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Wilhelm Hausenstein schrieb 1928 
einen "NEKROLOG AUF STUCK" 

" Seine Geschichte, die Geschichte seines künstlerischen Vermögens, seines Talents, seiner Irrtümer, ist zu einem guten (oder bösen) Teil die Geschichte der Münchner Kunst des letzten Menschenalters."

"... hier ist gegeben: daß einer mit phänomenalen Anlagen begonnen hat und seine höheren Möglichkeiten verlor, weil er in eine öffentliche Situation eintrat, die ihn nicht etwa antrieb, höhere Forderungen zu erfüllen. "

Sein Temperament bezeichnet Hausenstein als "in der Tat prachtvoll sinnlich".

"Es ist überflüssig, noch viel gegen Stuck zu reden: gegen seine bengalische Koloristik, gegen sein livides Grau, gegen die plakative Klassik seines Formbegriffs, gegen seine primitive Allegoristik; gegen die dekorative Kunstgewerblichkeit seiner vermeintlich reliefhaften Ausbreitungen, wider den zweifelhaften 'Stil', wider Stucks historisierenden Sezessionismus, der das eklektische Bild der neunziger Jahre Münchens noch bunter machte; gegen das Fassadenhafte und Götzenhafte dieser Malerei; gegen den schauderhaften Irrtum Stuckscher Bibelbilder; gegen die Vorschnelligkeit seines internationalen Erfolgs, . . . gegen die Untiefe seiner Thematik; gegen dies nachgeborene Neumünchner 'Malerfürstentums', in dem ein problematisches Erbe Lenbachs sich fort- und abspinnt; wider den Mangel an Verhältnis zur großen Zeitbewegung des impressionistischen Naturalismus - einen Mangel, der nicht etwa durch ein Verhältnis zu Marées oder Feuerbach kompensiert wird."

"Er hatte den Kopf eines jener Legionäre, die vor mehr als anderthalb Jahrtausenden das Land südlich der Donau nicht nur in Schranken hielten, sondern auch aus dem römischen Geblüt befruchteten. . . . Seine römische Villa droben in Bogenhausen, hinter dem goldenen Engel der Friedenssäule, war rechtmäßig; sie war das Haus eines Nachfahren unbekannter südlicher Ahnen."

"Als wir mannbar wurden [die Generation, die um 1880 geboren wurde], da kreuzte 'die Sünde' Stucks die Irrwege unserer suchenden Augen, und was sie sonst sein mochte, sie fuhr uns in die Adern, fuhr uns ans Herz. Nun sind wir nahe Fünfzig angekommen; nun lächeln wir; aber wissen wir, wieviel von jenem Bilde, das nur dem wirren Enthusiasmus der ersten Mannbarkeit einen unsinnigen Sinn besitzen konnte, in der Nacht unseres geheimsten Lebens noch fatal geisterst?"

"Er war schön wie ein Römer, und als das kurze schwarze Haar, weiß wurde, das Antlitz grau und faltig, das heiße Auge verglüht, das Ohr Stumpf, da sahen wir ihn nicht ohne Rührung."

"Auch wußten wir, daß er ein guter Lehrer war.  . . . Seine besten Schüler gediehen in einem Gegensatz zu ihm, den er würdig ertrug: Weisgerber voran . . ."

"Stuck: das ist unsere Rückschau, nicht nur er selbst mit Bildern und Bronze; das ist uns ein Augenblick unserer eigenen herrlich unkritischen Jugend. Freilich traf er, einem Römer der Dekadenz nicht unähnlich, uns auch mit Giften des Niedergangs, den er repräsentieren half, wie das Verhängnis selbst es wohl vorschrieb."

Quelle:  Wilhelm Hausenstein - Liebe zu München - S. 229 ff.

hier mehr zu Hausenstein . . .

































 

 

Norbert Lieb über STUCK

" Wohl kann man diesen Künstler, wie schon 1893 Hans Thoma mit bitterer Kritik angemerkt hat, als einen Fortsetzer der Münchner Richtung der Gedon und Seitz ansehen. Und doch war Stuck eine eigene, volle Persönlichkiet, wieder ein Poet des Bildes, ein Meister des Dekorativen in höherem Sinn. Sein Verhältnis zur Antike ist nicht tragisch wie bei Feuerbach, Genelli und Hans von  Marées. Sein Neuklassizismus wirkt keineswegs blutleer, vielmehr voll sinnlicher Fülle. Er brachte die Schönheit zu neuer Ehre. . . . Er vitalisierte die Allegorie und brachte in manche Themen eine ganz neue Skala von Psychologie, die mit Richard Strauss zeitgenössisch und artverwandt erscheint."

"Stucks Schule zeigt sich in Wilhelm Koeppens Apsismosaik und Glasfensterbildern der großen Aula der Universität."

Quelle:  Norbert Lieb  - Die Geschichte seiner Kunst - S. 334

hier mehr zu Richard Strauss . . . 










 

 

 


Herbert Schindler über die STUCKVILLA

" Zum architektonischen Dokument dieser Geschmacksrichtung wird die Villa, die Stuck sich draußen in der Prinzregentenstraße erbaut. Mit all den Antiquitäten, mit venezianischen Patina, mit barocken Aufgüssen, mit den verstaubten Markartbouquets ist hier aufgeräumt. Es herrschen der klare, flächig gehaltene Raumkörper und die Erlesenheit des Materials: polierter Marmor, farbiger Mosaikschmuck, polierte Zeder; Bronze, Glas und Spiegel." 

Quelle: Herbert Schindler  -Große Bayerische Kunstgeschichte - S. 415























Ein prächtiges neues Gewand
Wiedereröffnung der Stuck Villa

18.03.2005
Heute war es soweit. Die Privaträume und das Atelier in der Villa des Malerfürsten Franz von Stuck konnten nach13-jährigen Planungs-, Bau- und Restaurierungsarbeiten wieder besichtigt werden. Die von Stuck bis ins kleinste Detail entworfenen Räume, die Innenausstattung und die Möblierung wurden aufwändig wieder hergestellt. Luxuriöse Stoffe wurden nachgewebt, originale Lampen detailgetreu nach Fotos nachgebildet. Die wie ein Teppich wirkende Parkettböden und die Goldmosaiken schimmern im Halbdunkel und erinnern an ferne orientalisch - antike Zeiten.
Im Vestibül empfängt uns ein Abguss der Medusa Rondanini. Elegant wirkt der umlaufende Spiralfries.

 

 


Besonders eindrucksvoll ist das Musikzimmer. Hier fand ich am Durchgang zum Empfangssalon die Inschrift:

 

DER MANN DER NICHT MUSIK HAT IN IHM SELBST

DEN NICHT DIE EINTRACHT SÜßER TÖNE RÜHRT

TAUGT ZU VERRAT, ZUR RÄUBEREI UND TÜCKEN

TRAU KEINEM SOLCHEN!

(William Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig)

 

Die aufgeführten Musiker sind:

 

Bach - Händel - Gluck 

Haydn - Mozart - Beethoven - Schubert -

Weber - Wagner - Cornelius 

 

Im Speise- und Wohnzimmer sind jetzt Gemälde ausgestellt. 
Besonders gefiel mir das 1910 entstandene Gemälde
DISSONANZ
An welche Musik hat Stuck hier wohl gedacht?

Hier noch Fotos vom Aufgang zum Atelier und dem Atelier mit dem "Altar der Sünde":


Ausschnitt aus dem "Portrait des Künstlers mit seiner Frau im Atelier (1902)
 Seine Frau, die ebenso attraktive wie reiche Witwe Mary Lindpaintner, geborene Hoose, 
steht rechts neben dem "Sündenaltar", von dem der rechte Teil auch auf dem nebenstehenden Foto
  im derzeitigen Zustand zu sehen ist. Ganz profan hatte Stuck seine Pinsel hinter dem Altar verstaut. 
Heute ist der Aufzug für Behinderte dahinter eingebaut.

 

 

 



 

 

 













NEU EINDRÜCKE 


















































































































































































 


theodor  frey

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