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geb.
am 4. Juni 1879 in Eberbach (Württemberg) - gest. am 9. April 1945
in Ustersbach bei Augsburg |
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"Wenn
ich heute stürbe, völlig uneins mit dem herrschenden Geist meines
Volkes, |
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"In
seinem Wirkungskreis München erinnert nichts mehr an ihn; nirgendwo
findet sich eine Gedenktafel;
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„Seine
Worte fallen langsam wie Tropfen, die man schon vorher sich ansammeln
sieht, und die in diese Erwartung hinein mit ganz besonderem Gewicht
fallen. Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach
innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt wie
er.“ „Haecker
trennte das Christentum vom Judentum eben nicht vollständig ab, sondern
betonte immer wieder die Herkunft des Christentums aus dem Judentum, also
die Verbindung vom Alten mit dem Neuen Bund." Auf
die Frage "Was ist der das Ziel des Politischen?" antwortet
Haecker: "Der Friede auf dem Grunde der Gerechtigkeit, so sehr, dass
auch der Friede auf dem Grund der Liebe nur möglich und wahr ist, wenn
sie, die Liebe, ein Übersein der Gerechtigkeit ist, also diese erst
erfüllt, ehe sie überfließt."
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"In ihm treffen sich Glauben, Denken und Sprache in bezwingender Weise. T. S. Eliot nannte ihn, den Gelehrten, Denker und Dichter, einen wahrhaft großen Menschen. An seinem inneren Weg, der 1921 zur Konversion in die katholische Kirche führte, stehen zeitlebens entscheidend Kierkegaard und John Henry Newman. Haecker hat auf den Spuren des Abendlandes gedacht: aus dem Geist der Antike (das große Vergil-Buch!), der Bibel, der Kirche. Gegen „Gebrüll" von Blut und Boden, aber auch gegen manche philosophischen Zeitgenossen wie Heidegger und Scheler hat er ein eigenes, aus den europäischen Überlieferungen schöpfendes Bild vom Menschen gezeichnet. Haeckers Verbindung zur Weißen Rose hätte ihn fast das Leben gekostet. Seine Tag- und Nachtbücher 1939-1945 gelten als „das historische Dokument der christlichen Existenz aus der Zeit ihrer tiefsten Bedrohung". Heute, wo die „Identität Europas" zur Frage steht, muß Haecker dringend und neu gelesen werden.
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Menschenverführung - Menschenverachtung - Menschenvernichtung 27.10.2004
- Besuch des Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen
Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sowie der Ausstellung des
Bilderzyklus von Alfred Hrdlicka zu den Ereignissen des 20. Juli
1944:
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GOTTES
LUST
AN DER DREI ZAHL |
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Soll die Sprache eine Brücke sein von Sein zu Sein, so muß sie dreifach sein: eine Sprache des Denkens, wo sie herkommt, weil sie dort zu Hause ist; ein Sprache des Fühlens, das sie braucht, wie das Fühlen das Denken; eine Sprache des Wollens, da dieses ohne sie nicht sich ausdrücken kann, die Sprache aber nichts ist ohne etwas, das sie ausdrückt. Und die Einheit ist die Liebe der Dreiheit. |
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Die Sprache ist Brücke vom Willen zum Denken und Fühlen und von ihnen zu ihm, und alle drei Brücken sind eine, denn die Sprache ist eins in sich selber, aber dreifach, und nur Schuld und Schwachheit trennen sie tragisch. Die Sünde aber trennt sie jenseits der Tragik in der Freiheit der Entscheidung. |
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Ist der Mensch gesund, so müssen in seinem Fühlen alle drei seein: es selber und das Denken und das Wollen; so müssen in seinem Denken alle drei sein: es selber und das Fühlen und das Wollen; so müssen in seinem Wollen alle drei sein: es selber und das Denken und das Fühlen. |
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In der Eins und in de Zwei ist niemals Vollkommenheit oder Friede möglich. Die sind erst in der Drei. . . . Jeder Dualismus ist Feindschaft, und zwar notwendig; zwischen Zweien, die bloß zwei sind, ist immer Krieg. Jeder Dualismus ist vital: ewiger Krieg; logisch: ewige Antithese. Wäre nur eins, so wäre soviel wie keins. Im Pantheismus ist weder Gott noch Mensch etwas. Wären nur zwei, sie wären von Ewigkeit her: Gott und der Teufel, die ewig miteinander ringen, insofern [wenn sie wahr währen] sind die dualistischen Religionen durchaus plausibel und natürlich viel tiefer und realistischer als jeder Monismus, der in sich zerrinnt, sich verflüchtigt und sinnlos wird. Die Mehrzahl ist eine geschöpfliche Erweiterung der Dreizahl, nicht der Einzahl oder Zweizahl. |
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Gewiß, es war von je und ist und wird sein die Aufgabe der Philosophie, der Metaphysik, die 'Einheit' des Seins zu suchen, wenn es sich auch herausgestellt hat, daß die wahre Einheit für den menschlichen Intellekt nur zu finden ist auf dem schmalen Grad, über Abgründe führenden Pfaden des 'distinguo'. [absondern, trennen, unterscheiden] |
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Das Gewaltigste in der Geschichte des menschlichen Geistes ist bislang de Kampf gewesen um das Dogma der Trinität kraft der Offenbarung Gottes: Patrologie, Christologie, Pneumatologie in der Einheit der Theologie. Dieses Dogma ist heute auch philosophisch die größte Kraft der Christen im Kampf der Weltanschauungen, und zwar in jedem Betracht, auch politisch. |
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Analogia trinitatis Noch inniger und schauererregender [als das Prinzip der Analogia entis] verknüpft dieses Prinzip die vergleichliche Schöpfung mit der Unvergleichlichkeit des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. ... Heute fängt an, von neuem zu leuchten das Dogma der Trinität. Die Gefahr ist, daß nur mit Begriffen gespielt wird. . . . Die Aufgabe ist, aus dem Innern und den eigenen Abgründen der Dinge selber her ihr Bild der Dreieinigkeit Gottes zu finden, so wie Er Selber es in sie gesenkt hat, im besonderen aber aus dem Wesen des Menschen selber, den Er ausdrücklich nach Seinem Bilde geschaffen hat, Er, der ebenso ausdrücklich ein trinitarischer Gott ist in der Fülle Seines Seins und Daseins. |
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Aufgabe . . . ist, zu erforschen und zu sagen, daß der Mensch, eben als Ebenbild Gottes, der ein trinitarischer ist, am schönsten, wahrsten und seligsten gemäß der Analogia trinitatis zu erkennen ist und mit dem Menschen und durch den Menschen auch die ganze Schöpfung, die durch und durch eine similitudo, eine Ähnlichkeit Gotte ist. |
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Alle drei [Fühlen, Denken, Wollen] sind im selben Sinne wesenhaft voneinander geschieden. Jedes der drei kann sich leider relativ leicht selbständig machen und den Ordo stören. Fausts 'Gefühl ist Alles', das ist sicherlich ein falscher Satz, aber er ist nicht falscher als der Satz des idealen Idealismus: 'Denken ist Alles, und wiederum nicht falscher als der Satz Schopenhauers oder anderer gefährlicherer Voluntaristen: 'Wollen ist Alles'. Erst alle drei zusammen sind in ihren geheimnisvollen, sicherlich von Gott her klar geordneten Beziehungen 'Alles' oder das Ganze des Menschen, kraft welches er quodammodo omnia ist. |
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Ach, und ein jedes dieser drei ist in sich gestört, kann immer von neuem in sich gestört werden, und durch dieses 'in sich' notwendig auch in seinen wunderbar in sich verwickelten, und durchaus noch nicht erforschten, Beziehungen zu den andern beiden und zu dem Ganzen selber, also dem einen Menschen, der also trinitarisch angelegt ist. |
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Spieler und Rolle
"Nicht
nur im Theater, das die Menschen aus eingeborenem Drange schöpferisch in
Bild und Sprache sich vorspielen, fällt in der überragenden Regel Wesen
und Person des Schauspielers mit der Rolle, die er zu spielen hat, nicht
zusammen, sondern auch im theatrum mundi, dessen Autor, Dramaturg und
Regisseur in einem absoluten Sinn Gott selber ist, können, da Gott zwar
die Freiheit selber wesenhaft agieren läßt - das eigentliche und
größte Mysterium der Schöpfung und unmittelbaren Schöpfungsmacht
Gottes -, aber doch unabänderlich Sein Stück spielt,
können, sage ich, Spieler und Rolle tragisch oder komisch
auseinanderklaffen; und das gibt die Komödien und Tragödien der
Weltgeschichte oder ihre Possen, deren Zeugen und Mitspieler wir selber
heute wie je sind. Nur im Drama des Gottmenschen selber ist die Identität
des erhabenen Spielers selber und der Rolle selber, welche er zu spielen
hatte." |