Eine Seite von Theodor Frey

 

 
I. Symphonie
 
Von der Einheit zum Ich
1. Satz
 
 
 
Die Eins


In der Einheit spiegelt sich
das Bedingungslose im Erfahrbaren 
wider.
Doch die Einheit ist stets gefährdet,
nicht zu fassen,
und war schon verloren,
als sie im Anfang
ins Sein geworfen worden war.
Im ersten Augenblick,
wurde aus der Einfalt,
die weder ist noch nicht ist,
das Nicht - Nichts,
das Ewige wird, 
wird im Etwas.
 
 
 
Von da an sucht das Verlorene
das Vollkommene wiederzufinden,
das sich lückenlos Ergänzende,
das alle Grenzen Sprengende,
das sich bedingungslos Erfüllende.
Es wird das Sein gesucht,
das den Raum 
und die Zeit
nicht zu beachten 
braucht.

Die Symbole der Einheit
sind der Kreis oder die Kugel.
Wir wissen nicht den Anfang
 und das Ende des Kreises,
doch wo wir den Weg 
auch beginnen,
er führt uns immer 
zum Anfang zurück.
Anfang und Ende
sind verbunden
im Kreis.
Unendlich viele 
Kreisschalen können
in der gleichen Mitte 
ihren Halt finden.
Und ist die Kugel 
nur unendlich groß,
so ist jeder ihrer Raumpunkte
 zugleich
allgegenwärtiger Mittelpunkt.
Die Einheit des ersten Seins 
bildet,
mit dem Ursprung von Allem,
die erste 
entfaltete 
Gestalt.


Wo können wir 
diese Gestalt der Einheit
in unserem Dasein entdecken ?
Wo ist diese Einfalt,
diese so vollkommene Form 
des Kreises,
durchlässig zu uns hin ?
Wie können wir durchlässig werden
für das Geheimnis der Einheit ?
Wann können wir hinein hören
in die Stille des Einen ?
Wo zeigt sich der Abglanz
des Lichts aus dem Urgrund ?



Wie die Einheit verschwindet,
wenn ich sie zu fassen versuche,
so verliert sich auch die Zeit
zwischen dem Nicht - Mehr und dem Noch - Nicht.
Aber im geglückten Augenblick
ist die Einheit des Anfangs 
zu erahnen,
scheint der 
Mythos des Paradieses auf.
Dann sind wir mehr 
als nur Erinnerung,
und mehr als nur Hoffnung.
 
In der Stille
zwischen den Tönen,
in der Leere
zwischen den Formen,
in den Träumen
zwischen dem Wachen,
kann die Grenze 
erfahrbar werden.

Gelänge es 
das Dazwischen zuzulassen,
sich in das Dazwischen fallen zu lassen,
die Grenzen zur Einheit öffneten sich
und uns könnte geschenkt werden,
was längst verloren geglaubt.

Erkennbar ist für uns,
daß alles mit Allem verbunden ist,
daß im Geflecht des Seins
bereits geringste Veränderungen,
die Richtung im Ganzen beeinflussen,
daß die Wirklichkeit offen ist
für unendliche Möglichkeiten.
Und daß dies für uns erfahrbar ist,
gibt bereits Werte für unser Sein,
auch wenn uns Maß und Ziel 
des Ganzen
noch verschlossen bleiben.


Die Gestalt der Einheit 
ist im Werden.
 
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