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EINE SEITE VON THEODOR FREY

AUGENSCHMAUS BEIM BESUCH VON BERNRIED UND DEM BUCHHEIMMUSEUM

 

Ein Hund ist bereit zu glauben dass du bist, was du denkst zu sein.

 

 

EIN SEIL ZWISCHEN TIER UND ÜBERMENSCH
Da aber geschah etwas, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte. Inzwischen nämlich hatte der Seiltänzer sein Werk begonnen: er war aus einer kleinen Tür hinausgetreten und ging über das Seil, welches zwischen zwei Türmen gespannt war, also, daß es über dem Markte und dem Volke hing. Als er eben in der Mitte seines Weges war, öffnete sich die kleine Tür noch einmal, und ein bunter Gesell, einem Possenreißer gleich, sprang heraus und ging mit schnellen Schritten dem ersten nach. »Vorwärts, Lahmfuß«, rief seine fürchterliche Stimme, »vorwärts Faultier, Schleichhändler, Bleichgesicht! Daß ich dich nicht mit meiner Ferse kitzle! Was treibst du hier zwischen Türmen? In den Turm gehörst du, einsperren sollte man dich, einem Bessern, als du bist, sperrst du die freie Bahn!« – Und mit jedem Worte kam er ihm näher und näher: als er aber nur noch einen Schritt hinter ihm war, da geschah das Erschreckliche, das jeden Mund stumm und jedes Auge starr machte – er stieß ein Geschrei aus wie ein Teufel und sprang über den hinweg, der ihm im Wege war. Dieser aber, als er so seinen Nebenbuhler siegen sah, verlor dabei den Kopf und das Seil; er warf seine Stange weg und schoß schneller als diese, wie ein Wirbel von Armen und Beinen, in die Tiefe. Der Markt und das Volk glich dem Meere, wenn der Sturm hineinfährt: alles floh auseinander und übereinander, und am meisten dort, wo der Körper niederschlagen mußte.
  Zarathustra aber blieb stehen, und gerade neben ihn fiel der Körper hin, übel zugerichtet und zerbrochen, aber noch nicht tot. Nach einer Weile kam dem Zerschmetterten das Bewußtsein zurück, und er sah Zarathustra neben sich knien. »Was machst du da?« sagte er endlich, »ich wußte es lange, daß mir der Teufel ein Bein stellen werde. Nun schleppt er mich zur Hölle: willst du's ihm wehren?«

»Bei meiner Ehre, Freund«, antwortete Zarathustra, »das gibt es alles nicht, wovon du sprichst: es gibt keinen Teufel und keine Hölle. Deine Seele wird noch schneller tot sein als dein Leib: fürchte nun nichts mehr!«

Der Mann blickte mißtrauisch auf. »Wenn du die Wahrheit sprichst«, sagte er dann, »so verliere ich nichts, wenn ich das Leben verliere. Ich bin nicht viel mehr als ein Tier, das man tanzen gelehrt hat, durch Schläge und schmale Bissen.«

»Nicht doch«, sprach Zarathustra; »du hast aus der Gefahr deinen Beruf gemacht, daran ist nichts zu verachten. Nun gehst du an deinem Beruf zugrunde: dafür will ich dich mit meinen Händen begraben.«

Als Zarathustra dies gesagt hatte, antwortete der Sterbende nicht mehr; aber er bewegte die Hand, wie als ob er die Hand Zarathustras zum Danke suche. –

FRIEDRICH NIETZSCHE - ALSO SPRACH ZARATHUSTRA - ZARATHUSTRAS VORREDE - 6

 

 

 

 

 

DAS GLASKREUZ MIT DEM ÖLZWEIG AUS ROM IN DER KLOSTERKIRCHE DER MISSIONS-BENEDIKTINERINNEN IN TUTZING



Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand.
Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit
Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt.
Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit.

Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund
Die großen Bäche alles Lebens geh’n,
Und hinter dessen quellend gold’nem Grund
Die toten Dinge schimmernd aufersteh’n.


Mein Bestes glüht und lischt – ein irrer Stern,
Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt –
Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern,
Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.

Ernst Stadler - 1914


Im September 1914 sollte Stadler eine Stelle als Professor in Toronto antreten. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der elsässische Autor einberufen und fiel drei Monate später in Flandern.



 

HOFMARKKIRCHE IN BERNRIED
Ehemalige Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, erbaut 1382. 1672 unter Propst Johann Riedl Anbau einer Gruftkapelle nach Norden. Zur dort aufgestellten gotischen Pieta findet seit 1950 wieder eine jährliche Wallfahrt am 15. August statt. 1693 Barockisierung der Kirche.

Die Trauerfeier Trauerfeier für Lothar-Günther Buchheim fand in der Hofmarkkirche statt. Nach der Feier zog die Trauergemeinde hinter der vom Mesner getragenen Urne zum Friedhof, wo die sterblichen Überreste des Künstlers ohne Segensworte eines Priesters bestattet wurden. Buchheims Witwe Diethild, von ihrem Mann stets liebevoll «Ditti» genannt, ging hinter der Urne her. Buchheims langjähriger Freund Klaus Doldinger spielte auf dem Saxophon das einst von Hans Albers gesungene Seemannslied «La Paloma».

 

 

VOM "PRIESTERLICHEN SEIN" ALLER TAGE 
ODER "WIE DAS VERSCHLOSSENE  GEÖFFNET WERDEN KANN".

SICH DEM GRUND,

DER MITTE,

DER FÜLLE

ÖFFNEN,

IST EIN WAHRNEHMEN

DES IMMERWÄHRENDEN,

EIN ZELEBRIEREN

DES HEILENDEN GEHEIMNISSES,

EINE VERGEGENWÄRTIGUNG

DES UNAUSLÖSCHLICHEN,

DURCH MEIN 

EMPFINDEN,

DENKEN

UND TUN.

Tabernakel ( tabernaculum „Hütte, Zelt“)
aus der Klosterkirche in Tutzing

 

 

Die ehemalige Klosterkirche und heutige Pfarrkirche St. Martin in Bernried glänzt mit ihrer Rokokoausstattung und einem gotischen Flügelaltar. Von 1120 an befand sich im Kloster ein Augustiner Chorherrenstift, welches bis 1803 bestand. Heute werden die Klosteranlagen von den Missions-Benediktinerinnen genutzt.

 

Ausschnitt eines Bildes von Karl Gries in Tutzing

 





 

 

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
RMR