TAM



In einer Krise entscheidet sich, ob ein erkrankter Organismus stirbt oder sich wieder regeneriert, sie ist der Knotenpunkt für strukturelle Veränderungen.


KLIMA -  UMWELT - FINANZ - WIRTSCHAFTSKRISE

zyklisch? vermeidbar? naturnotwendig?




SYSTEMKRISE ? oder KRISE der WILLKÜR?

"Das System war einst eine große Hoffnung. Es war das begriffene Ganze. Zwar stellte es strenge Anfordungen an jeden, der sich ihm näherte. Aber wer sich diesen Ansprüchen unterwarf, tat es mit Stolz. Denn das systematische Denken war das Adelsdiplom des kritischen Verstandes, es erhöhte ihn, indem es ihm Selbstbegrenzung und Selbstentfaltung zugleich abverlangte." Lothar Müller SZ 17.4.09





Die Systemskepsis "unterschlug, dass die Selbstverpflichtung des Denkens auf das System an ihrem aufklärerischen Ursprung . . .gerade nicht als dogmatische Setzung erfolgte, sondern in Form der Selbstkritik der Vernunft. Nur darum konnte das System damals die Hoffnung sein, weil es den Anspruch auf Erkenntnis des Ganzen mit dem Anspruch auf die Selbsterkenntnis und Selbstbegrenzung des Organs dieser Erkenntnis verband. Nur darum ist das - kantisch gefasste - System noch heute unverzichtbar." Lothar Müller SZ 17.4.09





Wirtschaftszyklen



Kondratieff



Basis- innovationen







Nefjodow




















Informations- technik










Psycho- soziale Gesundheit



immaterielle Faktoren

 

 

 

Der russische Ökonom Nikolai Kondratieff begründete in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Theorie der langen Wellen, die durch produktivitätsfördernde Basisinnovationen ausgelöst wurden. Er identifizierte die Dampfmaschine (1780 bis 1840), die Eisenbahn (1840 bis 1890) und die Elektrizität (1890 bis 1940) als Basisinnovation, die einer bis dahin stagnierenden, an der Realkostengrenze angelangten Wirtschaft wieder zu neuem Wachstum verhalf.  Einer seiner namhaften Adepten Leo A. Nefjodow identifizierte die beiden weiteren Konjunkturzyklen von 1940 bis 1980, getragen vom Auto und der individuellen Massenmobilität und die Informationstechnik als Treibfeder des fünften Kondratieff, die ihren Höhepunkt 2002 fand.

Eine lange Konjunkturwelle ist eben nicht allein ein ökonomischer, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Vorgang. Sie verändert die Art, wie sich eine Gesellschaft organisiert, um die neue Basisinnovation optimal zu nutzen. Dazu gehören eine neue Infrastruktur, neue Bildungsinhalte, neue Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung, neue Führungs- und Organisationskonzepte in den Unternehmen. Hinter der Kondratiefftheorie steht also die Einsicht, dass die Wirtschaft langfristig nicht wegen niedriger Zinsen, hoher Staatsausgaben, der Geldmenge oder den Löhnen wächst, sondern weil eine Volkswirtschaft produktiver wird. In den letzten Jahrzehnten trug die Informationstechnik das Wirtschaftswachstum.

Der sechste Kondratieff-Zyklus hingegen wird sich vom derzeitigen deutlich unterscheiden. Künftig geht es nicht mehr vorrangig um die Informationsströme zwischen Mensch und Technik, sondern um die Informationsströme zwischen Menschen.  Um dieses Potential zu erschließen, bedarf es nach Nefjodow einer neuen Basisinnovation: der psychosozialen, ganzheitlichen Gesundheit. Sie erschließt die Produktivitätsreserven des Informationsarbeiters und bildet die für den wirtschaftlichen Erfolg in der Informationsgesellschaft entscheidenden Standortfaktoren: Kreativität, Zusammenarbeit, also immaterielle Faktoren in einer zunehmend immateriellen Wirtschaftswelt.

 

SZ vom 7. 7. 2003 - Dagmar Deckstein zum Büch von Händeler: „Die Geschichte der Zukunft“