Experimente zur Gestaltwerdung von Theodor Frey

 

GEBET

 

 



Eintauchen ins Unverfügbare

Eintauchen ins Unfassbare

 

Gib uns die Erkenntnis,
die sich im Alltag bewährt,
dass, wenn wir dich suchen
und nach dir verlangen,
der Geist der Ruhe,
des Friedens und der Zuversicht,
der Freiheit und der schlichten Klarheit
DEIN Geist ist,
und aller Geist der Unruhe und Angst,
der Enge und der bleiernen Schwermut
höchstens unser Geist
oder der der dunklen Tiefe ist.

Karl Rahner SJ

 

 

"GEBET ist Verkehr der Einzelseele mit Gott.  Es darf nicht verwechselt werden mit der aktiven auf die Transzendenz gerichteten philosophischen Kontemplation.  Merkmal des Gebets ist die reale Beziehung zu Gott, der als persönlicher hörend und wirkend vorgestellt wird.  . . . Im Gebet wird, in welcher Innerlichkeit auch immer, Gottes Antwort erfahren. Beten ist ein Handeln, die Paradoxie eines Einwirkens auf die Transzendenz, um von ihr Wirkungen zu erfahren. Es sucht das Heil der Seele durch Gottes Wirkung zu Gottes Wohlgefallen. Die Objektivität ist auf ein Minimum reduziert; Gott erscheint in der Innerlichkeit der Seele, und nicht in berechenbarer Weise; er bleibt aus, oder er zeigt sich. Die Grenze zur aktiven Kontemplation der Existenz in bezug auf den verborgenen Gott ist kaum merklich und doch haarscharf.

Das reine Gebet ist ein spätes und seltenes Resultat geschichtlichen Zusichkommens des Menschen. Es ist fast immer unrein; im Bitten um irdische Zwecke bleibt es verbunden mit der Magie, welche seinen Sinn ruiniert. Denn Gebet ist in der Haltung der Unterwerfung gegenüber einem persönlichen Gott ohne Zwecke, Magie ein unpersönliches Zwingen der Gottheit durch den Menschen vermittels Worte, Formeln, Riten zwecks Herbeiführung erwünschter Ereignisse in der Welt. Magie ist als Zauber eine vermeintliche Technik, welche mit nicht empirischen Mitteln durch die Macht Kundiger unvermittelt, Raum und Zeit überschreitend, in Raum und Zeit das Gewünschte bewirkt.

Das Gebet des Einzelnen zu seinem Gott ist ein Sonderfall dessen, was  historisch wirklich in der religiösen Gemeinschaft und deren Kultus ist. . . . Der Kultus, nur durch religiöse Gemeinschaft in Tradition als Bestand möglich, erlaubt unbedingtes Handeln ohne eigenes Selbstsein; die reale Gegenwart Gottes gibt eine unersetzliche Erfüllung und Ruhe. Die Unbedingtheit schließt jede Begründung und Rechtfertigung aus."

Karl Jaspers - Philosophie 1948 - S. 565

 

 

 

 

 

KULTUS ALS ALLTAGSFORM DER FRÖMMIGKEIT

Über den Kultus könnte derjenige, der nicht in der Unbedingtheit steht, so sprechen:

"Der Mensch sei kein reines Geistwesen. Alles, was ihm wirklich sei, müsse Gegenstand und sinnlich für ihn werden. Sein Bedürfnis nach Leibhaftigkeit finde im Kultus in bezug auf Transzendenz berechtigte Befriedigung.  Ohne Kult sei Transzendenz für den Menschen eigentlich gar nicht. Die Notwendigkeit, das absolute Bewußtsein in realer Liebe zum je einzelnen Menschen, im unbedingten Handeln, in der aktiven Kontemplation allein zu gewinnen, schließe ihn von der Wirklichkeit der Transzendenz aus.  In seiner Phantasie und dem unverbindlichen Spiel seiner Spekulation bleibe die Armut, die Blässe und Unzuverlässigkeit der so getroffenen Transzendenz.  . . . Der Kultus aber gebe durch sinnliche Gegenwart unter der Garantie ehrwürdiger Offenbarung und Überlieferung die tiefste Befriedigung eines reinen Gottesverhältnisses, ohne Spiel, faktisch durch die Transzendenz selbst. Historisch zeigt sich die Tiefe dieser Wirklichkeit darin, daß fast alle Kunst, Baukunst, Plastik, Malerei, Drama, Musik und Tanz hier im Kultus wurzele und in seinem Dienst die unbezweifelten Meisterwerke geschaffen habe. Hier sei offenbar das Herz des wahrhaft metaphysischen Lebens. Selbst die Substanz der freien Kunstschöpfungen stamme sichtlich noch aus derselben Quelle;  . . . Der Positivismus [des] Wissenschaftsglaubens lasse als das Blut des Daseins nur Sexualität und Macht gelten; so werde an Stelle echter Transzendenz eine mythische Steigerung dieser dunklen Daseinsmächte als Ersatz erlebt, statt daß sie, wiwe in wahrer Gegenwart der Transzendenz, als ein mögliches Symbol des Übersinnlichen in der Welt verwirklicht und damit verwandelt würden."

Karl Jaspers - Philosophie 1948 - S. 566

PHILOSOPHISCHE TRANSZENDENZSUCHE

Dagegen wendet sich die Freiheit in philosophischer Unerbittlichkeit:

Der Kultus sei der Weg, die Schwere der Freiheit zu meiden. Dem Menschen trete nur in dem Maße, als er sich selbst finde, Transzendenz näher, ohne sich jedoch zu enthüllen. Daß Freiheit von sich den Gottesdienst ohne Kultus in Wahrhaftigkeit, Treue, Offenheit, in liebendem Kampfe und in der Wahrnehmung der Transparenz des Daseins fordere, werde in seinem Recht dadurch bestätigt, daß der religiöse Glaube selber immer wieder den Kultus gereinigt habe in der Richtung dieses Sinnes. . . .

Das philosophische Besinnen . , , bleibt gefährdet, weil ohne Regel. Seine Gestalt ist bei jedem Einzelnen in geschichtlicher Wandlung, immer neu zu erwerben, ohne eine sichtbare Objektivität, an die man sich in schwachen und leeren Zeiten halten könnte. Fehlt jedoch diese Besinnung, dieses aktive Ausderwelttreten, so erscheint die kultische Alltagsfrömmigkeit auch für die Freiheitsphilosophie wahrer als der Mangel jeglicher Transzendenz.

Karl Jaspers - Philosophie 1948 - S. 567



Du OFFENES GEHEIMNIS
Du bist,
was ist,
was wirkt,
was kommt,
was heilt.

Du OFFENES GEHEIMNIS
immerdar hingegeben,
alles in Allem darbringend.

Du OFFENES GEHEIMNIS,
Du gibst was wir brauchen.
Was wir brauchen zeigst Du uns,
um es geben zu können,
In unserem Versagen führst Du uns,
um uns aus unseren Verstrickungen zu lösen.

Denn in das Geheimnis hinein
öffnet sich die Fülle der Herrlichkeiten,
das Du Einziger bist.

tam - 9.10.2011

 

 

 



DAZWISCHEN DA

Zwischen den Augenblicken,
den Linien,
im Sehnen sich weitend,
zwischen mir und mir,
da

Die Leere zwischen den Formen,
die Stille zwischen den Tönen,
im Finden sich finden,
zwischen dir und dir,
da

Zwischen Nichts und NIchtnichts
im Fallen in das da
zwischen Raum und Zeit,
den Klang im Herzen,
zwischen mir und dir,
da

tam - 10.10.2011




Ist so der Tod?
In breitem Schwall
Aus alter Bahn
Hinaus ins All
Ein scheinbar sich
Ergießen
Und doch:
Ein Sturz ins Leben nur - 
Bewegung und
Auf neuer Spur
Ein anders
Weiterfließen

Otfried Preußler
20.10.1923 - 18.2.2013
in seiner Todesanzeige

 

 

 

 

 

Sich in den Klang des Himmels einstimmen

 

 

 

 

theodor frey

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