|
"Messe
solennelle" für Soli, Chor und Orchester (1824)
RICCARDO MUTI
19.OKTOBER 2007
HERKULESSAAL DER RESIDENZ
IN MÜNCHEN
|
 |
|
|
Dem gebürtigen
Antwerpener und nunmehr pensionierten Schullehrer Frans Moors war
1991 in der Antwerpener St.-Carolus-Borromäus-Kirche
ein Sensationsfund gelungen. Ein grünlich
eingebundenes und bestens erhaltenen Konvolut stellte sich als die »Messe
solennelle« heraus, ein Jugendwerk von Hector Berlioz, von dem er selbst
mehrfach versichert hatte, er habe es verbrannt. Und
was ist das für ein phantastisches Stück Musik. Erregend,
unkonventionell, sanft und wuchtig, plastisch und verklärt und hinter
jedem Takt lauert eine neue Überraschung.
|
Joachim
Kaiser über die Geheimnisse der Musik |
|
|
"
Für mich ist die Welt der Musik ein wohltuend sinnliches,
zugleich abstraktes Geisterreich- jenseits von allem banalen
Geschwätz, Gewäsch, Gerede. Sie lehrt Dimensionen des Glücks,
der Trauer, der Wehmut, der Melancholie, stolzer Kraft und
ritterlichen Schwunges, von denen a-musische Zeitgenossen wenig
oder nichts ahnen. Wer sich lebenslang von ihren Geheimnissen
berühren lässt, gewinnt ein umfangreiches emotionales
Erfahrungsreservoir. Nimmt immer Zarteres, Verästelteres,
Differenzierteres, Energisch--Stolzes wahr."
Aus
BR-Klassik / September 2007 |
|
Berlioz'
Zeitgenosse Eugène
Ferdinand Victor Delacroix
Dante
Barke 1822 (Ausschnitt) |
|
|
Guy
de Pourtalés schreibt in seinem Buch "Phantastische Symphonie-
Hector Berlioz und das romantische Europa"
über das Requiem. Ähnliches gilt auch für seine
Messe solennelle.
Dieser
Gottlose hatte hier für seine Gesichte einer Shakespeareschen,
Danteschen Himmels- und Höllenwelt den Ausdruck gefunden. Der Mensch
erscheint darin wie ein Atom im Weltall, doch ein denkendes Atom, bald
Entfessler aller Leidenschaften des Instinkts, bald Dichter zartester
geistiger Melodien. ... Diese Gegensätze in Kolorit und Ton
erinnern an die scharfen Kontraste auf den großen Gemälden von
Delacroix, dem Berlioz in mehr als einem Punkte ähnelt. Es
spielt in einer seltsamen seelischen Landschaft, dieses glanzvolle
Drama. Bald wird wird es von liturgischen Bräuchen inspiriert, bald zu
einem lyrischen und theatralischen Erguss hingerissen; einmal scheint
alles in psalmodierenden Klängen alten Stils zu erstarren, dann bricht
wieder jene tiefe Angst hervor, die die Phantasie des Komponisten in
leidenschaftliche Aufschreie von packender Wirkung umsetzt. Es ist das
religiöse Mysterium eines Ungläubigen, der gesagt hat: 'Mein Himmel
ist die Welt der Poesie', der aber mit gewohnter Skepsis hinzusetzt:
'Jede ihrer Blumen trägt eine Raupe in der Blüte'. "
|
|