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von Theodor Frey

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Theo Waigel auf die Frage, woher sein Streben nach Eigenständigkeit kommt.

"Das ist der Kampf von Anfang an darum, freier, selbstbewusster zu werden und nicht so abhängig von anderen zu sein, wie ich es auf dem Dorf erlebt habe. Zu dem Wiener Kardinal König habe ich einmal gesagt: Eminenz, man muss doch dem Gewissen stärker gehorchen als dem Heiligen Vater. Und nach kurzem Nachdenken hat er das bejaht. Diese Freiheit, die werde ich beibehalten bis zur letzten Sekunde."

Quelle: ZEIT  Nr. 18 - 2015

 

Wie sehr ich dies Aussage nachvollziehen und unterschreiben kann!

   

 

 

 

In der Rede Theodor Waigels vor dem Deutscher Bundestag am 30. Juni 1994 in Berlin [12. Wahlperiode — 238. Sitzung] kommen aus meiner Sicht mehrere Grundelemente seines Denkens zum Ausdruck:

seine Verankerung im christlichen Glauben,

sein Eintreten für den demokratischen Rechts- und Sozialstaat,

seine Rückbindung auf elementare Werte- und Normen,

seine Absage an den Kollektivismus und Totalitarismus

sein Respekt für den politischen Gegner,

sein Sinn für Humor auch in ernster Auseinandersetzung

und sein Bemühen die Ordnung der Dinge zu erkennen.

 

Hier einige kurze Auschnitte:

 

"Im Bewußtsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen haben die Frauen und Männer des Parlamentarischen Rates im Jahre 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland geschaffen.

Vieles hat sich seither gewandelt. Geblieben aber ist für uns, die wir dieses Grundgesetz den Notwendigkeiten des ganzen Deutschland anzupassen haben, dieser über den Tag und über Parteien hinausreichende Rahmen der Verantwortung.

Das Grundgesetz steht für 45 Jahre Frieden und für die Rückkehr in die internationale Völkergemeinschaft. Das Grundgesetz steht für 45 Jahre wehrhaften Rechtsstaat und stabile parlamentarische Demokratie, für inneren Frieden und soziale Sicherheit. Das Grundgesetz steht vor allem aber für die deutsche Einheit, die uns die Geschichte — nicht nur in diesem Jahrhundert — so lange versagt hat.

Lassen Sie mich Ihnen, Herr Dr. Vogel, nun auch ein Wort des Respektes sagen: und zwar zum einen für diese bewegende Rede, aber auch für die politische Lebensleistung, sicher über viele Gegensätze hinweg. Sie haben sich und anderen das Leben nicht leichtgemacht. Aber weil Sie es sich selber nicht leichtgemacht haben, haben auch die anderen das leichter hinnehmen können.

Sie haben heute zum Ausdruck gebracht, was auch einer Ihrer Gegenspieler, Franz Josef Strauß, einmal gesagt hat: Notfalls müssen die Bayern die letzten Preußen sein. 

[Heiterkeit]

Was Sie am Schluß als Resümee dargestellt haben, hat mich erinnert an den Schlußsatz einer Betrachtung als Antwort auf eine Demokratieenquete der UNO im Jahre 1949, wo Joseph Bernhart über „Philosophische Aspekte der demokratischen Krise" schrieb und mit dem Satz schloß, der für uns alle gilt:

Es gilt, die Ordnung der Dinge zu erkennen und sich selbst in Ordnung zu bringen.

Ich danke Ihnen jedenfalls für das, was Sie getan haben, dafür, wie Sie es getan haben, und auch für die Rede heute. Alles Gute für die Zukunft!

. . . 
Unser Grundgesetz in der Fassung von 1949 war endgültig im Sinne seiner unantastbaren Wertsetzungen und elementaren Normen. Die Aufzählung der Grundrechte, die Demokratie, das Sozialstaatsgebot, der Föderalismus und das friedliche Zusammenleben mit den anderen Völkern waren in ihrer Bestimmtheit für immer definiert. 
. . .

Mit dem Grundgesetz zog der freie Teil der deutschen Nation die Lehren aus der Geschichte. Es war dies eine Entscheidung für die politische Freiheit und gegen den Totalitarismus, für den Rechtsstaat und gegen eine kollektivistische Wirtschaftsordnung ."


Ausgangspunkt eines christlichen Politikverständnisses ist für Waigel "der Mensch und seine Freiheit, seine unantastbare Würde und seine personale Verantwortung vor Gott. Freiheit und Selbstverantwortung müssen jedoch durch die Verantwortung für andere und das Gemeinwohl, also die Solidarität ergänzt werden. Personalität, Solidarität und Subsidiarität - sprich: Hilfe zur Selbsthilfe - bilden die Grundlagen unserer Gesellschaftspolitik. Aber sie müssen im Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gleichheit gehalten werden." Überbetonung der Solidarität münde in Kollektivismus, Überbetonung der Freiheit in schrankenlosen Laissez-faire-Liberalismus.

Quelle: WELT ONLINE 

SIEHE DAZU AUCH MEINE SEITEN ZU NELL-BREUNING . . .




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Theodor Waigel hat in meiner Heimatgemeinde Seeg im Ostallgäu auch seine Heimat gefunden. Deshalb möchte ich auf meinen Seiten auf Aspekte seines Lebens und Denkens aufmerksam machen, die mich berühren.

Theodor Waigel ist in Einrichtungen tätig, die zeigen, wie sehr er sich seiner schwäbischen und bayerischen Herkunft verbunden fühlt:

Arthur-Maximilian-Miller-Stiftung, Augsburg, Mitglied des Stiftungsbeirates

Joseph-Bernhart-Gesellschaft e.V., Türkheim, Protektor

Katholische Akademie Bayern, München, Mitglied des Bildungsausschusses

In der Katholischen Akademie hielt Waigel einen Vortrag "Joseph Bernhart zu Politik und Demokratie", der hier gelesen werden kann. In diesem Vortrag erfährt man nicht nur vieles über das Denken von Joseph Bernhart, sondern auch einiges über Theodor Waigel.

"Über die Mindel und das Mindeltal schreibt [Joseph Bernhart] im Geleitwort zu Arthur Maximilian Millers Gedichten: „Auf diesem kleinen Streifen deutschen Landes schaut man landauf in den Schimmer der bayerisch-schwäbischen Alpen, landab gegen die Donau, wohin der linde Fluß der Mindel seine freundlichen Wege nimmt.“

In Seeg lebte der Bildhauer und Maler Otto Kobel, der Werke von Arthur Maximilian Miller zur Aufführung brachte. 

      1987 Magnusspiel von Arthur Maximilian Miller in Füssen

      2001 Aufführung der Neufassung der "Waaler Passion von 1791" 

         von Arthur Maximilian Miller (1974)
         (Musik von seinem Bruder Robert  Maximilian Miller)

Hier mehr über Otto Kobel auf meinen Seiten . . .


In Seeg steht auch ein Raumkunstwerk, dass mich mein ganzes Leben begleitet hat. Theodor Waigel hat wesentlich dazu beigetragen, dass diese Ulrichskirche jetzt in neuem Glanz erstrahlt.

Hier meine Eindrücke von der 

WIEDERERÖFFNUNG AM 2. DEZEMBER 2007 
ST. ULRICH IN SEEG

UND ZU MEINEN SEITEN ÜBER DIE SEEGER KIRCHE. 

Der Religionsphilosoph Eugen Biser hat sein Werk "Der inwendige Lehrer - Der Weg zu Selbstfindung und Heilung"  "Theo Waigel in Bewunderung und Freundschaft" gewidmet. Viele Jahre besuchte ich die Vorlesung von Biser an der Münchner Universität. Biser wies dabei auf die Bedeutung von Joseph Bernhart, sein Leben und sein Werk [DE PROFUNDIS] hin. 

HIER ZU MEINEN SEITEN ÜBER EUGEN BISER . . .


Theo Waigel engagiert sich als "Vorsitzender des Kuratoriums NS-Dokumentationszentrum" für die Errichtung eines "Lernortes, der in zukunftsweisender Weise insbesondere jungen Menschen die Auseinandersetzung mit der Geschichte der NS-Zeit ermöglicht". 

"Wichtig ist, durch die pädagogisch-politische Arbeit der Einrichtung, zentrale Wertorientierungen wie Menschenwürde, Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Demokratie im Sinne einer gegenwarts- und zukunftsorientierten Demokratie-, Bürger- und Menschenrechtserziehung zu vermitteln. Es soll dadurch für heutigen Rechtsradikalismus, politische Unterdrückung, totalitäre Tendenzen, Menschenrechtsverletzungen, ethnisch motivierte Verfolgungen und genozidale Ereignisse sensibilisiert werden."
"Die Einrichtung soll auf die spezifische Rolle Münchens im Nationalsozialismus konzeptuell eingehen und diese thematisch aufgreifen. Sie soll sich jedoch nicht auf eine rein lokalhistorische Auseinandersetzung beschränken, sondern die grundlegende Aufarbeitung und Analyse von Diktaturgeschichte ermöglichen. "

Quelle: Das NS-Dokumentationszentrum München. Ein historisch-politischer Lernort für die Zukunft


HIER ZU MEINEN SEITEN ÜBER DEN WIDERSTAND . . .

HIER ZUM THEMA BÜCHERVERBRENNUNG . . .

 

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Gefunden - Theodor Waigel zum 70. Geburtstag

Renate Schmidt, EX-SPD Landesvorsitzende in Bayern

" Obwohl in einer anderen Partei, ist Theo Waigel ein sympathischer Mensch. Ich erinnere mich, dass er mich damals, als ich SPD-Landesvorsitzende wurde, zu einem Antrittsbesuch empfing, was für ziemliches Aufsehen sorgte. Er machte überhaupt viele Dinge, die eigentlich ganz normal waren - nur nicht in der CSU."

Quelle: Münchner Merkur 22. 4. 2009


Peter Fahrenholz in der SZ

"Zu seinem 70. Geburtstag . . . lässt sich Waigel wieder einmal vernehmen, vorsichtig zwar, wie es seine Art ist, aber deutlich. Die Bundestagswahl im Herbst könne 'zu einer neuen Konstellation führen', glaubt er und findet das gar nicht nicht schlecht: 'Das wäre für die Demokratie belebend.'

Die 'neue Konstellation', die Waigel andeutet, sind Dreierbündnisse, und darauf soll in seinen Augen auch die Union eingerichtet sein, indem sie sich einer Zusammenarbeit mit den Grünen öffnet. 'Da soll man keine allzu großen Berührungsängste haben'.

. . .

Drei Dinge zählt Waigel selbst zu seinen Verdiensten: dass er die CSU nach dem Tod von Strauß zusammengehalten hat, seinen Beitrag zur deutschen Einheit, vor allem der Überleitungsvertrag, der den Abzug der sowjetischen Truppen regelte; und die Einführung des Euro. Das war nicht leicht, denn der größte Widerstand kam aus seiner eigenen Partei. 

. . .

Er pflegt Kontakte über die Parteigrenzen hinweg. Zu dem früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel etwa habe er 'ein zunehmend gutes Verhältnis'." 

Quelle: Süddeutsche Zeitung 22. 4. 2009

 

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Theo Waigel über die Kappler Alm (Pfronten)

Es gibt in der Nähe von Nesselwang eine Hütte, die Kappler Alm. Man erreicht sie, indem man von Nesselwang über einen schönen Kreuzweg bis zu einer Barockkirche (Maria Trost) geht und dann nochmals durch den Wald wandert. Oder man nimmt den Weg durch eine Schlucht (Höllschlucht), wo man dann diretissima zum Gipfel kommt.

Und da kann ich mich an ein Erlebnis erinnern im Jahr 1990, als ich fast jeden Sonntag schon nachmittags wieder nach Bonn fliegen musste, um Gespräche zur Deutschen Einheit zu führen. Unter der Woche reichte die Zeit nicht aus, um auch längerfristige Projekte und Strategien zu besprechen. Das war natürlich schon hart, bereits am Sonntagnachmittag wieder weg zu gehen, von daheim. Da haben an diesem Vormittag Irene und ich die Tour gemacht; es war ein traumhafter Spätsommertag. Es waren nicht mehr viele Menschen auf dem Weg. Man hörte noch das Läuten der Glocken von den Almkühen. Eine unglaublich schöne, ruhige, abgeklärte Stimmung. Eine halbe Stunde, da habe ich mich unter das Gipfelkreuz ins Gras gelegt und mich entspannt. Ich fragte mich: Warum tust du dir den ganzen Stress eigentlich an? Warum bleibst du jetzt nicht hier? Warum trinkst du jetzt nicht noch ein Weizenbier? Warum bestellst du dir jetzt nicht einen Wurstsalat? Und da überkam mich die Sehnsucht: Wenn ich jetzt ein Stück Papier und einen Bleistift hätte, dann würde ich darauf schreiben: "Lieber Helmut, sei mir bitte nicht bös`. Aber ich bin auf der Kappler Alm geblieben. Hier ist es schöner als in Bonn. Grüße bitte die anderen. Es war eine schöne Zeit.  Dein Theo."

Theo  Waigel

Theodor Waigel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 2. 4. 2010 auf die Frage, was er Helmut Kohl zum 80. Geburtstag schenken wird:

 "Ich schenke ihm eine Einladung im Frühsommer auf eine Allgäuer Alpe." 


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Waigel bekam zum 70. Geburtstag seinen eigenen Weg von der Gemeinde Seeg

"Ich werde den Weg auf und ab laufen, auf und ab», freute sich Waigel über ein für ihn «ganz besonderes Geschenk". Meist bekommt man so etwas erst nach seinem Tod, warf er ein. . . . Doch nicht nur mit dem nach ihm benannten 'Dr.-Theo-Waigel-Weg' hatten sich die Seeger bei ihrem wohl berühmtesten Einwohner bedankt. In der Pfarrkirche St. Ulrich hatte ihn zuvor der Tölzer Knabenchor unter Leitung von Professor Gerhard Schmidt-Gaden überrascht, der zu seinen Ehren ein Konzert gab. "

Quelle: Allgäuer Zeitung vom 27. 4. 2009


Beginn des Weges am Eingang des Dorfangers

 


Waigel über das Phänomen der Grünen
(Interview im Münchner Merkur  23./24.5.09)


Frage:  . . . hielten Sie die Grünen [1983 erstmals im Bundestag] für einen politischen Betriebsunfall?

"Wir haben das Phänomen der Grünen damals nicht genügend realisiert und auf ihr Thema Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik nicht richtig reagiert. . . . Mit dem Grünen-Abgeordneten Herbert Gruhl  - der zuvor in der CDU war - ging ich damals oft gemeinsam den Weg zum Bonner Abgeordnetenhaus. Wir hätten einen Mann wie ihn - das ist mir heute bewusst - nicht so einfach gehen lassen dürfen. Wir haben ihn in der Unionsfraktion mit seiner Argumentation damals als einen zwar anständigen Menschen, aber doch armen Verirrten betrachtet. Insofern waren die Grünen das Defizit der etablierten Parteien."

 

 

 

 


Waigel über Europa
(Aus dem Gesprächsinterview i
n der SZ vom 24./25. August 2013


"Ich bin ein überzeugter Europäer und halte meinen Kopf noch heute für das hin, was wir damals gemacht haben.  . . . Ich würde den [Maastricht-] Vertrag wieder so unterzeichnen. Aber wir müssen den Menschen schon sagen, was uns Europa bringt: Wir haben noch nie ein so friedliches Europa gehabt. Und für Deutschland lohnt es sich: Ich beneide den Bundesfinanzminister, weil er für seine langfristigen Schulden derzeit 1,5 Prozent zahlt. Während der Wiedervereinigung musste ich 8,75 Proznet zahlen. "

"Ich glaube, wir haben eine Phase der Stabilisierung vor uns. Der ganz große Wurf, der auch Joschka Fischer vorschwebte, der wird die nächsten Jahre nicht kommen. Es wird ein Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten geben: ein Kerneuropa mit der Währungsunion und drumherum die anderen EU-Mitglieder sowie die assoziierten Staaten."

"Aber Politiker haben Angst vor unpopulären Entscheidungen. . . . Ich glaube aber, dass zum Beispiel Europa an einem Punkt angekommen ist, an dem das nötig wäre. Dazu braucht man Mut: Immerhin fordern wir die Politiker in diesen Ländern zu Dingen auf, für die sie mit großer Wahrscheinlichkeit abgewählt werden."

 

Waigel über Europa
(Aus der Allgäuer Zeitung -
Februar 2014)

"Unsere Zeit hat ihre eigenen Probleme und sie sind nicht gering. Und doch scheinen sie lösbar. Noch nie in der Geschichte war die Mitte Europas befriedeter. Ein gemeinsamer Markt schafft ökonomische Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit. Deutschland profitiert mit seinem Export mehr davon als alle anderen Länder. Unser Vaterland spielt eine wichtige Rolle in der Welt. Und wir tragen Verantwortung für  diese gemeinsame Europa. Eine Verantwortung, die nie größer war in den vergangenen 150 Jahren.

Wir sollten daher bei den Wahlen für Europa nicht nur auf die Schwächen hinweisen, die es ohne Zweifel gibt. Wir sollten die große Leistung bekräftigen, Europa verteidigen und für die Zukunft weiter entwickeln."

 


 

theodor frey

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