2

        

 

ZWEI 

         THEODOR ALBERTUS MAGNUS  FREY   I   SEITEN ÜBER GOTT,  WELT  UND MENSCH   I   EXPERIMENTE ZUR GESTALTWERDUNG 

"Die Welt ist Etwas - das heißt: sie ist nicht Nichts, sie ist aber auch nicht Alles, sondern es gibt noch andres. Und da dieses Wissen nur der erste Anfang sein soll, so muß nun jenes andre, Ich wie Gott, in jedem Augenblick für sie erreichbar sein, sie erreichen. Es darf gar nicht möglich sein, von Welt zu reden, ohne nicht schon im nächsten Augenblick vom Menschen und von Gott zu reden. Die Welt kann nur Etwas sein, weil sie in jedem Augenblick hineingeschlungen ist in den Strom, dem sie und dem das andre, dem alles Etwas, angehört. Hineingerissen aber wird sie in diesen Strom durch das einzige in ihr, was nicht ein Teil von ihr ist und was doch gar nicht beansprucht, etwa ihr Wesen zu sein. Etwas, war ihr ganz äußerlich anhängt und grade durch dies bloß äußerliche Anhängen hinweist darauf, daß es noch ein Außen für sie gibt. Denn ein Außen, nicht ein Innen, nicht »Wesen« für sie ist der Mensch, ist Gott. Eben daß sie weder Mensch noch Gott »ist«, eben dies ihr wesenloses Wesen, weiter nichts drücken wir aus, wenn wir sie Etwas nennen."

Franz Rosenzweig  - Das Büchlein vom gesunden und kranken Menschenverstand

 
 


THEMEN DER ZWEI                                       GRUNDTEXT                                                        KOMMENTIERUNGEN

  Die Zahl Zwei

   Geteilter Kreis

   Dualität

   Einatmen - Ausatmen

   Weiß  -  Schwarz

   Werden - Vergehen

   Entweder - Oder

   Entfaltung

   Dasein

   Nicht mehr - Noch nicht

   Notwendigkeiten

   Der Wille zum Leben 

 

< zurück zum Seitenanfang

I. Symphonie   2. Satz                                    

Von der Einheit zum Ich 

DIE DUALITÄT

GRUNDTEXT                                                                                                                        

Im Dasein ist Spaltung,
mit dem Licht war auch der Schatten, war Weiß und Schwarz.
Die Zeit teilt.
Die Einheit wird zum Noch - Nicht und Nicht - Mehr.
Die Eins wird weiter gezählt. Es gibt die Eins und die Zwei,
das Wenn und das Dann, das Entweder - Oder
das An und das Aus, das Ja und das Nein,
das Werden und Vergehen.

Die Einheit ist in den Raum der Möglichkeiten,
in die Zeit der Notwendigkeiten, in den Rahmen der Entfaltung gelangt.
Die Freiheit beginnt ihren Weg durch das Sein.

Angelegt in der ersten Trennung ist schon die zweite,
und in jedem der Teile sind die Möglichkeiten der eigenen Entfaltungen mitgegeben,
in einem Gegeneinander, in einem Miteinander.

Die in die Materie eingeschriebenen Gesetze 
beginnen ihre Wirkungen zu entfalten,
drängen in immer  neue Gestalten hinein,
die stets mehr sind als nur die Summe ihrer Teile.

Die Einheit wirkt in und durch ihre Entfaltungen
und sucht sich immer neu zu finden.

Die Dualitäten, sie gehören zum Atem, zum Puls des Seins,
zum Willen zum Leben, zur Ordnung des Lebendigen.

Chaos quillt hervor, aber stets auch neue Ordnungen.
Ein wechselseitiges Durchdringen, in dem das Lebendige gefaßt
und das Gefaßte lebendig bleiben kann.

Ordnung und Chaos entstanden ohne uns,
wie auch Chaos und Ordnung ohne uns zerfällt;
aber daß dies für uns staunend erfahrbar wird, ist das nicht Wunder genug ?

Leben wurde möglich, getriebenes Sein, 
bis sich Leben entwickelte, das selber den Trieb kennt.
Passives wurde um Aktives erweitert,
so daß aus der geschehenen Entfaltung,
Entfaltung wurde, die mit gestaltet.

Aber was ist denn aktiv, was ist denn passiv ?
Ich vermeine es zu wissen, doch ich beginne mit dieser Frage in mir selbst,
wo die Ursprünge zum Handeln oft geheimnisvoll im Dunkeln bleiben.
Dann aber kann, was für mich aktiv erscheint,
durch das in der Vergangenheit oder Zukunft Verborgene mir bereits auferlegt sein.

Im Sein ist der Prozeß verankert, der zwischen aktiv und passiv vermittelt,
der wechselseitig stets neu erkundet, 
wie aus den Notwendigkeiten Möglichkeiten werden können.
Doch alle Möglichkeiten sind vielfach begrenzt, 
werden aus den Gesetzen des Daseins nicht entlassen.
Damit ist in jeder Entfaltung notwendig auch Trennung,
in jedem Gewinn und Zuwachs stets auch Verlust und Mangel.

Es ist ein Werden und Vergehen im Atem der geschaffenen Zeit.

< zurück zum Seitenanfang
<<
zurück zur Gesamtstruktur des Werks
weiter zum nächsten Satz der Symphonien >>

 

KOMMENTIERUNGEN

   Die Zwei 

Das Große Spiel der Mannigfaltigkeit im Raume, der Wiederholung in der Zeit beginnt mit der Zwei, der ersten Aufspaltung.

Mythen und frühe Urkunden berichten, daß die Schöpfung begann, indem die Eins sich aufteilte. Sie stellte ein Gleichnis aus sich heraus. Damit entstand nicht nur ein Gleiches, sondern auch ein Anderes und ein Doppeltes.

Schon hier beginnen die Schwierigkeiten und setzen Fragen an, die nie gelöst werden, obwohl Theologen, Philosophen und Mathematiker sie immer wieder beantworten.

Hat etwa die Eins ein Spiegelbild aus sich herausgestellt? Dann wäre die Welt ihre Idee oder ihr Traum.

Oder war es eine reale Abzweigung, durch die Himmel und Erde, Oben und Unten, Gut und Böse mit Macht belehnt wurden? Das würde eine währende Abgabe bedingen - sei es durch kosmischen Einfluß, sei es durch Sendboten. Die Schöpfung muß durch Zeugen aufgefrischt, sie muß, obwohl nur im Gleichnis, in der Zeit wiederholt werden. Die Zeugung ist ihr Symbol und auch der Schmerz - er wird in der Geburt und im Martyrium wiederholt.

Ein ersten Widerstand muß vorhanden gewesen sein, durch den sich die Eins verwandelte und in der Mannigfaltigkeit verlos. So wirkt das Prisma auf das unsichtbare Licht."
Ernst Jünger - Zahlen und Götter -1974

 

 

 

 

 

'

 

Dualität

 

ZEIT - RAUM - 

 

Dualität

 

Die Zwei


Geteilter Kreis

Atem

Weiß  -  Schwarz

Werden - Vergehen

Entweder - Oder

Entfaltung

Dasein

Nicht mehr - Noch nicht

Notwendigkeiten

Der Wille zum Leben

 

 


2. Satz 
der 
I. Symphonie




Die Dualität



 
 
Die Zwei


 
 
Im Dasein ist Spaltung,
mit dem Licht 
war auch der Schatten,
war Weiß und Schwarz.
Die Zeit teilt.
Die Einheit wird zum
Noch - Nicht und Nicht - Mehr.
Die Eins wird weiter gezählt.
Es gibt die Eins und die Zwei,
das Wenn und das Dann,
das Entweder - Oder
das An und das Aus,
das Ja und das Nein,
das Werden 
und Vergehen.


Die Einheit ist
in den Raum der Möglichkeiten,
in die Zeit der Notwendigkeiten,
in den Rahmen der Entfaltung 
gelangt.
Die Freiheit beginnt ihren Weg
durch das Sein.
 


 

Angelegt in der ersten Trennung
ist schon die zweite,
und in jedem der Teile
sind die Möglichkeiten
der eigenen Entfaltungen 
mitgegeben,
in einem Gegeneinander,
in einem Miteinander.



Die in die Materie 
eingeschriebenen Gesetze
beginnen ihre Wirkungen 
zu entfalten,
drängen in immer 
neue Gestalten hinein,
die stets mehr sind 
als nur die Summe ihrer Teile.

Die Einheit wirkt
 in und durch 
ihre Entfaltungen
und sucht sich
 immer neu zu finden.
Die Dualitäten,
sie gehören zum Atem,
zum Puls des Seins,
zum Willen zum Leben,
zur Ordnung des Lebendigen.
Chaos quillt hervor,
aber stets auch neue Ordnungen.
Ein wechselseitiges Durchdringen,
in dem das Lebendige gefaßt
und das Gefaßte 
lebendig bleiben kann.


 
Ordnung und Chaos 
entstanden ohne uns,
wie auch Chaos 
und Ordnung 
ohne uns zerfällt;
aber daß dies für uns 
staunend erfahrbar wird,
ist das nicht Wunder genug ?


Leben wurde möglich,
getriebenes Sein,
bis sich Leben entwickelte,
das selber den Trieb kennt.
Passives wurde um Aktives erweitert,
so daß 
aus der geschehenen Entfaltung,
Entfaltung wurde, 
die mit gestaltet.
Aber was ist denn aktiv, 
was ist denn passiv ?
Ich vermeine es zu wissen,
doch ich beginne 
mit dieser Frage in mir selbst,
wo die Ursprünge zum Handeln
oft geheimnisvoll im Dunkeln bleiben.
Dann aber kann, 
was für mich aktiv erscheint,
durch das in der Vergangenheit
oder Zukunft Verborgene
mir bereits auferlegt sein.
Im Sein ist der Prozeß verankert,
der zwischen aktiv und passiv vermittelt,
der wechselseitig stets neu erkundet,
wie aus den Notwendigkeiten
Möglichkeiten werden können.
Doch alle Möglichkeiten 
sind vielfach begrenzt,
werden aus den Gesetzen des Daseins
nicht entlassen.
Damit ist in jeder Entfaltung
notwendig auch Trennung,
in jedem Gewinn und Zuwachs
stets auch Verlust und Mangel.






Es ist ein Werden und Vergehen
im Atem der geschaffenen Zeit.

< zurück zum Seitenanfang
<< zurück zur Gesamtstruktur des Werks
weiter zum nächsten Satz der Symphonien >>

 

 

Einheit

Ich

 

BEWEGUNGEN

 

BEZIEHUNGEN

Z

GESTALTEN

Zeit ist das Verhältnis zum Anderen. „Die Zeit ist nicht als eine Abwertung der Ewigkeit zu denken, sondern als Verhältnis zu demjenigen, was, als von sich aus Unangleichbares, absolut Anderes, sich nicht durch die Erfahrung angleichen läßt, oder als Verhältnis zu dem, was, als von sich aus Unendliches, sich nicht begreifen läßt“.

Der Andere steht zum Ich im Verhältnis der Nicht- Gleichzeitigkeit (Diachronie), der „Distanz, die Nähe ist“. Paradigmen solcher uneinholbaren Anderheit sind der Tod und das Weibliche. Levinas zeigt in "Die Zeit und der Andere", wie es im Verhältnis zur Anderheit ein Durchbrechen der in sich verschlossenen Einsamkeit, ein wirkliches Transzendieren gibt, das nicht mehr Rückkehr des Selben zu sich ist.

Emmanuel Levinas