HIMMELSZELTE      EINE SEITE VON THEODOR FREY



ST. VALENTIN

. . . über'm Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen.

 

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Im Anfang liegt, was auch mich bedingt,
liegt bereits was mich fragen läßt,
warum ist Etwas und nicht vielmehr Nichts.
Diese Frage stellt Alles in Frage, auch Zeit und Raum.
Sie führt mich an die Grenze des Sagbaren.


Darüber hinaus ist mein Sagen nichts,
auch wenn ich Alles in Worte fassen möchte.


An der Grenze trifft das Schweigen,
das mir alles in Fülle zu sagen vermag,
auf mein Hören, das schweigend sich der Leere öffnet.


Geschenkt wird mir das Hören der Frage nach dem Etwas;
meine erste Antwort ist die stumme Entgegennahme dieses Geschenks.


ST. VALENTIN

Die spätgotische  Hallenkirche St. Valentin wurde erbaut von der Steyrer Dombauschule unter Wolfgang Tenc, einem führenden Meister des spätgotischen Kirchenbaues. Im Jahre 1476 wurde der Chor fertig gestellt. Für das Langhaus ist auf drei Konsolen der Baubeginn mit 1515, die Vollendung mit 1522 auf der südlichen Säule der Empore angegeben. Sechs Rundsäulen mit eigenartigen Kastenkapitellen stützen innen das einzigartige Netzgewölbe mit originellen Rundbogenmustern.

 

Staune über das Wunder des Seins,

das sich dir öffnet,

um von dir angenommen zu werden.

Laß es an dir geschehen, laß es dich sehen und hören,

dich fühlen und denken.

Bewege das Sein durch die Wandlung deiner selbst.

 

 

 




KREMSMÜNSTER


ST. VALENTIN


Was den großen Ring bewohnet,
     huldige der Simpathie!
     Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte tronet.



KREMSMÜNSTER


Duldet mutig, Millionen!
     Duldet für die beßre Welt!
     Droben überm Sternenzelt
wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten,
     schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
     mit den Frohen sich erfreun.

 



 

SEITENSTETTEN



KREMSMÜNSTER

 

SEITENSTETTEN

Froh, wie seine Sonnen fliegen,
     durch des Himmels prächtgen Plan,
     laufet, Brüder, eure Bahn,
freudig wie ein Held zum Siegen.





GARSTEN







ST. VALENTIN


Im Durchlässigwerden zum Geheimnis hin und von ihm her,

in seinem Erspüren, Erleben und Erkennen in allem Sein,

wird alles Wirkliche wirklicher,

denn das Unsagbare wirkt,

wird alles Werden, durch das Werden in neuem Werden erfüllt,

wird das Geheimnis auch zu mir hin geöffnet.

 



 






GARSTEN

 

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
lächelt sie den Forscher an.

Zu der Tugend steilem Hügel
     leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
     sieht man ihre Fahnen wehn,

Durch den Riß gesprengter Särge
     sie im Chor der Engel stehn.





 

FISCHLHAM


Gott im Mittelalter


Und sie hatten Ihn in sich erspart
und sie wollten, daß er sei und richte,
und sie hängten schließlich wie Gewichte
(zu verhindern seine Himmelfahrt)

an ihn ihrer großen Kathedralen
Last und Masse. Und er sollte nur
über seine grenzenlosen Zahlen
zeigend kreisen und wie eine Uhr

Zeichen geben ihrem Tun und Tagwerk.
Aber plötzlich kam er ganz in Gang,
und die Leute der entsetzten Stadt

ließen ihn, vor seiner Stimme bang,
weitergehn mit ausgehängtem Schlagwerk
und entflohn vor seinem Zifferblatt.

Rainer Maria Rilke - 1907 in Paris





 

GARSTEN




 

FISCHLHAM






SONNTAGBERG

 


IN MELK AM 17. 9. 2006

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