FELIX WEINGARTNER
* 1863 in Zadar; † 7. Mai 1942 in Winterthur
 

Eine Seite von Theodor Frey

 

 

KOMPONIST, DIRIGENT, PIANIST

 

Das 1893 von dem Klavierfabrikantensohn Hofrat Franz Kaim zusammen mit dem Philharmonischen Chor  gegründete Orchester hieß zunächst Kaim-Orchester und anschließend Orchester des Münchener Konzertvereins, bevor es 1928 seinen heutigen Namen (Münchner Philharmoniker) erhielt. Der Jugendstil-Architekt Martin Dülfer schuf 1895 einen Konzertsaal für das „Kaim’sche Philharmonische Orchester“, den "Kaim-Saal" in München, Türkenstraße 5, der im Oktober 1905 in „Tonhalle“ umbenannt wurde. Am 25. April 1944 wurde er durch Bomben zerstört und nicht wieder aufgebaut. International bekannt wurde das Orchester erstmals unter der Leitung von Felix Weingartner von 1898 bis 1905.

 

 
     

 

 

 

 

WEINGARTNER UND BRUCKNER

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Die Anfänge der Brucknerrezeption waren jedoch durch verfälschende Ausgaben seiner Werke geprägt. Die Hauptverantwortlichen dafür waren Bruckners Schüler Ferdinand Löwe sowie die Brüder Joseph und Franz Schalk. Sie erstellten zusätzlich zu Bruckners Fassungen noch eigenhändige Bearbeitungen zahlreicher Sinfonien, in denen sie für gewöhnlich das Klangbild weitgehend dem wagnerschen Ideal gemischter Orchesterfarben annäherten und große, nicht selten sinn-entstellende Kürzungen vornahmen. Dafür hatten sie meist auch Bruckners Erlaubnis, denn die Änderungen waren durchaus gut gemeint und sollten dem Komponisten zu größeren Erfolgen beim Publikum verhelfen. Allerdings schlug diese Absicht oft ins Gegenteil um und sorgte für das lang anhaltende, u. a. durch Felix Weingartner verbreitete Fehlurteil, Bruckners Sinfonien wären Meisterwerke, wären sie nicht so sehr zerstückelt und formlos.

Auch wenn man Bruckners 8. Sinfonie nicht im Strauss'schen Sinne als Programmmusik verstehen sollte, so helfen beim Verständnis sicher auch Bilder, die Bruckner selbst in einem Brief an Felix von Weingartner erwähnt hat: Drei-Kaiser-Treffen in Olmütz (Wilhelm I., Franz Joseph I., Zar Alexander II.), Symbol des Kreuzes, Totenmarsch, Verklärung. Am Ende steht die Verarbeitung aller vier Hauptthemen der Sinfonie in einer strahlende Krönung. .

 

 

 

 

 

WEINGARTNER ÜBER DIE ZEIT

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Felix Weingartner (1918 in der Vossischen Zeitung)

"<Unsere Zeit> .... ist, genau betrachtet, nur der Augenblick, in dem wir diesen Begriff denken, nichts weiter als ein mathematischer Gegenwartspunkt, um den sich Vergangenheit und Zukunft endlos ausdehnen. Nur die Kontinuität unseres Bewußtseins täuscht uns eine verlängerte Gegenwart und dadurch eine stabile Bedeutung unserer Zeit vor, die, wo wir auch stehen, als historischer Vergangenheitsbegriff aufgefaßt werden muß. Es fragt sich nur, wie weit zurück man diesen Begriff ausdehnen kann. In der Paläontologie sind es viele Jahrtausende, in der Kunst wenige Jahrzehnte. Mammutskelette gehören in gewissem Sinne noch in unsere Zeit, ein Kunstwerk aber, das seinen Schöpfer etwa dreißig Jahre überdauert hat, gehört der Vergangenheit an. <Modern sein> heißt eingestehen, daß man in kurzer Zeit nicht mehr modern sein wird. <Nicht mehr modern sein> bedeutet entweder begraben oder unter die Sterne versetzt sein. Sehr rasch ist man dabei, neue Werte aufzubauen und alte zerstören zu wollen. Sehr leicht ist man mit dem <überwundenen Standpunkt> bei der Hand, nur läßt sich vieles nicht so leicht überwinden, wie man denkt, und so manches kann gründlich verdorben werden, wenn man einmal mit dem Umwerten begonnen hat."

"Gesteigerter Lebensverbrauch, beschleunigter Umsatz aller Kräfte, erhöhtes Bedürfnis nach Wohlleben und Luxus, dem eine straffere körperliche Ausbildung gegenübersteht, die unerhörte Erleichterung des Verkehrs und die daraus folgende Verminderung der Entfernungen, sowie die zerstreuende, der seelischen Konzentration feindliche Inanspruchnahme unserer Fähigkeiten brachten allmählich unser Dasein in einen fieberhaften Zustand, in welchem Wandlungen des Geschmacks und Urteils rascher vor sich gehen. Eben deshalb sind sie auch weniger tief und weniger bedeutungsvoll, so wie landschaftliche Bilder nur flüchtige sein können, wenn man im Schnellzug an ihnen vorbeisaust. Man begnügt sich vielfach mit Phrasen und gedankenlosen Gemeinplätzen.

So kann ich verfolgen, daß, was die Kunst betrifft, eine Verminderung der Wertschätzung am frühesten dort eintritt, wo der Schöpfer sich bestrebte, dem gerade herrschenden Geschmack Rechnung zu tragen, oder wo die Sucht, etwas absolut Neues zu bieten, so auffällig ist, daß das Neue mehr eine verblüffende als eine künstlerische Gabe ist. Kommt dann einer, der noch stärker <blufft> oder der <seine Zeit> noch besser versteht, so gewinnt dieser Neue die Oberhand, bis wieder ein Neuer, dann ein Neuerer und schließlich ein Neuester kommt, der aber auch in irgendeiner Weise überboten werden kann. Erstaunlich schnell fliegen dann die <Reformatoren> zum alten Eisen. Ein Werk aber, das die gerade herrschende Mode nicht beachtet, wohl aber mit selbstbewußter und doch bescheidener Würde auftritt, hat Aussicht länger, wenn auch zeitweilig verborgener zu leben als das Allzumoderne, das Allzulaute. Die Anerkennung schreitet viel langsamer als die Verurteilung. Vereinigt sich aber mit dem idealen Sinn des Schaffenden ein hohes Können, so entstehen Werke, auf die wir immer wieder zurückkommen, einfach deshalb, weil sie da sind und sich uns ganz von selbst durch ihren Wert darbieten."

 

 

 






Gedenktafel auf dem Grünen Hügel in Bayreuth
 

 

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