Proust 1871-1922  
Rainer Maria Rilke 1875-1926  
Hermann Hesse 1877-1962  
Franz Kafka 1883-1924  
Franz Werfel 1890-1945  
 

 

 

Grabmal

Wien, 19. Bezirk,

Grinzinger Friedhof

 

 

 
























theodor frey

seitenanfang