RAPHAEL * URBINAS

Im Gewand des Halsausschnitts des Bildes "Die Heilige Familie aus dem Hause Canigiani" 
(ca. 1505/06) ist Raffaels Namen und Geburtsort zu finden.

CHARKTERISIERUNG DES WERKES RAFFAELS NACH WILHELM HAUSENSTEIN

Raffaels "Zauber ist unauslöschlich. Es ist der Zauber einer tiefen Verbindlichkeit; es ist der Charme einer unvergleichlichen Grazie der Sinne, der Gedanken, des Herzens; es ist der hohe Reiz der Liebenswürdigkeit, die so vornehm ist wie angenehm, so rein wie gewinnend. . . . Der glückhafte Weg, den Raffael lächelnd abschreitet, die lautere Anmut seiner Künstlerschaft, die adelige Leichtigkeit, mit der er nach Bramantes Tod zur Leitung des Bauwesens von Sankt Peter berufen, auch architektonische Aufgaben meistert vom Kirchlichen bis zum Profanen, sein nie ermüdeter Sinn für die schöne Ausgewogenheit des Normalen ist ein Schauspiel von balsamischer Wohltätigkeit. Hier ist ein Mittelweg gefunden  - und hier am allermeisten in aller Kunstgeschichte darf man sagen, daß der Mittelweg golden ist. . . .  Der Tod der einen Siebenunddreißigjährigen hinwegträgt, nicht viel anders wie nachmals den Mozart, ist der antike Tod, der die Lieblinge der Götter in das höhere Leben holt. . . .
Vom Geschick nicht berufen, das Äußerste zu tun, sondern das Kostbar-Mittelste, erfüllt er seine Bestimmung am gewissesten in den Madonnen, mit Bildern vom innigen Maß und der keuschen Klarheit des 'Sposalizio'."

CHARKTERISIERUNG DES WERKES VON THOMAS STEINFELD
SZ 5.5.09 über die Ausstellung im Palazzo Ducale in Urbino

"Urbino und die Renaissance - das ist  . . . die Bestätigung eines Traums, dass sich das Gute und Schöne zu solchem Glanz und solcher Macht verbinden können, dass man sie selbst in den Metropolen wahrnimmt und achtet."
"Beim Volk ist Raffael immer beliebt gewesen, bei Künstlern und Gelehrten weniger, und das gilt vor allem für das zwanzigste Jahrhundert, das stets das 'Wesen' der Dinge dargestellt sehen wollte und nicht deren schönen Schein."
"Mit Götterkindern . . . weiß die Moderne nicht viel anzufangen. Dabei sind Raffaels Gestalten - diese Madonnen, diese Engel - ja nicht einmal triumphal , sondern zart, milde, entgrenzt. "
"Und Raffael ist heute unser Held. Ja, und amn weiß, was dann kommt, Rom und der späte Michelangelo, Venedig, und dann vor allem Tizian, bei dem es zum Schluss gar keine Linien mehr gibt, gar keine Klarheit, sondern lauter braun und grau ineinanderlaufende Farben, die tief sind und wahr - aber nicht mehr schön. Urbino, das war einmal ein historischer Glücksfall, für zwei, drei Jahrzehnte, und dann nicht mehr."

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