THEODOR ALBERTUS MAGNUS FREY     

ELEMENTE                            BEZIEHUNGEN


GEDICHTE

BEWEGUNGEN                         GESTALTEN

SEITEN ÜBER GOTT, WELT UND MENSCH

EXPERIMENTE ZUR GESTALTWERDUNG

 

PHILOSOPHIEN
THEOLOGIEN
RELIGIONEN

THEATER
MUSIK
LITERATUR
BILDENDE KÜNSTE

GESELLSCHAFT
POLITIKEN
WISSENSCHAFTEN

   STARTSEITE 
   IMPRESSUM 
   KONTAKT

  

ÜBERSICHT

ÜBERSICHT

ÜBERSICHT

 

Zwei Leiber Seite an Seite OCTAVIO PAZ

Suchen dich Seelen heim? PEDRO SALINAS

Was ich dir gesagt habe   PAUL ELUARD

Abel steh auf   HILDE DOMIN

DU   KURT MARTI

 

Der Schlaf ist der Freund des Menschen -  Der Schlaf ist der Freund Gottes  Charles Péguy

Besitz  Hugo von Hofmannsthal

Es färbte sich die Wiese grün  Novalis - Friedrich Freiherr von Hardenberg

Zusammenfassung  Hans Magnus Enzensberger

zum Seitenanfang zurück

 

 

Zwei Leiber Seite an Seite

OCTAVIO PAZ

Zwei Leiber Seite an Seite
sind manchmal zwei Wellen
Ihr Meer ist die Nacht.

Zwei Leiber Seite an Seite
sind manchmal zwei Steine
Ihre Wüste die Nacht.

Zwei Leiber Seite an Seite
sind manchmal zwei Wurzeln
Ihr Grund ist die Nacht.

Zwei Leiber Seite an Seite
sind manchmal zwei Klingen
Ihr Blitz ist die Nacht.

Zwei Leiber Seite an Seite
sind zwei Sterne, stürzend
vom leeren Himmel.

 


   Octavio Paz   

zum Seitenanfang zurück

 

Suchen dich Seelen heim?

PEDRO SALINAS


Suchen dich Seelen heim? Spürst du sie?

Oder sind es winzige Fingerhüte,

die dich heimsuchen, die deiner Finger

rosige Spitzen und Läufe

in gläserne Kerker sperren?

 

Suchen dich Wünsche heim? Das mehr

und mehr und noch mehr, ist es dies,

was dich heimsucht? Oder nur die Musik,

die hingeopfert, die sich die Stirn

an allen Ecken der Welt zerschlägt,

Musik, verzweifelt gespielt

von denen, die ohne Küsse sind,

den Geistern, im Radio?

 

Suchen dich Flügel heim, oder sind sie weit weg?

Und sag mir: sucht dich jene Sehnsucht,

bei dir zu sein, die gewaltige, heim,

die sich Liebe nennt oder Telegramm?

 

Oder bist du allein, und nichts sucht dich heim,

und du betrachtest geduldig, die Augen

randvoll mit Tränen, vergilbte Stiche,

und fühlst dich nackt und allein

mit einem Bräutigam, nackt wie du?


   Pedro Salinas

zum Seitenanfang zurück

 

Was ich dir gesagt habe

PAUL ELUARD

Was ich dir gesagt habe gilt für die Wolken
Was ich dir gesagt habe gilt für den Meeresbaum
für jede Welle für die Vögel im Blätterwerk
für die Kiesel des Geräusches
für die vertrauten Hände
für das Auge das Antlitz wird oder Landschaft
und der Schlaf gibt ihm den Himmel seiner Farbe wieder
für die ganze vertrunkene Nacht
für das Gitter der Straßen
für das offene Fenster für eine entdeckte Stirn
Was ich dir gesagt habe gilt für deine Gedanken für deine Worte:
Jede Liebkosung jedes Vertrauen hat seine Dauer und überdauert sie



   Paul Eluard

zum Seitenanfang zurück

 

Hilde Domin

"Abel steh auf" 

Auszug „
Ich will dich“
München 1970, Seite 28

Abel steh auf 

es muss neu gespielt werden 

täglich muss es neu gespielt werden 

täglich muss die Antwort noch vor uns sein 

die Antwort muss ja sein können 

wenn du nicht aufstehst, Abel 

wie soll die Antwort 

diese einzige wichtige Antwort 

sich je verändern 

wir können alle Kirchen schließen 

und alle Gesetzesbücher abschaffen 

in allen Sprachen der Erde 

wenn du nur aufstehst 

und es rückgängig machst 

die erste falsche Antwort 

auf die einzige Frage 

auf die es ankommt 

steh auf 

damit Kain es sagt 

damit er es sagen kann 

Ich bin dein Hüter 

Bruder 

wie sollte ich nicht dein Hüter sein 

Täglich steh auf 

Damit wir es vor uns haben 

dies ja ich bin hier 

ich 

dein Bruder

 

zum Seitenanfang zurück

 






KURT MARTI

 

 

DU





1921 in Bern geboren, 
studierte Jura und Theologie 
in Bern und Basel. 
 Pfarrer in Leimiswil, 
Niederlenz, 
und bis 1983 
an der Nydegg-Kirche
 in Bern.

















Mehr zu Kurt Marti . . .

zum Seitenanfang zurück

Der Schlaf ist der Freund des Menschen. 
Der Schlaf ist der Freund Gottes

 Charles Péguy

RUHE AM SIEBTEN

                                 entdeckt in einem Münchner Steinmetzbetrieb

  

  Den liebe ich nicht, der nicht schläft, spricht Gott.

  Der Schlaf ist der Freund des Menschen. 
  Der Schlaf ist der Freund Gottes.
  Der Schlaf ist vielleicht meine schönste Schöpfung.  
  Und ich selbst ruhte am siebenten Tage.
  Wessen Herz rein ist, der schläft
.
  (…) Nun sagt man mir, dass es Menschen gibt,  
  Die gut arbeiten und schlecht schlafen.
  Die nicht schlafen. Welcher Mangel an Vertrauen in mich.

  (…) Die Armen, sie wissen ja nicht, was gut ist.
  Sie lenken ihre Geschäfte recht gut während des Tages.
  Und wollen doch nicht deren Lenkung mir anvertrauen des Nachts.
  Als ob ich nicht fähig wäre, sie eine Nacht lang sicher zu lenken.
  Wer nicht schläft, ist untreu der Hoffnung.  
  Und das ist die größte Untreue.  

  (…) Überlasst nur dem morgigen Tage
  Jene Sorgen und Leiden, die euch heute zernagen.
  Und die euch heute verzehren können.

 
(…) Überlasst nur dem Morgen die Tränen, 
  die Augen und Kopf euch erfüllen. Die euch überschwemmen.
  
  (…) Denn zwischen heute und morgen bin ich, 
  Gott, vielleicht an euch vorübergegangen.

                                                                                                   Charles Péguy

 

zum Seitenanfang zurück

 

"Es färbte sich die Wiese grün" (Auszüge)  

  Novalis 
(Friedrich Freiherr von Hardenberg) 


Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

 

Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Daß alles möchte lieblich scheinen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

 

So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

 

Das ist der Frühling fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wußt ich wohl, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

 

Auszüge aus dem Gedicht von Novalis ( Friedrich Freiherr von Hardenberg, 1772-1801) 
"Es färbte sich die Wiese grün"

 

 

zum Seitenanfang zurück

 




























 

Meine Zeichnung zu den Gedanken zum Tag

    Dienstag, 12. Juni 2007 im Bayerischen Rundfunk

Gedanken zum Tag


"Vielen Dank für die Wolken.
Vielen Dank für das wohltemperierte Klavier
und, warum nicht, für die warmen Winterstiefel.
Vielen Dank für mein sonderbares Gehirn
und für allerhand andere verborgene Organe,
für die Luft und natürlich für den Bordeaux.
Herzlichen Dank dafür,
dass mir das Feuerzeug nicht ausgeht,
und die Begierde und das Bedauern,
das inständige Bedauern.
Vielen Dank für die vier Jahreszeiten,
für die Zahlen und für das Koffein,
und natürlich für die Erdbeeren auf dem Teller,
gemalt von Chardin, sowie für den Schlaf,
für den Schlaf ganz besonders,
und, damit ich es nicht vergesse,
für den Anfang und das Ende
und die paar Minuten dazwischen
inständigen Dank,
meinetwegen für die Wühlmäuse
draußen im Garten auch.“

Entnommen aus: Hans Magnus Enzensberger 
in: Lukas Niederberger,
„Kleine Bet-Lektüre“, Patmos Verlag 2006, S. 57 f.




Jean-Baptiste Siméon Chardin: 
Der Erdbeerkorb, um 1760-61,

zum Seitenanfang zurück

 

Besitz

 


Großer Garten liegt erschlossen,
Weite schweigende Terrassen.
Müßt mich alle Teile kennen,
Jeden Teil genießen lassen!

Schauen auf vom Blumenboden,
Auf zum Himmel durch Gezweige,
Längs dem Bach ins Fremde schreiten!
Niederwandeln sanfte Neige:

Dann, erst dann komm ich zum Weiher,
Der in stiller Mitte spiegelt,
Mir des Gartens ganze Freude
Träumerisch vereint entriegelt.

Aber solchen Vollbesitzes
Tiefe Blicke sind so selten!
Zwischen Finden und Verlieren
Müssen sie als göttlich gelten.

All in einem, Kern und Schale,
Dieses Glück gehört dem Traum ...
Tief begreifen und besitzen!
Hat dies wo im Leben Raum? ...

Hugo von Hofmannsthal

 

 

zum Seitenanfang zurück

 




 



PARADOX

ICH WERDE
IMMER
JÜNGER,
DA DIE FALTEN SPRIEßEN
INS INNERE

ICH SEHE
IMMER 
SCHÄRFER,
DA DER TAG DRÄNGT
INS DUNKLE

ICH STERBE
IMMER
SICHERER,
DA DIE VÖGEL JUBILIEREN
INS UNERHÖRTE,
UNEINSEHBARE,
UNGEWORDENE.

TAM -  4.5.10






 

 




Hans Magnus Enzensberger


Am 11. November 1929, wurde er in Kaufbeuren im bayerischen Allgäu als Sohn eines Postbeamten geboren.
Auch ein Allgäuer also, aber mehr noch ein Begleiter über all die Jahre von den Sechzigern bis zu seinen Wolkenmeditationen im neuen Jahrtausend. Er lebt jetzt in München.

Ein Gedicht von ihm passt wunderbar zu meinen ganzen Internetaktivitäten. Mit diesem Medium versuche ich zu fassen, was mir die Gelegenheiten, die Zufälle so zuspülen. Es ist doch erstaunlich, was es alles zu fassen gibt und wie sich das Fassen dann doch im Faß ohne Boden auflöst.

Zusammenfassung - entnommen dem Gedichtband "Zukunftsmusik"

Ich fasse zu, an, auf,
die Gelegenheit fasse ich
in Worte, ins Auge, in Verse, beim Schopf,
ich befasse mich, bin der Auffassung,
daß ich gefaßt bin, auf alles gefaßt.
Aber das ist nicht alles.

Es ist nur die Rohfassung.
Ich bewahre sie, fasse mich,
fasse mich kurz, in Geduld,
fasse Haß, Fuß, Zutrauen,
Essen, Mut, einen Vorsatz,
eine Brille, einen Entschluß.

Wie die Glühbirne ringe ich
nach Fassung, kann mich vor Freude,
vor Überraschung kaum fassen.

Aber das ist nicht alles.

Manches entgeht mir, ich
schlüpft durch, es entzieht sich,
ist weg. Schon bin ich aus der Fassung
gebracht, kann mir kein Herz mehr,
keinen klaren Gedanken, lasse,
was nicht zu fassen ist, fallen,
falle, lasse mich fallen, alles,
was der Fall ist, lasse ich,
ein Faß ohne Boden, auf sich beruhn.

Auch folgender Gedanke von HME, indem er die Gefühle (Empfindungen), das Denken (Verstand) und das Tun zusammendenkt ist mir sehr nah. Im dritten Satz meiner Wort-Symphonie I. findet sich genau dieser Zusammenklang, der für mich im „Dreieck des Ichs symbolisiert“ wird.

"Ein wirklich starker Gedanke erregt in mir, ja, fast erotische Gefühle. Ich kann Verstand und Leidenschaft nicht trennen. Denken ist eine leidenschaftliche Tätigkeit. Unser größtes Sinnesorgan ist eben das Gehirn."

Weiteres über Enzensberger ist zu finden ...

Über eine Rezension in der Zeit vom 04.04.2002 von Dieter E. Zimmer über HME: „Die Elixiere der Wissenschaft“ (2002) habe ich einen Hinweis erhalten, was HME vom Internet hält. Das darf nich Verschwiegen werden:

„Dies ist der seltene Fall einer durchgehend wohlwollenden Rezension, die bei genauerem Hinsehen fast ausschließlich Kritik übt: Ein Meisterstück hintersinniger Ironie hat Dieter E. Zimmer, der bekannte Wissenschaftspublizist und Nabokov-Herausgeber, dem neuen Buch von Hans Magnus Enzensberger gewidmet. Des Lobes voll ist er zunächst darüber, dass überhaupt ein Dichter die "verächtliche Ignoranz" verweigert, mit der sich die Kultursphäre gern den Naturwissenschaften nähert. Zimmer verweist hier vor allem auf das Buch "Mausoleum" von 1975, in dem Enzensberger lyrische Wissenschaftlerporträts vorlegte - einige dieser Gedichte wurden hier wieder aufgenommen. ...
Aber dann setzt es Kritik im Detail, der Zimmer immerhin die Hälfte seines ganzseitigen Artikels widmet. Sie ist nach Zimmer überall dort fällig, wo Enzensberger seinen berühmt elegant-selbstgewissen Ton früherer Jahre wiederfindet, wo er etwa dem Internet vorwirft, nur "Datenschutt" zu produzieren, und allzu offensichtlich nicht den blassesten Schimmer von diesem neuen Medium hat.“

Da würde ich gerne bei Enzensberger nachfragen!

Und hier noch der Geburtstagsgruß von Peter Rühmkorf

So! Der eigene Geburtstag wäre geschafft. Einerseits lebend erreicht und trotz weiterer Einbußen an lieben Lungenbläschen einigermaßen beschwerdelos über die Bühne gebracht. Aber wie sagt Jochen Steffen, der uns von den frühen Siebzigern her noch wohlbekannte Kuddl Schnööf: "Nu kommstu!", und da gilt es als erstes, einigen Dank abzuladen .......

 

zum Seitenanfang zurück

Rudern zwei in einem Boot,

der eine kundig der Sterne,

der andere kundig der Stürme,

wird der eine führen durch die Sterne,

wird der andere führen durch die Stürme,

und am Ende, ganz am Ende,

wird das Meer in der Erinnerung blau sein.

Reiner Kunze

 

 

zum Seitenanfang zurück

 

Lass den Anfang mit dem Ende
Sich in Eins zusammenziehn!
Schneller als die Gegenstände
Selber dich vorüberfliehn.
Danke, dass die Gunst der Musen
Unvergängliches verheißt:
Den Gehalt in deinem Busen
Und die Form in deinem Geist.


Goethe - Gott und Welt - Dauer im Wechsel

Foto (Ausschnitt) Heinrich Scherbaum jun. / Zeichnung TAM


zum Seitenanfang zurück

 

Friedrich Rückert:

Du bist die Ruh

Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.

Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.

Kehr ein bei mir,
Und schliesse du
Still hinter dir
Die Pforten zu.

Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.

Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
0 füll es ganz!

 

 

zum Seitenanfang zurück