Eine Seite
von
Theodor Frey

 

 

räume &
zeiten

musik &
spiel

denker & gedanken

tun &
lassen

 

 suche auf meinen seiten        http://www.theodor-frey.de
                                               

     

 

 


10. MAI 1933 - 10. MAI 2016

 

Wolfram P. Kastner hat  auch 2016, an der Stelle der Bücherverbrennung auf dem Königsplatz,
wieder einen Brandfleck hergestellt - damit kein Gras über diese unselige Tat wächst.

 


 

75 JAHRE BÜCHERVERBRENNUNG IN MÜNCHEN

doch nicht nur Bücher auch Bilder . . . >

 

VORBEREITUNG DURCH PLAKATANSCHLAG

Der Text des Plakates wurde von Dieter Hildebrandt am Münchner Odeonsplatz am 10. Mai 2008 gegen 12 Uhr eindringlich vorgelesen. Er zeigt überdeutlich die antisemitische Ausrichtung (insbesondere in den Punkten 5, 6 und 7). Ein deutliches Zeugnis der Stoßrichtung des Kampfes gegen das Undeutsche, nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Geistesbereich.

Hildebrandt las den Text aus einem Buch von Joseph Wulf



 

 

VOR DER VERBRENNUNGSAKTION FAND IN LICHTHOF DER UNIVERSITÄT

EINE "FEIER DER NATIONALEN REVOLUTION" STATT

Bei der Veranstaltung wurde das Zusammenwirken der deutschnationalen Kräfte mit den Nationalsozialisten unter Einbeziehung der staatlichen Stellen deutlich. Links ist ein Bild von Hindenburg, rechts eines von Hitler zu sehen. Bei der Veranstaltung waren ca. 8000 Personen anwesend. Sie wurde vom Rundfunk übertragen. Drei Ansprachen wurden gehalten. Die Festrede von Kultusminister Hans Schemm, die zweite von Leo von Zumbusch, dem damaligen Rektor der Universität, der einen gewissen Abstand zum Geschehen wahrte, aber sich auch zum germanischen Führertum bekannte und schließlich kam der 21 jährige Führer der Studentenschaft Karl Gengenbach zu Wort. 
1940 war er als Führer des Sicherheitsdienstes der SS (SD) in den besetzten Niederlanden eingesetzt um in Amsterdam die Bestände der deutschsprachigen Verlage für Emigrantenliteratur zu beschlagnahmen. 1942 nahm er an einer von Adolf Eichmann geleiteten Nachfolgebesprechung zur „Wannsee-Konferenz“ über die „ Endlösung der Judenfrage" teil.


 

DIE VERBRENNUNGSAKTION AUF DEM KÖNIGSPLATZ

Nach der "Feier" formierte sich ein Fackelzug die Ludwigsstraße hoch zum Odeonsplatz und von dort die Briennerstraße entlag bis zum Königsplatz. Vor der Antikensammlung fand die Verbrennungsaktion statt. Auch wenn die Anzahl der Teilnehmer nicht genau feststeht, ist es eindeutig, dass viele Tausende Menschen die Straßen säumten und an der Verbrennungsaktion teilnahmen. Zur Erinnerung brennt Wolfram Kastner  jedes Jahr in den Rasen des Platzes einen runden Fleck, erstmals am 9.November 1995 dem Jahrestag der Reichspogromnacht. 


Königsplatz: Leseaktion am 10. Mai 2008
 


      Völkischer Beobachter 12. MAi 1933


DIE LESUNGEN AUS DEN VERBRANNTEN BÜCHERN AM 10. MAI 2008



 

 

Es gibt wohl keine Quellen, welche Bücher in München genau verbrannt wurden. 

[Video: Bücherverbrennung]

Durch Doppelklick auf das Bild zum Video der 
Bücherverbrennung auf dem 
Opernplatz in Berlin



Am 10. Mai 2008 lasen Prominente und Freunde von Gerhard Schmitt-Thiel  am Odeonsplatz aus den Büchern die auf die schwarzen Listen der Nazis kamen.

 

Gustava Everding, 
die sich sehr für die Hospiz-Bewegung engagiert, und von 1963 an mit August Everding verheiratet war.

Sie las von Erich Mühsam "Der Revoluzzer"

Erich Mühsam: Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet

War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: 'Ich revolüzze!'
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer Schrie:
'Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!'

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.

 

Gaby Dohm

Sie las von Erich Kästner "Phantasie von Übermorgen"

Und als der nächste Krieg begann, da sagten die Frauen: Nein !
und schlossen Bruder, Sohn und Mann fest in der Wohnung ein . . .

 

Ricci Holdt

 von Kurt Tucholsky mit zwei Gedichten 

und dem Text "Der Mantel".

Sunniy Melles

erinnerte an ihre Beziehung zu George Tabori und las sehr eindrucksvoll einen Text von ihm über das Erinnern

Antonia Peters

las das Gedicht von Franz Werfel " Ich habe eine gute Tat getan . . ."

Ich habe eine gute Tat getan

Herz frohlocke!
Eine gute Tat habe ich getan.
Nun bin ich nicht mehr einsam.
Ein Mensch lebt,
Es lebt ein Mensch,
Dem die Augen sich feuchten,
Denkt er an mich.
Herz, frohlocke:
Es lebt ein Mensch!
Nicht mehr, nein, nicht mehr bin ich einsam,
Denn ich habe eine gute Tat getan,
Frohlocke, Herz!
 . . .

 

Kardinal Friedrich Wetter

las aus dem Roman "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers die Episode der Fluchtnacht von Georg Heisler im Mainzer Dom. Anna Seghers wurde 1900 in Mainz geboren.

Leider gab es wohl keine Reaktion der Kirchen auf die Bücherverbrennungsaktionen. 

I

Hier ein Detail aus dem Mainzer Dom, den wir bei unseren Südwesterkundungen kürzlich besuchten

Wohl die heilige Katharina von Alexandrien. Sie zählt zu den 14 Nothelfern.

 

Hans-Georg Küppers 
seit 2007 Kulturreferent der Stadt München

konnte mit einem Auszug aus Lion Feuchtwangers Roman "Der Erfolg" über die bayerische Lebensart das Publikum oft zum Schmunzeln bringen. 

 

 

Monika Strauch und Peter Machac 

erinnerten an mit drei Gedichten an  JURA SOYFERS. Hier ein paar Ausschnitte:

Im KZ Dachau schrieb Soyfer zusammen mit dem Komponisten Herbert Zipper das Dachau Lied mit dem Refrain:
. . .
Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt,
Und wir wurden stahlhart dabei.
Bleib ein Mensch, Kamerad,
Sei ein Mann, Kamerad,
Mach ganze Arbeit, pack an, Kamerad:
Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei,
Denn Arbeit, denn Arbeit macht frei!

Lied von der Käuflichkeit des Menschen (1937)

Ins Himmelblau die Rohstoffpreise steigen
Als holde Boten junger Konjunktur.
Der Markt belebt sich schon, und schamhaft zeigen
Sich zarte Triebe börslicher Natur.
Und bleibt die billigste in jedem Land:
Das ist die Ausschussware „Mensch“ genannt.

Der Mensch kommt heutzutag im Durchschnittspreise
Auf zehn Pfund Sterling nur pro Exemplar,
Die Liefrungskosten spart er klugerweise,
Er liefert selbst sich aus mit Haut und Haar.
Ja, er verkauft sich fertig appretiert,
Mit seiner Menschenwürde ausstaffiert,
Und bist du, Käufer mit den Mitteln knapp,
So kauf sie auf Kredit und stottre ab.

. . .

Gerd Bergmann 

las drei Gedichte von Erich Kästner

und schließlich

mit so besonders schönen Wendungen

. . . der Mai, der Mozart des Kalenders
. . . die Apfelbäume hinterm Zaun erröten
. . . Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.

 

Thorsten Otto 

mit wundervollen Gedichten von Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher). Hier die Anfänge.

Ein Nagel saß in einem Stück Holz

Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube . . . .


Die Briefmarke

Ein männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor a klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt
Da war die Liebe in ihm erweckt . . . .

Ehrgeiz

Bruno Jonas 


mit Kästners  "Sachlicher Romanze"

Regionalbischöfin Breit - Keßler 


mit Gedichten von Else Lasker-Schüler 

Nur Dich

Versöhnung

Weltende

 

Es ist ein Weinen in der Welt
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! Wir wollen uns tief küssen-
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.

 

Gerhard Schmitt-Thiel


stellte der  Loreley von Heinrich Heine (

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
. . .

das Kästner Gedicht

Der Handstand auf der Loreley 
Nach einer wahren Begebenheit 1932 
 

Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen, 
ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen, 
wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen, 
von blonden Haaren schwärmend, untergingen. 

Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen. 
Der Rhein ist reguliert und eingedämmt. 
Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen, 
bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt. 

Nichtsdestotrotz geschieht auch heutzutage 
noch manches, was der Steinzeit ähnlich sieht. 
So alt ist keine deutsche Heldensage, 
daß sie nicht doch noch Helden nach sich zieht. 

Erst neulich machte auf der Loreley 
hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand! 
Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei, 
als er kopfüber oben auf der Wand stand. 

Er stand, als ob er auf dem Barren stünde. 
Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zügen. 
Man frage nicht: Was hatte er für Gründe? 
Er war ein Held. Das dürfte wohl genügen. 

Er stand, verkehrt, im Abendsonnenscheine. 
Da trübte Wehmut seinen Turnerblick. 
Er dachte an die Loreley von Heine. 
Und stürzte ab. Und brach sich das Genick. 

Er starb als Held. Man muß ihn nicht beweinen. 
Sein Handstand war vom Schicksal überstrahlt. 
Ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen 
ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt! 

P.S. Eins wäre allerdings noch nachzutragen: 
Der Turner hinterließ uns Frau und Kind. 
Hinwiederum, man soll sie nicht beklagen. 
Weil im Bezirk der Helden und der Sagen 
die Überlebenden nicht wichtig sind. 

 

Dies soll genügen! Es war ein gute Erinnerungsveranstaltung an einem traumhaften Maitag - Anlass zur Hoffnung?

Erinnern möchte ich noch an die Grabstätten von Oskar Maria Graf, Anette Kolb und natürlich Erich Kästner auf dem Bogenhausener Friedhof und an den Schriftsteller, dessen Name ich auch tragen darf:  Alexander Moritz August Theodor Frey (*1881 in München; † 1957 in Zürich). Er schrieb und veröffentlichte vorwiegend als A. M. Frey.


 

Grabstätten von Schriftstellern, deren Bücher verbrannt wurden,
auf dem Bogenhausener Friedhof in München 
Oskar Maria Graf 
Anette Kolb
Erich Kästner


Denkmal für Pater Alfred Delp von Klaus Backmund 
"
Drei Jünglinge im Feuerofen (Buch Daniel - 3. Kapitel, 10)"
 vor dem Bogenhausener Friedhof

 

Oskar Maria Graf (Grabstätte Nr. 60 auf dem St. Georg Friedhof in München-Bogenhausen) hat es als Schmach empfunden, daß die Nationalsozialisten seine Bücher auf ihre "weiße" Liste der zur Lektüre empfohlenen Bücher (außer - "Wir sind Gefangene") gesetzt haben. Er schrieb in der Wiener Arbeiterzeitung: "Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände der braunen Mordbanden gelangen".


Die Bücherverbrennung

Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt
mich!
Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht
Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch,
Verbrennt mich!

(Bertolt Brecht)




BILDERVERNICHTUNG

19. Juli 1937

In München wird die Ausstellung „Entartete Kunst" eröffnet, die eine massive Verschärfung des Kampfes gegen die moderne Kunst markiert. Zuvor ist ab Anfang Juli in einer ersten Beschlagnahmeaktion Museumsbesitz aus 23 Städten für diese Ausstellung requiriert worden. Ab August 1937 folgt eine zweite Beschlagnahme, der nahezu die gesamten Museumsbestände moderner Kunst zum Opfer fallen. Insgesamt sind fast 20.000 Werke aus 101 Museen und Sammlungen betroffen. In Einzelfällen gehören dazu auch in den Museen befindliche Leihgaben aus Privatbesitz.

Haus der Kunst . . . >

31. Mai 1938:

Mit dem „Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" wird die Beschlagnahme des Jahres 1937 nachträglich legalisiert. Im Gesetz heißt es: „Die Erzeugnisse entarteter Kunst, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes in Museen oder der Öffentlichkeit zugänglichen Sammlungen sichergestellt […] sind, können ohne Entschädigung zugunsten des Reichs eingezogen werden, soweit sie bei der Sicherstellung im Eigentum von Reichsangehörigen oder inländischen juristischen Personen standen." Das Gesetz bietet die Grundlage für die nun einsetzende „Verwertung" der „entarteten Kunst", d. h. den Verkauf gegen Devisen oder den Tausch gegen ältere Kunstwerke.

3. Dezember 1938:

Die „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens" forciert die „Arisierung" jüdischer Vermögenswerte einschließlich von Kunstgegenständen jeglicher Art. Die noch vorhandenen jüdischen Kunstsammlungen werden systematisch beschlagnahmt und „verwertet".

20. März 1939:

Verbrennung des „unverwertbaren Rests" der „Entarteten Kunst" im Hof der Hauptfeuerwache in Berlin-Kreuzberg

30. Juni 1939

In der Auktion der Galerie Fischer in Luzern werden 125 Spitzenwerke aus deutschen Museen angeboten. Sowohl hier als auch bei anderen Schweizer Kunsthändlern werden Werke der „Entarteten Kunst" auch an Sammler und Händler in Deutschland verkauft.

Quelle: Dossier zur NS-Kunstpolitik der FU-Berlin


KONTAKT - theodor.a.m.frey@gmx.de

Impressum

seitenanfang

Anregungen, Hinweise und Reaktionen sind herzlich willkommen

seitenanfang