eine seite von theodor frey 

MILANO

DUOMO DI SANTA MARIA NASCENTE

 

 

 



 

Der Bau des Doms wurde 1386 durch den Herzog Gian Galeazzo Visconti begonnen und erst 1858 ganz fertiggestellt. Das durch den hellen Marmor und die knapp 4000 Statuen einmalige Bauwerk wurde 1572 durch Karl Borromäus  geweiht. Der Stil des Kirchenbaus ist gotisch und stellt damit innerhalb der italienischen Architektur eine Ausnahme dar. Allerdings ist die Fassade, die erst unter Napoleon abgeschlossen wurde, eher als Mischung aus barocken und neugotischen Stilelementen anzusehen. 


 

"Das Innere . . . tut eine sehr große, durchaus eindeutige und unproblematische Wirkung. Sie wird hervorgerufen durch die Größe und Einheitlichkeit der Formen. Dies Innere hat fünf Schiffe, ein dreischiffiges Querhaus. Zweiundfünfzig riesige Pfeiler ragen ins Dämmerlicht, das durch die zum großen Teil gemalten Glasfenster dringt."

Petrich, Eckart - Italien I - S. 412

 

















 

 

DER MAILÄNDER DOM

"Der gewaltige Bau gehört zu den umstrittensten des Abendlandes. Die einen bewundern ihn auf höchste, die andern schimpfen ihn ein Zuckerbäckerwerk, und beide Parteien haben wahrscheinlich unrecht."

"Wir sehn die Fassade, die erst unter Napoleon I. vollendet wurde, mit den schweren, nach Entwürfen des siebzehnten Jahrhunderts, doch mit klassizistischer Kühle ausgeführten Fenstern, deren Horizontalen störend mit den Vertikalen des gotischen Baus kontrastieren."

" . . . der Dom besteht nicht aus Marmor, sondern aus einem schönen hellen Kalkstein der lombardischen Voralpen."

Petrich, Eckart - Italien I - S. 412/413

„Welches Wunder er ist! So großartig, so ernst, so riesengroß! Und noch so fein, so luftig, so anmutig! Eine Welt des festen Gewichts, und doch scheint das ... eine Wahnvorstellung einer Eisskulptur, die mit einem Atemzug verschwinden könnte!... Die zentrale seiner fünf großen Türen wird von einem Basrelief von Vögeln und Früchten und Biestern und Kerbtieren begrenzt, die aus dem Marmor so genial geschnitzt worden sind, dass sie lebenden Wesen ähnlich sind – und die Figuren so zahlreich sind und das Design so kompliziert, dass man es eine Woche studieren könnte, ohne sein Interesse zu erschöpfen … überall, wo eine Nische oder eine Stütze an dem enormen Gebäude vom Gipfel bis zum Boden gefunden werden kann, gibt es eine Marmorstatue, und jede Statue ist eine Studie für sich… Weit oben, auf dem hohen Dach, springt Reihe auf Reihe der geschnitzten und ausgesägten Türmchen hoch in der Luft, und durch ihr reiches Flechtwerk sieht man den Himmel darüber… Oben auf dem Dach, das sich … von seinen breiten Marmorfliesen erhebt, waren lange Reihen von Türmchen, die aus der Nähe sehr hoch aussahen, sich aber in der Ferne verkleinerten... Wir konnten jetzt sehen, dass die Statuen auf der Spitze von jedem die Größe eines großen Mannes hatte, obwohl sie von der Straße alle aussahen wie Puppen... Sie sagen, dass die Kathedrale Mailands nur an zweiter Stelle nach dem Petersdom in Rom steht. Ich kann nicht verstehen, wie die Kathedrale zu irgendetwas vom Menschen Gemachtem an zweiter Stelle stehen kann.“

– Mark Twain im Sommer 1867
Quelle: Wikipedia

"Wird  . . . die Gotik des Nordens einmal wörtlich nachgeahmt, so entsteht die unleidlich manierierte Gotik des Mailänder Doms, die eine förmliche gotische Modenhaftigkeit darstellt.  . . . In der Renaissance vollendet, ein 'Anachronismus', eine Erscheinung nach ihrer eigenen Zeit, kann dieser Dom ja auch nicht Zeugnis einer aufrichtigen Gesinnung sein."

Quelle:  Wilhelm Hausenstein , Kunstgeschichte  S. 122/123

























 

 

"Französische, deutsche, italienische Baumeister haben abwechselnd oder gleichzeitig an dieser Kirche gearbeitet, sich oft gestritten. Freilich bleibt der Grundriß der einer französischen Kathedrale. . . . Und dennoch ist dies Marmorgebirge, in dem zwischen Stab- und Maßwerk, zwischen Fialen, Krabben, Kreuzblumen, auf Strebebogen und -pfeilern an die viertausendfünfhundert Statuen angebracht sind, Statuen aller Zeiten von der Gotik bis heute, überaus beeindruckend, freilich - und das stimmt bedenklich - besonders nachts bei Mondschein."

Petrich, Eckart - Italien I - S. 412










Auf der zentralen Turmspitze prangt eine weithin sichtbare vergoldete Madonnenstatue, im Volksmund La Madonnina genannt, die in der inoffiziellen Mailänder Stadthymne O mia bela Madunina besungen wird.
























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