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CREDO CREDO |
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in der Missa solemnis
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Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren
Dinge.
einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott. Gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und um unsres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau: und ist Mensch geworden. Gekreuzigt wurde er sogar für uns; unter Pontius Pilatus hat er den Tod erlitten und ist begraben worden. Er ist auferstanden am dritten Tage, gemäß der Schrift. Er ist aufgefahren in den Himmel und sitzet zur Rechten des Vaters. Er wird wiederkommen in Herrlichkeit, Gericht zu halten über Lebende und Tote: und seines Reiches wird kein Ende sein.
Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater und vom Sohne ausgeht. Er wird mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht; er hat gesprochen durch die Propheten. Ich glaube an die eine heilige, katholische und apostolische Kirche. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Ich erwarte die Auferstehung der Toten. Und ein ewiges Leben. Amen.
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Reicht es nicht aus, gleich an den einen (guten/allmächtigen?) Gott zu glauben? Hat nicht Jesus von Nazaret selbst - uns zum Beispiel - zum Vater um das Geschehen des guten Willens gebetet? Reicht es nicht, mit Jesus zu beten
statt
zu
ihm?
Glauben zu sehen, dem wir nachfolgen sollen, in dessen Spur wir unseren Weg als Christen finden können?
Gebeten der Menschen bei Gott Gehör verschaffen kann?
von sich aus keinen Zugang bei Gott, wie auch der "Normalmensch" am Hof des Souveräns nicht darauf rechnen kann, ohne weiteres beim König vorgelassen zu werden?
Gott einer christologischen oder ekklesiologischen Vermittlung oder geschieht er in dem allen Glaubenden verheißenen Gottesgeist, in dem Gott selbst die Menschen anrührt und für die Gottesgemeinschaft öffnet?
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Das CREDO beginnt kühn in Es, aus dem sich das den Satz prägende B-dur entwickelt. Credo, credo ruft der Chor mit einem den ganzen Satz durchziehenden kräftigen Thema. Die in Oktaven sich aufschwingende chromatische Tonfolge für Patrem omnipotentem ( "den allmächtigen Vater") kehrt in der Messe immer zum Zwecke wieder die Allmacht Gottes zu preisen. Heftige Spannungen tun sich auf, etwa zwischen visibilium und invisibiliums ("aller sichtbaren und unsichtbaren
Dinge").
verzögert sich das Tempo zu Adagio, während sich die Tonart nach d-moll verklärt; die ungewohnten harmonischen Schritte beruhen auf der modalen Tonart: dorischem d-moll. Wenn die vier Solostimmen anheben, werden die Streicher auf wenige Spieler reduziert, und in Flöte, Klarinetten und Fagotten erklingt eine geheimnisvoll flatternde Musik, die den Heiligen Geist in seiner Gestalt als Taube repräsentiert. Et homo factus est ("und ist Mensch geworden") ist von unvergleichlicher Wärme getragen, wie überhaupt der ganze Abschnitt durch eine unendliche Intimität sich auszeichnet. Diese setzt sich im Crucifixus ("Gekreuzigt wurde er") fort, wenn auch in einem ungleich dramatischeren Sinn: die Gewalt der Hammerschläge meint die Identifikation mit dem Schicksal des Gekreuzigten. Das gleiche Bestreben der geheimen Identification Bezeugen auch die gleichsam stammelnden et ...et bei passus et sepultus est ("er hat den Tod erlitten und ist begraben worden"), so als ringe menschlicher Verbalausdruck um das Verständnis des Glaubensmysteriums. Das Wunder der Auferstehung kündet sich in einer an Palestrina gemahnenden lydischen Modalität an, eine Soloposaune verkündet die Eschatologie des Jüngsten Gerichts. Nach der wiederholten Verneinung in non erit finis (" wird kein Ende sein") übernimmt das Eingangsthema die Funktion, die Glaubensbestärkung zu unterstreichen.
Welt") ertönt in einer großen Doppelfuge (Allegretto), somit auch eine äußere Balance mit In gloria Dei Patris des vorangehenden Satzes erstellend. Ihre Erfindungskraft und Ausdruckstiefe übersteigt noch die Fuge im Gloria und schultert quasi das Finale des Satzes, das Hauptthema noch nach dem Schluß aufrechterhaltend. |
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Aus: Zeit und Ewigkeit - Die "Ränder" der Missa Solemnis Eine subjektive Hörerfahrung von Michael Eidenbenz "Beethovens "Missa solemnis" ist ein musikalisches Universum. ... Ein Musikstück vor der und zur Zeit Beethovens setzt normalerweise auf den ersten Schlag des ersten Taktes ein. Allenfalls geht diesem ein abgesetzter Auftakt voran, der die metrische Betonung aber nur verstärkt. Nicht so Beethovens "Kyrie":
In feierlichem Forte setzt das volle Orchester mit einem D-Dur-Akkord ein — auf die 2, den "leichten" Teil des alla-breve-Taktes! Der Akkord wird über den Taktstrich gebunden und fügt sich erst durch den Auftakt zu seiner Wiederholung in den metrischen Fluss ein. ... Damit gewinnt die Musik inhaltliche Bedeutung: der "Kyrios", der hier angerufen wird, ist schon "vor der Zeit" da. Nicht in romantisch-diffusem Sinn "irgendwie und irgendwo schon immer", sondern nichts anderes als "vor" der Zeit, die exakt beginnt durch den demonstrativen Paukenschlag. Nicht "ahnungsvolles religiöses Gefühl" führt hier zur musikalischen Neuerung, sondern ein theologischer Kommentar zur Philosophie: Zwei Takte, ein Dur-Dreiklang und die Begrenzung menschlicher Wahrnehmung durch Zeit und Raum sind zum Thema gemacht! In solchen Dimensionen denkt die Missa solemnis! ... Doch zurück zu Anfang und Ende der Zeit. Beginnt das "Kyrie" "vor" der Zeit, so endet das "Gloria" "nach" ihr. Diese Stelle ist spektakulär und auf den ersten Blick verständlich: die "Gloria"-Fuge mit ihrem ekstatisch sich aufschraubenden Thema schliesst nach zweifacher Temposteigerung mit euphorisch geschmetterten Orchesterakkorden rhythmisch prägnant auf den ersten Viertel des letzten Takts. Nur der Chor "verfehlt" gleichsam den Schluss, sein letzter Ruf fällt über das Ende hinaus in den bereits zeitlosen Raum...
Und der Gedanke wird in der Folge weiterentwickelt: zum ersten mal meldet sich nun der Mensch in der ersten Person zu Wort: "Credo" — "ich glaube". Und hier geschieht das Erstaunliche: Ragte Gott über die Ränder der Zeit hinaus, so kommt der Mensch zu spät. Die ersten "Credo"-Takte stellen dies dar:
"Zeit" manifestiert sich musikalisch im Metrum und im Tempo. Wie das Metrum den Zeitbegriff relativieren kann, haben wir im Kyrie und im Gloria gesehen: durch synkopische Verunsicherungen beispielsweise. Nun erfolgt die Auflösung der Zeit durchs Tempo. ... Ohne dass ein eigentliches accelerando geschieht, ist jetzt alles auf vorandrängende Geschwindigkeit ausgerichtet: die eng sequenzierenden Amen-Rufe, das immer kurzatmiger werdende Thema und schliesslich auch der Orgelpunkt auf F, der vermeintlich das Ende ankündigt. Doch stattdessen geschieht eine letzte Steigerung: die Polyphonie ist bereits aufgehoben, durch verdoppelte Notenwerte hat der Themenkopf bereits mehrmals eine Richtungsumkehrung angedeutet, da hält plötzlich alles still im breiten Grave. Es ereignet sich sozusagen ein paradoxes Phänomen: die sich immer schneller drehende Zeit produziert zuletzt Langsamkeit. Als ob ein Tor durchschritten würde, als ob — das Bild ist hier am Platz — der Himmel sich öffnete, wird ein neuer, ein letzter Zustand erreicht. Die Themenkonturen lösen sich auf in schlichte aufsteigende Tonleitern, die letzte metrische Prägnanz in den Amen-Rufen des Chors verhallt wie Relikte vergangenen Wollens im ausgebreiteten, ziellosen Raum."
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SYMPHONIEN: I II III IV V VI VII VIII IX |