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EBRACH 

Herbert Schindler beschreibt die Entwicklung des Zisterzienserklosters in seiner "Grosse[n] Bayerischen Kunstgeschichte" - S.204 ff.

"Mit den seit 1098 vom burgundischen Reformkloster Citeaux ausgehenden Zisterziensern greift zum zweitenmal eine mönchische Reformwelle in die Entwicklung unseres Architekturgeschehens entscheidend ein. Gleich den zwei hundert Jahre älteren Cluniazensern und Hirsauern (auf die sie zurückgingen und deren Tradition sie mit neuer Stoßkraft fortführten) unterstellten die Zisterzienser ihr Bauwesen, vor allem das Kirchengebäude, einem bestimmten Programm, das allgemein als eine Absage an den Reichtum gewertet werden darf, und eine gemeinsame geistige Haltung, einen „zisterziensischen Stil" erkennen läßt.  Das wesentlichste Merkmal aller Zisterzienserbauten ist der Geist kühler, zweckbedachter Nüchternheit, der alles durchwaltet, der Sinn für handwerklich-saubere Steinarbeit in der Bearbeitung der Quadern und der Gewölbe: der Verzicht auf Formenreichtum bedingt zugleich die neue Monumentalität. Nicht weniger bedeutend als das - übrigens bald gelockerte - Bauprogramm ist das geistige Fluidum, aus dem die Zisterzienserbauten gewachsen sind, ist ihr Geist der Entsagung und des gläubigen Dienens, der eine Brücke bildet für die beginnende Gotik. 

Einer der wichtigsten Ausgangsorte der Zisterziensergotik war das fränkische Kloster Ebrach im Steigerwald. Um 1200 wurde die Kirche begonnen, 1282 war sie vollendet. Ihre noch wohlbewahrte Außenerscheinung ist durch die Massigkeit des Baugefüges und der einzelnen Bauteile - Langhaus, Querschiff, Chor - noch entschieden von der Romantik bestimmt. Die wuchtigen Strebepfeiler sind nicht über ihre Funktion hinaus durchgebildet oder gar geschmückt. Der ganze Bau verrät den Geist enthaltsamer Spröde, technischer Klarheit und zweckbedachter Konzentration. Die Detailformen sind sparsam.

Nur die Fassade zeigt in ihren nun allerdings prachtvoll-lebendigen Portal- und Fensterformen, in der riesigen durchbrochenen Rose, den Geist der beginnenden Gotik. . . .  Im Ebracher Innenraum, der unter den Gewand der Spätzeit des 18. Jahrhunderts noch seine Grundfigur bewahrt hat, ist das gebundene System der quadratischen Joche aufgegeben. Der Chor (der rechteckig ist wie bei Hirsauer Bauten) bringt als Neuheit den in Frankreich entwickelten Umgang mit niederem Kapellenkranz. Auch dem Querschiff sind Kapellen vorgelegt."

1778-1791 erfolgte durch den Würzburger Hofstuckator Materno Bossi eine grundlegende, auf prunkvolle Dekorationswirkung gerichtete Umgestaltung der Kirche, mit frühklassizistischen Ausstattung. Ein großer Teil der Bildhauerarbeiten stammt vom Hofbildhauer Johann Peter Wagner.  Es ist sicher richtig, dass die Umgestaltung den mittelalterlichen Raum stark verändert hat und diesen, laut Georg Dehio, "ästhetisch vernichtet" hat. Doch ist eine andersartige, beeindruckende Raumgestalt entstanden, die besonders hinsichtlich des Farbgepräges herrliche Eindrücke verschafft. Insoweit ist dem Historiker H. Mayer zuzustimmen: "Unersetzliches ist dabei verloren gegangen, doch muss zugestanden werden, dass mit viel Geschmack ein überaus festlicher Raum geschaffen wurde."

Die Würzburger Künstler verliehen dem schmalen, dreischiffigen Langhaus zwischen der gotischen Fensterrose im Westen und dem geraden Chorschluss im Osten seine stilreine Geschlossenheit. Die Schnitzereien der Seuffert-Orgel und das ehemalige Chorgitter unterhalb der Empore gehörten ebenfalls zu den Kunstwerken ersten Rangs. Vielleicht gelingt es diese Wertung mit den folgenden Bildern zu untermauern.


















Ebrach war ein ausgesprochen reiches Kloster und besaß in mehr als 700 Orten Grundbesitz, Einkünfte und Rechtstitel. Diese Wirtschaftskraft war es, die Ebrach nach Reichsunmittelbarkeit streben ließ. Dieser Anspruch fand Ausdruck in den Jahren 1687–98 und 1715–35, als die Abteigebäude vergrößert und modernisiert wurden. Die erste Bauphase stand unter der Verantwortung von Johannes Leonhard Dientzenhofer (1663–1726),die zweite unter der von Joseph Greising (1664–1721). Im Zuge der Säkularisation wurde das Ebracher Kloster 1803 aufgelöst und wird seit 1851 größtenteils als Justizvollzugsanstalt genutzt.










Fensterrose 

über dem Hauptportal von Außen und Innen



















Die Fensterrose

Da drin: das träge Treten und Tatzen
macht eine Stille, die dich fast verwirrt;
und wie dann plötzlich eine von den Katzen
den Blick an ihr, der hin und wieder irrt,

gewaltsam in ihr großes Auge nimmt, -
den Blick, der wie von eines Wirbels Kreis
ergriffen, eine kleine Weile schwimmt
und dann versinkt und nichts mehr von sich weiß,

wenn dieses Auge, welches scheinbar ruht,
sich auftut und zusammenschlägt mit Tosen
und ihn hineinreißt bis ins rote Blut - :

So griffen einstmals aus dem Dunkelsein
der Kathedralen große Fensterrosen
ein Herz und rissen es in Gott hinein.

Geschrieben Juli 1906 in Paris

 




Michaelskapelle

Die kreuzförmige Michaelskapelle am nördlichen Querhaus der Abteikirche, um 1207 vollendet, gilt als Musterbeispiel für die Entwicklung der romanischen Bauplastik und zisterziensischen Baukunst aus der Frühzeit der Abtei. Sie ist zugleich der letzte Rest des ersten Sakralbaus. 

Hier "zeigt sich noch völlig unversehrt in der knospenhaften Frische und Reinheit des Frühstils: gebündelte Dienste mit Schaftringen und Kelchkapitälen , Kleeblattarkaden mit fein stilisierten Teilungssäulen, scharf eingeschnittene Rundbogenfenster in der blanken Quaderwand und wuchtige Gewölbegurte, die schon spitz gegeneinander laufen. Das Ganze, ein gedrängtes Lapidarium frühzisterziensischer Bauformen, läßt die einstige Wirkung des Kirchenraumes erahnen."



 

































 

 




















 


































 










Frühklassizistische Innenausstattung

Matero Bossi (Stuckateur - Johann Peter Wagner (Bildhauer)































 















An der nördlichen Stirnwand des Querschiffes steht der aus Sandstein und Alabaster 
gefertigte Renaissancealtar des Hl. Bernhard von 1623/26, 
Hauptwerk des Veit Dümpel aus Nürnberg. 
 In dem monstranzartig aufgebauten, künstlerisch wertvollen Werk 
trifft ein gotischer Nachhall auf die Vorahnung kommenden Barocks.















Der mächtige Hochaltar von 1778/80 
zeigt in Aufbau und Figuren deutliche Nachklänge des Rokoko. 
Das große Altarblatt stellt die Himmelfahrt Mariens dar. Es ist die Variation eines Bildes von Peter Paul Rubens
[mehr zu Rubens auf meinen Seiten . . . .] und wurde bereits 1650-52 von H.G. Heyden gemalt. Darüber sind die Wappen des Ordens, 
des Klosters und des damaligen Abtes angebracht.



























Dreifach verborgen Offenbar

 

Wo zu finden?

Im Farbenmeer den Lichtquell

Im Linienlabyrinth den Formgeber

Im Gedankenschwall den Ruhepol

Wo, wenn nicht dreifach:

Jetzt, jetzt, jetzt

 

tam

















 










































 






 


Kunst und Glück

Kunst ist geträumtes Leben,
Selig und heilig und rein fein --
Glück ist irren und streben,
Aber am Abend noch dein sein.

Ernst Goll

Geschrieben Juli 1906 in Paris

 












































































Ebrach war ein ausgesprochen reiches Kloster und besaß in mehr als 700 Orten Grundbesitz, Einkünfte und Rechtstitel. Diese Wirtschaftskraft war es, die Ebrach nach Reichsunmittelbarkeit streben ließ. Dieser Anspruch fand Ausdruck in den Jahren 1687–98 und 1715–35, als die Abteigebäude vergrößert und modernisiert wurden. Die erste Bauphase stand unter der Verantwortung von Johannes Leonhard Dientzenhofer (1663–1726),die zweite unter der von Joseph Greising (1664–1721). Im Zuge der Säkularisation wurde das Ebracher Kloster 1803 aufgelöst und wird seit 1851 größtenteils als Justizvollzugsanstalt genutzt.

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