aber ist Einklang und Proportion eines Dinges in sich selbst und Harmonie aller seiner einzelnen Teile in sich selbst und in bezug auf die übrigen und in bezug auf das Ganze und des Ganzen in bezug auf die Teile. 
Robert Grosseteste (1168/75 - 1253 - De divinis nominibus)

 

 m 1518,

im Übergang zur Renaissance, schuf der Landshuter Bildschnitzer Hans Leinberger die überlebensgroße Madonna, die heute die Stirnwand des rechten Seitenschiffs einnimmt. Sie verbindet Majestät und Güte und weist mit dem schwungvollen Faltenwurf ihres Gewandes weit voraus in den Barock.


Ursprünglich eine "Rosenkranzmadonna, die von einer Strahlengloriole und einem ovalen Rosenkranz mit fünf geschnitzten Rundmedaillons umgeben war.

 

"In der schlanken, hohen Halle von St. Martin thront Leinbergers Muttergottes wie eine Herrscherin des fruchtbaren, korngesegneten Bauernlandes, entrückt und doch erdnah, königlich und gemeingültig. Ihr Antlitz ist nicht schön im herkömmlichen Sinn, nicht mädchenhaft wie das der 'schönen Marien', nicht feinsinnig idealisiert wie Erharts und Riemenschneiders Madonnen; es ist fast gewöhnlich, aber es ist wahr: ist es doch das aus dem Leben gegriffene Gesicht einer niederbayerischen Bäuerin. In der Kadenz schwungvoller Schüsselfalten fällt das Gewand über den leicht vorgewölbten Leib, bauscht sich und greift mit flatternden Mantelzipfeln, wie vom Wind erfaßt, über die Standfläche hinaus. . . . Eine neue Daseinsfreude geht von dieser Figur aus und schwingt weiter im Raum. Man kann nicht vorbeigehen, ohne gepackt zu werden."


Zum Vergleich:
Madonna aus der Münchner Frauenkirche ca. 1500

"In einer Zeit, die Gefahr lief, im Repräsentativen und Schönheitlichen zu erstarren, hat dieser niederbayerische Plastiker seine ganze urwüchsige Kraft, seinen rustikalen Überschwang ausgespielt und damit das Steuer der Entwicklung förmlich herumgerissen. Nur weil Leinbergers Gestaltung auf festem körperlichen Denken beruht, konnte er seinem eruptiven Temperament in der Faltengebung und Charakterisierung der Figuren freien Lauf lassen, ohne das Grundprinzip des Plastischen, die umschlossene Form, zu verletzen. Seine Figuren sind statuarisch sicher gebaut und kontrapostisch gegliedert. Aber das neue Gesetz, nach dem sie geschaffen sind, ist der Rhythmus."

Herbert Schindler, Große Bayerische Kunstgeschichte II, S. 22

 

Christus in der Rast
Stephan Rottaler, um 1520/30
nach dem Gnadenbild Hans Leinbergers
in St. Nikolaus in Landshut

Bayr. Nationalmuseum

 

 

us Sandstein gemeißelte Hochaltar / Spätgotischer Teil um 1425, ursprünglich farbig gefaßt

Hl. Martin - Mantelteilung      I       Verkündigung      I       Heimsuchung (neugotisch 1858-68)             I           Anbetung der Könige

 



ie  Schlankheit der Pfeiler, die Zurückhaltung und Sparsamkeit der
Gliederungsformen fällt ins Auge.

"Stethaimer. Wir wissen von ihm kaum mehr, als uns die Grabschrift zu St. Martin in Landshut sagt: Anno 1432, am Laurenzitag, starb Hans, der Steinmetz, Meister der Martinskirche und der Spitalkirche zu Landshut, dazu Kirchen von Neuötting, Salzburg, Straubing und Wasserburg. . . . 

Der Außenbau [in St. Martin] ist schlicht, bayerisch in seinem Mut zu großen Wandflächen, aber er ist mit feinstem Platzgefühl in die Straßenzeile eingestellt; das Innere dann von großartigem Hochdrang, virtuos in der raschen Abfolge der schlanken Pfeiler; dazu kommt eine Lichtführung voll milder, strömender Helle. Zusammen gibt es eine Beschwingtheit, Leichtigkeit, ja Zartheit, die einzig dasteht. Die Franziskanerkirche in Salzburg aber, wo der Meister dem dunklen Langhaus aus dem 13. Jahrhundert seinen weiten, lichtdurchfluteten Chor entgegensetzt, mag als Raumschöpfung wie ein Vorklang von Weltenburg erscheinen."

Benno Hubenstein - Bayerische Geschichte  S. 181





as monumentale Chorbogen-Kreuz aus Lindenholz, 1495 fertiggestellt durch den Ulmer Bildschnitzer Michael Erhart, ist mit einer Körperlänge von 5,80 m eines der größten Kruzifixe der Spätgotik, zugleich ergreifender Ausdruck der Passion Christi. 
Ähnliches Werk  von Erhart in Schwäbisch Hall


 




 

 

Steigt das Licht von oben herab und verströmt sich schöpferisch in den Dingen oder steigt der Glanz, die claritas, von unten, aus dem Innersten der Dinge auf und offenbart sich in den Dingen?

Die Schönheit besteht nicht in den materiellen Komponenten, sondern im Glanz der Form; so wie also für die körperliche Schönheit erfordert wird, daß die Glieder im richtigen Verhältnis zueinander stehen und daß die Farbe auf ihnen leuchtet . . . ebenso ist für das Wesen der Schönheit ganz allgemein das richtige Verhältnis von Teilen oder Prinzipien oder anderen Dingen, auf denen die Klarheit der Form leuchtet, erforderlich.

ALBERTUS MAGNUS - SUPER DIONYSIUS DE DEVINIS NOMINIBUS IV , 72, 76

 

 

 

 

m 1493

wurde vom Augsburger Bildschnitzer Hanns Peurlin d. M.  dieser Rotmarmor- epitaph geschaffen. Dargestellt ist Georg Altdorfer, Bischof von Chiemsee und Kanzler des Erzstifts Salzburg.

 

 

as Tympanon am westlichen Nordportal zeigt Christus als Weltenrichter
mit Maria und Johannes dem Täufer.

 

 

 



Grabplatte in der Krypta der Münchner Frauenkirche




Um die Einheit Bayerns in Zukunft zu wahren, erließ 1506 Albrecht IV. 
das Primogeniturgesetz, wonach in Zukunft das Land unteilbar 
und der männliche Erstgeborene der zukünftige Erbe sein sollte.





STADTRESIDENZ VON HERZOG LUDWIG X VON BAYERN  (1495 -1545) Ludwig X war von 1514 bis zu seinem Tod Herzog von Bayern

 

 






DAS GUTE IST DEM SCHÖNEN INHÄRENT, WEIL DAS SCHÖNE DASSELBE SUBSTRAT HAT WIE DAS GUTE . . SIE UNTERSCHEIDEN SICH JEDOCH FÜR DAS DENKEN.

ALBERTUS MAGNUS - SUPER DIONYSIUS DE DEVINIS NOMINIBUS IV , 72, 86











"Vollkommenheit, Schönes und Gutes gründen auf der Form; und damit etwas gut und vollkommen sei, muß es alle jene Merkmale besitzen, die für die Form erforderlich sind und aus ihr folgen. Die Form wird determiniert gemäß dem modus (also nach mensura und Proportion), sie ordnet das Seiende ein in die Grenzen einer spezies (nach einer Liste konstitutiver Elemente, daß heißt nach dem numerus), und als Akt lenkt sie es mittels einer besonderen Neigung (pondus) zu dem ihm gemäßen Ziel, dem rechten ordo."

Umberto Eco in "Kunst und Schönheit im Mittelalter"
über die Konzeption von Albertus Magnus S. 46




 

 

Daniel Hopfer der Ältere, auch Hopffer oder Hopper) war Waffenätzer,
Radierer und Holzschneider. Seine kunstgeschichtliche Bedeutung erlangte
er als Erfinder der Ätzradierung und als einer der Wegbereiter und Verbreiter
der Renaissancekunst in Deutschland.

 

zur Startseite

Anregungen, Hinweise und Reaktionen sind herzlich willkommen

zum Seitenanfang