EINE SEITE VON THEODOR FREY

Grabmal auf dem Friedhof Montmartre in Paris

HECTOR BERLIOZ                                    1803 - 1869

EINE SEITE VON THEODOR FREY

 

"Messe solennelle" für Soli, Chor und Orchester (1824)


RICCARDO MUTI

19.OKTOBER 2007

HERKULESSAAL DER RESIDENZ 

IN MÜNCHEN


Dem gebürtigen Antwerpener und nunmehr pensionierten Schullehrer Frans Moors war 
1991 in der Antwerpener St.-Carolus-Borromäus-Kirche ein Sensationsfund gelungen. Ein grünlich eingebundenes und bestens erhaltenen Konvolut stellte sich als die »Messe solennelle« heraus, ein Jugendwerk von Hector Berlioz, von dem er selbst mehrfach versichert hatte, er habe es verbrannt.

Und was ist das für ein phantastisches Stück Musik. Erregend, unkonventionell, sanft und wuchtig, plastisch und verklärt und hinter jedem Takt lauert eine neue Überraschung.


Joachim Kaiser über die Geheimnisse der Musik 

" Für mich ist die Welt der Musik ein wohltuend sinnliches, zugleich abstraktes Geisterreich- jenseits von allem banalen Geschwätz, Gewäsch, Gerede. Sie lehrt Dimensionen des Glücks, der Trauer, der Wehmut, der Melancholie, stolzer Kraft und ritterlichen Schwunges, von denen a-musische Zeitgenossen wenig oder nichts ahnen. Wer sich lebenslang von ihren Geheimnissen berühren lässt, gewinnt ein umfangreiches emotionales Erfahrungsreservoir. Nimmt immer Zarteres, Verästelteres, Differenzierteres, Energisch--Stolzes wahr."

 

 Aus BR-Klassik /  September 2007

 

 

Berlioz' Zeitgenosse Eugène Ferdinand Victor Delacroix


Dante Barke 1822 (Ausschnitt)

Guy de Pourtalés schreibt in seinem Buch "Phantastische Symphonie- Hector Berlioz und das romantische Europa"
über das Requiem.  Ähnliches gilt auch für seine
Messe solennelle.

Dieser Gottlose hatte hier für seine Gesichte einer Shakespeareschen, Danteschen Himmels- und Höllenwelt den Ausdruck gefunden. Der Mensch erscheint darin wie ein Atom im Weltall, doch ein denkendes Atom, bald Entfessler aller Leidenschaften des Instinkts, bald Dichter zartester geistiger Melodien.  ... Diese Gegensätze in Kolorit und Ton erinnern an die scharfen Kontraste auf den großen Gemälden von Delacroix, dem Berlioz in mehr als einem Punkte ähnelt.

Es spielt in einer seltsamen seelischen Landschaft, dieses glanzvolle Drama. Bald wird wird es von liturgischen Bräuchen inspiriert, bald zu einem lyrischen und theatralischen Erguss hingerissen; einmal scheint alles in psalmodierenden Klängen alten Stils zu erstarren, dann bricht wieder jene tiefe Angst hervor, die die Phantasie des Komponisten in leidenschaftliche Aufschreie von packender Wirkung umsetzt. Es ist das religiöse Mysterium eines Ungläubigen, der gesagt hat: 'Mein Himmel ist die Welt der Poesie', der aber mit gewohnter Skepsis hinzusetzt: 'Jede ihrer Blumen trägt eine Raupe in der Blüte'. "

 

 

 

 

 

 

Bisher gehörte Opern:

Le Troyens (Mehta, Waltraud Meier, Deborah Polaski)
La Damnation de Faust
(Marc Albrecht)

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Symphonie fantastique (1830)

Episode de la vie d’un artiste - „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“- op. 14

Berlioz bezeichnete sein Werk auch ausdrücklich als drame musical („musikalisches Drama“) und gliedert es folgerichtig in fünf Sätze analog zu den fünf Akten des klassischen Dramas.
Das Leitmotiv (idée fixe), das Motiv der Geliebten, wird in den Sätzen, die einzelnen Szenen zugeordnet sind, verarbeitet.

TAM

Die einzelnen Sätze
(Quelle: Wikipedia)

  1. Träumereien, Leidenschaften (Rêveries, Passions)
     Largo (c-Moll, 4/4-Takt) - Allegro agitato e appassionato assai (C-Dur, 2/2-Takt)

    Ein junger Musiker begegnet einer Frau, die vollkommen seinem Ideal entspricht. In der Seele des Künstlers erscheint sie immer in Verbindung mit einem musikalischen Gedanken (das Leitmotiv, idée fixe). Zu Beginn verzehrt sich der Verliebte nach seiner Geliebten (Langsame Einleitung, thematisch selbständig). Im Allegro-Teil wird dann die Geliebte strahlend eingeführt (monothematische Sonatenhauptsatzform). Verschiedene Stimmungen der Verliebtheit werden durchlebt.

  2. Ein Ball (Un Bal)
    Allegro non troppo, (A-Dur, 3/8-Takt)

    Der Verliebte findet die Frau auf einem Ball wieder. In der Musik wird die idée fixe in einen Walzer eingebettet. Zunächst freut er sich über das Wiedersehen, bald aber merkt er, dass die Geliebte ihn nicht zu beachten scheint. Die fulminante Tanzmusik jedoch fährt ungetrübt fort.

  3. Szene auf dem Lande (Scène aux champs)
    Adagio (F-Dur, 6/8-Takt)

    Der Satz beginnt mit einem Dialog zwischen dem Englischhorn und der Oboe als zwei Hirten, die sich unterhalten. Dann wird jäh unterbrochen für die idée fixe, die Geliebte tritt wieder auf. Der Verliebte bekommt schmerzliche Zweifel, ob sie ihm treu sei. Einer der Schäfer nimmt die Anfangsmelodie wieder auf, der andere antwortet nicht mehr. Sonnenuntergang, warnendes Grollen des Donners (dargestellt durch die Cluster-Akkorde von vier Pauken), Einsamkeit, Stille.

  4. Der Gang zum Richtplatz (Marche au supplice)
    Allegretto non troppo (g-Moll, 2/2-Takt)

    Nachdem er die Gewissheit erlangt hat, dass seine Liebe verschmäht wird, nimmt er Gift und versinkt in einen tiefen todesähnlichen Schlaf. Ihm träumt, er habe seine Geliebte gemordet, er sei zum Tode verdammt und werde zum Richtplatz geführt. Ein bald düsterer und wilder, dann wieder brillanter und feierlicher Marsch begleitet den Zug. Die idée fixe wird erst kurz vor Fall des Fallbeils zitiert.

  5. Hexensabbath (Songe d'une nuit du Sabbat)

     Larghetto (c-Moll, 4/4-Takt) - Allegro (Es-Dur, später C-Dur, 6/8-Takt)

    Der Verliebte findet sich auf einem Hexensabbat wieder, gellendes Gelächter ist deutlich zu hören. Auf einmal wird die idée fixe mehrmals in einer sehr verzerrten, gemeinen Variation wiedergegeben, zunächst von der schrillen Es-Klarinette, dann stimmt das Orchester mit ein: Die einstige Geliebte tritt als Hexe auf und wird von den anderen Hexen freudig begrüßt. Danach läuten die Totenglocken und leiten eine Parodie des Dies irae, des Jüngsten Gerichts aus der katholischen Totenmesse ein. Schließlich mischen sich beide Melodien zu einer höllischen Orgie.

TAM

16. April 1830 - Berlioz schreibt an seinen Freund Humbert Ferrand:

"Lieber Freund, seit meinem letzten Brief sind furchtbare Stürme über mich hinweggegangen, mein Schiff har in allen Fugen gekracht, sich aber schließlich wieder aufgerichtet. Böse Wahrheiten, unbezweifelbare Entdeckungen haben mich auf den Weg der Genesung zurückgeführt; und ich glaube, daß die Genesung so vollständig sein wird, wie dies meiner zähen Natur nach möglich ist. Ich habe soeben meinen Entschluß durch ein Werk besiegelt, das mich völlig zufrieden stellt, hier der Vorwurf . . . .

Ich gehe von der Annahme aus, ein Künstler mit lebhafter Phantasie . . . sehe zum erstenmal die Frau, die sein Ideal an Schönheit und Liebreiz verkörpert, und die sein Herz seit langem ersehnt. Er verliebt sich wahnsinnig in sie. Eigenartigerweise taucht das Bild der Geliebten immer in Begleitung eines musikalischen Gedankens vor seiner Phantasie auf, und er findet in dieser Melodie den gleichen anmutigen und edlen Charakter, den er dem geliebten Gegenstand andichtet: Diese doppelte fixe Idee verfolgt ihn unausgesetzt; das ist der Grund, warum in allen Sätzen der Symphonie die Hauptmelodie des ersten Allegro (Nr. 1) immer von neuem hervortritt.

Nach tausend aufregenden Wechselfällen faßt er einige Hoffnung; er wähnt sich geliebt. Als er sich eines Tages auf dem Lande befindet, hört er in der ferne zwei Hirten, die gemeinsam einen Kuhreigen singen: dieses pastorale Duett versetzt ihn in eine köstliche Träumerei (Nr. 2). Die Melodie kommt einen Augenblick durch die Motive des Adagio hindurch zum Vorschein.

Er wohnt einem Ball bei, doch der Tumult des Festes vermag ihn nicht zu zerstreuen; wiederum ist er von seiner fixen Idee besessen, und die geliebte Melodie läßt während eines glanzvollen Walzers sein Herz erbeben. (Nr. 3).

In einem Anfall von Verzweiflung vergiftet er sich mit Opium; doch das Mittel tötet ihn nicht, sondern verursacht nur eine schreckliche Vision: er glaubt, die Geliebte getötet zu haben, zum Tode verurteilt zu sein und seiner eigenen Hinrichtung beizuwohnen. Gang zum Tode; ungeheurer Zug von Henkern, Soldaten, Volk. Zuletzt erscheint die Melodie wieder, gleich einem letzten Liebesgedanken, unterbrochen von dem tödlichen Streich (Nr. 4).

Er sieht sich umgeben von einer widerlichen Schar von Zauberern und Teufeln, die zusammengekommen sind, den Hexensabbath zu feiern. Ihr Ruf geht in die Ferne. Endlich kommt die Melodie; bisher har sie immer nur graziös geklungen, jetzt aber erweist sie sich als triviales, gemeines Dirnenlied. Es ist das geliebte Wesen, das zum Sabbath kommt, um dem Leichenzug seines Opfers beizuwohnen - eine Kurtisane, die trefflich in diese Orgie paßt. Nun beginnt die Zeremonie. Die Glocken läuten. Das ganze Höllengezücht wirft sich zur Erde, ein Chor stimmt den Totengesang, das gregorianische Dies irae, und die Vision erlischt (Nr. 5).

Da haben Sie den ausgeführten Plan dieser gewaltigen Symphonie. Ich habe soeben die letzte Note davon geschrieben."

 

 

1843

Berlioz verfasst seine Instrumentationslehre.

1904

Richard Strauss ergänzt, aktualisiert und revidiert das Werk von Berlioz.  



 

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