Am 17. JULI 2009 ist Leszek Kołakowski im Alter von 81 Jahren in Oxford gestorben. 

"Es geht uns um eine Vision der Welt, in der die am schwersten zu vereinbarenden Elemente menschlichen Handeln miteinander verbunden sind, kurz es geht uns um Güte ohne Nachsicht, Mut ohne Fanatismus, Intelligenz ohne Verzweiflung  und Hoffnung ohne Verblendung. Alle anderen Früchte des philosophischen Denkens sind unwichtig." Narr und Priester - 1987

Sein Wahlspruch: AMA NESCIRI 
Liebe es, unbekannt zu sein.

Wie Leszek Kołakowski die Fragen von Marcel Proust beantwortete

Was ist für Sie das grösste Unglück ?

Eigene Ignoranz.

Wo möchten Sie leben ?

Tief im Wald, am See, an der Ecke von Champs-Élysées und Fifth Avenue, N.Y.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück ?

Vollkommen? Keines.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten ?

Faulheit. Mangel an Ambitionen.

Ihre liebsten Romanhelden ?

Dimitrij Karamasow, Lord Jim.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte ?

Der heilige Peter, Galilei.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit ?

Frauen in meiner Familie.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung ?

Antigone, Gretchen.

Ihre Lieblingsmaler ?

Zurbarán, Goya, Bosch, Breughel.

Ihr Lieblingskomponist ?

Bach, Debussy.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten ?

Risikobereitschaft.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten ?

Uneigennützigkeit, Beschützerin zu sein.

Ihre Lieblingstugend ?

Die Fähigkeit, sich selbst nicht zu belügen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung ?

Nichts tun.

Wer oder was hätten Sie sein mögen ?

Zirkusclown.

Ihr Hauptcharakterzug ?

Unsicherheit.

Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten ?

Humor und Zuverlässigkeit.

Ihr größter Fehler ?

Zerrüttung, schwacher Wille.

Ihr Traum vom Glück ?

Immer mit allen geliebten Menschen zusammen zu sein.

Was wäre für Sie das größte Unglück ?

Ich bin abergläubisch, ich kann es nicht sagen.

Was möchten Sie sein ?

Mathematiker.

Ihre Lieblingsfarbe ?

Schwarz.

Ihre Lieblingsblume ?

Maiglöckchen.

Ihr Lieblingsvogel ?

Spatz.

Ihr Lieblingsschriftsteller ?

Dostojewski, Conrad, Thomas Mann, Kafka, Zeromski.

Ihr Lieblingslyriker ?

Verlaine, Heine, Norwid.

Ihre Helden in der Wirklichkeit ?

Die gegen Unterdrückung, besonders hoffnungslos, rebellieren, ohne an eigene Macht zu denken.
Die für ihre Feinde beten.

Ihre Heldinnen in der Geschichte ?

Krankenpflegerinnen.

Ihre Lieblingsnamen ?

Agnes, Katherina, Margret.

Was verabscheuen Sie am meisten ?

Grausamkeit.

Welche geschichtliche Gestalten verachten Sie am meisten ?

Ganz banal: alle mitleidlosen Machthaber (wie Iwan IV. und Hitler)

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten ?

Die Verteidigung Rußlands 1812.

Welche Reform bewundern Sie am meisten ?

Die Festsetzung der gesetzlichen Gleichheit.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen ?

Malen zu können.

Wie möchten Sie sterben ?

Zu Hause, schnell.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung ?

Ermüdung.

Ihr Motto ?

Ama nesciri.

 

Leszek Kolakowski
 
"Geist und Ungeist christlicher Traditionen"
im Kapitel "Teilhardismus und manichäisches Christentum" (1970)

Kolakowski setzt sich ausführlich über 19 Seiten mit dem "Teilhardismus" auseinander.
Eine interessanter Kontrapunkt zu den sonst meist innerchristlichen Sichtweisen.

Die Kirsensituation des modernen Christentums stellt sich in folgendem Dilemma dar:

"Wenn das Christentum seine alte Idee des Sacrum als einer sich radikal vom Weltlichen unterscheidenden Sphäre verteidigen will, droht es in der modernen anwachsenden Zivilisation zu einer zusammenschrumpfenden Sekte zu werden, die um den Erhalt ihres Platzes in einer Welt zu kämpfen hat, die ein solches Christentum immer weniger verstehen wird; wenn es die Vorschläge Teilhards und der Theologen, die die Idee der empirischen Welt als einer Manifestation Gottes radikal zu Ende denken, annimmt, wird es viele seiner Inhalte beibehalten können, doch die Folge wird sein, daß das besonders Christliche, die Dogmen des Christentums, seine Kirchen und Zeremonien absterben werden.

Wenn diese beiden Möglichkeiten tatsächlich ein disjunktives Paar bilden und nichts darüber hinaus bleibt, dann stünde die gesamte christliche Welt vor einer dramatischen Wende, in der sie entweder ihren Geist oder ihren sichtbaren Leib verlieren wird.

Es wäre jedoch leichtfertig, felsenfest zu behaupten, daß diese Alternative unumgänglich ist.  Um sich dessen sicher zu sein, müßten wir nämlich überzeugt sein, daß die Lebensbedingungen in der zunehmenden Zivilisation dahin führen, daß die Menschen das Dasein als etwas empfinden, das von Liebe und dem Guten durchdrungen ist, daß für sie das Erfahren des Bösen und das Bedürfnis, vor dem Alltag in eine andere, vom Elend des Lebens nicht berührte Ordnung zu fliehen, immer geringer wird. Dieser Optimismus ist unbedingt notwendig, wenn wir an die Teilhardsche Perspektive glauben sollen." ...

"Wenn sich das Christentum also trotz alledem retten soll und sich die erwähnte Alternative nicht als zwingend erweisen wird, dann wohl nur aus dem Grunde, daß der Glaube an das wesenhaft Gute des Seins zu schwer aufrechtzuerhalten ist."