"Mehr als alles andere wünscht sich der Mensch die Wiedererschaffung, denn sie wäre eine Mischung aus Erschaffung und Fortdauer . . . .      Wie bei den Erneuerungen im Laufe unseres Lebens verbinden wir, doch diesmal imaginär, die Annehmlichkeiten des Alten mit der Freude über das Neue; tatsächlich möchten wir am liebsten alle Vorteile auf einmal, einerseits die Vorteile der Fortdauer, andererseits die Freude über das Neue, tatsächlich möchten wir am liebsten alle Vorteile auf einmal: einerseits die Vorteile der Fortdauer, andererseits die Freude eines ersten Lebens, dessen anfänglicher und unschuldiger Charakter über den tödlichen Bruch und die daraus folgende Gedächtnislosigkeit hinaus minutiös gewahrt bliebe."
Jankélévitch, Der Tod, S.419

 

 

 

"Wir stehen lange in andächtiger Sammlung vor dem Orgelpunkt aus Marmor, den man Mausoleum nennt. Die Trauer ist somit eine Angelegenheit der Lebenden; es sind die Lebenden, sie sich eifrig zu schaffen machen und den Augenblick in eine Inszenierung verwandeln, der Tote aber hat sich bekanntlich aus allem zurückgezogen"
Jankélévitch, Der Tod, S.277

 

 

"In der verschwenderischen Fülle des Pflanzenreichs ist kein Platz für persönliche Tragödien. Der Tod des Baumes macht den Fortbestand der unsterblichen Natur noch ergreifender. Ein gefällter Baum wird durch andere, ununterscheidbare Bäume ersetzt - denn alle Bäume sind austauschbar; die Lebensfähigkeit verlagert sich an eine andere Stelle, das ist alles." Jankélévitch, Der Tod, S.535

Doch was begegnet uns über dem Geflecht der Natur, wenn in unseren Adern der Lebenssaft stockt, wenn das geronnene Nichts zerrinnt? Wird uns das "Blut" für ein Sein in unaustauschbarer Fülle gereicht?

"Wenn das Unwiderrufliche des Todes das Leben des Menschen unwiderruflich machen soll, muß alles gerettet werden; das Sein, das es verliert, muß im Vorgang des Verlorengehens gerettet werden."
Jankélévitch, Der Tod, S.555

 

 

 

 

"Der Mensch hat nicht die Freiheit, zu bewirken, daß das, was durch sein Tun stattgefunden hat, nicht stattgefunden hat. Mit anderen Worten: dem Menschen steht es frei zu wollen oder nicht zu wollen, das 'Gewollt-Haben' jedoch schreibt sich von dem Augenblick an, da er gewählt hat, für immer in die Geschichte als ein unzerstörbarer Bestandteil seiner persönlichen Vergangenheit ein;"
Jankélévitch, Der Tod, S.407

Die Summe des Geschehenen ist jeden Augenblick wahr.